Daimler AG und Blogger Relations
Nicole und ich waren zusammen auf dem Smart Workshop in Essen im Juli 2010 eingeladen. Über das Event und weitere Blogpostings von anderen geladenen Bloggern könnt Ihr Euch separat informieren. Während des Events habe ich Tobias Müller kennengelernt, dessen offizieller Titel bzw. Orgazuordnung bei der Daimler AG wie folgt lautet “Global Communications Mercedes-Benz Cars Head of Lifestyle & Brand Communications“.
Natürlich habe ich mich für die Hintergründe interessiert, warum Daimler Blogger einlädt, wie es zu der Öffnung kam, welche Ziele man damit verfolgt, was es Daimler bringt. Also habe ich Tobias via Mail einige Fragen gestellt und er kam mit der Idee, die Antworten per Video festzuhalten. Nachdem ich bereits gute Erfahrungen mit dem Format eines Videointerviews mit Matthias Kröner (Vorstand der Fidor AG) gemacht hatte, willigte ich umgehend ein.
Eine gewisse Sache, über die Ihr im Video sicherlich stolpern dürftet, verrate ich Euch vorab: Tobias spricht von “Blogs”, meint aber “Blogger”. Es sei ihm sicher nachgesehen, da es für ihn das erste Mal ist, dass er ein Videointerview für einen Blogger macht. Der Versprecher macht ihn nur sympathischer imho.
Nach der ganzen Story mit Porsche wirkt der Auftritt von Tobias erfrischend, was den offenen Umgang mit Bloggern und dem Autokonzern No. 1 angeht. Liebe VW/Porsche/Audi-Mitarbeiter, gebt gut Acht, was Euch die Nummer 1 voraus hat (noch?):
Danke für die Antworten und die Aufbereitung per Video, Tobias!!
siehe auch:
- Video-Interview mit Laura Price/Honda über Social Media Kampagnen
- Wenn Daimler webbish redet
- Porsche: Antworten des Unternehmenspressechefs zu Blogger Relations
Verlinkungsdichte deutscher Top-Blogs weiter im Sinkflug
seit Auswertung der Incoming Blog-Links der 100 deutschen Top-Blogs (Deutsche Blogcharts) ist ein absoluter Negativrekord erreicht. Die Summe der incoming links von anderen Blogs (Blog-zu-Blog Links) auf die 100 Top-Blogs beträgt in der Summe 16.677. Höchststand war grob um das Jahr 2008 (41.510 Links Stand Januar 2008) herum. Heißt? Die Blogger verlinken schon längst nicht mehr von Blog-zu-Blog. Neue Services wie Twitter und Facebook lenken die Aufmerksamkeitsströme an zentraler Stelle, Blogs haben Ihre Funktion als schnelle Informationsverteiler damit endgültig ad acta gelegt.
So schaut die Chart dazu aus (Januar des jeweiligen Jahres als Bezugspunkt, außer dem letzten Datenpunkt = August 2010)

Die einzelnen Werte:
Jan 2006 = 26.636
Jan 2007 = 36.306
Jan 2008 = 41.510
Jan 2009 = 26.662
Jan 2010 = 18.708
Aug 2010 = 16.677
Blogs bedeutungslos?
Um dieser Frage gleich vorzubeugen: Heißt das im Umkehrschluss, dass Blogs bedeutungslos sind, da sie ihre ehemalige Funktion der Informationsverteilung verloren haben? Diesen Umkehrschluss kann man so nicht ziehen, denn Blogs sind Informationsverteiler per se. Sie haben lediglich ihre Funktion als schnelles Informationsverteilungsmedium an Facebook und Twitter abgegeben. Betonung liegt auf “schnell”.
Bloggen ist heute einfacher denn je, was die reine Informationsverteilung angeht. Die Informationen werden über die neuen Informationsverteiler besser denn je ins Netz getragen.
Mein Urteil daraus?
Die Auswertung der Deutschen Blogcharts durch Jens Schröder ist völlig veraltet und wertlos geworden, ungeachtet meines Respekts vor seiner Arbeit. Die Auswertung der Links muss um incoming Links aus Twitter und Facebook erweitert werden. Das sind die beiden wichtigsten, zentralen Knotenpunkte im deutschen Informationsnetz geworden, was die Informationsverteilung auf User-Ebene angeht. Weitere Interpretationen aus meiner letzten Betrachtung (inkl. der User-Kommentare) sind nicht mehr nötig.
Updates
Thilo Specht verweist an dieser Stelle auf BackType. Dieser Service erlaubt bereits eine Auswertung der Twitter-Mentions bezogen auf eine Blog-Adresse, Beispiel. So spuckt BackType knapp 1.400 Tweets seit Mai 2010 aus, die auf mein Blog verweisen. Würde man lediglich die Blog-zu-Blog Links des letzten halben Jahres betrachten, kommt man auf knapp +100 unique Verweise. Ganz schöner Unterschied, der das Problem der Deutschen Blogcharts deutlich aufzeigt.
Moderne Auswertungen – Beispiele
Anbei ein Screenie aus Backtype, das eine Momentaufnahme dieses Artikels zeigt: X Kommentare, Y Tweets, Z Facebook Shares+Likes

Ein weiteres Beispiel, das die Schwäche reiner Blog-Link Auswertungen aufzeigt, dann bin ich auch roger mit der “Beweisführung”. Habe vor einigen Tagen geschrieben, warum mir das Social Media Gelaber auf den Sack geht. Dieser Artikel hat laut Backtype:
- 72 Tweets (mentions)
- 49 User-Kommentare auf dem Blog
- 42 Reaktionen auf FB (Shares + Likes + Comments)
- 1 Trackback von einem anderen Blog
=
Nur dieser 1 Trackback wäre in den Deutschen Blogcharts erfasst worden, der Rest bliebe außen vor. Gulp…
Auswertungen von Blog-zu-Blog Links sind old school
Wie gesagt, Blogs leben schon längst nicht mehr nur von blog-zu-blog Links, Auswertungen auf dieser Basis sind völlig veraltet, was die gesamte Sphäre eines Blogs angeht, schon gar nicht eine “Chart” so zu nennen ist.
Weitere Artikel zum Verständnis der Blogs, die sich in einem weitaus vernetzteren Umfeld bewegen denn vor 3 Jahren:
- Alles fließt, Inhalteverteilung im deutschen Netz
- Wie funktioniert modernes Blog-Networking
- Wie kann man sein Blog “quantifizieren”?
- Informationsflüsse: 2000 versus 2010
Update 2
1. Habe Jens / DBC per angefragt, ob er die Chartmethodik anpassen wird. Mal schauen, ob und was er sagt = siehe Punkt 3.
2. Siehe Artikel von PixlPop: Blogs, Links, Charts und die sozialen Netzwerke
3. Kommentar von Jens Schröder: Er wird das Deutsche Blogcharts-System erweitern
wie das MyDealz-Blog den Dell Onlineshop in die Knie gezwungen hat und warum es das mit Abstand meistbesuchte Blog Deutschlands ist
Fabian Spielberger betreibt mit MyDealz seit mehreren Jahren das meines Wissens nach mit Abstand meistbesuchte Blog in Deutschland (laut Blogoscoop 7 Mio Seitenaufrufe in den letzten 30 Tagen). Unermüdlich schreibt er über Discount-Angebote aller Arten.
Interessanterweise pickt sich die Presse regelmäßig andere Vorzeigeblogger heraus. Mich wundert das, denn es ist nicht einfach nur ein Blog, das extrem gut besucht wird. Das Ding rennt auch und wegen der vielen Leser, die sich einbringen. Und es rennt vor allen Dingen, weil Fabian unermüdlich seit Jahr und Tag viele Stunden in sein Blog an Schweiß, Zeit und Mühen investiert hat, ohne auch nur einen längeren Urlaub genommen zu haben. Gut, Fabian ist dabei mit Sicherheit nicht arm geworden, aber ich habe darauf verzichtet, ihn danach explizit zu fragen. Nur soviel: Bloggen lohnt sich, wenn man fleißig ist, einen langen Atem hat und kein Thema hat, dass nur wenige Leser von vornherein erreicht. Zeit also, Fabians Leistung zu würdigen und ihn über ein Interview vorzustellen. Er selbst bezeichnet sich als “Vollblut-Nerd, Videospiel-Junkie und Movie-Buff”.
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1. Fabian, stelle Dich bitte kurz den Lesern vor:
Hi Robert, hi Roberts Leser,
ich bin Fabian Spielberger, 27 Jahre, habe blaue Augen und bin … Spaß bei Seite. Ich bin in Berlin aufgewachsen, habe mich für mein Nanostrukturtechnik Studium für 5 ½ Jahre nach Würzburg verkrümelt und habe währenddessen auch bereits myDealZ gestartet.
Ich bin aber nach meinem Abschluss direkt wieder in die Heimatstadt zurückgezogen. Seitdem ich 13 bin, bin ich täglich im Internet. Je günstiger es wurde, desto mehr Zeit habe ich in den virtuellen Gefilden verbracht. Durch myDealZ bin ich letztendlich auch nicht nur konsumierend, sondern auch wieder schaffend „aufs Internet gekommen“. Ich nutzte vor einigen Jahren die Möglichkeit, ins kalte Wasser zu springen und mich selbständig zu machen. Ich bin Vollblut-Nerd, Videospiel-Junkie und Movie-Buff. Ich liebe einfach alles, was auch nur im weitesten Sinne etwas mit Elektronik zu tun hat.
2. Wie kam es dazu, dass Du mit MyDealz angefangen hast und warum?
Um meine Elektroniksucht zu finanzieren, war ich schon immer auf der Jagd nach Schnäppchen. So kam es, dass ich versucht hatte, neue Gadgets in der Regel günstig zu kaufen und kurze Zeit später möglichst ohne Verlust wieder an den Mann zu bringen, um wieder was Neues ins Haus zu schaffen.
Vor 3 ½ Jahren dachte ich mir, dass ich die guten Schnäppchen und vor allem aufwendigen Schnäppchen (Handyverträge, Girokonten, etc.) doch einfach für meine Freunde in Blog-Form festhalte, damit ich es nicht immer wieder aufs Neue erklären muss. Anfangs habe ich es vielleicht 3 Freunden erzählt und nach nur wenigen Wochen waren es schon mehrere hundert User pro Tag (zu der Zeit war das durchaus noch als Erfolg anzusehen).
Mit wachsenden User-Zahlen macht das ganze natürlich immer mehr Spaß, denn so werden nicht nur die Diskussionen immer umfangreicher und interessanter, sondern es werden auch mehr Tipps eingesendet. Die Kommentare sind mindestens genauso wichtig wie der Artikel selber, denn gemeinsam findet man weitere Tricks, Fehler und kann so das Maximum rausholen.
Nach etwa einem Jahr habe ich gemerkt, dass myDealZ ein Monster wird und ich genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Und wenn man dann
- die Server von Dell durch einen Super-Deal in die Knie zwingt, es innerhalb von 15 Minuten 500 Kommentare auf einen Artikel einregnet
- einem die Support-Mitarbeiter von verschiedenen Hostern erzählen wollen, dass es sich nicht um normale Zugriffe handeln kann, sondern um einen DDOS-Angriff handeln muss, es aber ungewöhnlich ist, dass alle Angriffe von normalen deutschen ISPs kommen
- einem Schadensersatzklagen von großen Handelsunternehmen ins Haus flattern oder
- man von der Freundin eines Lesers eine Email bekommt, dass sie vermutet, dass er myDealZ mehr liebt als sie und ich ihr/ihm das größte Geschenk machen könnte, wenn ich sein Foto auf die Homepage stellen würde,
dann freu ich mich, alles so gemacht zu haben, wie ich es gemacht habe. Genug abgeschweift und zur nächsten Frage ?
3. Hättest Du gedacht, dass es so ein Erfolgschlager wird und weißt Du überhaupt, warum es so dermaßen abgegangen ist?
Nein und nein. Es war auch nie so gedacht, auch wenn ich mich natürlich riesig freue, dass die Idee auf so großen Anklang stößt. First-Mover, die richtige „Art und Weise“ und der richtige Zeitpunkt waren aber wohl die ausschlaggebenden Faktoren.
4. Hat schon ein Handels- oder Verlagsunternehmen probiert, Dir das Blog abzukaufen?
Jein. Es gab schon mehrmals Interesse von verschiedenen Unternehmen. Gerade in der Anfangszeit war das für mich natürlich etwas ganz besonderes, aber glücklicherweise war ich nicht naiv genug, um mich von VCs/Unternehmen verarschen zu lassen und habe die Angebote ausgeschlagen. Wenn man so sieht, wie es in anderen funded companies läuft, kann man wohl auch als Atheist sagen „GOTT SEI DANK!“.
5. Du hast immens viele Kommentare, kommst Du noch hinterher oder arbeiten mehrere Leute für Dich mittlerweile, um Dir die Arbeitslast abzunehmen?
Auch wenn das häufig vermutet wird, lese ich noch jede Email (~500-1000 pro Tag) und versuche auch jeden einzelnen Kommentar (~600-800 pro Tag – Tendenz stark steigend) zu lesen.
Oft wird auch in den Kommentaren über mein Schlafverhalten gescherzt, aber glücklicherweise komme ich noch mit wenig Schlaf recht gut zu Rande.
Dank UMTS kann man inzwischen ja auch jede freie Minuten zum Surfen nutzen und das tue ich auch. 7 Tage die Woche, 13-15 Stunden pro Tag. Urlaub habe ich – seitdem ich myDealZ gestartet habe – nicht mehr gemacht und war zwischendurch vielleicht vier oder fünf Wochenenden auf kleineren Kurzreisen, aber natürlich immer vernetzt ;) Teilweise wird einem es schon zuviel, vor allem wenn gerade Schulferien sind und die Flamer Überhand nehmen, aber da muss man nun mal durch.
6. Wie wird es weitergehen mit MyDealz, wirst Du noch in 10 Jahren über günstige Molbilfunktarife, Gutscheinaktionen und Restposten schreiben?
Schwer zu sagen. Wenn meine User mit mir wachsen, ja. Natürlich habe ich ein wenig Angst, dass ich irgendwann an der Zielgruppe (der durchschnittl. myDealZ User ist 26 Jahre, männlich und arbeitet Vollzeit) vorbeischieße, aber ich versuche, mich mental jung zu halten.
Ich habe mir neben myDealZ inzwischen auch noch einige andere Standbeine aufgebaut und in wenigen Tagen geht mit qipu (@robert falls Du es Dir angucken willst www.qipu.de – Einladungscode: willkommenbeiqipu) auch die nächste richtig fette Rakete an den Start. Allerdings versuche ich dort nicht zu sehr operativ einzusteigen, um weiterhin Leib und Seele in myDealZ stecken.
7. Möchtest Du den anderen Discount-Bloggern etwas mit auf den Weg geben?
Auch wenns schwer fällt: Always innovate, never imitate ;)
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Fabian, ich danke Dir für das Gespräch !!!
Weitere Infos zum MyDealz-Blog ergeben sich aus dem Interview auf Deutsche Startups. Ihr seht im Video Peter Posztos (Guut.de Gründer), der zusammen mit Fabian “6Minutes” gegründet hat, das u.a. MyDealz professionell vermarktet (Peter ist mittlerweile nicht mehr mit an Bord). Peter und Fabian habe ich vor zwei Jahren getroffen und festgestellt, dass beide durchweg sympathische Typen sind und es war mir eine Freude, sich mit denen zu unterhalten.
wie kann man sein Blog “quantifizieren”?
Blogs sind Gespräche, Menschen, yes, yeah und yep. Dennoch kann man sich fragen lassen, wie man sein eigenes Blog “messen” kann. Zahlen sind frei interpretierbar, das ist ihr Vor- und Nachteil. Wer demnach als Blogger zum Beispiel einem Werbemenschen gegenüber sein Blog schönpolieren möchte, kann auf folgende “Argumente” zurückgreifen, um demjenigen gegenüber Anhaltspunkte zu liefern, wie das Blog einzuordnen wäre:
- mein Blog hat W Minuten Aufenthaltsdauer im Schnitt, X Leser, Y Seitenaufrufe, Z wiederkehrende Besucher
- der Traffic hat sich so und so super duper entwickelt
- ich habe X Postings und Y Kommentare seit Z Jahren
- Auf Friendfeed folgen mir X Abonnenten (Beispiel)
- Auf Facebook habe ich X Kontakte, Y Pages/Groups und Z Likers dazu
- auf Twitter habe ich X Follower
- auf Xing habe ich X Kontakte, auf LinkedIn Y Kontakte
- 1.000 RSS Leser = nutze Feedburner oder andere Blog-Plugins
- laut Wikio ist mein Blog in den Top X in der Kategorie Y (Beispiel 1 und Beispiel 2)
- Ich erreiche damit die Summe aus Lesern + RSS + Social Networking Kontakten
- meine Blog-Postings kommen laut Postrank super an (Beispiel)
- laut Twingly habe ich einen TopRank von X (Beispiel)
- in den Deutschen Blogcharts bin ich an Position Y, seit X Wochen vertreten (Beispiel)
- in Rivva bin ich als Leitmedium auf Position X vor Zeitung Y gelistet (Beispiel)
- laut Blogoscoop bin ich in den Top X aller Blogs (Beispiel)
- ich habe schon X Werbebanner für Y Kunden eingeblendet, Zufriedenheit war Z
- mein Blog taucht in der Wikipedia zu folgenden Themen X, Y, Z auf
- folgende Presseorgane haben mich da und dort zitiert/interviewt
Ich denke, das reicht soweit zum Eintauchen in die Materie “wie quantifiziere und schönpoliere ich mein Blog”.
Facebook: “Neue Blogger / Blogs vorgestellt” – ein Fazit
am 24. Juni habe ich eine Facebook-Seite erstellt, damit sich neue Blogger bzw. neue Blogs vorstellen können. Siehe hierzu das Start-Resümee und den Ursprungsartikel.
Was hat sich seitdem getan? In Zahlen? Zu Beginn habe ich mich stark mit Kommentaren, Likes und externen Hinweisen eingebracht. Seit rund 4 Wochen habe ich die FB Page bewusst schleifen lassen, um zu beobachten was dann passiert. Daher gibt es einen Unterschied zwischen der Phase 1 – die rund eine Woche andauerte und den recht aktiven Beginn darstellt – und der Phase 2 – die durch eine sinkende Aktivität gekennzeichnet ist -.
- Insgesamt sind 174 User der Seite beigetreten
- davon sind 62 aus meinem FB-Kontaktkreis
- es wurden knapp unter 60 neue Blogs vorgestellt
- nahezu alle stellen ein Blog aber nicht sich als Blogger vor
- es wird so gut wie nicht mehr kommentiert
- es gab bis dato 172 Likes
- Likes zu Neuvorstellungen werden kaum noch vergeben
- die Aktivität steigt spürbar an, wenn ich mich einbringe/kommentiere
Die banal erscheinende Erkenntnis: Wenn sich der Gründer einer Page nicht einbringt, geht die Aktivität gen Null. Speziell bei einem Ego-Thema, sich und sein Blog vorzustellen, das natürlich primär den Ersteller selbst interessiert, das Prinzip des Gebens und Nehmens demnach unausgewogen bleibt, solange man nicht weiter daran dreht, um dauerhaftes Interesse zu erzeugen.
So banal ist das jedoch nicht, denn die Aktivitäten auf der FB Page werden schließlich in der Timeline des Users verzeichnet. Damit auch in der News-Timeline für Dritte. Heißt, es wird bei einer kommentierenden, auf der Wall publizierenden und “likenden” Aktivität für die Page im Vorbeigehen getrommelt. Beispiel aus der anonymisierten Tmeline eines Users:

Das Trommelfeuer ist natürlich bei diesem Thema viel zu leise, um von einem sich selbst ausbereitenden System sprechen zu können. Anbei einige Charts (click them), die den Unterschied zwischen Phase 1 und Phase 2 aufzeigen



So bieten sich unterschiedliche Maßnahmen an, den Zugangsstrom an “Likern” zu stabilisieren aber auch die Aktivität auf der Seite zu erhalten. Das bedingt natürlich Aktivitäten durch den Gründer:
- zusammenfassende Wall-Postings mit Name-Dropping via @-Funktion (-> Hinweis an FB User)
- Votings für das “Best Monthly Blog”
- bloggende, twitternde, facbeookende Hinweise
- getaggte Bildergallerien
- kleine, leichte Diskussionen im discussion board zwecks Austausch Experience und Personas
- best of postings neuer Blogs auf Wall posten (Pictures nutzen)
- Neugier-Faktor wecken via Trafficdaten-Wallpostings (wer eben mag…)
- Nutzwert für sich vorstellenden Blogger werblicher on-page hervorheben
- Nutzwert für konsumierenden User werblicher on-page hervorheben
- sich vorstellende Blogger darum bitten, ein Posting im Blog zu erstellen
- künstliche Verknappung schaffen, zB x neue Blogs pro Woche, y neue User pro Monat
- usw usf etcpp
Alles kein Hexenwerk. Ich schätze, dass diese Aktivitäten bei einer ordentlichen Arbeitsstruktur (Quellen, etc) gerade einmal 15-30 Minuten am Tag benötigen. Dies kann man beliebig weiter verfeinern und ausrichten, je nachdem, was man möchte. Mehr User, mehr Aktivität, mehr Trommelfeuer durch User.. in Abhängigkeit davon unterscheiden sich die Schwerpunkte der Maßnahmen, on-page und off-page. Wenn man sich ein konkretes Ziel setzt. Das wäre hierbei beispielweise “ich möchte auf Facebook die wichtigste Anlaufstelle für neue Blogger/Blogs schaffen, die spürbar hilft, das Blog bzw. den Blogger besser zu vernetzen bzw. bekannt zu machen“. Nur dann kann man natürlich die Maßnahmen ausrichten statt orientierungslos irgendwas aus dem Bauch heraus zu machen.
Bloggen mit Köpfchen und Plan: Das Bewerberblog
Ich gebe zu, ich reite gerne auf dem Thema herum, dass Bloggen planbar ist und eine gewisse Strukturen erkennbar sind, die wiederholbar für Dritte sind.
Grau ist alle Theorie, lieber zeigen wir das an einem Beispiel. Ich hatte hierzu vor einiger Zeit anlässlich eines Vortrags bei der IHK Hanau zum Thema Unternehmens-Blogs im Bereich Mittelstand die Firma TowerConsult um Informationen gebeten. Sie setzen ihr Bewerber-Blog sehr erfolgreich ein. So erfolgreich, dass es mittlerweile die Hauptstütze ihrer PR/Marketing-Aktivitäten darstellt.
Wie ich auf diese Firma kam? Mir fiel während des Barcamps in Leipzig anno 2008 TowerConsult auf. Zwei Mitarbeiterinnen und eine Praktikantin – Nadia Kittel, Jeanette-Freya Enders und Isa Schmiedgen – hatten ihr Blog-Projekt in einer Sessions vorgestellt. Die gute und strukturierte Planung war augenscheinlich, mit der sie ihr Blog-Vorhaben in die Tat umgesetzt hatten (Blog-Start: 09/2007). Eben nicht drauf los, auch nicht zu tief geplant, kein strategischer Overload, sondern die richtige Mixtur aus Grob- und Feinplanung. Obgleich man keine Blog-Erfahrungen zuvor gesammelt hatte. Das Ergebnis der Vorbereitungen war ein fast 30 Seiten langer Business-Plan. Es handelte sich um eine handhabbare, grundsolide Arbeit im Vorfeld, einfache und klare Kontrollstrukturen, die ersten Blog-Erfahrungen zu erkennen und weiter zu justieren. Für mich war schon damals absehbar, dass man damit Erfolg haben müsste, wenn nix großartig dazwischen kommen würde. Oder sagen wir es auf den Punkt gebracht: Die Köpfe dahinter waren smart und Garant für den Erfolg. Es kommt eben immer auf die Menschen hinter einem Projekt an, selbst der beste Plan nutzt letztlich nichts, wenn man nicht die passenden MitarbeiterInnen hat. Hier hatte man beides: Fähige Köpfe im planerischen Vorfeld aber auch während der Umsetzung in die Praxis.
Zwei Jahre sind seitdem ins Land vergangen und im März 2010 war es an der Zeit, das Projekt anlässlich einer Blog-Präsentation für die IHK Hanau näher unter die Lupe zu nehmen. Zunächst einmal die Präsie von TowerConsult damals zum Barcamp Leipzig:
Und meine Präsie von März 2010 über das Bewerberblog:
Blog-Netwörking
ein aktuelles Beispiel für Blogger, die eventuell nur ihr Blog im Zentrum sehen, dabei aber die Möglichkeiten vergessen, die sich außerhalb des Blogs ergeben.
Die Aufzählung
0. Über Google Buzz (privater Eintrag) entdecke ich das Blog-Posting von Stylespion zum Thema RSS
1. Habe mir Gedanken über RSS gemacht, einen Blog-Beitrag geschrieben
2. Es gehen mehrere Kommentare und Kommentarhinweise ein, auf einige davon verweise im Rahmen eines Artikel-Updates. Neue und ergänzende Sichtweisen! Wichtig!!!
3. Admartinator verweist auf sein Blog-Posting, das er im Dezember 09 zu diesem Thema erstellt hatte
4. In der Zwischenzeit habe ich über Twitter und Google Buzz darauf verwiesen.
5. Es kommen 6 (Kommentar-)Reaktionen über Twitter rein: Perun, Thomas, Martin, Max, Michael und Alexander. Ebenfalls neue und ergänzende Sichtweisen, aber auch einfache Linkverweise!
6. Über Google Buzz bekomme ich 2 Likes und 2 Kommentare, hierbei frage ich Siegfried Hirsch nach, ob ich seinen Kommentar zitieren darf, da er auf den eigentlichen Nutzwert von RSS wie Oliver Gassner hinweist, wichtige Zusatzinfos für meine Leser. Zudem bekomme ich einen Linktipp von ihm, die Kommentare über Google Buzz via WordPress-Plugin im Blog anzeigen zu können
7. Oliver Gassner nimmt seinen Blog-Kommentar zum Anlass und verfasst ein eigenes Blog-Posting, verweist über Google Buzz auf sein Posting
8. Frank Rösch verfasst ein eigenes Blog-Posting und twittert darüber
9. Marc Gregel und Alexander Neng haben via Google Buzz auf mein Blog-Posting hingewiesen
10. Mein Blog-Posting würde 2x über Facebook geshared, kann aber nicht sehen, von wem und wo
Zusammengefasstes Netzwerk-Bild im Moment
5 Blogs involviert
8 Tweets
5 GBuzzes
2 Facebook-Shares
mehrere Kommentare innerhalb von GBuzz und den Blogs
=
rund 20 Netzwerkverweise zum Thema “RSS und dessen Handhabung” innerhalb von 60-120 Minuten
Ich hoffe, dass ich damit recht plastisch moderne Netzwerkeffekte aufzeigen konnte, die eben nicht nur von Blogs ausgehen. Für Profis sicherlich keine neue Erkenntnis, für Anfänger womöglich ein Hilfehinweis? Ich brauche sicherlich nicht zu erzählen, was man nun damit weiter anfangen kann. Nur angedeutet: Den bestehenden Artikel weiter updaten, das Netzwerkgespräch aufzeigen oder aber ein neues Posting mit den gesammelten Infos und Eindrücken zusammenstellen, die ausgehend vom eigenen Posting den Gedanken erheblich erweitern. Natürlich könnte man zusätzlich weitere Netze hinzuziehen, so z.B. einen Eintrag auf Facebook tätigen, eine Google Wave starten, dazu bestimmte User explizit einladen, womöglich eine Facebook Gruppe eröffnen, um kurzzeitig alle wichtigen Infos einzusammeln, Friendfeed Eintrag tätigen. Die Möglichkeiten sind schier unglaublich. Sie erweitern das Blog ungemein. Und man benötigt ein Verständnis für all diese Plattformen und Möglichkeiten, auch und insbesondere, wenn man den Lesern einen zusammenfassenden Überblick nach der verteilten (!!!!) Abarbeitung des Themas und damit auch Mehrwerte bieten möchte.
Admartinator: Eindrucksvoll. Also jetzt nicht unbedingt die Quantität, sondern die Schnelligkeit. In der Prä-Twitter-Zeit hätte das gut und gerne ein paar Tage gedauert, bis man diese Reichweite aufgebaut hätte.
Exakt und fullack. Das exakt stellt den Unterschied zur Blog-Zeit vor all den o.g. Netzwerksystemen dar. Es ist für mich und sicherlich auch viele andere ein großer Unterschied und unterscheidet das Bloggen anno dazumal zu heute ungemein!
Was sich aber auch in dieser zunehmend verteilten Welt für den Blog-Publisher zeigt: Das Einsammeln und Sichten der Netzwerkhinweise frisst Zeit, so muss man mehr und mehr geeignete Strukturen finden, zeitsparend vorzugehen. Das können Plugins für das Blog sein, die Verweise von anderen Quellen zusammenziehen. Im Großen und Ganzen kenne ich jedoch kein Tool, dass mir alle Reaktionen auf Facebook, Twitter und Google Buzz aufzeigt, oder? Das Thema verfolge ich nun auf Google Buzz weiter, als Seitenarm, wie man zeitsparend vorgehen kann.
Google Buzz, das neue “RSS-System”
Stylespion schreibt, wie er 30 Tage ohne Blog-Leserei ausgehalten hat und dabei feststellen musste, dass die größten Zeitfresser Vielblogger sind. Ergo hat er die Zahl der Vielblogger-RSS-Abos eingedampft. Dabei muss man Blogs nicht mehr über RSS lesen. Man kann sich auf sein Netzwerk stützen und warten, bis einem interessante Blog-Postings empfohlen werden, eine weitaus bessere Methode meiner Meinung nach.
Meine RSS-Abos ruhen
Über die letzten Monate hinweg habe ich mehr oder minder aufgehört, Blog-Artikel über meine RSS-Abos zu scannen. Mittlerweile haben sich in Bloglines über 6.000 ungelesene Artikel angehäuft, im GReader eine weit höhere Menge. Eigentlich wären es mehr Ungelesene in Bloglines, ich melde mich unregelmäßig an und setze alles auf “Gelesen”.
Mein Netzwerk ist mein neues RSS
Stattdessen? Ich verlasse mich auf mein Netzwerk in Google Buzz (278 Followings), Twitter (337 Followings) und Facebook (1.400 Kontakte). Sobald jemand auf eine externe Quelle verweist und ich in dem Moment auf eines der drei Netzwerke gehe, werde ich den Hinweis entdecken. Wenn es sich interessant anhört, werde ich das (Blog-)Posting lesen. Ich schaue mir hierbei lediglich das an, was mir GBuzz, Twitter und Facebook aktuell anzeigen und verzichte auf das Aufrufen älterer Beiträge. Ja klar, ich stoße damit regelmäßig auf eine neue Menge an Blogs und weiteren Websites, statt mich auf meine starre RSS-Aboliste zu verlassen. Wer dennoch unbedingt seine wichtigsten Blogs lesen will, kann es ja kombinieren: Ein Teil via RSS wie gehabt, den Rest der RSS Abos rausschmeißen und sich von Netzwerkhinweisen treiben lassen. Spart Zeit, macht Laune und erhöht ungemein das Signal-to-Noise Ratio.
Google Buzz schneidet am besten ab
Am geeignetsten erscheint mir hierbei Google Buzz
1. GBuzz User kommentieren die Quellen = Nicht nur der Buzz-Eröffner, sondern auch die anschließenden Kommentare sind ein Indikator für einen lesenswerten Artikel
2. Aufgrund des Sharing-Systems zwischen Google Reader und Google Buzz erscheint der komplette Originalartikel direkt vor meiner Nase, ich muss in vielen Fällen nicht die Quelle besuchen (klar, das dürfte den Artikellieferanten zu denken geben…)
Twitter und Facebook sind ganz ok
Twitter und Facebook fallen dagegen etwas ab, wobei auf Twitter naturgemäß extrem viele Linkverweise gepostet werden, nicht selten auf eigene Blog-Postings. Auf Facebook ist am wenigsten herauszuholen, viele bechäftigen sich auf Facebook miteinander, weniger mit externen Blogquellen, klar.
Andere ändern ihr RSS-Nutzungsverhalten ebenso
+ Admartinator hatte sich ebenfalls ähnliche Gedanken gemacht: Feeds Are Dead!
+ Nodch stellt einen ähnlichen Zusammenhang wie Admartinator her
+ Siehe weitere Kommentare dazu, insb. die von Martin Koser und Oliver Gassner (s.a. eigenes Posting), wie man RSS nutzen kann, statt es als “abzuarbeitendes Lesefutter” zu betrachten
Alles fließt und was RSS wirklich bedeutet
Siegfried Hirsch dazu auf GBuzz:
Ich mische im Augenblick noch. Allerdings stelle ich auch fest, dass viele meiner Followings auf Buzz noch in der Nacht viele Artikel über GReader posten, so dass ich dort recht schnell einen Überblick habe. Facebook nutze ich nur noch sehr widerwillig und Twitter wird manchmal aktiviert aber immer seltener. Der Vorteil der Diskussionen und Kommentare auf Buzz haben inhaltlich einfach mehr Gehalt und damit die größeren Nutzen für mich.
Witzigerweise wandelt sich RSS bzw. ATOM damit immer mehr zum Protokol das implizit genutzt wird und nicht mehr wie “früher” als direkte Quelle. Denn ohen die Feeds würden Facebook und GBuzz ja nicht wirklich so funktionieren. Aber das war schon seit 2-3 Jahren absehbar und zeigt sich nun tatsächlich als wahrer Nutzen von RSS.
die Bedeutung der Deutschen Blogcharts
nach einer ewig langen Zeit habe ich mir die Deutschen Blogcharts angeschaut und mit Erstaunen festgestellt, dass sich mein Blog darin wiederfindet. Ok, schwächen wir es ab, es ist nicht mehr allzu schwer, in diese ominöse Chart hineinzukommen, da man heute nur noch 86 Links von anderen Blogs im Zeitraum eines halben Jahres benötigt. Das war “früher” um einiges höher und ist heute lediglich ein Ergebnis der zunehmend verteilten, persönlichen Präsenzwelten von Individuen (die eben nicht mehr nur auf Blogs zurückgreifen müssen, um sich im Netz individuell breitzumachen).
Mit den “Deutschen Blogcharts” hat es eine kleine Vorgeschichte auf sich. Damals (ich werde wie Opa, immer rede ich von früher :) trieb ich mich als Blog-Autor auf dem MEX-Blog herum und kam auf die Idee, die eingehenden Links deutscher Blogs über Technorati abzufragen und eine Übersicht zu veröffentlichen, welche Blogs in der deutschen Blogosphäre häufiger zitiert/genannt werden. Das muss so im Jahr 2004 gewesen sein. Kann auch 2003 sein. Bin mir da nicht mehr sicher. Ich nannte es einfach nur “Blogparade”. Als ich vom MEX Blog aufs Basic Thinking Blog umsattelte, führte ich die Blogparade fort, hier seht Ihr ein Beispiel aus 11/2005 (es muss sogar meine letztmalige Blogparade gewesen sein).
Anyway, irgendwann sprach mich Jens Schröder an, ob ich was dagegen hätte, dass er diese Chart von nun an unter seiner Regie erstellt. Natürlich hatte ich nix dagegen, war es doch eine Scheißarbeit, diese Charts zu erstellen und ich war happy, dass jemand anders die naheliegende Idee aufgegriffen hatte. Jens hatte laut vorliegenden Chart-Archiven die erste Chart am 04.01.2006 zusammengestellt. Er beschreibt seinerseits, wie es damals aus seiner Sicht dazu kam.
Langsam btw, es geht nicht um “meine Idee, deine Idee, unser Bac”. Ich erzähle Euch einfach nur die Story, wie ich sie in Erinnerung habe und wie es aus verschiedenen Ecken und Enden zu den “Deutschen Bloghcharts” kam. Denn sie birgt eine interessante Wendung. Hätte ich damals gewusst, welche Bedeutung diese popelige, letztlich einfach nur auf simpelsten Statistiken beruhende Chart erlangen würde, hätte ich die Finger davon gelassen und womöglich wäre es nie zu dieser Chart gekommen (na ja, wie gesagt… simple Idee). Es hatte sich im Laufe der Zeit zu einem Segen und Fluch zugleich entwickelt, für mich.
Ab 2004/2005 nahm die Presse aber auch die Wirtschaft die Blog-Entwicklung in Deutschland immer stärker wahr. Klar, dass die Deutschen Blogcharts hier nur recht und billig waren. Sie boten ein einfaches und verständliches Erklärbär-Modell an, welches “Blog wichtig” war. An wen man sich zu wenden hatte, um die besten Pferde im Stall den Zeitungslesern vorzuführen, aber auch um der Wirtschaft die neuen Verbreiter ihrer Heilsbotschaften angedeihen zu lassen (und Blogger wurden wahrlich bis in die 2007/08er als die digitale PR-Kraft neben der Presse diskutiert). Für mich boten diese Übersichten eine prima Anlaufstelle für Newbie-Blogger und Leser an, um in die deutsche Blogosphäre einzutauchen. Mehr war es nicht für mich. War. Zunächst.
In der Ausgabe 46/2007 (14.11.07) erklomm ich dann die Chart-Spitze, ein natürlicher Vorgang (hold on… erklären lassen, hat nix mit Arroganz zu tun), da ich seit jeher tierisch viel nach außen auf die Blogs verlinkt hatte, Blog-Themen immer wieder aufgriff und das Blog Basic Thinking damit mehr oder minder automatisch zu einem sogenannten “Hub-Blog” wurde.
Schon vorher aber auch nachher standen die Blogcharts wie gesagt unter der Beobachtung der Presse, PR und Wirtschaft allgemein, aber auch der Blogger. Die Charts wurden damit zu einer self fulfiling prohecy und mein Blog wurde damit außerhalb der Blogosphäre regelmäßig genannt. Die Deutschen sind wahrlich No.1-geil, hier war es natürlich nicht anders. Der Segen war, dass ich um Werbebanner und Aufträge nicht betteln musste, ich konnte mich bequem zurücklehnen. Der Fluch war, dass man einer “No.1″ wundersame Dinge vorauswünscht, was es alles darstellen und stellvertretend für andere Blogs repräsentieren muss. Eine wunderbare Krux, denn einerseits ließ es mich meine Brötchen bequem verdienen, andererseits war mir dieses Getue ob des angedichteten Stati befremdlich. Kann sein, dass andere nicht so Sensibelchen sind wie ich, aber mir ist es eben unangenehm, wenn ich als No.1 Blogger dargestellt wurde, was gleichzeitig hieß, dass die anderen kein No.1-Blog haben? Das Dümmste an den Charts hing mit den Bloggern selbst zusammen. Ich hatte mit der Zeit den zunehmenden Eindruck, dass sich immer mehr Blogger an einer Platzierung in den Charts aufgeilten. Es wurde zu sowas wie einem “Orden”, einer “neutralen” Bestätigung, dass man ein tolles Blog hat. Aufgrund des Messmetrik ein irriger Gedanke, der sich verselbständigte und zum geflügelten “Alpha-Blogger” Begriff führte. Das gegenseitige Vermessen der Schwanzlänge hatte sich irgendwann verselbständigt und wurde mehr als es eigentlich wirklich war. Das ist heute aus meiner Sicht old story, die Blogger achten bei Weitem nicht mehr so sehr auf die Blogcharts und machen ein Palaver drum.
Ok, genug Ego-Palaver. Was lernen andere Blogger daraus? Meine persönliche Story soll ja nicht nur die Geschichte der Deutschen Blogcharts aus erster Hand erzählen. Sie soll verdeutlichen, dass auch heute noch diese Chart Wirkung entfaltet. Immer noch nutzen PR/Werbeagenturen aber auch die Presse diese Chart. Obgleich im Zuge des Aufkommens der Social Networks inkl. Twitter die alleinige, “user generated voice”-Vorherrschaft und damit die Volksnähe nicht mehr alleine durch die Blogger-Hände geht, wenn Unternehmen wirtschaftliche Ziele verfolgen und nach Anlaufstellen in der Digitalen suchen. Presse und wirtschaftlich getriebene Wahrnehmungsinteressen seitens der Unternehmen gehen immer noch einher. Wer in der Presse als Blogger genannt wird, muss irgendwie wichtig sein. Damit rückt das Blog in den werbetreibenden Fokus. Ausgangspunkt ist immer noch “Deutsche Blogcharts”. Natürlich nicht der einzige Ausgangspunkt.
Spielen die Deutschen Blogcharts die gleiche Rolle wie “damals”? Nein, die Bedeutung der Charts ist schwächer, um wie viel, kann ich nicht sagen. Das geht klar mit dem Thema “Blog-Hype” einher, der abgekühlt ist. Der heutige Fokus der Presse und Unternehmen hat sich stark in Richtung Social Networks verschoben. Was im Umkehrschluss nicht heißt, dass Blogs für die Presse und Wirtschaft egal sind. Im Gegenteil. Als Blogger hast Du es heute viel leichter als – Achtung – “früher”. Um was zu tun? Um mit Pressestellen, Unternehmen, Institutionen jeglicher Art Kontakt aufzunehmen. Das Thema “Blog” ist kein Fremdwort mehr. Es hat sich etabliert und wird lediglich unaufgeregter gehandhabt. So hat die Autoindustrie ihre Ägide an Autoblogs längst auf gleiche Ebene wie Presseleute gestellt, man lädt ein, man informiert, man nutzt Autoblogs. Klar wäre es für ein Blog leichter, wenn es in den deutschen Blogcharts steht, um Kontakte aufzunehmen, Werbetreibende anzulocken, aber es macht nicht mehr so viel aus, ganz da oben zu stehen.
Ach ja, Mitte Juli bin ich in Berlin und halte einen Vortrag zum Thema “wie man Blogger kontaktiert”. Wie Ihr seht, das Thema ist bis heute Wirtschaft noch nicht durchdekliniert :) Dazu wird es auch gehören, auf die Blogcharts zu verweisen, als eines der Suchinstrumente, um Blogs überhaupt zu entdecken. Thilo verweist zurecht auf weitere Möglichkeiten in der heutigen Zeit, so zB Rivva. Und wirft wie oben bereits angedeutet das Licht auf Nischenblogs, die neuen “Main-Blogs”. Die Zeiten der alten Leuchttürme sind vorbei, die Blogwelt ist dezentraler, verteilter, feiner. Und abschließend Thilos/Caschys Hinweis gerne aufgreifen, dass es heute mehr als nur bloße Bloglinks-Messungen bedarf, somit man eigentlich zum Urteil kommen muss, dass die Deutschen Blogcharts herrlich veraltet sind. Rivva stellt die moderne Messmethodik zur Verfügung. Aber wie es halt so mit etablierten Dingen ist, sie leben länger als man denkt. Rivva erscheint undurchsichtig, die Deutschen Blogcharts basieren auf simplen und (!) nachvollziehbaren Messungen. Rivva versteht nicht jeder, die Blogcharts schon.
Warum mir Blogger fast auf den Sack gehen
Wieso sollten mir Blogger fast auf den Sack gehen? Weil es so ist. Ich betrachte und sehe viele Blogs, vermisse aber häufig ein soziales Gen. Warum?
Wir haben Dank Open Source und der gesamten, technologischen Entwicklungen die Möglichkeit in die Hand bekommen, zu publizieren, was uns in den Sinn kommt. Es bedarf keiner tiefschürfenden Kenntnisse mehr, es kostet nicht mehr zig tausende von Euro an Lizenzkosten, Software zu nutzen. Heißt im Umkehrschluss, dass uns die Kosten im Sinne von Zeit und Geld nicht daran hindern, irgend etwas zu publizieren.
Was sollte mich nun daran hindern, nicht nur aus meinem Ego heraus etwas zu publizieren, Rampensau hin, Rampensau her, sondern auch explizit daran zu denken, ob ich für jemanden oder für eine Sache etwas tun kann? Was kostet mich dieser Gefallen? Nicht wirklich, es kostet mich ein bisschen Zeit, etwas Gehirnschmalz und das wars auch schon.
Muss ich denn hinterfragen, ob es etwas bringen kann? Sakra, woher soll ich das wissen? In einer dermaßen vernetzten Welt kann ich nie wissen, wo ich den ins Netz geworfenen Ball aufgefangen sehe. Ein Kontakt ergibt einen weiteren Kontakt, via Twitter, Facebook, Wer Kennt Wen, MeinVZ, Blogs, gar Google, Mail, unzählige Möglichkeiten. Ich werde ganz sicher nicht zurückschrecken, etwas nicht zu tun, nur weil ich es nicht abschätzen kann.
Ist das nicht vielleicht Schleimerei, wenn man Menschen wie Martin bei der Jobsuche hilft, neue Blogger unterstützt, Hinweise gibt, wie man etwas besser verstehen oder nutzen kann? Auch das ist kein Grund, nur weil man so gesehen werden könnte.
Ich halte mir dabei stets die Zeit vor der Bloggerei vor Augen: Da hätte ich in Usingen rumlaufen können, um Menschen auf der Straße zu nerven, um für etwas oder jemand einzutreten. Und so gut wie niemanden erreicht. Mittels der Bloggerei ist das zu einem Kinderspiel geworden. Mit Aufkommen der zunehmenden Vernetzung dank der Social Networks wurde es nochmals einfacher.
Und gerade weil es ein Kinderspiel ist, sind mir Blogger ein Rätsel, die an nix anderes als an sich denken können, ihre Themen, ihre eigene Welt. Es gibt da draußen zig Themen, die anderen helfen können, in persona und in dem, mit dem sie sich beschäftigen. Private wie auch Unternehmer, Ehrenamtliche wie auch Engagierte.
Warum sage ich aber, dass mir Blogger “fast” auf den Sack gehen? Ich kann es nicht wirklich jemanden übel nehmen, sich selbst partout in den Vordergrund zu stellen, statt für andere einzutreten. Immer noch gilt, dass ein jeder für sich entscheiden muss, was und wie er bloggen will, warum er bloggt, was er damit bezweckt, bewusst und unbewusst. Wir sind freie Menschen. Immer noch gilt zugleich, dass sich viele Blogger ihrer Möglichkeiten gerade im mitmenschlichen Bereich nicht wirklich bewusst sind, welch großartige Chancen sie haben, mit ihrem Blog, so klein es auch sein mag. Und wenns mal nicht klappt, so what, was klappt schon immer? Kostet mich drei, vier, ein Dutzend, 100 Artikelanläufe mehr, es erneut zu versuchen.
Manchmal ist es einfach nur ein Link, nicht mehr. Auch dafür sind schon einige Blogger zu egoistisch und zu engstirnig aber auch zu faul geworden, ja nicht Leser verlieren, ja nicht nachdenken und nachschauen, wo es ähnlich gute Artikel gibt, ja nicht auf bessere Blogs verweisen. Wie bescheuert ist das denn? Was veliert man damit? Ich verstehe es nicht. Saublöd das ist.
Was ich am wenigsten leiden kann, sind Blogger, die partout gegen etwas sind. Macht doch mal das Maul auf, für was oder wen Ihr seid! Reden sich den Mund fuselig, labern, schwätzen, mosern, aber mal was machen, was hilft, statt nur Blog-Kotze auszubreiten? Die gehen mir absolut auf den Sack.
