lese in der NY Times einen spannenden Artikel: Blogs Wane as the Young Drift to Sites Like Twitter.
Darin wird Bezug auf eine Unterschung genommen:
While the younger generation is losing interest in blogging, people approaching middle age and older are sticking with it. Among 34-to-45-year-olds who use the Internet, the percentage who blog increased six points, to 16 percent, in 2010 from two years earlier, the Pew survey found. Blogging by 46-to-55-year-olds increased five percentage points, to 11 percent, while blogging among 65-to-73-year-olds rose two percentage points, to 8 percent.
Wie erwartet bloggen die Jugendlicher weniger. Zwischen 2006 und 2009 sei die Blog-Aktivität um die Hälfte gefallen und gen Social Networks abgewandert. 2010 sei die Blog-Aktivität der 18-33 Jährigen um 2 Prozentpunkte gefallen. Jedoch bloggen zunehmend die Älteren unter uns. So die Daten aus den USA.
Auch wird das bestätigt, was wir alle vermuten: In der Kürze liegt die Würze, hierzu seien Plattformen wie Facebook und Twitter geradezu ideal geeignet. Wozu bloggen, wenn man das viel einfacher erledigen kann, was man kurz mitteilen möchte? Blogs sind komplexer in der Handhabung und besonders schwerwiegend sei das Problem mangelnder Aufmerksamkeit (zu wenig Besucher, was nervt). Diese Aufmerksamkeitsfunktion sei wesentlich besser in Facebook und Twitter integriert. All das trägt dazu bei, dass einerseits moderne Netze an Popularität gewinnen, andererseits Blogs bei den Jüngeren ins Hintertreffen geraten.
Je älter man wird umso mehr scheint man Ausholen zu wollen und braucht einen anderen Gesprächsraum, den Blogs eher ausfüllen.
Ich für meinen Teil kann das nur bestätigen: Wer einen dauerhaften, nachhaltigen Gesprächsraum sucht, wird mit dem Bloggen glücklicher. Ich muss mich nicht an die Restriktionen von Anbietern wie Facebook oder Twitter halten. Ich kann das Blog maximal individualisieren, meinen Beiträgen eine langfristigere Sichtbarkeit geben. Bloggen ist nicht das schnelle Ding, dafür kann man Facebook oder Twitter nutzen. Auch brauche ich nicht die Kontaktfunktion zu Freunden/Verwandten, um mich über den Alltag auszutauschen. Nicht auf meinem Blog. Im Großen und Ganzen hat man mit dem Blog den zentralen Vorteil, alleiniger Gebieter seiner Inhalte und deren Darstellungsform zu sein. Und es stellt langfristig gesehen einen dauerhaften Bezugspunkt im Netz dar. Der abseits der kurz- und mittelfristigen Sammelpunkte (heute Facebook) Bestand hat und seine Wirkung damit über die Kontinuität der Präsenz entfaltet.
In der Praxis hat es gezeigt, dass das eine das andere nicht ausschließt: Jeder Blogger kann ohne Weiteres einen Teil seiner Präsenz auch auf Twitter und Facebook abbilden und mit seinem Blog verbinden. Meistens erfolgt das über eine Verlinkung der eigenen Beiträge. Aber auch mit den Einbringen der eigenen Person auf Facebook/Twitter über eigene Aktivitäten (Statusmeldungen, Foto-Uploads, Likes, Kommentierungen und Replies, etcpp). Jeder der will, kann dann aus dem Profil des Bloggers entnehmen, wie seine Blog-URL lautet. Um sich eingehender mit der Person und dessen Inhalten/Gedanken zu befassen.
Ergo? Wir müssen nicht von Bloggen vs Facebook / Twitter reden. Sowohl das eine aber auch das andere hat seine Vorteile, die sich miteinander verbinden lassen.
Fassen wir zusammen:
1. Bloggen bietet einen langfristigeren und nachhaltigeren Gesprächsraum
2. Blogs sind individuell ausgestaltbar
3. Sie unterliegen nicht den Restriktionen von Drittanbietern (solange man sie alleine hostet, WordPress.com untersagt z.B. Werbeeinblendungen)
4. Blogs entfalten eine langfristige Präsenzwirksamkeit
5. Blogs sind nebst klassischen Medien zu einem Hersteller originärer News geworden, die man gerne in Social Networks aufgreift
6. Für das schnelle und kurze Verfassen von Inhalten sind sie weniger gut geeignet
7. Sie brauchen tendentiell mehr investierte Zeit, um die gleiche Menge an Aufmerksamkeitspotential zu erreichen (gegenüber Social Networks)
Geschichtlich gesehen haben wir auch etwas gelernt: Es waren ausgerechnet Blogger, die manchmal das Fass zum Überlaufen bringen. So geschehen in Tunesien und Ägypten, auch wenn es zwei tote Blogger waren, leider. Gerade in Ländern, in denen es politisch rumort, spielen Blogger ihren Vorteil aus, Ausgangssignale zu setzen, die dann ihren Verlauf in Social Networks als Verteilerstellen nehmen. Das ist der stärkeren Präsenzfunktion eines Blogs geschuldet.
22.02.2011 um 14:30 Uhr
Zum Links teilen reicht Twitter, für ein paar wenige Worte mehr dazu Facebook, aber je nachdem wo man seinen eigenen Blog-Schwerpunkt gesetzt hat, stoßen die beiden schneller an ihre Grenzen, wenn es um längere Texte geht.
Die Statusmeldung bei FB sind auf 400 *wimre* Zeichen begrenzt, dann gibt es noch die Notizenfunktion, die zwar mehr, aber auch nicht unbegrenzt Zeichen bietet. Links kann man nur per URL unterbringen, aber mit Bildern wird es dort dann schwieriger bzw unmöglich. Für Anleitungen, Erfahrungsberichte meiner Meinung nach durchaus nicht optimal.
Grundsätzlich ist vor allem bei Facebook, obendrein eine Mitgliedschaft nötig, selbst wenn ich Mitglied bin, kann ich nicht bei jeder geteilten Notiz etwas dazu schreiben, da diese nicht von einem Freund ist und der Ersteller das Kommentieren/’Gefällt mir‘ nur von Freunden erlaubt usw.
Blogs können in den meisten Fällen von jedem gelesen und kommentiert werden, im günstigsten Fall für den Kommentierer auch ohne Angabe der Email.
22.02.2011 um 15:00 Uhr
Facebook und Twitter betrachte ich jetzt nicht unbedingt als Konkurrenz zu Blogs. Es kommt, wie Du ja auch schreibst, auf die Art und die Länge des Inhaltes an. Wie Du auch schön erläuterst kann ich meinen Blog so gestalten und führen wie ich Lust habe. Twitter und Facebook sind wirklich nur für Kurznachrichten. Ich persönlich nutze nur noch Twitter, meinen Facebook Account habe ich bereits wieder gelöscht. Aber das ist ein anderes Thema…
22.02.2011 um 15:53 Uhr
Und – so geht’s mir jedenfalls: Über einen Blogbeitrag denke ich wesentlich länger nach, beschäftige mich intensiver mit der Materie … Natürlich auch weil das „mein“ Blog, ist meine Darstellungsform, meine Inhalte, die wesentlich länger online und sichtbar sind; und weil die Gedanken & Argumente einer Diskussion innerhalb des Blogs standhalten und nicht beim ersten Kommentar auseinanderfliegen sollen. Facebook und Twitter nutze ich dagegen viel beiläufiger, mal so nebenbei, und natürlich auch, um auf die Blogbeiträge aufmerksam zu machen. Insofern: volle Zustimmung.
22.02.2011 um 16:40 Uhr
Ein gutes hatte es ja, wenn die Massen nach Twitter und Facebook übersiedeln. Denn dann gibt es endlich mal wieder genügend Raum für diejenigen welche Durchhalten mit dem Bloggen. :)
22.02.2011 um 17:02 Uhr
Großartig. Endlich mal Gedanken, die man sich gar nicht machen muß. Ich sehe mich schon mit 30 Tweets jonglieren, um einem genervten Publikum zu erklären, wie das denn jetzt war mit dem philosophischen Problem und noch bevor ich die Pointe präsentieren kann, hat es schon eine Unfollow-Lawine gesetzt. Facebook teilt mir derweil mit, daß die Statusmeldung zu lang ist und zwingt mich, über Notizen nachzudenken und darüber, ob ich nicht ’ne Werbeanzeige für 8 Euro will …
In meinem Blog bin ich der Chef, da kann ich auch mal was rumliegen lassen. Und wenn mir die Werbung auf den Nerv geht, gibt’s eben keine.
22.02.2011 um 20:06 Uhr
FB ist oft nur Small-Talk, bei Blogs werden im Besten Fall Werte geschaffen.
23.02.2011 um 10:53 Uhr
Wer wirklich selbst etwas zu sagen hat, kommt über kurz oder lang um ein Blog nicht herum. Wer aber eher Infos sammeln, verteilen und kurz kommentieren will oder die literarische Kurzform (Aphorismus etc.) mag, dem dürfte Microblogging reichen, und er kann da sehr erfolgreich werden. Natürlich kann man beide Formen des Blogging gut miteinander verbinden.
23.02.2011 um 11:48 Uhr
Vielen Dank für den Beitrag. Ich denke, dass das Bloggen überleben wird. Schließlich handelt es sich nicht nur um die 140 Zeichen bei der Kommunikation. Und von Facebook ganz zu schweigen.