Link-Geschäfte: Warum Blogger nicht besonders helle sind

publiziert am 16.04.201427 Kommentare

Das klassische Linkgeschäft ist rechtlich wohl als ein Mietvertrag mit befristeten und unbefristeten Charakter zu verstehen. Befristet? Unbefristet? Viele Linkhändler mauscheln oder schweigen gar bei den Vertragslaufzeiten gegenüber dem Publisher = Blogger. Insofern es überhaupt einen ausformulierten Vertrag gibt (Mail-Geschäft auf Zuruf: “Hier, Text und Link für Dein Blog, gebe Dir 10 Euro, Du billiger Blog-Schreiberling“).

Bei manchen Linkhändlern steht nämlich in der AGB sowas wie
Der Publisher verpflichtet sich, den Content und den/die darin befindlichen Link/Links grundsätzlich für eine Dauer von mindestens zwölf Monaten in seinen Medien zu veröffentlichen.
aber dann steht wieder im normalen Webseitentext (wer schaut schon in die AGBs…)
Die Regel besagt solange Ihr Blog existiert. Unabhängig davon, dass Sie sich damit bei den Advertisern weitere Buchungen verscherzen, würde Ihnen auch bei Herausnahme eines Blogpostings, Inhalt verloren gehen. “.

Das nennt sich Nebelkerzenweitwurf bzw. HüHot-Verhschleierungstaktik. Heißt? Der Blogger soll dem erweckten Anschein erliegen, den eigens im heruntergeschriebenen Blog-Artikel platzierten Kauflink irgendwie-halt-so-auf-Dauer-und-unbegrenzt stehen zu lassen. Dass er sich dabei übers Ohr hauen läßt, soll hier thematisiert werden. Unbefristete Platzierungen von Artikeln mit Kauflinks sind nur was für Blogger, die zu nett für diese Welt sind.

Betrachten wir es also ökonomisch, was das bedeutet und schalten damit dieses ominöse “ich bin so nett” damit aus. Der Blogger lässt sich für einen Link bezahlen, baut den Artikeltext drumherum und kassiert sagen wir mal 100 Euro ein (ich müsste eigentlich 10 oder 20 Euro realistisch ansetzen, aber vor lauter Flennen käme ich nicht mehr zum Schreiben, wie billig manche Blog-Mutationen geworden sind). Der Artikel wird dann von Google gescannt, der Link bemerkt und im Suchindex gespeichert und berechnet. Wenn es gut läuft, rangiert die verlinkte Seite bzw. die Seite des Kunden, der letztlich für die Kauflinks bezahlt, in der Google-Suche etwas höher. Alles gut? Ne, das Drama ist eine Zeitbombe, die jeden Kaufmann vor lauter Verzweiflung in den Selbstmord treiben würde.

Der Blogger bekommt also einmalig 100 Euro. Ok? Und wie lange läuft der Artikel nun? Solange das Blog existiert? Solange der Blogger überlebt? Mit jedem weiteren Jahr darf sich der Blogger grün und blau ärgern, wenn er den Artikel nicht ratzfatze vom Blog nimmt. Alles andere ist eigene Dummheit. Daher die klare Ansage: Nehmt den Artikel nach Ablauf eines Jahres vom Blog. Bis dahin ist die Leistung erfüllt, laut AGB. Wenn es keine AGB gibt, lasst Euch das schriftlich geben. Laufzeit 12 Monate und auf Wiedersehen.

Verlängerungen lasst Euch ordentlich bezahlen. Den Basispreis 100 plus Aufschlag! Aufschlag? Na hallo, dein Blog wird mit der Zeit sichtbarer. Was für Google heißt: Deine Links werden wichtiger. Du gewinnst an Trust. Du bekommst mehr Besucher. All das zusammengenommen – auf grobste Art und Weise verkürzt – steigert den Wert deines Blogs. Und damit steigt dein Preis, den Du für verkaufte Artikel mit Linkplatzierung einnehmen kannst und EINFORDERN SOLLTEST! Dein Blog ist jedes Jahr mehr wert. Das zweite Jahr noch mehr. Das dritte Jahr schon wieder. Und Du willst nur einen Einmalbetrag von lumpigen 100 Euro für die gesamte Laufzeit deines Blogs nehmen? Mach die Kasse dicht, das Blog zu und geh twittern!

Anbei eine Beispielsrechnung, was ein Blogger verdient
- gewöhnlich mit Google AdSense ohne Risiko
- mit Linkverkauf iHv 100 Euro einmalig
- mit Linkverkauf und WERTANPASSUNG
Die Zahlen werde ich nicht groß kommentieren (klick zum Vergrößern). Auf eine einzige Sache kannste achten: Die letzten Zeilen. Wenn Du 12 Links im Jahr verkauft hast und diese einfach über die Jahre ohne Wertanpassung laufen lässt, beträgt Dein Verlust nach 5 Jahren im Mittel rund 1.100 Euro und nach 10 Jahren im Mittel rund 13.000 Euro.
Linkkauf

Learning?
1. Verkaufe niemals einen Link unbefristet!
2. Kappe den Artikel nach 1 Jahr = LÖSCHE IHN! Oder:
3. Verlange vom SEO deines Vertrauens einen angepassten Jahresbetrag, 100 Euro plus X.
4. Wenn der SEO nicht will, kicke ihn einfach. Entweder können die ihren Werbekunden gegenüber keine seriösen Geschäfte erklären oder sie sind nicht in der Lage, Deinen Wert zu respektieren. Mietverträge haben auch Kündigungsfristen, speziell Unbefristete!
5. Es ist besser, Geschäfte mit Seriösen zu machen und auf schnelle Kurzeinnahmen zu verzichten!
6. Verkaufe keine Links mehr für 10, 20 oder 30 oder 40 Euro, das ist Straßenbloggerei!

Sind YouTuber unterbezahlte Werbeschleudern?

publiziert am 03.04.20144 Kommentare

Das NDR Magazin Zapp hat sich nach dem ARD Report Bericht ebenfalls des Themas Schleichwerbung auf YouTube angenommen. Den Sendebeitrag könnt Ihr Euch auf NDR.de anschauen: ZAPP – Das Medienmagazin (siehe auch WebTV: Productplacement auf Youtube).

Erneut wird der gleiche Vorwurf erhoben: YouTuber halten ihre Nasen in die Cams und preisen Produkte an, für die sie von den Unternehmen bezahlt wurden. Hierbei würde keine oder keine ausreichende Werbeangabe getätigt. Um was zu verhindern? Um die Zuschauermassen vor Masseneinkäufen zu bewahren. Denn sie würden sich so sehr von den YouTube Stars und Sternchen beeinflussen lassen.

Was sind dabei die Problemzonen?

1. Der Zuschauer: Soweit ich das sehe und überblicke, ist es den Zuschauern völlig wumpe-pumpe, ob ihre YT-Lieblinge für Werbegeld etwas in die Kamera lachen und so wie ein Herr Tutorial aufquietschend ein Samsung Handy in den Himmel loben. Nein, nicht wumpe-pumpe, sie finden es toll. Wir schreiben immerhin das Jahr 2014 und die Industrie hat genug Zeit gehabt, den Konsumenten auf positive Reaktionen ob toller Produkte und Werbespots zu trainieren. Werbung gehört heute schlichtweg zum Kulturgut. Und umso schöner natürlich, wenn einer ihrer YT-Kanalbetreiber einen auf Werbespot macht. Anstatt ein Opa namens Beckenbauer oder ein Bartträger namens Klopp, der irgendeinen Fußballverein trainiert, in die Kamera lächelt und das Samsung Handy streichelt. Aber sollten sie nicht wenigstens wissen, dass es sich… nein.. Zuschauer sind nicht so blöde zu glauben, dass ein Herr Tutorial niemals für Geld in die Kamera lächelt und eine Frau Daaruum niemals lügen würde – auch nicht gegen Geld – ein Hautschmiermittel supersupergeil zu finden. Es gehört eben zum Spiel der Konsumentenkiddies dazu, die einen Teil ihres Selbst über den Besitz von Produktgütern definieren und definieren lassen. Wir Alte können uns darüber Sorgen machen oder aufregen, aber es wäre extrem unehrlich, da wir unsere Kinder zu Konsumenten und funktionierenden Käufern mit erzogen haben. Konsumkritik hin oder Trostpflaster her. Wir haben ihnen diese Welt vorbereitet und gemacht.

2. Das Unternehmen: Soweit ich aus besten Quellen informiert bin und es selbst immer wieder erlebt habe, sind Unternehmen magisch von Authentizität angezogen. Eine doofe Werbedeklaration als Texteinblendung unter einem lachenden Schnuckel wie Herr Tuturial oder zappelnden Y-Tittys würde das Samsung Handy nur pomadig machen. Sie sind allzu gerne bereit, die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer nicht zu sehr mit ablenkenden Hinweisen wie “Zu Risiken und Dispozinsen lesen Sie die Kontogebühren und fragen Sie ihren Bankberater oder Mutti” vom Laschgenuss abzuhalten. Diese entgegenkommende Höflichkeit macht es der dritten Problemzone einfacher, die Hand aufzuhalten und das Strahlefraulächeln einzuschalten. Der Zuschauer will es auch nicht haben, wie oben beschrieben. Außerdem weiß selbst der unterbegabteste BWler in frühesten Studiensemestern, dass man Konsumenten in jungen Jahren Markenzeichen einbrennen muss (“Branding” gabs früher für Rinder, heute für unsere Kinderrinderherden:), umso später das erfolgt umso unwilliger die Markenaffinität und umso teurer die Markenmaßnahmen (Altersstarrheit hat was Gutes oder Schlechtes, je nachdem).

3. Die YouTuber/Werbevermittler: Warum zur Hölle sollte ein YouTuber oder ein Werbepillendreher wie Mediakraft Lust auf Opa-artige Deklarationen haben? Das Geschäft läuft auch so, die Fans finden das super-lahm, die Unternehmen brauchen den Unsinn ebenso wenig. Natürlich reagieren die YouTuber auf Anweisung und Gruppendruck pampig und halten Schilder wie “Ich bin ein Angeber” in die Kameras. Werfen dem Öffentlich-Rechtlichen selbst Schleichstricherei vor. Mit aufgesetzten Punk-Gehabe landet man immer noch, weil man nun einmal als Regelbrecher und Revoluzzer nach wie vor und seit jeher bei Jüngeren landet ud Punkte macht. Uns Alten ist das Spiel zu blöde, weil uns andere Sachen denn Selbstfindungstrips wichtiger sind, aber wir sind auf YT auch nicht die gefragte und gesuchte Zuschauergruppe.

Als Ökonomiker würde ich bei sachlicher Betrachtung aller drei wesentlichen Mitspieler durchaus sagen, dass sich ein Herr Tutorial und all die anderen weit unter Wert verkaufen. Denn wirklich stören tut es niemanden, die alten Regelaufseher haben nichts zu melden, die Unternehmen müssen die Brandeisen auf die nachwachsenden Käuferherden brennen, die jungen Helden brauchen anhimmelnde Abonnenten, die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer brauchen ihre Helden umgekehrt zur freizeitlichen Bespaßung. Das ist nicht viel anders bei Bloggern, beim TV oder bei der bunten Presse. Jeder dient seiner Rolle.

Wir waren Helden

publiziert am 31.03.201414 Kommentare

St. Tropez Die verwöhnten Prachtblogger von Heute wissen gar nicht, wie wir uns damals jeden Leser, Klick und Link erkämpfen mussten.

Wir hatten weder WordPress noch Plugins, die das Blog unendlich nach Belieben aufbohren konnten. Wer seinen Artikel veröffentlichen wollte, musste seine eigene HTML-Datei erzeugen. Wir hatten auch kein Facebook, Twitter oder GPlus, um unsere Artikel zu verbreiten. Nix da mit Shares, Likes, Favs, Retweets, +1, was heute das Bloggen zum Elektrofahrradfahren macht. Wenn Dich Mama Google und die doofen Alphablogger nicht mochten, konntest Du da bleiben, wo der Hoster Deine Seite lagerte. Und wenn Du nicht texten konntest, gab es halt kein YouTube, um Deine Nase gackernd und dummblödelnd in die Webcam zu halten. Bloggen war nix für die Ungeduldigen, die Faulen, die Geldgeilen. Bloggen war was für harte Frauen und Männer. Wir waren Helden. 10 von uns waren wir 1000 von heute.

Geld verdienen war tatsächlich mehr eine Scherzfrage, keine Firma wusste, was bittschön ein Blogger sein soll. Wenn, dann schütteten Unternehmer, Agenturen und bezahlte Medienschreiberlinge kübelweise ihre Belustigung über uns aus und wir zeigten ihnen dennoch amüsiert den Mittelfinger, anstatt freundlich zu lächeln, wie es die Blogger von heute akademisch tun, wenn sie angemacht werden. Werbung? Galt auf Blogs als brandgefährlich, welch Wunder! Einladungen? Oh my god! Wer wollte uns Aliens mit zwei grünen Antennen schon sehen, es sei denn, wir wurden auf Zoo-Events zur Schau ausgestellt. Heute wirst Du gepimpt, mit Klamotten, Links und first class Events zugeschüttet. Heute? Was brauchst Du? Schuhe? Dann schnorr es Dir als Blogger zusammen, Testschuhdauerleihgaben sind kein Problem. Damals nannte sich das noch “kauf es Dir selbst“.

Wir schrieben aus Ruhm und Ehre, aus Spaß und Freude am Bloggen. Gegen alle Widerstände und Auslacher. Weil wir es konnten und wollten. Niemand erkundigte sich nach ollen paid postings, bevor man bloggen wollte. Und wenn uns Mama Google immer noch nicht mochte, war uns das weiterhin sowas von wumpe-pumpe, weil uns SEO als künstliches Textgequake erschien.

Die alten Tage sind vorbei und vergessen. Wir haben den Bloggern von heute den Weg geebnet und freigebloggt. Sie haben es leichter, viel leichter. Bloggen ist heute? Einfacher. Schneller. Weiter. Ob sie sich als würdig erweisen, die Neuen? Würdig? Heißt es nicht, dass jede Blogger-Generation ihre eigenen Regeln mit sich bringt?

Damals war alles besser, klar :)

Die Arschkarte und Mangel an Menschlichkeit

publiziert am 03.09.201318 Kommentare

Im Juni berichtete ich von einem Deutschen, der in Bahrain festsitzt. Jürgen Ziebell (Blog) heißt das arme Schwein, der seit Mai 2012 aufgrund des sogenannten Travel Bans von den Behörden an einer Ausreise abgehalten wird. Gegen ihn liegt kein Verfahren an, es geht eigentlich nur um seinen Arbeitgeber, der dort Schulden gemacht hat und nicht zahlen will oder kann. Jürgen ist ein klassischer Faustpfand. Wie sein Alltag ausschaut, könnt Ihr gerne hier in einem Artikel nachlesen: Jahr 2 Tag 116: Lebensgefahr auf der Feuer Straße.

Er selbst versucht natürlich, den Travel Ban aufzulösen, aber sein Rechtsanwalt bekommt zu mickriges Geld vom Auswärtigen Amt, um sich damit ernsthaft zu befassen. Die deutschen Behörden schieben und halten nur hin, effektiv haben sie nichts getan, was Jürgens Problem löst. Also harrt er im Wüstenstaat aus, tagein, tagaus, ohne Aussicht auf irgendeine Lösung.

Als mir sein Fall erstmalig vor die Nase gekommen war, hatte ich diverse Firmen gefragt, ob sie ihm auf die eine oder andere Art wenigstens einen fahrbaren Mietwagenuntersatz sponsorn könnten, denn es ist kein Zuckerschlecken meilenweite Einkäufe bei 50 Grad zu Fuß zu erledigen (keine Kohle, kein Auto). Ich habe nicht etwa den kleinen Bäckersladen gefragt, sondern Großfirmen, die in Milliarden schwimmen und sich Soziales auf die Fahnen schreiben. Alle haben abgewunken, einige wenige lumpige Euros zusammenzukratzen. Es würde nicht den “Compliance-Richtlinien” entsprechen. Die Medien habe ich darauf hingewiesen, die winken regelmäßig ab, weil es im Grunde keine Story ist, die sich medial ausschlachten ließe. Business. Ich hatte direkt vor Ort nachgefragt, aber es fand sich niemand, der sich um ein Häuflein Elend kümmern will. Wozu auch, es gibt nicht einmal einen Blumenstrauß zu gewinnen. Auf politischer Ebene kann ich nicht werkeln, da ich weder Erfahrungen habe noch Kontakte, um irgendwas anzubohren.

Als ich nach Deutschland kam und mir meistens Gutes wiederfahren war und ist, habe ich immer und stets eine Verpflichtung gesehen, das wo immer möglich dem Staat und den Bürgern dieses Landes zurückzugeben. Mein gutes Leben habe ich Deutschland zu verdanken. Das ist keine Selbstverständlichkeit, da viele vor mir um ein besseres Deutschland gekämpft haben. Vieles basierte auf Menschlichkeit.

Doch was ich hier erfahren muss, ist auch eine Realität: Stirb und verrecke, denn Geld und Einfluss regiert die Welt. Ich kann und will das so nicht stehenlassen. Ich möchte nicht in einem Land leben, wo die Menschen, wenn es kompliziert wird, abwinken und sich um ihren eigenen Scheiß kümmern, ihren Vorteil abwägen. Angefangen bei den Firmen bis hin zu den Ämtern. Ein Staat basiert nicht darauf, dass jedermann und jederfau sich nur um eigene Belange kümmern. Und ich mag nicht hinnehmen, dass Mitleid und Mitgefühl nur noch zu einem regulierten Sozialwort verkommen.

Wenn es einen Jürgen Ziebell gibt, wird es viele andere geben. Das sind keine Statistiken und Zahlen, es sind Menschen. Und wenn sie Hilfe brauchen, frage ich nicht nach Schuld, Eigenverantwortung, meinen eigenen Vorteilen. Mit Menschlichkeit bin ich aufgewachsen und ich werde mit Menschlichkeit abtreten. Ungeachtet dessen, dass Menschlichkeit in Deutschland anscheinend mit der Lupe zu suchen ist.

wie Klein DAU mächtiger als die USA ist

publiziert am 12.07.201311 Kommentare

Uha.. großspuriger Titel. Einem US Politiker ist nichts wichtiger als das Wohl seines Volkes und dem Wohlergehen der US Unternehmen. Dem Volk ist nichts wichtiger als ein guter Job. Und dem Unternehmen ist nichts wichtiger als Erfolg. Du bist ein Nichts dagegen.

Wenn demnach ein Mr. Kleinbürger namnes Snowden irgendwas von Kooperationen zwischen US Unternehmen und US Behörden ausplaudert, kann man mit der Schulter zucken. Als Klein DAU. Was soll man schon machen, wenn über Skype, Google Mail, Facebook Mail, Microsoft Outlook und Hotmail, Apple Mail und all die anderen, hübschen Produkte all Deine schmutzigen Gedanken, Veranlagungen und Geheimnisse den US Behörden bei Bedarf auf dem Silberteller serviert werden? Du gegen das Riesenreich und absolute Supermacht USA? Bitte… das ist lächerlich. Doch so lächerlich klein dagegen Du bist, so braucht es keine Größe, um US Politiker und US Unternehmen zum Schwitzen zu bringen.

Natürlich bist Du dermaßen unwichtig für die USA, dass sich keine Socke dafür interessiert, dass Du Kinder in Thailand vögelst, Steuern in D hinterziehst, mit Drogen handelst, insgeheim als Schwuler eine nach außen hin glückliche Ehe führst, oder vielleicht die kleineren, schmutzigen Alltagsgeheimnisse mit Dir herumträgst. Das sind Allerweltsdinge. Das ist eine gute Nachricht für Dich. Du bist egal und wertlos für Auswertungen seitens der US Behörden. Die nun einmal gespeichert sind über Dich, wenn Du zu dumm warst, dies in den elektronischen Kanälen preiszugeben, egal wie privat Du dabei warst. Wenn Dir das demnach auch egal ist, dass Deine Kollegen wissen, dass Du ein Swinger bist, als Vorstand die Sadomaso Clubs aufsuchst, um Dein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen, wenn es Dir egal ist, dass Du Deine Frau betrogen oder geschlagen hast, wenn Dir all der Kram egal ist, dass es Dritte wissen, ob Behörden, Freunde, Verwandte oder Kollegen, dann hör auf zu lesen. Hier an dieser Stelle. Belass es dabei, dass Du nichts zu verbergen hast und schon gar kein Bombenleger bist. Alles wird gut.

Sollte Dir das aber auf den Sack gehen, dass es Dritte wissen, die es nicht wissen sollen, dann stehen Dir digitale Massenvernichtungswaffen zu Verfügung, die Du vor Deinem PC sitzend einfach so auslösen kannst, egal wie faul Du bist. Es ist das simpelste der Welt, willkommen im Neuland:

Greifen wir auf obige Logik zurück. US Unternehmen lieben den Erfolg. Sie sind auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen. Die Mitarbeiter inklusive. Angefangen beim Vorstand, der an Optionsscheinen bis zu hunderte von Millionen USD an Einkommen generieren kann, über mittlere Entscheidungschargen, die sechs- bis siebenstellige Prämien einkassieren, bis runter zum Angestellten ohne Entscheidungsgewalt, der seiner Mutti gerne den Gehaltsstreifen von 8.000 USD monatlich präsentiert.

Alle werden sehr nervös, wenn es um ihren eigenen Rock geht, der ihnen natürlich am nächsten ist. Nervös werden sie dann, wenn Du unwichtiger Klein DAU, minimalster Umsatztwasserträger auf den digitalen Knopf drückst.

Alles was Du tun musst? Du kannst auf einem beliebigen Kanal, Youtube, Facebook, Support-Mail, Blog, Amazon Rezension, Google+ Deine Firma anpieksen. Die wichtigsten sind bekannt, die Kommunikationswerkzeuge anbieten, worauf die US Behörden super scharf sind, um an die Kommunikationsdaten zu gelangen. Apple, Microsoft, Google, sie müssen mit den US Behörden kooperieren. Und zugleich gilt im Social Media Zeitalter auch: Sie haben sich an unzähligen Stellen im Netz breitgemacht, sich präsentiert, erreichbar gemacht. Sie wollen cool und hip sein, sie wollen glänzen und social sein. Sie bieten wundervolle “Touchpoints” im BWLer Speak. Das haben sie gelernt. Was Ihr Segen ist, kann aber auch Ihr Fluch werden. So einfach ist es.

Und Du Klein DAU kannst einen Giganten wie Microsoft zum Wirbeln bringen? Du hast keine Vorstellung, wie bereits bei wenigen Produkt- und Service-Kritiken, die über Medien und Bloggerkanäle reinkommen, bis rauf zum Vorstand die Figuren intern zu tanzen anfangen. Wenn ein Produktmanager 1 kritische Bemerkung eines Kunden reinflattert, regelt er das im gewohnten Routinegang. Bekommt er 10 am Tag, wird er langsam nervös. Bekommt er 100, 1.000, 10.000 wird seine Stresskurve exponentiell ansteigen. Der Laden wird immer schneller rotieren. Der Vorstand wird fluchen, die Bereichsleiter werden mitfluchen, die Mitarbeiter werden zurückkeifen. Alles nur, weil ihnen die Muffe geht, was mit der Prämie ist.

Unternehmen sind heute extrem sensibel geworden, wenn es Kundenkritiken tröpfelt und erst recht, wenn es reinhagelt. Der Wettbewerb ist beinhart und schnell. Image und Marke sind das Wichtigste, was sie haben. Wird das beschädigt, schwitzen die Achseln.

Sie werden schneller, als Du schauen kannst, sich schwitzend und fluchend in den Jet setzen und nach Washington düsen. Um ihrem Politiker und Lobbyisten klarzumachen, dass es Probleme gibt.

Dein Knopfdruck bringt einen US Senator zum Rotieren? Lach ruhig, aber Du Hascherl, Klein DAU, in Kleinhintertupfingen hast mehr Macht, als Dir bewusst ist. Wenn wenige Bloggernasen wie wir schon Firmen zum Schwitzen bringen, kannst Du das locker. Die Mechaniken sind die Gleichen. Wenige machen Eindruck. Der Mensch ist in seiner kleinen Welt ein Abstraktionstierchen. Wenn der Manager 100 kritische Nachfragen bekommt, von Kunden, was denn diese Koop mit den US Behörden soll, wird das für ihn die Welt sein.

Drück auf den Knopf oder lass es. Aber schau nicht dumm-dumm auf irgendwelche Politiker aus bundesdeutschen Landen, die Dir helfen werden. Du brauchst sie nicht, Du hast den simplen Knopf. Mehr braucht es nicht in dieser digitalen Welt. Sorry, dass es so einfach ist. Du lässt die Politflöte spielen, willkommen in der neuen Welt, wenn Dir das bis dato unklar war.

Ich persönlich: Ich glaube nicht, dass Klein DAU die Erkenntnisfähigkeiten dazu aufbringt, wie simpel diese Welt Dank der digitalen Kanäle heute gestrickt ist. Es wird noch Jahrzehnte an Erfahrungswissen in die Nutzerschaft diffundieren müssen, wie man sich öffentlich im Netz synchronisiert, um zu begreifen, dass man im Grunde genommen schon 2013 das alles hätte haben können. Was einem nicht passt gemeinsam zu regeln. Politiker wie Unternehmen werden diese Entwicklung zu fürchten lernen, was sie heute schon tun im Ansatz, es fürchten. Aber selbst nach vorne treiben, damit wir das können. Wundervolle Ironie. Los, macht weiter Eure hübschen FB Pages auf. Und damit die Türen noch weiter auf :)

Facebook: Sind Affiliate Links erlaubt oder verboten?

publiziert am 19.06.20137 Kommentare

Mich hatte es gewundert, warum in Foren diverseste Aussagen zu lesen sind, ob man denn in FB Affiliate Links setzen darf oder nicht. Üblicherweise findet man in FB einen Haufen AGB Regeln. Zu Affiliate Links wird sich nichts finden lassen. Das war mir Anlass genug, direkt bei Facebook nachzuhaken.

cballDie offizielle Antwort von Facebook lautet, dass es weder erlaubt noch verboten ist. Woher ich die Antwort habe? Via FB Deutschland direkt aus FB USA übermittelt. Mehr als diesen delphischen Orakelspruch werdet Ihr nicht bekommen können. Wie das?

Erinnert Ihr Euch der Zunahme von Gewinnspielen auf Facebook? Erst als es den Usern und damit auch Facebook zu bunt wurde, wurden Gewinnspiele reguliert. Seitdem existieren ein Haufen Regeln, wie man Gewinnspiele auf Facebook einsetzen darf.

Genauso verhält es sich mit Affiliate Links. Grundsätzlich ist das Setzen eines Affiliate Links nicht verboten. Es gibt dazu keine einzige Regel in den AGBs auf Facebook, wie gesagt, im Moment.

Wer demnach – wenn überhaupt – derartige Links platzieren möchte, macht das idealerweise auf seiner Facbook Page. Im persönlichen Profil bzw. in der eigenen Timeline ist das Setzen eher vakant, da persönliche Timelines eigentlich nicht für geschäftsmäßiges Verhalten genutzt werden sollen. Laut FB Regeln.

Affiliate Links also auf FB Pages? Sollte es den Usern dort zu bunt werden, kann es aber durchaus vorkommen, dass FB Deine Seite dicht macht. Realistischer ist, dass sie Dich ermahnen, es nicht zu übertreiben. Und sollte es FB insgesamt zu bunt werden, kommt genau das, was mit den Gewinnspielen passiert ist: Es wird reguliert.

Stand der Dinge ist, dass sich FB bewusst bedeckt hält und solange kein Regulierungsbedarf besteht, Affiliate Links explizit weder erlaubt noch verbietet.

Für FB Seitenbetreiber heißt es damit, diplomatisch mit dem Einsatz von Affiliate Links umzugehen und die User deutlich darauf hinzuweisen. Um sich sein eigenes Pflänzchen nicht zu zerstören.

Bild von mira d’oubliette, Lizenztyp CC BY-NC-ND 2.0

Wenn der Deutsche Staat seine eigenen Bürger nicht schützt

publiziert am 17.06.20135 Kommentare

Stell Dir vor, Du bist im Ausland beruflich unterwegs und wirst aus ominösen Gründen an der Ausreise gehindert. Wochenlang, monatelang. Du kannst Deine Familie nicht mehr sehen, finanziell kommst Du auf Armutsniveau herunter. Dann erwartest Du als deutscher Staatsangehöriger, dass Dir Dein Staat hilft. Du hilfst dem Staat, er hilft Dir. Das ist der eherne Deal.

Das passiert leider so nicht, nicht bei Jürgen Ziebell, der seit über 400 Tagen in Bahrain festsitzt. Auf seinem Blog Living on the Edge beschreibt er das Drama live. Heike Kaufhold hatte erst kürzlich das Blog entdeckt und die Dinge ausführlich erklärt: Gefangen in Bahrain – der vergessene Deutsche. Dort könnt Ihr erfahren, dass Jürgen in eine wirtschaftliche Insolvenz verwickelt ist. Demnach kein Schwerkrimineller, der sich für schwerste Taten vor Gericht verantworten müsste. Bahrain hatte aufgrund der Erfahrungen in der Finanzkrise ein neues Gesetz namens “Travelban” erlassen, das sämtlichen Ausländern die Ausreise verweigert, die dem Staat ode inländischen Firmen auch nur einen lousy Penny schulden. Ob unbezahlte Telefonrechnungen oder größere Geldsummen im Spiel sind, es ist egal. Du kommst hier nicht mehr raus, basta!

Jürgen Ziebell

Nun kann man lange lamentieren, was Sache ist, wer schuld hat, was Jürgen angestellt hat oder nicht. Aber spätestens dann, wenn einem die Kohle für einen vernünftigen Anwalt ausgeht, spätestens dann, wenn man hunderte von Tagen ausweglos festsitzt, weil nix mehr vorangeht, erwarte ich von meinem deutschen Staat, dass er mir die Treue und Loyalität entgegenbringt, die ich im ebenso entgegenbringe! Fakt ist, dass der deutsche Staat Jürgen hängen lässt (schauts bei Heike nach).

Es wird aber schlimmer: Heike hatte sich beim Auswärtigen Amt erkundigt und folgende Aussage erhalten

Die deutsche Botschaft in Manama steht mit dem betroffenen deutschen Staatsangehörigen in Kontakt und betreut ihn konsularisch. In dem laufenden Verfahren wird er anwaltlich vertreten.

Diese Aussage kann man entweder als Halbwahrheit oder auch Lüge darstellen. Fakt ist, dass die Deutsche Botschaft Jürgen Ziebell eben keinen Anwalt stellt. Die Wahrheit ist, dass Jürgen seit Monaten nur vertröstet wird, dass man sich kümmern würde. Ja, er hat einen eigenen Anwalt, der ihn 100 Euro kostet. Dementsprechend ist der Anwalt Feuer und Flamme, sich für ihn einzusetzen. Auf dem amtlichen Wege ist absolut nichts passiert, was Jürgen weiterhelfen würde. Doch, man hat ihm ermöglicht, Hartz 4 zu beantragen, damit er einige lumpige Euros erhält, um nicht um Essen betteln zu müssen.

Das ist nicht der deutsche Staat, der treu und fest zu seinen Bürgern steht, wenn die Kacke am Dampfen ist. Muss man erst die Pressewelle aufbauen, damit der Staat seine Loyalität unter Beweis stellt?

Blogkommentare: Ein Jahrzehnt und immer noch Gedächtnistraining

publiziert am 13.06.20137 Kommentare

Ich finde Gedächtnistraining durchaus nützlich. Es hat gewisse Frischeerhaltungseffeke:)

So kann ich Dir kaum noch sagen, auf welchen Blog ich gestern kommentiert habe. Vorgestern? Keine Ahnung mehr. Und warum das? Weil ich alt und vergesslich werde und weil immer noch trotz einem Jahrzehnt Blog-Technik die Funktion der Kommentarbenachrichtigung per Mail kein Standard ist.

Wenn man Glück hat, war der Blogger so freundlich, eine passende Benachrichtigungsfunktion einzubauen. Ich nutze bspw. für mein WordPress-Blog dieses Subscribe to Comments Plugin.

Ich habe keine Ahnung, ob das Blogspot von Haus aus anbietet? WordPress.com Blogs haben das per se eingebaut, Lob Lob. Weitere Blogsysteme wie Serendipity sind mir so gut wie nicht geläufig.

Bloggen: Easy Money, Big Risk

publiziert am 11.06.20134 Kommentare

Es gibt unter den Bloggern zwei sehr populäre Maßnahmen, um sein Blog zu monetarisieren: Advertorials und Links. Seltener bekommt ein Blogger Honorare für Promotion-Events vor Ort. Die Art und Weise, wie extrem amateurhaft hierbei vorgegangen wird, zieht einem die Schuhe aus.

In der Regel läuft das wie folgt ab: Eine Agentur (SEO, PR, Anbieter) schreibt Dir eine Mail und bittet Dich, gegen ein Honorar X einen Text zu verfassen, der eine Dienstleistung bzw. ein Produkt vorstellt oder eine Webseite gezielt verlinkt. Der Blogger freut sich über den kurzen Mailweg, schlägt zu, schreibt und kassiert ab.

Was passiert dann? Die Landesmedienanstalt bekommt davon Wind, dass wieder einmal ein Blogger ein Advertorial verfasst hat. Und verdonnert den Blogger zu einem saftigen Bußgeld. Der Blogger klagt. Es sei doch der Auftraggeber gewesen, der das so wollte, nicht zu sagen, es handele sich um Werbung. Der Richter bescheinigt dem Blogger eine Teilschuld, da er weder darauf hingewiesen hat, dass es sich um werbliche Texte handelt und damit den Leser bewusst täuscht, noch sich um die rechtlichen Gepflogenheiten erkundigt hat, die bei derartigen Verträgen Standard sind. Oder der Richter weist den Blogger darauf hin, dass er verpflichtet war zu liefern (der Auftraggber zerrt den Blogger vor Gericht, da er den Vertrag nicht erfüllt hat), aus der Nicht-Lieferung dem Auftraggeber Schäden entstanden sind, die abzugelten sind. Verträge? Welche Verträge?

Nehmen wir mal an, ein derartiger Auftrag wäre als “Werkvertrag” einzuordnen. Schauen wir uns dazu die gute, alte Wikipedia an, was zu Werkverträgen geschrieben wird, super easy (Dienstvertrag findet ihr natürlich auch):

Beim Werkvertrag schuldet der Werkunternehmer dem Werkbesteller die Herstellung eines Werkes, das heißt die Herbeiführung eines bestimmten Erfolges tatsächlicher Natur und der Werkbesteller als Gegenleistung dem Werkunternehmer den vereinbarten Werklohn. Beim Werkvertrag ist die Herstellung eines Werkes die vertraglich geschuldete Leistung als Tatbestandsmerkmal. Dabei ist es unerheblich, ob das Werk eine Sache oder ein unkörperliches Produkt von Arbeit (z. B. Computerprogramme) ist. Der rechtliche Werkbegriff in diesem Sinne umfasst materielle und immaterielle Sachen, wie auch Erfolgsergebnisse einer Dienstleistung.

Abzugrenzen ist der Werkvertrag insbesondere vom Dienst- und Kaufvertrag. Dabei ist beim Werkvertrag im Gegensatz zum Dienstvertrag ein bestimmter Erfolg geschuldet und nicht lediglich eine Tätigkeit oder Sorgfaltsverbindlichkeit. Beim Kaufvertrag ist nicht die Herstellung, sondern die Verschaffung der Sache Vertragsinhalt. Die Fälligkeit der Vergütung des Werkvertrags tritt mit der Abnahme des Werkes ein (§ 640, § 641 BGB). Damit tritt der Unternehmer mit der Erstellung des Werkes in Vorleistung, soweit nichts anderes vereinbart wurde. Die Herstellung beweglicher Sachen unterliegt kaufrechtlichen Regeln (§ 651 BGB). Der früher in diesen Fällen einschlägige Werklieferungsvertrag wurde im Zuge der Schuldrechtsmodernisierung abgeschafft.

War doch einfach und jedem Blogger, jung, alt, erfahren oder unerfahren natürlich glasklar. Und ebenso klar ist, was sich hinter einem Werkvertrag verbirgt
- Detaillierte Aufgabenstellung
- Fertigstellungstermin
- Kosten
- Gewährleistungen
- Haftungsvereinbarungen
- Festlegungen zur Vertragskündigung
- Nutzungsrechte
- Zahlungsvereinbarungen

Sagt die Wikipedia, Ihr hättet das natürlich ohne Wikipedia auch so gewusst. All diese Punkte sollten vertraglich in Schriftform vereinbart und unterzeichnet werden.

Alles das wird typischerweise bei derartigen Deals zwischen Linkkäufer bzw. Advertorial-Auftraggeber oder eben der Eventagentur und dem Blogger nicht einmal ansatzweise in den Mails geregelt (die Summe daraus nennt sich übrigens auch Vertrag). Eindeutig wird nichts geregelt und lässt viel Spielraum für Risiken offen. Dume, kurze Mails, kein genauer, expliziter Vertrag mit all den o.g. Punkten, dazu irgendwelche mündlichen Absprachen, das ist draußen die gebloggte Realtität. Verträge schützen, machen klar, bereinigen Missverständnisse im Vorfeld und regulieren Garantie-/Haftungsfragen. Verträge regeln Rechte und Pflichten. Das ist der Sinn eines Vertrages. Regelt man das nicht, wissen viele Blogger nicht einmal ansatzweise, was das nach sich zieht. Also regelt man lieber etwaige Haftungsfragen, die sich aus Abmahnungen Dritter bzw. Bußgeldbescheiden ergeben [z.B. aus nicht deklarierter Werbung/Promotion]. Der gewiefte Blogger wird dieses Risiko, was sich auf mehrere 10.000 Euro belaufen kann, selbstverständlich auf den Auftraggeber abwälzen. Sollte das so im Vertrag stehen.

Sollte demnach kein expliziter Vertrag vorliegen? Könnte sich der Auftraggeber lachend die Hände reiben, wenn der Richter die Gesamtschuld dem Blogger auferlegt. Der es hätte besser wissen müssen (“können” interessiert nicht, wer gewerblich agiert). Oder die Promoagentur verklagt den Blogger, weil er typischerweise wieder mal nicht erschienen ist, auf Entgang von Einnahmen und die Erstattung von Kosten, die hierbei entstanden sind. Oder der PC war abgestürzt, so konnte man den Text nicht wie vereinbart liefern. Pech? Plus Risiko aus Nichterüllung eines Vertrags.

Im Klartext: Wer sich ohne vertragliche Grundlage auf derartige Deals einlässt, lässt als Blogger das Risiko zu, bei zahlreichen Problemszenarien nachher schlauer zu sein, vorher dümmer zu agieren, letztlich um einige Erfahrungen klüger und geteert, gefedert und geschröpft das gewerbliche Bloggen ohne Vertragsgrundlagen schleunigst verlässt. Damit das nicht passiert: Befasst Euch mit Verträgen im gewerblichen Umfeld. Lasst Rechtsanwälte dran. Sichert Euch ab. Und bleibt mir beim Bloggen sauber :)

Bloggen: Trau Dich gegen die Shitstorms

publiziert am 09.06.201313 Kommentare

Die Blog-Reihe zum offeneren und mutigeren Bloggen (Downsizing Underperforming Deoptimizing, Downsizing: Billig, Die Schönheit des Bloggens: Zeige Deine miesen Seiten, Sei authentisch), mündet in ein wundervolles Szenario. Oder um es meinem Naturell entsprechend zu sagen: Es ist mir ein gefundenes Fressen. Nichts ist schöner, als lebendige Beispiele.

Vorneweg, meine Message ist und bleibt, dass wir dafür eintreten müssen, Menschen zum Bloggen zu ermutigen. Sich zu trauen, über seine eigene Meinung und Haltung zu schreiben. Trotz und ob aller Schwierigkeiten, die damit einhergehen. Für mich gab es keiner schönere Entwicklung in den verganenen zehn Jahren, dass immer mehr Menschen eine eigene Stimme und einen eigenen Platz im Netz gefunden haben und finden können. Jedes einzelne Blog wiegt mir mehr als Facebook, Google+ und Twitter zusammen. Es gibt wohl kaum einen Platz, in dem man besser in die menschlichen Gedankenwohnzimmer hineinschauen kann als auf einem Blog, wo die Persönlichkeit besser zum Tragen kommt und menschlichen Brücken entstehen. Das Blog als beste, technische Verbindungsmaschine? Ja, kann man so sagen.

Mediales Dauerbombardement
Doch wie bei jeder Entwicklung auch, kann man negative Tendenzen ausmachen. Und es macht mir zunenehmend Sorge. Seit einem Jahrzehnt prasselt ein Dauerbombardement auf die Blogs ein: Die Medien haben Blogger gerne belächelt. Ob es nun das Belächeln im Monetären (Blogger verdienen doch eh nichts) oder im Intellektuellen (Blogger bieten keine nobelspreisverdächtigen Inspirationen) oder im Sprachlichen (Blogger können nicht schreiben) war. Jedes Mal hat es mir in der Seele weh getan, wie man denn so herablassend über Menschen sprechen kann. Der Flurschaden war groß. Bis heute müssen Blogger um ihre Anerkennung kämpfen.

Justiziables Dauerbombardement
Doch das Dauerbombardement bestand nicht nur aus medialen Kanonaden (das hat sich langsam gebessert), der Beschuss kam auch aus der rechtlichen Ecke. Eine Unzahl von teils sehr prominenten Abmahnungen haben dazu geführt, dass zahlreichen Blogger der finanzielle Boden weggezogen wurde und ein Großteil verängstigt wurde, überhaupt noch seine Meinung offen kundzutun. 2007 hatte ich eine Umfrage gestartet und kam zu einem mehr als erschreckenden Ergebnis, 50% wurden vorsichtiger:
abmahnungen: umfrage
Und das war 2007!

Soziales Gruppenterror-Dauerbombardement
Erst in jüngster Zeit haben wir ein neues Wort etabliert, das ein drittes Dauerbombardement bezeichnet: Shitstorms. Viele stürzen sich auf Einen. Und wir haben eine ganze Reihe von Shitstorms auch gegen Blogger erlebt. Vielen ist womöglich noch der Fall einer Bloggerin bekannt, die unter die Räder kam, weil es der “Community” nicht gepasst hatte, einen werblichen Beitrag im Auftrag eines Mobilfunkunternehmens ins Netz zu stellen. Das Ausmaß war dermaßen schockierend, so dass sie die Reißleine zog und das Bloggen aufgab. Ich selbst habe in den vergangenen zehn Jahren unzählige Gespräche mit BloggerInnen geführt, die sich von Selbstmordgedanken bis zur Aufgabe des Blogs drehten. Die Anlässe waren höchst unterschiedlich.

Das Muster erfolgt nach einem gleichbleibenden Schema: Was auch immer der Aufhänger ist, einige Wenige nehmen Versatzstücke des Bloggers zum Anlass, um ihre Kritik anzusetzen. Sobald das Kernstück der Kritik nur deutlich genug, emotional ausformuliert wurde, zieht es magisch Dritte an, die sich den Kritikern beipflichtend zur Sache dazugesellen und sich zur Person des Bloggers äußern. Die Verselbständigung der sich aufbauenden Shitstormwelle ist ein typisches Merkmal. Die Kritiken werden immer lauter, überzeichneter, persönlicher, beleidigender. Ich bin regelmäßig von dem Aufbau einer Shitstormwelle fasziniert, wie stark Gruppendynamiken wirken. Der Einzelne wähnt sich im Recht und mag inhaltlich sogar im Recht sein, doch die kumulative Gruppenwirkung schwappt über dem Blogger bzw. der Bloggerin zusammen.

In meinem Fall, der mir sehr willommen ist, verlief es natürlich nach dem gleichen Reaktionsmuster: Das Versatzstück “klar, ich habe auch gemobbt” wurde im Crescendo der Kritiken gewogen, als mies bewertet, persönlich verurteilt. Testhalber – was im Grunde und in der Regel müßig ist, ich verzichte schon lange darauf – habe ich mitkommentiert, hier in einem Facebook-Strang. Soziale Filtermechaniken – die schon lange vor dem Internet bekannt sind – sorgen für die Gewichtung negativer Aspekte und das Ausblenden positiver Aspekte, die ein Betroffener aufbringt (was i.d.R. eben nicht der Fall ist, dass sich der Betroffene “Geshitstormte” aus eben diesen Gründen überhaupt zu Wort meldet).

Normen-Dauerbombardement
Und es gibt ein viertes Dauerbombardement, das auf Blogger einprasselt. Der soziale Normendruck. Der regelmäig auch und dank des Internets nicht nur mitunter zu einer sozialen Exklusion führt. Er führt hauptsächlich zu einem stetig wachsenden Normendruck. Die sozialen Teilnehmer tauschen Wertevorstellungen und soziale Normen aus – natürlich über das Netz – in einer andauernden, anwachsenden Spirale an zunehmden Normendruck, die von regelmäßiger Übertreibung (siehe Shitstorms) und wachsender Öffentlichkeitswirkung befeuert wird. Ob es die Verfehlungen eines Wullfs oder Guttenbergs sind (die man heute als sozial exkludiert bezeichnen kann), ob es der bekennende Fleischesser oder politisch Anderdenkende ist. Der Gehalt des Moralinsäurepegels ist mittlerweile so hoch geworden, dass wir heute jedem Blogger ein potentielles Risiko an Exklusion nicht mehr absprechen können.

Auswirkung: Schönwetterbloggen
Wer geglättetes, sauberes, meinungsschwaches, gutes Bloggen bevorzugt, willkommen in einer Welt, die ich einfach nicht gut heißen kann. Ich will nicht von Schönwetter glänzenden Bloggern umgeben sein. Wir müssen die ermutigen, die sprachlich nicht gebildet sind (und für ihren Sprachstil angegriffen werden), die ihre Meinung eben nicht konform der sozialen Normen ausdrücken (und dafür attackiert werden), die sich zu Fehltritten und Unwissen bekennen (“wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten”), die sich zum Anderssein bekennen. Das ist mir allemal lieber denn dieses Dauerfeuer aus ermüdender Besserwisserei, Fingerzeigeritis, Gruppenhänselei, Moralinpredigten.

Wer sich vorstellt, die Welt da draußen wäre im Realen genauso wie im Virtuellen, der würde als Schwacher nicht mehr auf die Straße gehen. Ich will diese Welt weder im Realen noch im Virtuellen.

Vorschlag
Wir können lange über die Warums und Wiesos reden, es ändert nichts imho. Was wir können als Blogger: Dem Blogger und der Bloggerin konkret den Rücken stärken. Wir können denen helfen, die sich nicht trauen und ihnen Mut machen, dem immens gestiegenen Normendruck standzuhalten. Wo kann sich aber ein Blogger hinwenden, wenn sie/er unter die Räder kam? Sich nicht traut, weil vielleicht etwas passieren könnte? Wo findet er Rat und Hilfe womöglich? Wir können bspw. auf Facebook eine geschlossene Gruppe “Meldestelle für Blogger” einrichten, Namen sind aber Schall und Rauch. Es geht um eine erste Anlaufstelle, wo man Mut nd Rat finden kann. Wir können als Blogger ein Gegengewicht darstellen, wenn wenige von uns zusammenstehen und für andere da sind. Ich halte es seit 10 Jahren Bloggerei so und werde nicht davon lassen: I am my brother’s and sister’s keeper.

Eine persönliche Bemerkung zu Mobbingvorwürfen gegen meine Person gerichtet
Diejenigen, die mich nicht einmal gefragt haben – und es hat mich kein Einziger von über 200 Personen dazu gefragt-, wie ich denn nun zu Mobbing stehe und mich verdammen, bewerten und richten, Euch zeige ich den Mittelfinger. Habt Ihr vollends den Arsch offen zu glauben, mir würde es nicht leid tun? Ich mich nicht bis heute bodenlos schämen für diesen Mist? Ich ein Herz aus Beton und Eisen haben, der damit auch noch kokettiert? Nur weil ihr aus wenigen Sätzen den Scheiß herauslesen wollt, weil ich stellvertrend für andere Blogger nicht die Kunst des gelobten Wortes beherrsche? Habt Ihr vollends den Arsch offen zu glauben, ich würde Mobbing gut heißen, mich nicht um meinen Sohn und andere Schüler kümmern, die darunter leiden? Habt Ihr vollends den Arsch offen, das Gegenteil anzunehmen und mich als Stellvertreter all Eures Leids abzustempeln? Ihr habt keinen Deut aus Euren Mobbings gelernt – so sehr sie mir in der Seele schmerzen, warum wir Menschen anderen das antun – und werft mit Mobbingsteinen auf andere in der gleichen Art? und ich brauche auch keine Gruppe, um mich hinter ihr zu verstecken, weil ich um die Wirkung von sich aufschaukelnden Lynchgruppen weiß. Nur weil ich in der Lage bin, auf meine Mobber in Schulzeiten, Studienzeiten, Berufszeiten und Blogzeiten zu scheißen, heißt es noch lange nicht, dass ich mit dem Finger auf diese Mobber zeige und sie verdamme. Verdammte Hacke, es sind Menschen, die Fehler machen, dürfen, lernen, wachsen. Weil ich ihnen den Luftraum dafür lasse und weil ich nichts Besseres als Mensch bin. Also: Rede mit mir, frage nach, Du wirst Antworten bekommen. Ich beisse nicht, ich verdamme nicht, aber für Übertriebene Darstellungen blase ich Dir meine Meinung unmittelbar ins Gesicht.

Lesetipp
Wer es gerne poltischer, demokratischer zu dem Thema Bloggen und Offenheit hat: Communitymeucheln

Der Mob schlägt mittlerweile im Web mit immer größeren Moralkeulen um sich. Wer da nicht per se Oberheilig ist, muss mit vernichtenden negativen Mobreaktionen leben. Das war nie das Ziel der Aufklärung. Selbst die absolut unheilige Kirche, unheilig im Bezug auf ihre Taten in der Vergangenheit, reagiert heute nicht mehr in diesen Moralkategorien. Der Onlinemob formiert sich heute zur Überheiligkeit. Wer nicht absolut gegen alles ist, was der Mob gerade will, der wird öffentlich wirksam angeprangert. Diese Entwicklungen zerstören jegliche Hoffnungen, die mit dem Internet verbunden waren und sind. Als freiheitsliebender Mensch sehnt man sich nach einem starken Staat der diesen Mob unter Kontrolle hält. Dies ist im Grunde eine Perversion der Hoffnungen, in denen es ja gerade darum geht, dass der Bürger dem Staat seine Grenzen aufzuzeigen hat. … Wenn der Onlinemob seine Einstellung nicht verliert und heiliger als der Papst sein will, dann wird das am Ende jegliche Hoffnung auf Erneuerung der Gesellschaften aushebeln, denn irgendwann wird und muss der Staat dann massiv eingreifen. Dies wird dann aber wieder dazu führen, dass die Entwicklung gebremst wird, genau so, wie die Entwicklung der Wissenschaft über Jahrhunderte hinweg durch die Kirche gebremst wurde.