wenn Daimler webbish redet
dann werden Blogger aus allen Richtungen eingeladen, um am Smart Workshop in Essen teilzunehmen (an dem Nicole und ich mit dabei waren). Um sich während einer nahezu perfekten durchgestylten Veranstaltung den neuen Smart ForTwo wie auch Smart mit Stromantrieb anzuschauen, zu fahren und sich in kleinen Diskussionsrunden über Themen wie “Markenwahrnehmung Smart”, “Zukunft der Antriebstechnologien”, “Umgang mit Bloggern” mit den Smart/Daimler-Leuten zu unterhalten. Berichte dazu findet Ihr jeweils auf
- Welt der Gadgets
- IcedSoul Photography (extrem geile Bilder btw)
- Welt der Technik
- Mercedes-Benz Passion Blog.
Insgesamt eine klasse Veranstaltung. Wenn man physisch dabei war. Spannende Einblicke in die Autowelt, für mich als Blogger ist es sowieso jedes Mal aufs Neue ein Genuss, sich mit mit den anderen, anwesenden Bloggern auszutauschen. Was den neuen Smart angeht, sind das nette Fun-Kisten mit kurzem Radstand, nix für mich, aber stylish und auffallend genug für die geeignete Zielgruppe. Nicole und ich habe dazu einige Videos gedreht, was Nicole auf ihrem Blog veröffentlichen wird. Dann könnt Ihr diese Fun-Cars quasi live in action sehen ;) Am meisten hat mich das Car-2-Go Konzept interessiert (siehe FAZ).
Spannend fände ich den Gedanken, wenn ein Unternehmen wie Daimler derartige Veranstaltungen konzeptionell so durchdenken und durchführen wurde, damit Dritte via Netz daran involviert sein könnten. Zwar kann man einen Smart nicht physisch probefahren, aber mittels Technik lässt sich dennoch ein realtime Connect mit den Teilnehmern vor Ort herstellen. Auch Gespräche und Informationen ließen sich zwischen Analog- und Digitalwelt verbinden. Zugegeben, eine nette Herausforderung, aber imho machbar. Und für ein derart renommiertes und technisch versiertes Unternehmen sollte das nicht wirklich eine unüberwindbare Aufgabe sein. Nun ja, ok, momentan Science Fiction angesichts der Tatsache, dass sich Daimler sehr langsam dem modernen Netz gegenüber öffnet und hinterfragt, wie man zudem in der Digitalen Realität präsent sein kann. Über die bisherigen Maßnahmen hinaus.
redet die Bank mit Euch auch so?
Innerhalb von lediglich 30 Minuten hat sich eine Netz übergreifende Kommunikation mit der Fidor-Bank entwickelt, die ich hier gerne beispielhaft aufzeigen möchte. Weil es für “übliche” Banken völlig außerhalb des normalen Procedere ist und zugleich aufzeigt, wo die kommunikative Banken-Kunden-Reise hingehen könnte.
1. Meine Frage auf Fidor um 14:30 gestellt, ob man auch ein Girokonto eröffnen kann:
- 4x Antwort seitens der Bank, zwischen 14:43 (erste Antwort) bis 16:30 (Reaktion auf Blog-Beitrag)
- 8x User-Kommentare
2. Mein Blog-Beitrag über meine ersten Erfahrungen mit der Fidor-Webseite wurde ca. 20 Minuten nach Veröffentlichung durch Bank-Verantwortliche kommentiert, unter Angabe des vollen Namens, Backlink und Mail-Addie
3. Mein Twitter-Hinweis auf mein Blog-Posting wurde durch Matthias Kröner 25 Minuten später kommentiert und mein weiterer Tweet 6 Minuten später (@Ficoba-Tweet Reply 1 und Reply 2)
4. Mein Eintrag auf der Facebook-Page von Ficoba wurde via Kommentar innerhalb 20 Minuten kommentiert und nach meinem Reply zwei Minuten später nochmals. Kurz erschien dann auch der Kommentar auf meinem Blog.
In Summe hat Fidor innerhalb von 120 Minuten an 4 Stellen im Netz 9x auf mich reagiert. Durchgefallen ist das Gegenteil von Fidor ;) Ganz ehrlich? So eine Art von Netz übergreifender Kommunikation bin ich weiß Gott nicht von Banken, sondern von digitalen Pros gewohnt.
Update:
Die GLS Bank und die Sparkasse Hanau sind der Meinung, dass sie es auch so schnell können. Via Netz, versteht sich.
Fidor oder Banking mal anders
Matthias Kröner, Vorstand und Sprecher der Fidor Bank AG zur Rolle der Bank als Enabler von Kundengesprächen untereinander, s.u. dazu das zweite Video
Die Fidor Bank AG ist laut Eigenbeschreibung was?
Unter dem Motto „Banking mit Freunden“ überträgt die FIDOR Bank AG die zentralen Wirkprinzipien des Web 2.0 – Offenheit, Transparenz, Authentizität und Dialogbereitschaft – auf das Thema Finanzdienstleistung. Der Dialog mit Kunden, Mitgliedern und Interessenten wird weitgehend öffentlich und den Medien des Internets geführt: FIDOR Bank AG ist u.a. auf twitter, facebook, Xing und Youtube aktiv.
Macht den Selbsttest und besucht die Fidor-Startseite. Schaut Euch um, ob Ihr auf den ersten Blick versteht, was die Bank anbietet und was sie anders macht? Registiert Euch ruhig, passiert nix Böses soweit. Schaut Euch dann nach dem Login nochmals erneut um. Es dürfte Euch wie mir ergehen, ich habe weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick erkennen können, was nun die Bank an Produkten anbietet, wo sich welche Community-Elemente verbergen. Man braucht schon eine Weile, sagen wir mal rund 15-30 Minuten, bis man die wesentlichen Eckpunkte erkannt hat. Die Fidor-Seite ist demnach wahrlich kein Beispiel für eine schnelle, einfache und erste Orientierung. Auch nach den dritten Schritten fällt einem die unübersichtliche Fülle an Informations- und Kommunikationspunkten auf. So habe ich immer noch keinen Punkt finden können, wo “meine Beiträge” zu finden sind. Wenn man schon anders sein möchte, sollte man darauf tunlichst achten, dass es sowohl beim Einstieg aber auch nach den ersten Schritten einfach und verständliich bleibt. Dagegen ist Facebooks GUI Sesamstraße.
Trotz aller Kritik an der Webseite, ist es höchst ungewöhnlich für eine Bank, dass man offen Fragen über eine Art Status-Eingabefeld – ähnlich wie bei Facebook/Twitter – stellen kann. Gerichtet an die Bank und zugleich deren User, auf deren Webseite! Das habe ich beispielweise gemacht und folgende Antworten erhalten (den Thread kann sich o.W. anschauen, das System bietet mir zudem einen iframe-Code an, um für die Beantwortung der Frage extern zu trommeln.. auch ungewöhnlich genug für herkömmliche Banken):
So kann ich mich an anderen, thematisch orientierten Stellen über Banking unterhalten, mir Rat einholen, Fragen stellen, Tipps geben. Darüber hinaus bietet die Bank von sich aus an, gemeinsam Produkte vorzuschlagen und mit zu entwickeln. Ungewöhnlicher gehts nicht mehr (kleine Übung wegen Thema “Übersichtlichkeit”: Probiert mal diesen Punkt zu finden ;) .
Man stelle sich das auf der Webseite einer Großbank oder den Sparkassen vor. Revolution? Mitnichten, eigentlich eine recht “simple” Umstellung, wenn man es sich technisch überlegt. Die Umsetzung selbst mag der Fidor-Bank mangels Übersichtlichkeit in meinen Augen nicht gelungen sein, jedoch ist der Ansatz vorbildlich und wegweisend.
Kommen wir zu den weiteren Web-Aktivitäten der Fidor-Bank:
Es gibt einen YouTube-Channel, wo hauptsächlich Matthias Kröner – einer der Chefs der Bank – regelmäßig berichtet. Auf Twitter ist Fidor auch unterwegs (@ficoba ) ebenso auf Facebook.
Zum Abschluss zwei interessante Videos, das 1. erklärt das Konzept, das 2. ist erheiternd. Aus beiden Videos geht schlüssig hervor, warum sich Banking wandeln muss und wird.
Man stelle sich das bei einer Großbank vor, der Chef würde sich via Web an seine Kunden direkt wenden. Was ungewöhnlich erscheint, ist im Grunde genommen 08/15 für das Internetzeitalter. Die Banken brauchens halt bisserl.
Simyo: Einfach aufladen, einfach kündigen, einfach informieren
mit Interesse habe ich heute eine Mail von Simyo gelesen, dass man mir die SIM-Karte abschalten möchte, wenn ich nicht erneut mein Guthaben auflade (das zZt 14 Euro ebbeswas beträgt).
Betreff der Mail:
“Ihre Zeit mit simyo läuft ab!” (als extrem unfreundlich empfunden)
Inhalt:
Hallo Robert Basic,
leider haben Sie seit einigen Monaten kein Guthaben mehr aufgeladen. Bitte haben Sie Verständnis, dass daher in Kürze Ihre SIM-Karte mit Ihrer simyo Rufnummer 01577-xyz inaktiv geschaltet wird. Um unseren günstigen Tarif aufrechterhalten zu können, sind wir dazu leider gezwungen. Jetzt möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, ein eventuelles Missverständnis auszuräumen:Sie wollen simyo weiterhin nutzen? Laden Sie einfach innerhalb der nächsten 2 Wochen Ihre SIM-Karte auf – und Sie behalten Ihre simyo Vorteile… Sie wollen nicht mehr mit simyo mobiltelefonieren? Die Abschaltung dieser SIM-Karte ist also gewünscht und Sie möchten dazu keine Angebote mehr? …
Ein Blick auf die AGB besagt:
Das simyo Guthaben hat KEINE begrenzte Gültigkeit. Die simyo SIM-Karte hat ein Aktivitätszeitfenster. Dieses hat, je nach Startguthaben, eine Dauer von bis zu 12 Monaten. Durch die Mindestaufladung von 15 Euro beginnt automatisch ein neues Aktivitätszeitfenster von weiteren 12 Monaten.
Sollten Sie während des Aktivitätszeitfensters keine Aufladung vornehmen, wird Ihre simyo SIM-Karte für einen Zeitraum von maximal 2 Monaten passiviert. In dieser Zeit sind Sie weiterhin über Ihre simyo Rufnummer erreichbar, können jedoch keine abgehenden Verbindungen aufbauen. Wenn Sie in diesem Zeitraum Ihre simyo SIM-Karte aufladen, wird diese wieder aktiviert und anschließend können Sie Ihre SIM-Karte wieder wie gewohnt nutzen.
Laden Sie Ihre simyo SIM-Karte während dieses Zeitraumes nicht auf, so wird sie deaktiviert, dass heißt komplett abgeschaltet. Ein eventuelles Restguthaben können Sie sich gerne auszahlen lassen. Wenden Sie sich dazu über das Kontaktformular der simyo Website oder telefonisch unter 01805 45 44 55 (14 Ct./Min aus dem dt. Festnetz, max. 42 Ct./Min aus dt. Mobilfunknetzen) an das simyo Service Center. Voraussetzungen für eine Guthabenauszahlung sind eine deaktivierte simyo SIM-Karte und ein vorhandenes Restguthaben abzüglich Aktions- und Bonusguthaben.
Aus Interesse heraus habe ich eine öffentliche Anfrage auf Twitter gestartet, da Simyo selbst auf Twitter aktiv ist, u.a. mit dem Account “@simyo-service”. In der Zwischenzeit entspann sich ein netter Dialog auf Twitter mit anderen Twitter-Usern (einfach in replies von @robgreen schauen). Schauen wir mal, was der Test brachte.
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Meine Anfrage an Simyo lautete um 12:45 Uhr:
lieber @simyo_service warum will man mich zwingen, Guthaben aufzuladen, obgleich Guthaben besteht + Nutzung vorhanden? Nicht einverstanden
Antwort ca. 15 Minuten später: @RobGreen Was ist genau das Problem? Läuft das Aktivitätszeitfenster der Karte ab?
Lob für die schnelle Reaktion, mangels Dringlichkeit hätte ich locker 24h an Reaktionszeit akzeptiert. Das mag von Kunde zu Kunde je nach emotionaler Sachlage unterschiedlich sein.
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Und weiter:
@simyo_service so wie es aussieht yep
@RobGreen Ich habe gerade deine anderen Tweets gelesen. Ja, damit das Aktivitätszeitfenster verlängert wird, musst du neu aufladen.
@simyo_service danke so far, ist mittlerweile auch soweit klar. Wenn ich nicht einverstanden, dann Kündigung?
@RobGreen Zunächst wird die Karte für 2 Mon. passiviert, dann komplett deaktiviert. Eventuelles Restguthaben kannst du dir auszahlen lassen.
@simyo_service danke für Info. Für weitere Fragen wende ich mich an Euren Social Media Beauftragten. Wer wäre das? Lob für zügige Reaktion
@RobGreen An uns, das simyo Community-Team – entweder hier bei Twitter oder auf der simyo Fanpage bei Facebook http://bit.ly/Uran4
Soweit bin ich mit den zügigen Antworten auch inhaltlich gemäß Spiegelung der AGB-Regelungen “zufrieden”; was die Lösung angeht, natürlich nicht, das ist schließlich nicht Aufgabe der Simyo Service-Hotline auf Twitter und wäre unfair zu erwarten, taktil-politische Antworten zu bekommen, die vorbildlichen PR-Charakter haben. Unter dem Strich rangiert die Twitter-Hotline von Simyo durchaus gefühlt im Spitzenfeld, was die Reaktionszeit angeht.
Kommen wir zum nächsten Punkt, wird Simyo nun politisch eine korrekte Antwort auf die Diskrepanz zwischen deren Slogan-Versprechen “Weil einfach einfach einfach ist” und den Regularien “wenn Du nicht X Monate das machst, wirst Du Y tun oder wir zu Z greifen” finden? Wie lange werden sie brauchen, um zu begründen, warum man trotz vorhandenem Guthaben kein Kunde von Simyo sein kann und soll? Werden Sie mit Vorhaltekapazitäten ihrer Infrastruktur und Verwaltungskosten argumentieren? Die AGB-Regelung so begründen, dass der Kunde telefonieren/simsen muss, da sich das sonst für Simyo nicht lohnt? Und darauf eingehen, warum man viele Kunden, die ihr Handy als Nothandy benutzen, nicht proaktiv darüber informiert, statt es in den AGBs zu verstecken? Soweit ich die Reaktionen in Foren gesehen haben, sind viele Kunden über derartige Mails überrascht und erstaunt. Scheint ganz so, als wäre der Kunde nicht vernünftig vorher informiert und bei der Kündigungsandrohung nicht gut abgeholt, warum man das macht.
Sprich, es ist sowohl ein Social Media Pull-Experiment (gut, hätte es Simyo schwer machen können, nicht per Twitter direkt anzubimmeln, sondern die Tweets einfach laufen lassen können) und ein Test, wie offen Simyo sprechen möchte.
Das Posting wurde um 13:45 Uhr verfasst und dem Simyo-Team nahezu zeitgleich auf Twitter bekannt gegeben. Zeit läuft, schauen wir erneut, wie lange man für eine Antwort benötigt.
Update: Antwort von Simyo ist um 16:05 Uhr eingegangen
“… Wir gehen nicht davon aus, das unsere Kunden das Handy als Nothandy nutzen. Warum sollen wir es dann aktiv kommunizieren? … Und ja, jeder Kunde kostet simyo auch Geld, Kapazität und Ressource. 15 Euro pro Jahr aufzuladen sollte auch für wenig Telefonierer keine Hürde sein und steht für uns in keinem Widerspruch zur Fairness. ”
Laura Price / Honda im Interview
(Laura Price über die Key Learnings von Social Media und dem Zeitaufwand mit Usern über das Netz während des “LEL”-Crowdsourcing-Projekts in Kontakt zu bleiben, zu antworten, 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Das LEL-Projekt hat ca. 1,5 Jahre von den ersten Planungen bis zum Projektende angedauert.)
Alex Kahl war gestern auf der Filmpremiere des Honda LEL Projekts. Ich hatte mit ihm vereinbart, dass er wenn möglich Laura – Social Media Manager for Honda Motor Europe – vor die Kamera holt und einige Fragen zum Abschluss des LEL-Projekts stellt (siehe alle meine Artikel zu dem Thema Honda und LEL). Ich denke, es ist spannend einen der Macher des Projekts zu sehen. Etwas über die Hintergründe des Projekts zu erfahren, warum man sich dafür entschieden hatte, was die Learnings und Erfolgserlebnisse waren, aber auch mit welchen Problemen man konfrontiert war. Gerade weil man etwas anderes als bisher gemacht hatte, wenn man ein neues Auto herausbringt und dafür trommelt. Wie Laura im Interview schon sagt: Es gab kein Template, keine Erfahrungswerte, auf die man zurückgreifen konnte. Es lohnt sich, das Interview anzuschauen, die Antworten sind aufschlussreich und spannend. Kleiner Hinweis: Die Hintergrundmusik ist etwas laut, aber man versteht Laura dennoch recht gut.
Alex, danke für das Interview!!!
Bloggen mit Köpfchen und Plan: Das Bewerberblog
Ich gebe zu, ich reite gerne auf dem Thema herum, dass Bloggen planbar ist und eine gewisse Strukturen erkennbar sind, die wiederholbar für Dritte sind.
Grau ist alle Theorie, lieber zeigen wir das an einem Beispiel. Ich hatte hierzu vor einiger Zeit anlässlich eines Vortrags bei der IHK Hanau zum Thema Unternehmens-Blogs im Bereich Mittelstand die Firma TowerConsult um Informationen gebeten. Sie setzen ihr Bewerber-Blog sehr erfolgreich ein. So erfolgreich, dass es mittlerweile die Hauptstütze ihrer PR/Marketing-Aktivitäten darstellt.
Wie ich auf diese Firma kam? Mir fiel während des Barcamps in Leipzig anno 2008 TowerConsult auf. Zwei Mitarbeiterinnen und eine Praktikantin – Nadia Kittel, Jeanette-Freya Enders und Isa Schmiedgen – hatten ihr Blog-Projekt in einer Sessions vorgestellt. Die gute und strukturierte Planung war augenscheinlich, mit der sie ihr Blog-Vorhaben in die Tat umgesetzt hatten (Blog-Start: 09/2007). Eben nicht drauf los, auch nicht zu tief geplant, kein strategischer Overload, sondern die richtige Mixtur aus Grob- und Feinplanung. Obgleich man keine Blog-Erfahrungen zuvor gesammelt hatte. Das Ergebnis der Vorbereitungen war ein fast 30 Seiten langer Business-Plan. Es handelte sich um eine handhabbare, grundsolide Arbeit im Vorfeld, einfache und klare Kontrollstrukturen, die ersten Blog-Erfahrungen zu erkennen und weiter zu justieren. Für mich war schon damals absehbar, dass man damit Erfolg haben müsste, wenn nix großartig dazwischen kommen würde. Oder sagen wir es auf den Punkt gebracht: Die Köpfe dahinter waren smart und Garant für den Erfolg. Es kommt eben immer auf die Menschen hinter einem Projekt an, selbst der beste Plan nutzt letztlich nichts, wenn man nicht die passenden MitarbeiterInnen hat. Hier hatte man beides: Fähige Köpfe im planerischen Vorfeld aber auch während der Umsetzung in die Praxis.
Zwei Jahre sind seitdem ins Land vergangen und im März 2010 war es an der Zeit, das Projekt anlässlich einer Blog-Präsentation für die IHK Hanau näher unter die Lupe zu nehmen. Zunächst einmal die Präsie von TowerConsult damals zum Barcamp Leipzig:
Und meine Präsie von März 2010 über das Bewerberblog:
was kann ich über dich erfahren?
In diesem Artikel beschäftige ich mich gedanklich mit den Notwendigkeiten der Offenheit und Transparenz. Und werde Ableitungen treffen, warum Unternehmensmitarbeiter speziell aus kommunikativen Bereichen im Netz präsent sein müssen, um es anhand eines konkreten Beispiels deutlicher/greifbarer zu machen. Thilo Specht hat mich mit seinem Artikel “Vordenker, Mitmacher, Nachtreter: Es lebe die Social Media Leitkultur! #nicht” dabei inspiriert und auf neue Assoziationsketten gebracht.
Ausgangspunkt
Wenn wir über das Netz in irgendeiner noch so flüchtigen Form Kontakt zu einem uns fremden Menschen auf privater oder beruflicher Ebene knüpfen, ist eine der wichtigsten Fragen dabei: Wer ist dieser Mensch, was macht dieser Mensch, was verbindet uns womöglich? Auch stellt sich bei bestimmten Abweichungen oder einem Mangel an Informationen die Frage des Vertrauens.
Einfaches Beispiel: Wenn ein Mensch auf meinem Blog kommentiert und einen Link hinterlässt, kann es sein, dass es sich um einen Link auf eine kommerzielle Seite handelt. Ich bevorzuge authentische Kommentare, jedoch keine larifari Kommentare, bloß um den Google-Wert der verlinkten Seite zu steigern.
Also checke ich die verlinkte Seite und suche Informationsstückchen über die Person. Gibt es eine About-Seite? Stellt sich die Person dort vor? Wie spricht und gibt sich diese Person? Gibt es Twitter-, Xing-, Privatblog- und/oder Facebook-Verweise, Fotos und Videos? All dies trägt dazu bei, dass ich mir in – je nach Bedarf, Kontaktdauer/häufigkeit, Abweichung von der Regel – ca. 1-10 Minuten ein Bild machen kann.
Erlernte Verhaltensweisen und neue Ausprägungen
Es ist im Grunde nicht anders als erlerntes Verhalten in der Realität. Nur, im Netz steht mir diese Person nicht gegenüber, ich kann meinen bewussten und unterbewussten Apparat nicht 1:1 wie in der Realität nutzen, um den Mensch über das Netz einzuschätzen. Je mehr ich daher von einer Person im Netz finde umso einfacher gestaltet sich das Zueinander und Miteinander.
Die im Netz oftmals eingeforderte Offenheit und Transparenz gegenüber Unternehmen kommt daher nicht von ungefähr. Es ist eben kein Revoluzzer-Geschwätz, sondern basiert auf menschlichen Verhaltensweisen, die schon lange vor der Erfindung des Internets erlernt sind und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Im Netz gestaltet sich das eben nur mit anderen Mitteln. Den Mangel an Sinnen im Netz kompensieren wir durch eine andere, informative Offenheit über unsere Person im Netz. Über Texte, (Bewegt-)Bilder und Akkustisches. Diese Transferleistung ist der eigentliche casus knaktus und daran zerschellen viele Überlegungen insbesonders seitens der Unternehmen, wie offen und transparent mein eigentlich sein soll und darf. Dabei liegt es auf der Hand, wenn man auf die Menschen in seiner Umgebung achten würde und sich längst etablierte Verhaltensweisen vor Augen hält.
Das, was wir im privaten Netzumgang miteinander erlernt haben, übertragen wir selbstverständlich auf Kontakte mit Menschen – die beruflich unterwegs sind – und deren Unternehmen. Mehr Offenheit, mehr Transparenz. Im vorauseilenden Sinne, denn wir können nicht wissen, mit wem wir es morgen zu tun haben, aber wir können es demjenigen erleichtern, sich ein Bild von uns zu machen. Das ist keine Frage der Unternehmenskultur, sondern eine essentielle Frage des Zugangs im menschlichen Miteinander via Netz.
PR-Profis ratlos im Umgang mit Offenheit und Transparenz
Unternehmen lassen sich gerne davon irritieren, wenn man sie mit den Forderungen an Offenheit und Transparenz immer und immer wieder konfrontiert, indirekt über die Entwicklungen im Netz. Dabei geht es zunächst nicht um das Unternehmensgebilde. Mir ist es doch Jacke wie Hose, ob links die Buchhaltung sitzt und rechts gegenüber die Revision. Das interessiert mich null. Ich will gar nicht das gesamt Gebilde bis ins letzte Detail kennenlernen (völlig unabhängig, was Betriebsinterna sind). Um was gehts aber, wenn man von Offenheit und Transparenz spricht?
Auf einer PR-Veranstaltung stellte eine PR-Beauftragte die Gretchen-Frage: “Muss ich als PR-Mitarbeiterin auch einen Teil meiner Person von mir preisgeben? Ich als Person würde gerne außen vor bleiben, wenn möglich. Ich bin Mitarbeiterin von XYZ, das muss reichen.“
Das kann diejenige nach wie vor auch bleiben, man muss lediglich etwas Transferleistung vollbringen. Im geschäftlichen Realumgang miteinander gibt es längst etablierte Verhaltensweisen. Das Private bleibt je nach Kultur mal weniger mal mehr außen vor. Die Frage ist dabei, wie viel man als Person von sich preisgeben muss (über Gesagtes, Gestik, Mimik, Klamottencode), um dem Gegenüber die Möglichkeit zu bieten, sich ein Bild zu machen, das für Weiteres mindestens ausreichend ist. Diese Frage gilt ebenso im Netz. Das Unternehmen ist als solches über seine Marke und Imagewerte nicht unwichtig, aber nicht zentral.
Kontaktiert mich demnach eine PR-Person – also ein waschechter Kommunikationsprofi, der sich bestens mit menschlichem Verhalten auskennen sollte (daher dieses Beispiel “PR-Mensch”) – so kann ich nach wie vor nicht verstehen, warum dieser Mensch so gut wie keine Netzspuren hinterlassen hat. Aus gebotener Offenheit und Transparenz. Der- oder diejenige macht es sich nur unnötig schwer. Ich muss in diesem Kontext nicht zwingend wissen, ob es sich um einen Menschen handelt, der privat Blumen züchtet und gerne Schach spielt. Schaden würde es nicht. Wichtig ist mir primär, dass ich die agierende Person in seiner Rolle als Firmen-Mitarbeiter besser einschätzen kann. Und zwar über das übliche Maß an meistens nichtssagenden “wischi waschi”-Mitarbeiterprofilen hinaus.
Was wäre ratsam, um Offenheits- und Transparenzgrade im Netz mindestens zu erfüllen?
Idealerweise hätte dieser PR-Mensch ein eigenes PR Blog, wo er sich Gedanken über seine Arbeit macht. Gut wäre ein Xing-Profil. Nett wäre ein privates Facebook-Profil. Tweets auch. Ein Mitarbeiterprofil? Ok, wenn nicht nichtssagend.
Nehmen wir uns als Beispiel Thilo Specht. Thilo ist in seiner Rolle als Privatperson aber auch als beruflich agierende Person im Netz unterwegs. Ich finde ihn auf Twitter unter @tspe, er betreibt ein beruflich ausgerichtetes Blog namens Cluetrain PR, auf Facebbok hat er dazu eine eigene Page eingerichtet, sein Facebook-Profil ist natürlich ebenso vorhanden wie ein Xing-Profil. Die Agentur, für die er arbeitet, bezeichnet sich als “Agentur für Public Relations und Marketing-Kommunikation“. Das Mitarbeiter-Profil zu Thilo ist zwar vorhanden, aber das kann man getrost vergessen, das hilft nicht wirklich weiter, mir ein Bild zu machen. Die Bilder habe ich an anderen Stellen viel besser geliefert bekommen. Die Bilder, die Thilo sendet. Ich könnte weitere Beispiele von Vorreitern nennen, die Offenheit und Transparenz bieten. Schaut Euch dazu zunächst das Profil von Frank Hamm an. Von da aus könnt Ihr weitersurfen, um das Bild zu komplettieren.
Ergo? Wäre ich einer, der von Vorreitern wie den Thilos und Franks dieser Welt kontaktiert wird, hätte ich im Handumdrehen mein Informationsbedürfnis gestillt. Als Kunde würde ich mich froh schätzen, wenn ich von diesen Profis digital Unterstützung bekommen würde. Als Blogger habe ich es einfacher, mich mit Thilo und Frank zu unterhalten und nicht den Kontakt zu verweigern. Diese Prinzipien im 1:1 Umgang lassen sich selbstverständlich auf den 1:n Umgang übertragen.
Fassen wir zusammen:
- Kontakte via Netz werden erheblich erleichtert, wenn man schnellstmöglich über ein Mindestmaß an Informationen rund um die Person erhalten kann.
- Die Fülle an Informationen muss nicht komplett den Mensch als Privat- und Geschäftsperson umfassen, es besteht dazu keine Notwendigkeit beim Erstkontakt.
- Das Maß an Kontrolle über die eigene Privatsphäre, was man von sich sendet, und das Maß an eingeforderten Offenheits/Transparenzgraden beißt sich demnach nicht. Je nach Kontext ist ein unterschiedliches Maß an Informationen über die Person notwendig. Im privaten Umfeld ist das weicher definiert, im geschäftlichen Umfeld bei zielgerichteten Handeln ist das klarer definiert.
- Offenheit und Transparenz von Unternehmen ist nicht die Forderung an Unternehmen, sondern eine konsequente Forderung an in der Öffentlichkeit arbeitenden Mitarbeitern. Wir sprechen im Netz nicht mit Unternehmen, sondern mit Personen. Marken und Imagewerte von Unternehmen helfen hierbei nur bedingt weiter.
- Offenheit und Transparenz gegenüber Privatpersonen ist eine Forderung, die Kontaktanbahnungen wesentlich erleichtert. Wer daran kein Interesse hat, kann als Person im Hintergrund bleiben und komplett anonym kommunizieren. Derjenige muss damit rechnen, dass der Vertauensprozess wesentlich länger andauert.
- Marketing/PR Profis, die Offenheit und Transparenz gegenüber sehr kritisch bis hin zu absolut negierend eingestellt sind (meistens schwurbeln und lästern sie über Social Media ab), arbeiten meiner Erfahrung nach meistens bei großen Agenturen und stolpern vor lauter zielgerichteten Handeln und Strategie-Folienarsenalen über die banalsten Verhaltensweisen im menschlichen Umgang miteinander, wenn es um Fragen geht, wie man im Netz mit Kunden spricht.
- Offenheit und Transparenz sind keinen Fragen der Unternehmenskultur, sondern eine Frage, ob sich Unternehmensmitarbeiter vernunftorientierten, mit dem Netz einhergehenden Verhaltensmustern öffnen wollen.
Update
Prof. Thomas Pleil via Facebook: … die Unternehmenskultur hat schon auch Einfluss, z B, ob und wie Mitarbeiter kommunizieren duerfen oder wie mit Problemen umgegangen wird.
Reply: Das ist richtig, was die (un)sichtbare Ausprägung des Verhaltens im Netz angeht, allerdings kenne ich keine Unternehmenskultur, die das Vorstellen von agierenden Personen im Unternehmensumfeld per se untersagt. Sprich, die Unternehmenskultur ist längst vorhanden, wir sprechen nur noch darüber, ob man das Go für die gleichen Verhaltensweisen auf den Kanal Internet ausdehnt. Das bedingt keine Änderung der Unternehmenskultur in sich, sondern eine Ausdehnung der Kultur.
Weitere Zusatzhinweise:
- Kommentar von Prof. Thomas Pleil erneut zur Unternehmenskultur als Barriere
- Christian Henner-Fehr zur klarstellenden Unterscheidung zwischen persönlichen und privaten Inhalten unterscheiden
- Frank Hamm präzisiert Christians Punkt, was man als beruflich-präsenter User an Informationen darstellen kann und sollte. Und geht wie Prof. Pleil auf die Frage der Unternehmenskultur ein
wenn ein Journalist ein gemeinsames Schriftwerk angeht
das kann und sollte zum Standardrepertoire eines jeden Journalisten gehören. Marcus Schwarze von der Hannoverschen Allgemeine Zeitung (HAZ) hat es ebenso probiert wie die WELT und es hat nicht weh getan:
Für unsere Wochenendbeilage “der 7. tag” suchte ich Mitstreiter, die daran mitwirken wollten, Kommunikation im Jahr 2010 darzustellen.
Das Ergebnis könnt Ihr Euch online auf seinem HAZ-Blog anschauen:
Texperiment, das Ergebnis: Wie Kommunikation 2010 funktioniert. Die textliche Produktion wurde ganz simpel über ein Google Doc gesteuert.
Was wir hier und anderen Stellen beobachten, ist eine “normale” dennoch erstaunliche Sache. Stück für Stück finden Mitarbeiter von Verlagshäusern Wege und Mittel, über das Netz gemeinsam an einem Ziel arbeitsteilig zusammenzuwirken (in dem Fall die Produktion strukturierter Informationen). Der Produktionsablauf unterliegt in Teilbereichen keinem vordefinierten Regelwerk und Arbeitsablauf. Dass es sich um keine standardisierten Abläufe handelt, sieht man schon daran, wenn man das Vorgehen von Marcus mit der WELT und auch anderen Projekten vergleicht. Marcus hat nach eigenem Bekunden sein Blog, Twitter, Mails und Google Docs verwendet. Die WELT hatte eine eigene PR-Seite eingerichtet (die mehr dem Publizieren denn dem Organisieren galt), Twitter und Facebook zum Verbreiten der Projekts genutzt, Mailing, Telefonate zum Organisieren und innerbetriebliche Abläufe in Teilen auf den Kopf gestellt (einen Tag lang war die Redaktion vor Ort durch Externe besetzt). All das sind Probeläufe positiv “Verrückter”, die andere Wege suchen und gehen. Mit der Zeit wird sich ein etabliertes Muster für Verlage ergeben, wie man gemeinsam über das Netz zwecks Informationsproduktion zuverlässig und effizient produzieren kann.
Facebook Datenfutter
nachdem gestern Facebook stolz wie Oskar verkündet hat, die 500 Mio Marke geknackt zu haben, hat man natürlich den Presseverteiler angeworfen. Aus der PR-Mail einige Daten für Zahlenfreaks:
People on Facebook
- More than 500 million active users
- 50% of our active users log on to Facebook in any given day
- Average user has 130 friends
- People spend over 700 billion minutes per month on Facebook
Activity on Facebook
- There are over 900 million objects that people interact with (pages, groups, events and community pages)
- Average user is connected to 80 pages, groups and events
- Average user creates 90 pieces of content each month
- More than 30 billion pieces of content (web links, news stories, blog posts, notes, photo albums, etc.) shared each month.
Global Reach
- More than 70 translations available on the site
- About 70% of Facebook users are outside the United States
- Over 300,000 users helped translate the site through the translations application
Platform
- More than one million developers and entrepreneurs from more than 180 countries
- Every month, more than 70% of Facebook users engage with Platform applications
- More than 550,000 active applications currently on Facebook Platform
- More than one million websites have integrated with Facebook Platform
- More than 150 million people engage with Facebook on external websites every month
- Two-thirds of comScore’s U.S. Top 100 websites and half of comScore’s Global Top 100 websites have integrated with Facebook
Mobile
- There are more than 150 million active users currently accessing Facebook through their mobile devices.
- People that use Facebook on their mobile devices are twice more active on Facebook than non-mobile users.
- There are more than 200 mobile operators in 60 countries working to deploy and promote Facebook mobile products
LEL Filmprojekt online
das Honda LEL Filmprojekt ist in Teilen nun online zu sehen. Interessant für mich, wie die einzelnen Teile zu einem Ganzen zusammengefügt wurden. Natürlich ist die Frage, was Honda dieser Film nun bringt. Nur weil es ein “crowdsourced” Filmprojekt ist, heißt es noch lange nicht, dass es unbedingt Honda helfen wird. Aber mutig genug von Honda, überhaupt so ein Marketingprojekt zu probieren. Alex Kahl ist in London zur Filmpremiere eingeladen worden und ich habe ihm einige Fragen für Laura/Honda mitgegeben. Er wird Laura vor die Cam holen und mal schauen, wie die Antworten sein werden.

