Warum II
zum Artikel “Warum” habe ich zwei Kommentare herausgefischt, die ich hier gerne separat aufzeigen möchte. Als Erwiderung zu den beknackten und sich immer wiederholenden Kritiken an Blogs, die manche auch noch glauben und sich danach ausrichten. Der eine Kommentar ist von einem Blogger, der privat bloggt und eine klasse Analogie wählt, um die Vielfältigkeit aufzuzeigen. Der andere Kommentar von einer Bloggerin, die auf ihrer Unternehmensseite bloggt. In der Tat ein “Kommerzblog”, was nicht weniger spannend und weniger menschlich ist, weil es ein Mensch ist, der dahinter steht. So wie jedem Blog, ausnahmslos!
Kommentar von Jo JMatic (sein Blog), eine wunderschöne Fußball-Analogie:
—————————————————————–
Ich sach mal:
Das Geschreibe im Netz, an Plätzen, die man Blog nennen kann (wenn man will), is’ wie Fussball:
Das Spiel ist manchmal genial, öfter mal “Aua”, aber hoffentlich immer mit Herz gespielt, egal ob 1. Liga oder Kreisklasse, egal ob 70 000 am Rande brüllen, oder nur zwei Dutzend am Spielfeldrand alles besser wissen.
Die Interviews mit den Stars sind manchmal genauso so “Auaaua”, wie ihre Flanken es ab und an sind. Und Leute, in der Kreisklasse hab’ ich schon Pässe von Mitdreissigern gesehen … Wow! Hammer!
Es gibt Fussball-Experten, da rollen sich mir die Fussnägel hoch, wenn sie den Mund aufmachen. Es gibt aber auch so Momente, da wird ein Expertensatz augenblicklich zur ewigen Floskel.
Was tun Fan und Spieler nach’m Spiel? Denken wieder an’s nächste Spiel, während sie ihr Bierchen schlürfen.
Es gibt Spiele die hat man nach dem Abpfiff schon fast vergessen, und es gibt welche, die bleiben unvergessen.
Muss man Fussball mögen? Nein. Braucht man Fussball unbedingt? Nein. Ja. Rettet er die Welt? nein. Ja. Warum spielen Leute Fussball und andere schauen ihnen zu? Weil es ihn gibt. Fertig.
Ich kicke zumeist auf der Wiese. 2 gegen 2. Die Tore sind unsere T-Shirts und es schauen höchstens ein paar Leute zu, die vorbei kommen, und die Frauen, die uns abholen, später. Na und. Macht einfach nur Spass.
Braucht irgendwer diesen, meinen Kommentar zum Thema “Bloggen” mit der grenzwertigen Fussball-Metapher unter diesem sehr launigen und authentisch wirkenden Artikel? Nein. … aber ich hab’s getan, weil er da ist – der Artikel. Ich hab’ gelesen und geschrieben, weil’s Schbass gemacht hat.
Bloggen ist ein einfaches Spiel.
Nach dem Kommentar ist vor dem Artikel.
Ich habe fertig.
—————————————————————–
Und der Kommentar von Kirstin Walther (ihr Blog):
—————————————————————–
Gut gebrüllt, Löwe! :-)
Vielleicht sollte man das Wort Bloggen gedanklich mal mit Kommunizieren ersetzen, denn nichts anderes ist es meiner Meinung nach. Ja und MENSCHEN kommunizieren – niemand sonst in diesem Medium. Es sind nur andere Kanäle, die es erleichtern und die mehr andere Menschen erreichen.
Und so vielfältig wie Menschen, sind deren Blogs. So wichtig und so unwichtig, so allgemein und so speziell, so sympathisch und so unsympathisch. Die einen bloggen, weil sie gern kommunizieren, gern mit neuen/gleichgesinnten Menschen im Gespräch sind. Andere machen es vielleicht, um ein paar Cent nebenher zu verdienen. Wie es beliebt und wie die Schreiber eben sind!
Und die Leute, die ihre Zeit damit verbringen wollen, zu bewerten wie und warum andere auf diesem Weg kommunizieren… Ja, mein Gott. Sollen sie halt, wenn sie nix besseres zu tun haben. Solche treffen wir auch im echten Leben und ignorieren sie womöglich, wenn wir merken, daß da nicht viel dahinter ist, außer oberflächlichem, höchst wichtigem Gerede.
Es geht hier NUR um die Menschen dahinter – völlig klar! Das lerne ich auch. Früher dachte ich immer, ich müßte als Unternehmerin ausschließlich an Umsatz und Umsatzrendite gekoppelte Gründe für Bloggen, Twittern usw. haben. Das haben mir einige schlaue Menschen immer wieder eintrichtern wollen. Heute weiß ich, daß ich in erster Linie Spaß habe, mit anderen im Dialog zu stehen – egal über welchen Kanal.
Und wer hätte es gedacht: Ich habe Spaß, es fühlt sich gut an und deswegen ist es mir wichtig und das allergeilste ist: Es sorgt komischerweise erst recht für mehr Umsatz und mehr Bekanntheit der Firma und wird so langsam zu meiner Devise: Mehr verkaufen durch weniger verkaufen! ;-)
Sicher funktioniert auch der herkömmliche Weg, aber der macht eben nicht so viel Freude – jedenfalls mir nicht.
—————————————————————–
Auf ihrem Blog hat sie das im Artikel “Dialog macht Spaß und bringt weiter!” bereits schon einmal ausgedrückt. Und nein, ich hinterfrage nicht mehr, warum dieses Blog eines “kleinen Mittelständlers aus dem Osten” alle Blog-Bemühungen der deutschen Großunternehmen in den Schatten stellt:)
Eindrücke eines alten Bloggers
ok, so alt bin mit 43 nun auch nicht, aber als Blogger nicht mehr einer, der sein Blog vor 1 Monat gestartet hat. Würde aber gerne als Altblogger eine Replik zu den Eindrücken eines neuen Bloggers geben.
Das, was Johannes schreibt, ist treffend formuliert. Die Blogger-Welt ist umfangreicher, vernetzter und verteilter geworden.
Durch… Posterous, Amplify oder aber auch myON-ID wird die ursprüngliche Blogkultur reformiert (Johannes Lenz)
Wie war das zu Opas Zeiten vor rund 5-6 Jahren? Die Ära der Social Networks hatte erst gerade begonnen und wurde von Seiten wie MySpace und Friendster dominiert. Derartige Dinge wie eine Timeline stellvertretend für das Real Time Web gab es nicht. Sprich, es gab noch kein Twitter und das aufkommende Facebook kannte noch keinen Activity Stream (womöglich eine gedankliche Vorlage für die dialogische Twitter-Timeline?).
Anno 2005 gab es im deutschen Umfeld für diejenigen, die publizieren wollten, folgende, bekannte Möglichkeiten:
- Wordpress / Movable Type / Blogger.com und andere Bloglösungen
- Technorati.com war die Vernetzungsmaschinerie, um Blogverweise zu filtern
- Mutter Google war für neue Blogger die wichtigste Maschine, um Leser zu finden
- neben der Möglichkeit, über Kommentarverweise (Direktkommentare und die ab ca. 2005 aufkommende Trackback/Pingback Mechanik) auf sich aufmerksam zu machen
Summa summarum, waren die Möglichkeiten im Vergleich zu heute sehr eingeschränkt. Wer unter den Bloggern kaum Feedback bekam, wurde in dieser Blogosphäre nur sehr eingeschränkt wahrgenommen. Die Vernetzungsmechaniken im Sinne von Aufmerksamkeit waren einerseits blog-zentrisch und andererseits am Rande von Lösungen wie Technorati gestützt.
Anno 2010? Es haben massive Weiterentwicklungen stattgefunden, die einen Altblogger wie mich manchmal an einen alten Cowboy erinnern, der vor Gleisen steht und sich fragt, wie sich die Welt verändert hat. Heute habe ich als Blogger zahlreiche Möglichkeiten, zu Wort zu kommen. Manche sind ineinander vernetzt, andere machen es zu einem Kinderspiel. Johannes hat schon einige aufgezählt, zur Wiederholung:
- Twitter und Facebook haben sich auch in D zu vorzüglichen Vernetzungsschwerpunkten entwickelt, die man extrem gut für sein Blog nutzen kann.
- Posterous, Yiid oder MyONID stehen für Tools, die das Bloggen bereits von vornherein zu einem Kinderspiel machen, zudem eigene Vernetzungsmechaniken mit sich bringen (wer liest mein Blog, pushe Inhalt zu Plattformen wie Twitter, etcpp)
- Google ist dramatisch schneller geworden und zeigt Inhalte Minuten nach der Veröffentlichung im Suchindex an
- Nochmals Google: Es wird in Zukunft mittels der neuen Suchroutinen noch einfacher, Inhalte Web-Freunden anzuzeigen, sobald die neuerdings eingeführten Social Search Mechaniken (Video) um sich greifen. Vielen ist diese Maßnahme von Google und ihre Bedeutung nicht mal annähernd bewusst geworden.
Es ist nicht mehr wie früher, so blog-zentrisch. Da steht man also da und bewundert diese Entwicklung, zugleich fragt man sich, wie weit man sich als bloggende Person im Netz auf all diesen Seiten verteilen möchte? Ob das Blog überhaupt noch seine Rolle als zentraler Träger einer Person spielen kann? Das sind weniger Fragen der technischen Zugänglichkeit, sondern mentale Fragen. Ich bin ins Netz hineingewachsen, wo es über 30 Jahre lang in meinem Leben kein Netz gab. Diese Umstellung war nicht ohne und hat immens reale Auswirkungen auf mein Leben gehabt. Und heute muss ich mich fragen, wie ich mein digitales Ich im Netz verteile, ausgehend aus dem Selbstverständnis, ein Blogger zu sein, der seinen eigenen Platz kennt und es sich dort eingerichtet hat. Gar nicht mal so einfach diese Umstellung. Ja, es ist schon ein bisschen wie der oben besagte Cowboy, der vor Gleisen steht. Die Entwicklung innerhalb von lediglich 5 Jahren war rasant. Das wird wohl kaum aufhören. Und man stellt sich unweigerlich die Frage, ob man es nicht ruhiger angehen lassen möchte. Im Wissen, dass man das Leben nicht auf einen Schlag erfährt und Vieles seine Zeit braucht, verarbeitet zu werden. Wie weit lasse ich mich von der Technik treiben? Meine Antwort habe ich für mich gefunden: Nutzen kann ich all diese Wunderwerke ohne Weiteres, doch meine innere Distanz wirkt wie ein Entschleunigungsfilter der dafür Sorge trägt, die Entwicklungen ausgewogen und mit Abstand zu betrachten.
Die Eindrücke eines neuen Bloggers
es ist spannend, Eindrücke von “Jung-Bloggern” zu bekommen. Denen, wenn sie denn heute mit dem Bloggen beginnen, eine Reihe anderer Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Johannes Lenz hat mich angemailt und sich die Mühe gemacht, um auf diese Fragestellung, was denn anders ist, einzugehen. Ich finde, der Einblick lohnt sich (und es wird Zeit, meinen Artikel neu zu schreiben, wie man ein Blog aufsetzt und es bisserl nach vorne bringt). Johannes, lieben Dank!!
————————————————————————-
Hi Rob,
ich komme ja aus einer anderen Internet-Generation als Du, aber vielleicht ist das ja auch einmal einen Gedanke wert… von jemandem, der sich jetzt in diesen Tagen erstmals vernetzt präsentiert, von Twitter kommt und via Posterous bloggt, wenn man es so bezeichnen kann:
Ich denke, dass durch Applikationen wie Posterous, Amplify oder aber auch myON-ID die ursprüngliche Blogkultur reformiert wird. Content, der ja irgendwie immer noch der King zu sein scheint… wird durch die zunehmende Vernetzung scheinbar leichter.
Damit meine ich, dass ich etwa einen Teaser nehme und dann bei den 3 genannten einfach Dein Original-Text via Copy&Paste einsetze (ich würde zitieren, andere tun dies nicht)
Damit saust der Blogger-Content noch fixer „um die Häuser“ als vielleicht noch vor 3 bis 5 Jahren. Das birgt einerseits erhebliche Chancen für die Zunft, insbesondere Strahlkraft. Andererseits nimmt es ihm vielleicht das Unique…wer weiß es.
Schließlich meine ich zu sehen, dass Menschen wie Du, @sachark @saschalobo, @codeispoetry oder @klauseck und viele andere eine zunehmende Strahlkraft entwickeln und Agendasetter sind, die es inzwischen leichter haben, von den traditionellen Medien aufgenommen zu werden als früher.
Warum: Weil das Internet einen immer festeren Bestandteil unseres Lebens und unserer Öffentlichkeit (ab-)bildet.
Zusammengenommen: Abgesehen von den ewig gestrigen Unternehmungen (Schlagwort: Abmahnungen) und dem Dauerkonflikt mit Print scheint sich mir als „Greenhorn“ die Bloggosphäre mehr und mehr zu verzahnen und auszufransen (positiv). Die Vielfalt wird größer und mit entsprechenden Applikationen die Kreativität vielleicht noch eine Spur sichtbarer für die allgemeine Öffentlichkeit.
Ein Wort noch: Wahrscheinlich wir Dich der Feuilletonist auf Jaron Larnier [Internet-Pionier, geistert durchs Feuilleton seit mehreren Wochen, etwa in der FAZ am 16.01.2010 - oder in der SZ am 24.01.2010 –] ansprechen, der vom heutigen Internet als einem „digitalen Maoismus“ spricht oder so: Davon halte ich nichts. Aber auch gar nichts.
Subjektiv merke ich, wie ich stärker darüber kommuniziere, aber dass es uns beherrscht, naja…
Vielleicht ist es doch wie früher mit dem Kicken im Garten als kleines Kind: Einmal „Lunte gerochen“, will man jeden Tag ran an den Ball und Tore schießen, Fuddeln usw. Irgendwann lässt es aber auf “Normalmaß” nach und man kommt in den Fussballverein…:)
Liebe Grüße
Johannes
————————————————————————-
Warum
Warum nur jammern sich manche den Wolf, dass Blogs nix bringen, nicht wirklich einen Platz neben der ARD, der BILD und dem Deutschlandfunk gefunden haben? Fuck this!
Eines der ausgelutschtesten Argumente ist, dass man mit Blogs keine Kohle machen könne. Was als Beweis herangezogen wird, dass Blogs mächtig bedeutungslos seien. Das höre ich meistens von denen, die es selbst nicht bringen und nicht wissen wie. Kein Wunder. Von nix kommt halt nix. Komischerweise kenne ich auch die, die es bringen, die es wissen und damit ihre Kohle machen. Was soll das Argument auch schon beweisen? Nix! Es gibt eben welche, die damit Kohle schaufeln können und machen, es gibt welche, die es wollen, aber nicht können und nicht mal in der Lage sind, sich schlau zu machen. Wenn die Ente nicht schwimmen kann, ist das Wasser schuld, alles klar. Und es gibt noch viel mehr, denen es im Grunde völlig am Boppes vorbeigeht.
Anders herum: Wenn jemand der Meinung ist, mit Blogs ließe sich keine Kohle machen, dann macht es vor, labert nicht, zeigt es den anderen, wie es geht. Bloßes Herummjammern ist billlig und was für Loser. Und von diesen Losern kenne ich genügend Blogger, die mir auch schon die Ohren vollgeheult haben. Sich aber an Tipps aufgeilen, wenn es mal klappt, davon nix aber preisgeben wollen, ja nix verraten wollen. Was ist das für ein Bullshit?
Dann gibt es welche, die meinen, die Blogs wären per se allesamt langweilig. Sie würden keine “originären” Inhalte produzieren, nur abschreiben. So what? Was soll das schon bedeuten, wenn man dieser Meinung ist? Nix. Das heißt nicht mal ansatzweise im Umkehrschluss, dass Blogs keine Bedeutung haben, allesamt blöd sind. Wer nix findet, hat eben Pech gehabt. Wer zu blöd ist, originäre Inhalte zu finden, soll einen Volkshochschulkurs “wie nutze ich Google” belegen. Vor diesen Meinungen gehen weder die Blogs unter noch macht es sie schlechter. Wenn ich das schon höre: “Die Blogs in Deutschland sind alle so langweilig!”. Nicht selten aus dem Munde eines bloggenden Journalisten dazu. Welch eine grandiose “da-wo-die-Sonne-nicht-hinscheint”-Haltung. Kommen aus ihren Redaktionsstübchen, im Vergleich zu Bloggern vollgestopft mit Informationsapparatschicks und personellen Ressourcen. Wow! Schaffen es nicht einmal, ihren eigenen Apparat am Schwimmen zu halten, lästern aber über Blogger!
Und wer lästert, wie doof die Blog-Inhalte seien, zeigt nicht ein bisschen Respekt vor der Leistung derer, die sich hinsetzen und die Mühe machen, etwas zu Wort zu bringen. Nicht einmal ein Wort darüber verlierend. Wie selbstbezogen sind solche Aussagen? Machen sich nicht einmal ansatzweise die Mühe vorzustellen, was ein Blogger tut, wie er es tut, warum er es tut. Quatschen stattdessen und oben drauf einen voll, was man alles besser machen könnte. Und auf diese Menschen soll ich was geben, die null Empathie geatmet haben und mit ihren Aussagen einfach so die Bemühungen der Blogger hinwegfegen wollen? Geschissen drauf!
Und am liebsten sind mir die Pappnasen, die was von “Blogs haben wenig Lesern” sülzen. Auch das gilt als Beweis, dass es Blogs zu nix weiter bringen außer Festplatten zu verschmutzen. Keine Ahnung, aus welcher Mathematiker-Schule diese Typen entlassen wurden. Es gibt einen Haufen Blogs, die tausende von Menschen täglich erreichen. Ist ja nicht so, dass dies für Einzelpersonen vor 40 Jahren was Übliches gewesen sei. Heute ist das fast schon ein Klacks. Ebenso gibt es einen Haufen Blogs mit viel weniger als tausenden von Lesern. Na und? Was soll das schon heißen? Für was ist dies ein Beleg? Hallo? Aufwachen! Klar kann man sich mit Googles Page Views vergleichen oder den mit Millionenbudgets betriebenen Monstern wie Spon und Bild.de. Ebenso gut kann man das Einkommen eines Einzelnen mit dem eines Konzerns vergleichen, nur, auf diese bescheuerte Idee kommt kein Normalo!
Nicht zu vergessen, das aller blödeste Argument: “Blogs bewegen nix!”. Hallo? Welche Bewegung ist gemeint? Dass die Bild Wahlen mitbestimmen kann? Die ARD einen Kanzler macht? Die Gesellschaft von Pro-Konsum auf Anti-Konsum umschwenkt? Nichts dergleichen bewegen diese Großmuffti-Medien. Und das will man von Bloggern einfordern? Einem wie mir, der in Usingen sitzt? Ja, passt schon, jeden Tag wird ein Voltaire und Kant in Usingen geboren, ist ja normal sowas. Danke, sitzen bleiben. Wer große Bewegung fordert, soll joggen gehen.
Im Großen und Ganzen gehen mir diese Kritiker richtig auf den Sack. Nicht, weil sie so schlau sind, sondern so richtig dämlich sind und jedes Maß für Relationen verloren haben. Das Maß für das Alltägliche, was unser Mensch-Sein ausmacht und damit exakt das, was Bloggen im Grunde ausmacht. Will ich tatsächlich einen Blogger kritisieren, der seine Leser mal zum Lachen, mal zum Weinen, mal zum Nachdenken, mal zum Kritisieren bringt? Mal einen Job vermittelt, dort eine Wissenslücke füllt, da eine verlorene Seele auf den Weg zurück bringt? Sich die Mühe macht, Gedanken zu Wort zu bringen? Licht ins Dunkel? Ich habe es ebenso wie alle anderen Blogger gemacht, nur und weil wir bloggen. Wer will mir das absprechen? Wer will das den anderen absprechen? Ein Kritiker? Es geht nicht um höher, weiter, schneller, sondern um menschlicher, näher, tiefer. Wer das nicht sieht, hat jegliches Maß verloren. Wir reden von Menschen, nicht von “Bloggern” als ein ominöses “Es”. Ich habe einen Namen, ich heiße Robert Basic und bin Blogger. Und wenn Dir das nicht passt, suck yourself!
Deutsche Blogs auf dem Stand vor 2006 angekommen?
Ich habe mir das Späßle gemacht und in die Deutschen Blogcharts Archive reingeschaut. Zur Erklärung: In den Charts werden die 100 am meisten verlinkten Blogs gelistet, die innerhalb eines halben Jahres von anderen Blogs am meisten verlinkt wurden. Jens Schröder erstellt diese Charts auf Wochenbasis seit 2006 und archiviert die Charts.
Ich habe den Stand zum Beginn eines jeweiligen Jahres (Januar 2006, 2007, 2008, 2009, 2010) zu Grunde gelegt (siehe Archive). Und die Anzahl der Links pro Blog aufsummiert. Beispiel Januar 2010:
1. Netzpolitik: 1.133 Links
+ 2. Spreeblick: 795 Links
+ …
+ 100. Radio Utopie: 84 Links
= Summe Links
Was ergibt sich für ein Verlauf seit Januar 2006?

Antwort: Die Blogs aus den Top 100 Charts sind auf Basis der Verlinkungen innerhalb (!) der Blogosphäre auf dem Stand vor 2006 angekommen (ältere Daten liegen mir nicht vor). Vor 2006! Hallo? Vornweg: Ich leite aus dieser Entwicklung der Top 100 Charts auf die gesamte, deutsche Blogosphäre ab. Ältere Analysen von Themenblogs außerhalb der Top 100 Charts zeigen nämlich ähnliche Bilder auf.
Wieso Links, was ist daran so wichtig, außer dem SEO-Gedanken?
Luca hat mich via Kommentar auf eine Blog-Parade von Blögger.at verwiesen, in der auf die Rolle der Links eingegangen wird. Zitat:
Wir leben in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit als Währung dient und Links ein wertvolles Gut sind. In der Blogosphäre übernehmen sie die Rolle eines Verkehrsnetzwerkes, das Leser zu weiteren Informationen und Wissen hilft indem es Verbindungen zwischen den Beiträgen erzeugt. Dennoch hat die Kultur des Verlinkens unter Bloggern abgenommen.
Analyse
Wir hatten den Peak im Jahr 2008 erreicht. Seitdem geht es stetig bergab. Ist das was Schlimmes? Abwarten. Erst einmal die Gründe, die vielfältig sind:
1. Mit Aufkommen modernerer Social Networks wie Facebook und Twitter haben sich Verlinkungen auf diese Seiten wohl zu einem guten Teil verlagert. Es ist heute ein Leichtes, via Status-Update Quellen zu nennen. Früher hatte man stattdessen was zur Verfügung? Blogs oder aber die Foren. Linkzählmaschinen wie Technorati oder Icerocket (das Jens mittlerweile benutzt, um die Charts zu erstellen) analysieren rein die Verlinkungen aus Blogs heraus, nicht aber auf Twitter oder anderen Social Networks. Hier muss der Mechanismus erweitert werden, um die tatsächliche Gesprächssphäre abzubilden und um die angenommene Verlagerung -von wo aus verlinkt wird- aufzuzeigen! Beispiel: Eines der bekanntesten Blogs weltweit, Mashable.com, generiert extrem viele Retweets (teilweise weit über 1000). Dies bildet Icerocket jedoch nicht ab!
2. Mein gefühlter (!) Eindruck ist, dass mit dem Aufkommen des “Status Updates”-Mechanismus und auch sehr einfach zu bedienender Blogsysteme wie Posterous und Tumblr die Gesprächsfaulheit angewachsen ist. Es handelt sich mehr um Fingerzeiggespräche, wenn man denn Tweets oder Posterous-Beiträge überhaupt als Gespräch bezeichnen mag. Die eigentlichen Gespräche, das Weiterführen von Gedanken und das Diskutieren per se scheint seit Aufkommen dieser WischiWaschi-Tools zwischen den Blogs abgenommen zu haben. Mehr noch, es riecht mir oftmals zu sehr nach “ich poste mal ein Status Update, um mehr Friends und Follower zu bekommen”, statt der Suche nach einem echten Dialog. Ganz nach dem Motto “ich zeige nur kurz was auf, die anderen sollen sich ihre Gedanken machen und gegebenenfalls äußern”. Das wäre in der Tat ein echter Rückschritt. Ein Fortschritt sind diese Fingerzeig-Systeme natürlich sehr wohl, tragen sie doch wesentlich zu einem schnelleren Fluß von Informationen zwischen den Nutzern bei. Wenn dem so ist, öffnet sich der klassischen Presse ein ganzes Feld von Deutungshoheiten, die sich um die Analyse kümmern. Blogs (mit welcher gesamtheitlich Reichweite auch immer) als neue und ergänzende Form der Deutungs- und Leitmedien verlieren damit per se an Kraft und Bedeutung. Sie sind damit schwächelnde Ankerpunkte.
3. Aufgrund der Vielzahl an Eifersüchteleien, schwachsinnigen Diskussionen ob der Rolle der A-Blogs und anderen Eitelkeiten ist es im Neiderland Deutschland sichtlich nicht möglich, kraftvolle, zusammen arbeitende Blognetzwerke (Blogger, die sich stetig austauschen, zusammen abstimmen) auf die Beine zu stellen, um eine Gegenöffentlichkeit zur zunehmend kostenorientierten Presselandschaft zu schaffen.
Ergo?
Ich kann es nur vermuten, dass sich das Bild der deutschen Blogosphäre abgeleitet aus den Top 100 Charts ähnlich verhält. Was im Großen passiert, wird auch im “Long Tail” passieren. Ich persönlich fände es extrem schade, wenn wir zunehmend mundfaul, stattdessen fingerzeigfreudig werden. Der Austausch von Gedanken trägt ungemein zu einer Weiterentwicklung der Gesellschaft auf allen Ebenen bei. Blogs als Ankerpunkte von Personen würden damit ihre potentielle Rolle verlieren, Menschen und damit Erfahrungen zusammen zu bringen und Entwicklungen zu fördern.
Updates:
- siehe Artikel “Welche Bedeutung haben Blogs in Deutschland?” auf Hingesehen.net
Deutscher Blog-Corpus
Mathias Bank hat mich angemailt und gebeten, ihm zu helfen, einen deutschsprachigen Blog-Corpus im Rahmen seiner Doktorarbeit auf die Beine zu stellen. Was das ist und wozu das dient, könnt Ihr der Mail von Mathias entnehmen:
Hallo Robert,
ich schreibe derzeit meine Doktor-Arbeit in Bezug auf Internet-Analysen. Zielsetzung ist die automatische Analyse relevanter Themen auf Community-Seiten, eben auch Blogs und Foren.Ein wesentlicher Punkt bei solchen Analysen ist es, dass man weiß, welcher Benutzertyp die Artikel schreibt. Hier ist von besonderem das Geschlecht sowie das Alter interessant. Nun gibt es in der Literatur hierzu einige Verfahren, die aber alle auf englischen Datensätzen trainiert und angepasst wurden. Hierzu wird in der Regel der Corpus von Professor Moshe Koppel verwendet. Während den ersten Jahren in meiner Diss hab ich aber vermehrt feststellen müssen, dass für englisch entwickelte Verfahren auf deutschen Texten nicht wirklich funktionieren. Leider ist es aufgrund eines fehlenden Vergleichscorpus nicht möglich, dies zu evaluieren.
Mathias hat mittlerweile ein eigenes Formular zum Erfassen der Blog-Texte auf die Beine gestellt: Deutscher Blog-Corpus. Dort wird auch erklärt, was mit Deinen Blog-Texten passiert (wiss. Weiterverwertung etcpp).
Was ist aus den Blogs geworden II
Zum Artikel “Was ist aus den Blogs geworden” gab es einige Reaktionen auf anderen Blogs, die ich hier gerne zusammenstellen möchte, denn natürlich gilt nicht nur meine Sicht bzw. Gedanken, sondern genau das Gegenteil ist spannend, was nämlich andere denken. Das gilt es aufzuzeigen und zu verlinken!
Vornweg: Meine These war, dass der Hype um Blogs vorbei ist, die Medien nicht mehr mit der gleichen Häufigkeit über das Phänomen Blogs berichten. Und habe auf diesem Gedanken einer abflauenden Medienpräsenz versucht zu betrachten, wie sich die Blogosphäre hierzulande weiter entwickelt hat, nachdem die mediale Trommlerei (wenn auch häufig negativ) vorbei ist. Kurz als Aufhänger die Punkte zusammengefasst, um die anderen Blog-Meinungen besser zu verstehen:
1. Für mich steht außer Frage, dass sich Blogs als technisch einfache und flexible CMS (=”content managment systeme”) im Netz dauerhaft etabliert haben und eine superbe Alternative zu Webseiten darstellen, die auf herkömmliche Art und Weise zusammengestückelt werden. Das Produktionsmittel “Publizieren im Netz” wurde Dank der Blog-Technik ein Stück weit standardisiert, vereinfacht und ist nun weitaus kostengünstiger zu beschaffen. Dies alleine ist für sich ein Pfund, mit dem Blogs auf Dauer attraktiv bleiben.
2. Blogs werden nicht selten als vernetzten Strukturen (Inhalte- und Personennetze) verstanden und auch so betrieben. So stellt die Summe der Blogs mehr da als die Einzelsumme (die Wirkung von 50 Bloggern, die ein Thema zugleich aufgreifen, ist weitaus höher, wenn sie es vernetzt tun denn ein jeder für sich selbst ohne Bezugnahme auf den anderen). Das alleine schon zeigt auf, dass Blogs als System in der Lage sind, Menschen über verschiedenste Möglichkeiten miteinander in Verbindung zu setzen. Und nicht nur bloße, günstige Produktionsmittel sind.
3. Blogs stehen am Anfang ihrer Zukunft, nicht am Ende. Der mediale Hype hat geholfen, Blogs als solche überhaupt erst bekannter zu machen, auch wenn viele meinen, da draußen wüssten viele nicht, dass es Blogs gibt. Natürlich geht es dabei um die Minituarisierung von Produktionsmitteln, wie seit jeher in unserer Geschichte (Fortbewegungs-, Kommunikations- und Energiemittel). Zunehmend werden wir als digitale Person wahrgenommen, neben unserer realen Person. Die Menschen werden sich fragen, wo man denn die eine Person gesamtheitlich zentral sehen und wahrnehmen kann. Ich halte Blogs dafür am geeignetsten, meine Meinung;)
3. Unternehmensblogs haben sich höchstens auf Ebene der Kleinen-Mittleren Unternehmen einigermaßen etabliert, der Anteil der bloggenden Unternehmen (von ca. 3 Mio in D) ist nach wie vor verschwindend gering. Auf Ebene der Topunternehmen herrscht erschreckende Fantasielosigkeit.
4. Blogs haben nur zu einem geringen Teil und sporadisch eine Gegenöffentlichkeit zu den etablierten Medien geschaffen. Das liegt vaD an den beschränkten Ressourcen einer Einzelperson, die ab einer gewissen Wahrnehmungsgröße des Blogs sowohl die Frequenz, Aufwendungen allg. und Qualität steigern müsste, der Sprung über diese magische Grenze (unternehmerisches Denken und Risikobereitschaft) fällt jedoch vielen Bloggern extrem schwer bzw. man sieht keine Veranlassung dazu.
5. Insbesondere bekanntere Blogs haben einen Mangel an Unterstützung gegenüber unbekannteren Blogs aufgezeigt, diese zu fördern, regelmäßig zu vernetzen und auf interessante Blogs hinzuweisen.
6. Im Zuge der zunehmenden Vernetzung und dem Aufbau zentraler “social recommendation”-Tools wie Twitter und Facebook haben Blogs von sich aus eine höhere Chance, wahrgenommen zu werden.
Nun zu den Reaktionen auf den Blogs:
- Palloo Petrov meint zum Hype übertragen auf Second Life (das ich im Artikel als Beispiel genannt hatte), dass es den Hype überlebt hat und sich munter weiter entwickelt. Sprich, Hypes sind kein Indikator, ob eine Idee überleben kann.
- Alex Kahl hat sich in bester Bloggermanier geäußert und Gedanken gemacht, kann das so in der Kürze nicht widergeben, am besten auf alle Fälle selbst lesen: Selbst der Hype hat das Bloggen unterschätzt. Was mir persönlich ins Auge fällt, ist das Bekenntnis an der Lust zum gegenseitigen Gedankenaustausch, von sich aus, intrinsisch, nicht Adwords getrieben. Etwas, das ich stets als eines der faszinierendsten Aspekte von Blogs empfunden habe.
- Was Mit Autos schreibt:
Etliche Blogs konnten eine feste Leserschaft aufbauen und sind aus dem Web nicht mehr wegzudenken. Dementsprechend heißt es am Ball zu bleiben und die Dinge ihren Weg nehmen zu lassen. In ein paar Jahren wird die Blogosphäre mit Sicherheit noch existieren – nur dass sie uns dann vermutlich wieder ganz anders erscheint.
Hype bedeutet ja eigentlich, dass Blogs in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Frage ich jedoch Freunde oder Bekannte, ob diese überhaupt wissen was ein Blog ist, ernte ich Blicke und bekomme Antworten, die von Unverständnis bis Mitleid alles ausdrücken. Soviel zur Wahrnehmung von Weblogs.
- Microblog Ansichten schreibt u.a. etwas, das mir selbst an mir selbst aufgefallen ist:
Am meisten fällt mir meine geänderte Einstellung zur Arbeit der Journalisten auf. Früher hatte ich ganz allgemein mehr Hochachtung vor ihnen. Heute sehe ich eher die unprofessionelle und schlecht recherchierte Arbeit, daher kann ich auch eine wirklich gute Arbeit mehr schätzen als zuvor. Ich gehöre jetzt auch zu denen, die sich über den „Qualitätsjournalismus“ mokieren.
- Internetblogger empfiehlt:
Bloggt in den immer größer werdenden (lokalen) Nischen, die etablierte Medien aufgrund der Krise vernachlässigen, und IHR werdet sehen das IHR dann als Blogger wieder zu denen gehören werdet die davon profitieren werden…Blogsterben ? Pahhh…es geht grade erst richtig los ! IHR werdet schon seh’n
Die Zahl der Leserinnen und Leser verharrt auf niedrigem Niveau. Manchmal bin ich gefrustet, mal auch froh – wenns z.B. viele Kommentare gibt. Kennzeichnet das “den” Blogger? Wahrscheinlich eher nicht. Sie, die Blogger, sind so bunt wie die Menschheit –wohl auch die Deutschen. Obwohl, bezogen auf die Blogsphäre, ist da schon ein großer Unterschied zu sehen. Ich sehe, dass insbesondere bei englischsprachigen Blogs irgendwie viel mehr Bewegung drin ist. Das liegt wohl nicht nur an den Bloggern, sondern auch an der Aufnahme dieses Angebotes vom “Rest der Welt”.
- Digital Life analysiert das Gestern, Heute und morgen, mit eigenen, sehr spannenden Thesen gewürzt!
Der Hype um Blogs ist vorbei, das ist meine Meinung. Für mich sind Blogs eine Erscheinung, die das Mitmach-Web, Web 2.0, man kann es nennen wie man will, erst richtig an geschoben haben. Es ist vielmehr ein Hype gewesen, der von Blogs ausging, über Videoplattformen wie Youtube und weitere Dienste führte.Dienste, die es dem Nutzer ermöglichen, selbst am Netz aktiv teilzunehmen.
- Dimido meint:
etwas spielt der Robert unfair! Nur weil er zum Gelegenheitsblogger mutiert ist, muss das Bloggen nicht schlecht, und auch der Hype vorbei, sein. Wobei, gab es überhaupt ein Hype? Rund 200.000 Blogger in Deutschland soll es geben, im Verhältnis zu 82 Mio. Einwohner? Wenn etwas Vorbei ist, dann ist es die Zeit der Drei-Sätze Blogs – dafür gibt es Twitter! Twitter ist sehr unpersönlich, aber egal, es gibt ja den Hype
Ja und nein, der Hype ist vorbei -den es auch imho gab-, was für mich damit aber nicht gemeint war, dass Bloggen schlechter geworden ist, warum auch. Und mit Twitter gebe ich Dir ein fullack:)
- Kadekmedien’s Blog betrachtet das Thema aus Sicht von “Social Media” und legt damit den Schwerpunkt seiner Betrachtung auf Unternehmenskommunikation
- Spontis Blog drückt ähnlich wie Alex Kahl seine Faszination gegenüber dem intrinsisch motivierten Bloggen aus und gibt Blogs mit Zielrichtung Gelderwerb (ob nun Unternehmensblogs oder Blogs mit Ausrichtung, Werbegelder einzustreichen) wenig Chancen
3Sat über Blogs und die Informationsfluten
Markus Fuchs von 3Sat hat eine Replik “Die Informationskrise hat uns längst kalt erwischt” zu meinem Artikel verfasst und meint u.a.:
Lieber Robert, es mag sein, dass Blogs ihren großen Hype hinter sich gelassen haben aber glaube mir, es wird eine Zeit kommen – und die ist gar nicht all zu fern – in der Blogs, guter, authentischer, entschleunigter Stoff Gold wert sein wird. Eine Zeit, in der Blogger die rote Ampel praktisch täglich aufzeigen müssen.
Eine Zeit, in der Medienkompetenz nur durch eine kritische Informations-Elite gewährleistet werden kann. Man mag diese Blogger heute Bürger-Journalisten nennen und vielleicht werden auch einige Verlagsbosse und andere Entscheider aus den Medien in ihnen eine harmlose, langsam verebbende Trendwelle sehen.
Meine Wenigkeit und eine ganze Menge meiner Kollegen sehen in Bloggern alles andere als das. Blogger werden vermutlich die zentralen Kräfte sein, die diesen Kreis durchbrechen können und die zeigen werden, dass eine gut recherchierte Information den wahren Wert besitzt. Wer dann im Wettbewerb bestehen will, der muss eben wieder in Qualität investieren und nicht in bunte Bildchen und Sudoku.
Das ich das aus dem Munde eines Journalisten bzw. TV Redakteurs hören kann, hätte ich nicht gedacht. Die Zeiten ändern sich:)
Für einen Blogger allein ist dieser oben formulierte Anspruch wirklich nicht einfach zu bewerkstelligen. Aber man muss ja gar nicht alleine vor sich dahin bloggen. An dieser Stelle ein praktisches Beispiel, wie Blogger sogar global zusammen arbeiten können. Global? Ja, richtig gehört. Sascha Pallenberg ist ein Blogger, der sich mit Netbooks befasst und intensiv darüber auf Netbooknews.com. Das macht er jedoch nicht alleine, sondern in Zusammenarbeit mit anderen Bloggern, die über die jeweiligen Messen und Firmen vor Ort reporten und sich dabei – jetzt kommt das banal erscheinende Element – gegenseitig unterstützen, abstimmen und austauschen, welche Inhalte für ihr eigenes Blogpublikum spannend sein könnten, wen man aufsuchen und über was man berichten sollte. Dieses Netzwerk hilft dabei allen Beteiligten an Inhalte heranzukommen, die man alleine so nicht zusammen bekommen würde. Man teilt sich den Rechercheaufwand, natürlich auch die Inhalte und Quellen. Sascha und die anderen, dergestalt zusammen arbeitenden Blogger gewährleisten damit einen steten Zustrom an aktuellen und gut recherchierten News direkt von der Originalquelle.
Solche Verbund-Möglichkeiten sind jederzeit gegeben, wenn man etwas Gehirnschmalz investiert.
Was ist aus den Blogs geworden?
Der Hype um Blogs scheint gelaufen. Das steht für mich fest. Der Hype war nicht schlecht, im Gegenteil, es hat mitgeholfen, das Medium Blog als solches bekannt zu machen. Und damit das Bewusstsein zu schärfen, dass man einfacher denn je im Netz seine Gedanken und Aktivitäten an einer Stelle gesammelt platzieren kann. Damit bleibt das Blog als solches ein Dauerbrenner im Netz, für jeden, der sich Gedanken macht, ob und wie er etwas im Internet publizieren möchte. Auch das steht für mich fest.
Was aber bleibt nach diesem Hype über?
Zunächst einmal eine CMS-Technik (“cms”= Content Management System), ein Sammelsurium an Werkzeugen (Plugins und Templates) wie auch Communities um die Blogs herum (z.B. Wordpress.de) und natürlich eine große Zahl an Blog-Nutzern. Das sagt sich so leicht dahin, aber es bedeutet in der Tat viel. Es hat einen wahrgenommenen Standard geschaffen, Inhalte zu publizieren, wo es früher kaum Standards gab. Wo früher ohne Experten nichts ging, kann heute theoretisch jeder im Internet Inhalte produzieren. Großartig!
Dank dieses umfänglichen Blog-Biotops ist es zudem viel leichter möglich, die eigene Webseite so weit es geht zu individualisieren, ohne unbedingt auf Experten zurückgreifen zu müssen. Auch das trägt dazu bei, Menschen einen gefühlten Rahmen zu geben, sich besser ausdrücken zu können.
Ein Blog ohne Blogs? Say php nuke!
Ein kurzer Blick einige Jahre zurück, zu einer Zeit, in der Blogs nicht bekannt waren: Wer sich noch daran erinnert, wird wissen, wie schwer es war, ein geeignetes CMS zu finden, das einigermaßen einfach war, aber auch gepflegt und gewartet wurde. Untereinander vernetzt waren diese Seiten im dialogischen Sinne seltenst bzw. nicht in dem gefühlten Ausmaß wie es erst im Zuge der Blogs aufkam.
Bloggen = ein Naturgesetz der Kommunikation
Das bedeutet was? Kommunikation macht uns Menschen aus. Jede Technik, die uns das ermöglicht, hilft uns in jeglicher Ausrichtung, miteinander in Verbindung zu treten. Was wir daraus machen, obliegt der menschlichen Fantasie, und die ist zweifellos grenzenlos. Blogs helfen uns beim Kommunizieren, meistens öffentlich. Ebenso wie Telefone (eine nicht öffentliche Kommunikation) oder andere Techniken. Ich vermag jedoch nicht zu sagen, ob diese Kommunikationstechnik zu ähnlichen Auswirkungen führen wird, wie damals die Einführung der Telefonie und die damit einhergehende Explosion der Nutzungsmuster (Handel, Notrufe, private Nähe und stetiger Austausch, Militär). Was ich damit sagen will? Dass man Telefonie ebenso wenig wie Blogs als bloße Technik abtun sollte. Sagen wir es mal so: Der Hype war Blogs nicht abkömmlich, die Blogs dem Hype schon. Blogs haben nämlich den Hype überlebt:)
Blogs als Vorläufer vernetzter Kommunikation
Gerade die Vernetzungssystematik ist eines der herausragendsten Kulturmerkmale der Blogs. Manch einer spricht davon, dass Blogs nur eine Technik seien, ein simples CMS, doch verkennt und vergisst man dabei nur zu schnell um die innewohnenden Kulturtechniken, die sich mit der technologischen Weiterentwicklung der Blogs (ausgehend von den ersten Blog-Systemen) entwickelt haben. Bessere Mensch-Vernetzungs-Maschinerien wird man draußen im Netz kaum finden, nicht einmal Social Networks sind dazu in der Lage, mit dieser Intensität zu wirken?
Blogs und ihre Medienwirkung
So mag es nicht verwundern, dass es einigen Bloggern immer wieder gelungen ist, die Phalanx der Medienschaffenden und ihre Deutungshoheit der Wirklichkeit zu durchbrechen (@netzfeuilleton spricht von Spill-Over Effekten). Sie schaffen per se neue Deutungen und neue Wahrnehmungen im Kleinen und Dauerhaften, im Großen -über die Spill-Over Effekte- wäre das ohne die oben angesprochene Vernetzungssystematik nicht denkbar. Im Großen? Nicht in der Regelmäßigkeit wie die Presse und nicht ohne die Presse selbst, was ihre mediale Wirkung angeht, aber immerhin. Ergänzend der Hinweis von Tobbi, dass sich langsam aber sicher eine alltägliche Koexistenz zwischen Bloggern und Presse eingestellt hat.
Das war vor dem Hype so nicht zu verzeichnen gewesen, während dem Hype schon, nach dem Hype ist es ein Faktum. Jedoch, nur wenige Blogs haben es geschafft, eine ähnliche Wirkung wie etablierte Medienorgane zu entfalten, als Dauerbrenner. Dazu kann man ohne Weiteres Huffington Post oder aber Techcrunch zählen.
Hat uns der Hype nicht hoffen lassen, dass Blogs klassischen Medien das Wasser reichen können? Wenn dem so gewesen sein sollte, was ist ausgehend von dieser Extrembetrachtung übrig geblieben? In Deutschland würde ich sagen, dass es kein Blog gibt, das auf gleicher Augenhöhe wie ein bekanntes Organ spielt.
Dazu fehlt es noch an Kontinuität (gut möglich, dass einige Blogs nach einem Zeitrahmen von rund 10 Jahren im Großteil der von ihnen angesprochenen peer-groups extrem gut verankert sind und hohe, vertrauenswürdige Anlaufstellen darstellen). Kontinuität kann ohne Weiteres durch Häufigkeit und Teamstärke (Gruppenblogs) kompensiert werden. Doch mal ehrlich, wer hat schon die Zeit und die notwendige Kapitaldecke, um dieses Risiko zu gehen? Ohne Zielausrichtung Wirtschaftlichkeit wird es bei der one-Man/Woman-Show bleiben, damit auch bei der non-medialen Bedeutung auf gleicher Augenhöhe mit bekannten Medien.
Übertreibung als Vorausahnung
Dennoch würde ich gerne einen Punkt dabei festhalten, wenn es um die Außenbetrachtung seitens der Einnorder, eben der Medien geht: Wir hatten ähnliche Effekte in der New Economy beobachten können. Vieles wurde übertrieben dargestellt, was machbar wäre. Doch nachträglich betrachtet stellen wir fest, dass das meiste gar untertrieben war. So lachen wir über den Hype von Second Life? Ja und, jeder, der auch nur ein bisschen Fantasie hat, weiß, dass Second Life übermorgen eine weitaus größere Realität sein wird als es heute vorstellbar ist. Was wurde nicht gemutmaßt, gerätselt, latent befürchtet, was Blogs angeht? Speerspitze und Träger einer neuen Medienöffentlichkeit?
Heute können wir darüber lächeln, es ist zu früh. Nur wir ahnen, was es bedeutet, wenn sich Menschen zunehmend vernetzen, informieren, organisieren und austauschen. Wir ahnen und übertreiben gerne. Doch am Ende haben wir meistens recht, selbst wenn wir es “damals” nicht rational begründen konnten. Wir werden lernen, damit umzugehen. Und diese Kulturtechnik in eine nachvollziehbare, erlernbare Struktur pressen. Blogs im Sinne eines digitalen Publizierens steht demnach ihre Blütezeit erst noch bevor? Anzunehmen, aber in Form des heute so genannten “Bloggens” als vernetzte Kommunikationsform?
A-Blogs und ihre Rolle
Eines kann man mit Sicherheit ebenso feststellen: Man kann sich auf der einen Seite über die sogenannten A-Blogs in Deutschland echauffieren, ob ihres A’s, manchmal zurecht, manchmal unsinnig. Jedoch haben sie die mögliche Klammerfunktion, unbekannteren Blogs zu helfen, ihre Anliegen bekannter zu machen, nie wirklich als langfristige Chance und stete Verpflichtung begriffen. Eine Chance und Verpflichtung, die der deutschen Blogosphäre mehr Profil und Zusammenhalt verliehen hätte. So bleibt von außen betrachtet das Bild einer zwar hoch individuellen, andererseits egoistischen Blogosphäre übrig. Was wenig bis zero dazu beitrug, damit sich nachrückende, gerade ambitionierte Blogger ein Stück weit wohler fühlen und es ein wenig leichter haben. So wurde diese Klammerfunktion mit Innen- und Außenwirkung vernachlässigt.
Wirtschaftlichkeit von Blogs: Self Made Web
Nach dem Hype heißt also, dass Blogs, sagen wir mal, nicht mehr so wichtig sind? Weil nur ganz wenige bis gar keine Blogs wirtschaftlich sind, weil es kein Blog mit der FAZ aufnehmen kann?
Interessanterweise hat man Blogs immer wieder über ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einzunorden versucht (siehe dazu Kommentarhinweis von Markus, Blogs eben nicht nur über das Schema Geld einzunorden). Nach dem Motto: Wenn sich damit nicht vernünftig Geld auf einigermaßen etablierte Art und Weise (“40 Stunden Woche” wohl als gedankliche Basis) für jedermann verdienen läßt, können Blogs keine allzu große Bedeutung spielen. Eine sicherlich erlaubtes Gedankenkonstrukt im Sinne von Konkurrenzausschluss. Dabei sollte man nicht vergessen, dass diese Einnordungsversuche häufig seitens der Medienschaffenden kamen, die im Muster “Wirtschaftlichkeit und Massenwirkung” denken.
Ein irgendwie komischer Vergleich, als würden alle Blogger nur nach Wirtschaftlichkeit und Massenwirkung streben. Wirtschaftlich bieten Blogs imho ebenso gute und schlechte Chancen wie alle anderen Tätigkeitsgebiete auch, wenn man sich selbständig machen würde. Wenige schaffen es soweit, dass sie spürbar mehr als der Durchschnitt verdienen. Wir bräuchten zwar mehr Beispiele wie turi2 in Deutschland, um wirtschaftlich motivierten Bloggern Mut zu machen, aber noch ist nicht die Zeit für eine Endabrechnung gekommen. Sobald die Wirtschaft aus der Finanzkrise spürbar herauskommt, wird es sich zeigen, ob in D tatsächlich nichts geht, wenn man von Blogs leben will. Der neue Trend lautet Social Media und Blogger werden wichtiger denn je für die Werbe- und PR-Ecke.
Ist das etwas Schlimmes, dass wenige von Blogs in unserem Land leben können? Ach was, die Technik Blog war ja nie darauf ausgerichtet wie etwa Druckmaschinen oder ein Radiomast, Inhalte bewusst in der Masse an den Mann zu bringen. Dazu bestand und besteht kein ökonomischer Zwang, da ein Blog per se weitaus günstiger als eine andere Publikationstechnik daherkommt. Sie entstand als Mittel, Links einfacher verwalten zu können und hat sich als Technik des “Kleinen Webmannes” etabliert. Frank Rösch meint dazu auf Twitter: “Aus Blogs sind, Newseiten, Magazine, private Websites hervorgegangen, ein Mitbegründer des selfmade webs?”
Fiasko Unternehmensblogs
Self made? Was ist mit den Unternehmen? Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich Cluetrain Manifesto in Zusammenhang mit Corporate Blogs gehört habe. Eine Art Chance auf authentische Kommunikation seien Corporate Blogs. Ein Bessermacher, Heilemacher, ich weiß nicht, was noch alles. Was ist draus geworden? Zwei mittelständische Betriebe -Kelterei Walthers / Saftblog und Frosta / Frosta-Blog- haben der gesamten Wirtschaftselite Deutschlands die Zähne gezeigt, wie man das Medium nutzt.
An Peinlichkeit kaum zu überbieten, wenn es darum ginge aufzuzeigen, wie zahlreich und innovativ gerade Top-Unternehmen in Deutschland sind, moderne Kommunikationswege zu explorieren, zu erfahren und umzusetzen. Woran es lag und liegt? Das überlasse ich liebend gerne den Social Media Beratern, das wenn überhaupt möglich zu reparieren. Heerscharen von Kunden wandern ins Netz ab, während PR und Werbeagenturen fieberhaft an digitalen Strategien arbeiten, sich überhaupt erst einmal intern aufzustellen (“oh, das Web ist da, damn, huch”) und solange schnarcht Wirtschaftselite dahin. Schulterzuck. Variabilität, Experimentierbereitschaft und Vielfalt wird von den Privatbloggern vorgelebt. Beharrlichkeit und Langweiligkeit in der Kommunikation von Großunternehmen.
Was aber erfreut, sind die zahlreichen Blogs von Selbständigen, Freischaffenden und kleinen Mittelständlern. Hier hat man ohne Administrations- und Abstimmungsarien Anlaufstellen geschaffen, Blogs als Chance erkannt und aufgegriffen. Natürlich reden wir nicht von Millionen von Blogs (bei 3 Millionen Gewerbetreibenden in D), aber es zeigt auf, dass es geht. Und sei es nur, um erhebliche Kosten im Bereich SEO zu sparen, wenn es nur das sein soll. Jeder Cent zählt, wer will da mosern? Nirgendwo steht, dass Blogs nicht für SEO-Zwecke genutzt werden dürfen.
Themenvielfalt in der Nische bleibt ein Dauerbrenner
Gerade die Variabilität von Blogs ist faszinierend! Wir können wohl davon ausgehen, dass es mittlerweile keine Ecke mehr gibt, die von Blogs nicht inhaltlich abgedeckt wird. In jeglicher Form, in jeglicher Tiefe und Breite. Ob es nun Blogs sind, die einzelne Personen betreiben oder auch Gruppenblogs, von mehreren Personen befeuert (siehe @meselfandi). Das ist etwas, was im Zuge der relativen Einfachheit bei der Bedienung einer Blogtechnik einhergeht. Und diese Variabilität wird auch nach der Hype-Phase so bleiben. Hans beschreibt das im Kommentar recht treffend imho.
Blog-Motivation nach dem Hype
Eines fällt aber nach der Hype-Phase gefühlt subjektiv auf: Einige Blogger haben ihre Postingfrequenz heruntergeschraubt, andere haben es ganz sein lassen. Es mag daran liegen, dass sich im Hype Menschen mit Blogs beschäftigt haben, ohne einen tatsächlichen, inneren Antrieb aus sich heraus dafür verspürt zu haben. Sie sind einer Art Modeerscheinung gefolgt. Nachdem die Mode durch ist, trägt man diese Mode nicht mehr. Passend dazu der Kommentar von Mawin.
So spricht @Zielpublikum von “geboren um ein Trend zu sein vs. von der Schnellebigkeit überrannt“. Andere Gründe liegen auf der Hand: Blogger stellen relativ schnell fest, dass es kein Leichtes ist, Leser zu finden, Feedback zu bekommen (sozialer Anreiz), gar spürbare Einnahmen (monetärer Anreiz) zu generieren. Was relativ schnell zu Frust führen kann oder aber eine wesentlich geringere Bereitschaft nach sich zieht, sein eigenes Blog überhaupt noch zum Publizieren zu nutzen. Das Thema “Content-Klau” und Spam (siehe @hasumifrabu Tweet 1 und Tweet 2 dazu) tun ihr Übriges dazu beitragen, dass es nervt.
Blog-Nachfolgesysteme
Es gibt mittlerweile andere Nutzungssysteme, die ein noch einfacheres Publizieren (momentan Posterous.com und Twitter.com) und ein noch schnelleres Feedback (momentan Twitter.com) ermöglichen. Und damit Nachteile von Blogs in Teilen aufwiegen. Für die schnelle Zwischendurch-Kommunikation und das schnelle Zwischendurch-Publizieren sind das in meinen Augen überlegene Systeme, deren Nutzungshürden niedriger sind als bei herkömmlichen Blog-Systemen. Was nicht heißt, dass diese Lösungen nicht auch Nachteile hätten.
Klar, natürlich war es der vernetzten Blog-Kommunikation auf den ersten Blick nicht zuträglich, dass zahlreiche Linkverweise von Blogs-zu-Blogs gen Twitter ausgelagert wurden. Aber so wild ist das im Grunde genommen nicht, ich empfinde das als Vorteil, dass wir in D einen zentralen Verteiler-Knotenpunkt schaffen, der uns bisher im Sinne von “Social Recommendations” stets gefehlt hat (betrachtet man Beispiele wie Digg.com, StumbleUpon und andere, die US-Bloggern immens geholfen haben).
Auf der anderen Seite, Technik ist lediglich Ausdruck einer Kultur. Und wer hat gesagt, dass eine Technik auf ewig stehen bleibt oder aber nicht weitere Techniken nach sich zieht? Posterous ist ein Vertreter aus der Gattung der weiter entwickelten Systeme des gedachten, einfachen Publizierens. “Status Updates” finden sich mittlerweile nicht nur auf Twitter, sondern auch auf Facebook, Xing und Konsorten.
Ausblick in die Kristallkugel
So bleibt die Grundidee des Bloggens sicherlich noch lange Zeit bestehen. Mehr noch, sie wird weiter entwickelt, im Zuge der Mobilisierung des Internets einen dramatischen Zulauf gewinnen (subsummiert man gedanklich darunter auch Twitter und Co.), sie wird noch verdrahteter und vernetzter sein, nicht nur Menschen werden vernetzt, auch Dinge und Orte. So ist das, was wir heute sehen (als Ergebnis der letzten 10 Jahre) lediglich ein Vorläufer in meinen Augen, dass sich Menschen zu jeder Zeit und an jedem erdenklichen Ort in der Digitale Ausdruck verschaffen.
Wenn man so will, war der Hype dem Bloggen nie gerecht worden, selbst der Hype hat dieses Thema weit unterschätzt.
Bloglinks abnehmend: Linkkrise? Who cares. Wichtig ist, was wirkt.
Mitnichten. Der seit langer Zeit zu beobachtende Effekt, dass weltweit Blogs an Links verlieren (messbar über Technorati), weil sie gegenseitig seltener aufeinander verweisen, wurde von Jens Schröder untersucht. Seine Annahme ist, dass zahlreiche Aktive nunmehr über Twitter vermehrt verlinken. Und in der Tat, er findet seinen Annahme bestätigt: blogs, twitter und links. Gedanklicher Seiteneinschub: Links sind per se wertlos. Sie sind auch und vaD ein Indikator dafür, ob Menschen miteinander sprechen oder nicht. Daher misst man die Links, wenn man das wissen will.
Vornweg, es gibt kein “gut” oder kein “schlecht” dabei, wenn man diese beiden Tools, Blogs und Microblogs vergleicht. Weder dient ein Blog-Werkzeug seiner selbst, noch ein Microblog. Sie sind Werkzeuge, mit deren Hilfe man sich austauschen, orientieren, vernetzen, kennenlernen, informieren und amüsieren kann. Unabhängig dessen, wie intensiv man das mit dem einen oder anderen Tool ausüben kann, bleibt eines vor allen Dingen festzuhalten: Blogs erscheinen dem Nichtnutzer als schwergängige Tools, die man mit einem ungewöhnlich hohen Engagement befüllen muss, um sie zum Leben zu erwecken, um sie schwingen zu lassen, den Leser mitzunehmen. Überhaupt auch nur ansatzweise auf die Ideen und das notwendige, positive Gefühl zu kommen, dass man ein Blog startet, bedarf eines immensen Anlaufs. Das bedarf wie in unseren sonstigen Lebenssitutationen viel Energie eben. Denn, wer schwingt schon am laufenden Band täglich geschliffene, lange Reden?
Warum das wichtig zu verstehen ist? Wenn man sich für Menschen interessiert, sollte man sie auch verstehen. Und, wie sie wann welche Werkzeuge zum Kommunizieren nutzen. Wenn man sich nicht dafür interessiert, braucht man sich nicht damit weiter zu beschäftigen, aber dann nicht auch meckern, dass andere selbstreferentiell übers Bloggen oder Twitter bloggen/twittern.
Es tun eher wenige, die sich den Kopf zerbrechen. Und erst so auf dieses notwendige Niveau kommen, um überhaupt ein Blog zu beleben. Umgekehrt werden auch viele von uns Bloggern das Gefühl kennen. Dieses Gefühl, wenn man keine Lust hat, etwas auszuformulieren, überhaupt einige Sätze zu schreiben. Man fühlt den Abstand zum Blog, das sich in diesen Momenten wie ein Fremdkörper und nicht wie ein verlängerter, geistiger Arm seiner selbst anfühlt. Und man wird partout nichts verfassen.
Die geistige Hürde zu nehmen fällt leichter, wenn man im “Flow” eines stetigen Schreibens ist. Je seltener man das tut, umso mehr Anlauf braucht man, sich in den Blogsattel und die Feder zu schwingen. Doch wer hat schon diese Zeit? Und die Energie dafür? Nach dem Job etwa, wenn man müde nach Hause kommt und Zeit für seinen Partner aber auch für sich in Ruhe aufbringen muss? Das gedankliche Umschalten “ich blogge jetzt” ist in der Tat nicht so einfach, wie man sich das vielleicht auf den ersten Blick ungedacht vorstellen mag.
Ich denke nach wie vor, dass wir uns geistig auf das Blogwerkzeug einlassen und einstimmen müssen, es in der Gänze vor dem geistigen Auge erleben, wenn wir gedacht etwas schreiben wollen, wie es sich anfühlen wird. Wir nehmen dabei vieles vorweg. Den Schreibprozess als solchen, bei dem man sich und seine Eindrücke reflektiert. Bewusst. Ja, Bloggen heißt defintiv bewusster erleben und leben, wenn man so will. Eine an und für sich wunderbare Geschichte. Wer bewusster durch sein Leben geht, wird es intensiver erleben als andere. Wenn Blogs nur nicht diese Energiefresser wären. Man nimmt die Reaktionen der Leser vorweg. Wie wird es sich anfühlen? Vielleicht fühlt es sich auch negativ an, da man weiß, dass kaum einer kommentiert. Man lässt es optisch auf sich wirken, wie wohl der Artikel eingebettet im Bloglayout wirkt. Man strukturiert die Gedanken vorab. Man ahnt auch, dass beim Schreiben neue Gedanken aufkommen. Dass man unter Umständen neu strukturieren wird. Man korrigiert dabei erneut seine Eindrücke, wie der Leser dann wohl darauf reagieren wird. Wird es ihn mehr interessieren? Weniger? Wie überhaupt Leser erreichen? Wo kommen die her? Wie finden die zu einem? Was muss man dafür tun? Könnte man messen, wieviel Leistung das menschliche Gehirn dabei verbraucht -gegenüber anderen, geistigen Tätigkeiten- dürften Blogs ziemliche Energiefresser sein.
Wundert es noch, dass viele ihr Blog aufgeben? Links liegen lassen? Man bringt nicht immer diese Energie auf. Der Einstieg war schon nicht einfach. Und je länger man vom eigenem Blog weg bleibt, hat man immer weniger Lust, den Einstiegsprozess jedes Mal aufs Neue zu durchleben, um auf das notwendige Niveau zu kommen, wieder auf einem Level mit dem vom Werkzeug geforderten, mentalen Leistungen zu sein. Häufig sind es jedoch keine 1- oder 0-Entscheidungen. Es geht nicht immer darum, ob man bloggen soll oder nie wieder. Es geht um das Wie. Hat man lange genug gebloggt, wird der Mensch seine Erfahrungen so weit verdichtet haben, dass sie gespeichert bleiben, um relativ einfach neu abgerufen werden zu können. Um erneut einen Blogartikel zu verfassen. Das merkt man dann an der Artikelfrequenz, dem sich verändernden Stil, der Artikellänge, aber auch an dem Inhaltlichen selbst. Ganz so, als hätte der Blogger seinen Weg mit seinem Blog als Begleiter seiner selbst gefunden.
Jetzt muss ich gar nicht mehr so viel zum Microblogging sagen, wenn ich das o.g. Revue passieren lasse. Leichtüßiger erscheint es, weniger energiefressend, die Kommunikation ist flüssiger, zeitnäher, aber auch leichtgängiger, weniger intensiv, weniger tief. Es entspricht schon eher den Gewohnheiten der Menschen. Obgleich es den bewussten Menschen -der seine Gedanken gerne offen reflektiert- und dessen Durst nicht alleine stillen wird. So bei mir. Ohne ein Blog gehts nicht, mit Twitter gehts, aber ohne kann ich auch.
