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Blog-Einnahmen publizieren ?

15.07.2010 / 18 Kommentare

Ich bin vor einigen Tagen auf einen Artikel mit der Überschrift “Veröffentlichung der eigenen Einnahmen – Guter Schachzug oder Eigentor?” gestoßen. Der Autor Peer Wandiger wägt zusammen mit seinen Lesern ab, ob man seine Blog-Einnahmen veröffentlichen sollte.

Ein Punkt fehlt mir in der Diskussion oder ich habe ihn übersehen: “Leuchtturm-Funktion”. Man kann zeigen, dass man mit Hilfe eines bzw. mehrerer Blogs einen Teil seines Einkommens bestreiten kann. Je nach Leser mag das höher oder niedriger erscheinen. Manchen genügt es bereits, dass man die Hostingkosten einspielt. Andere wiederum freuen sich, dass sie ihr Hobby finanzieren können.

Die Gretchenfrage für Interessierte ist natürlich eine häufig gestellte. Ebenso von Außenstehenden. Kann man “genug verdienen”? “Genug” ist wachsweich, halten wir uns daher an einen bestimmten Wert. Dem durchschnittlichen Einkommen (yadda yadda, ich weiß, es ist ein Durchschnitt). Der soll laut der Deutscher Rentenversicherung bei ca. 31.000 Euro brutto jährlich liegen (rund 2.500 Euro/Monat). Der Wert ist nicht wirklich allzu hoch, um das mit dem Bloggen zu erreichen. Wie das? Kann das sein, dass es so einfach ist? Womit hängt es zusammen, dass aus Bloggen als Hobby eine einkömmliche Arbeit werden kann?

Was muss man als Blogger tun, um diesen Wert zu erreichen?
1. Arbeiten & Lernen = Bloggen
2. Täglich 8 Stunden für einen unbestimmten Zeitraum

Was noch?
3. Niemand stürzt sich ins kalte Wasser, gibt seinen Job auf und legt wie ein Verrückter los. Man lässt es langsam angehen. Je nach Intelligenz und Geschick kann diese Phase rund 3-6 Monate andauern. Bis man sich entscheiden kann, an Fahrt aufzunehmen oder es sein zu lassen.

4. Am Anfang steht ein Plan. Manche denken, dass sie keinen brauchen, ihr Kopf sei Plan genug. Gut, dann werden die Learnings eben zufällig sein, was aber dem Zufall Vorschub leistet und vieles wird unterwegs verschenkt. Ich erschrecke regelmäßig, wenn ich mit klagenden Bloggern spreche, die völlig wirr argumentieren, was ging und nicht ging. Sie haben keinen Plan, ach… Ohne Plan kein Blick. Ein Plan zwingt zum Strukturieren, gezielten und bewussten Vorgehen. Nix mehr wirrie, sondern kopp. Der Plan muss zwingend die wichtigsten Eckpunkte enthalten. Auch wenn man zu Beginn vieles nicht weiß. Macht aber nichts. Was wären die Inhalte des Plans? So sollte man sich vorab erkundigen, ob überhaupt genügend Einnahmepotentiale zum Blog-Thema vorhanden sind. Bin ich am Thema so sehr interessiert, dass ich mich auf Dauer motivieren kann? Mache ich es nur, weil ich Geld verdienen will? Gibt es genügend passende Unternehmen, die Werbung im Netz schalten? Gibt es passende Affiliate-Programme? Kann man sich so positionieren, dass man von Unternehmen eingeladen wird, um als Experte seine Dienste anzubieten? Wo finde ich Quellen zum Blog-Thema? Wann starte ich mit welchen Themengruppen? Welcher Themenmix erreicht wen, wird es einen roten Faden geben? Gibt es auf Facebook und anderen Social Networks Personen und Personengruppen, die sich dafür interessieren? Interessiert sich die Presse für Dein Blog-Thema? Was muss man erreichen, um wahrgenommen zu werden (es geht nicht nur um Traffic)? Wieviel kann ich an Zeit investieren, an welchen Stellen setze ich zuerst an? Was kann ich nicht machen mangels Zeit? Was kann ich machen, wenn ich mehr Zeit habe? Priorisierung ist dabei A und O. Was kann man später erledigen, was spielt jetzt noch keine Rolle? Welche markanten Ziele setze ich mir und wie erreiche ich diese. Nicht alle Ziele sind zu jedem Zeitpunkt gleich wichtig. Wie lerne ich, von wem lerne ich, was lerne ich?

Ich möchte das jetzt nicht zu sehr ausbauen, habe ja versprochen, dass ich einen Blog-Businessplan erstellen werde. Wichtig ist an einem Plan, dass man sich bestimmter Zusammenhänge bewusst wird. Dass man nicht ziellos durch die Gegend bloggt, um sich nicht wie in der Tretmühle vorzukommen. Man lernt und agiert bewusst. Was den Spaß am Bloggen nicht einmal ansatzweise mindert. Im Gegenteil, man trainiert sich bewusst und wird besser als der Regionalliga-Kicker. Je mehr man kann und weiß umso mehr kann man auf der Klaviatur des Bloggens spielen, umso größer wird die Spielfreude sein.

5. Nicht “in the blog” denken, sondern “out of the blog” (siehe modern blogging). Niemand wartet auf Dein Blog, man sollte tunlichst auf Dritte zugehen

6. Kommen wir zum Plan zurück: In regelmäßigen Abständen sollte der Plan justiert, Ziele abgeglichen und neue Erkenntnisse notiert werden.

7. Wie lange dauert es?
Nach einem halben Jahr Lernphase sollte man wissen, was die wichtigsten Faktoren sind. Was nicht heißt, dass man ausgelernt hat. Nach einem Jahr weiß man, ob man sein Ziel jemals erreichen kann, um überhaupt ein Durchschnittseinkommen zu erreichen. Alles unter Jahr ist unrealistisch, solange man nicht ein Blog-Profi ist und ein neues Blog aufmacht. In der Regel dauert es 1-3 Jahre, um als bewusst bloggender Publizist das Durchschnittseinkommen iHv 31.000 Euro zu erreichen. Die Phase bis dahin ist sehr aufwendig, anstrengend und schweißtreibend.

8. Warum schafft man es dennoch nicht?
Viele wagen den Sprung vom Hobby nicht ins selbständige Dasein eines Publizisten. Das liegt eben und insbesonders daran, dass man von Teilzeittätigkeit nicht in eine Vollzeittätigkeit wechseln kann. Teilzeit-Bloggen heißt, dass man womöglich an die 1.000 Euro/Monat kommt. Dann ist auch schon langsam das Ende der Fahnenstange erreicht. Vollzeitbloggen heißt, dass man ca. 1-2 Jahre kontinuierlich weiter arbeiten muss, bis man das Durchschnittseinkommen und mehr erreicht. Wie soll man bis dahin die Einkommenslücke decken, wenn man nicht mehr “real” arbeiten geht?

Ein weiterer Faktor spielt eine große Rolle: Viele Blogger lernen nicht strukturiert, sie machen sich viele Zusammenhänge nicht bewusst. Bloggen heißt eben nicht nur Bloggen, sondern ein Großteil des Bloggens ist gerade zu Beginn Lernen und Ausprobieren und Lernen. Immer unter dem Aspekt des “Pro-Bloggens” betrachtet natürlich.

Andere wiederum “scheitern” an den mangelnden Einkommensquellen. Man kann sich noch so sehr anstrengen, aber der Markt ist zu klein, es gibt kaum Unternehmen, die Werbung online schalten, es gibt keine Affiliate-Programme, Google AdSense gibt mangels Traffic nicht genug her, man selbst sieht sich nicht in der Lage, Einkommensquellen an anderen Stellen aufzutun, das Blog dabei indirekt wirken zu lassen (das alte Spiel der Freelancer-Blogs).

Mit dem Thema “mangelndes Talent” bin ich von Natur aus vorsichtig. Es wäre dann ein Faktor, wenn Bloggen partout nicht zur Finanzierung des Lebenseinkommens dienen könnten. Oder der Wettbewerb so dicht ist, dass man mit herkömmlicher, guter, alter Arbeit nicht zum Ziel kommt. Da ich aber immens viele Lücken sehe, die noch nicht abgedeckt sind, kann ich es auf mangelndes Talent nicht zurückführen.

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Modern Blogging

10.06.2010 / 29 Kommentare
"Modern Blogging" lautete der Titel meiner Session auf dem Barcamp Bodensee. Ich hatte versprochen, diese Session schriftlich nachzureichen, zumal einige Interessenten nicht mit dabei sein konnten. Bei der Session-Planung hatte ich die Session auf Sonntag 15 Uhr angesetzt, sie wurde kurzfristig auf 11 Uhr vorgeschoben. Ok, soweit so gut. Ich werde an diesem Artikel weiter arbeiten, nicht wundern, wenn sich wieder was ändert ;)

"Modern Blogging" = Grundgedanke
Im Zentrum steht der Gedanke, dass man heute auf Basis des allgemeinen Erfahrungsschatzes - nach rund 15 Jahren Bloggen seit Bestehen dieses Mediums - nicht mehr zufällig bloggen muss, sondern zahlreiche Elemente bewusst und systematisch angehen kann. Betonung liegt auf "bewusst" und "systematisch". In den Frühzeiten des Bloggens war es lediglich ein "drauf los Bloggen und schauen was passiert". Das kann man heute als Blogger immer noch tun. Doch damit entgehen einem zahlreiche Möglichkeiten, was schade und auch nicht nötig ist. Es gilt, Grundelemente des Bloggens zu identifizieren und ihre Auswirkungen zu beschreiben.

Denn der allgemeine Erfahrungsschatz ist mittlerweile so angewachsen, dass für jeden Blogger - egal wie intensiv er sich mit dem Bloggen beschäftigen möchte - etwas dabei wäre, Bloggen geplanter und bewusster anzugehen. Um mehr Spaß, mehr Besucher, mehr was auch immer zu erreichen. Dennoch tun sich bis heute extrem viele Blogger damit schwer, bestimmte Fragestellungen zu beantworten. Ja, gar selbst die richtigen Fragen präzise zu formulieren, bereitet ihnen Probleme. So verlieren sie sich im Komplex des Bloggens und kommen nicht voran.

Modern Blogging ist die Fortsetzung meines Artikels "Sein eigenes Blog nach vorne bringen, aber wie?", das auf dem grundsätzlichen Gedanken des bewussten Bloggens basiert. Hierzu hatte ich den Vorschlag unterbreitet, Bloggen wie eine Art Unternehmensprojekt anzugehen, die gedankliche Abarbeitung könnte an die Struktur eines Businessplans angelehnt sein. Wobei ein herkömmlicher Businessplan lediglich ein Hilfskontrukt darstellt, gewisse Blog-Fragestellungen strukturiert abzuarbeiten. Das erschien einigen Lesern als zu sehr business-like. Jedoch stand Business nicht im Vordergrund. Das hatte ich anscheinend nicht gut rübergebracht. Dieser Artikel wird daher einige Grundelemente des Bloggens präzisieren, ihre Auswirkungen erläutern und damit für den Blogger einerseits überhaupt erstmal identifizierbar und letztlich in die Tat umsetzbar machen. Und zwar so, dass sie nicht mehr zufällig, sondern strukturiert wiederholbar sind.

Ich vergleiche es gerne mit Fußball: Was ehemals ein Zufallssport war, ist heute als Sportwissenschaft zu bezeichnen. Angefangen von der Ausbildung der Jugend bis hin zu modernsten Trainingsmethodiken, Spielsystemen und Trainerausbildungen. Was wir heute auf dem Spielfeld sehen, ist das Ergebnis einer lange Entwicklung, basierend auf den Erkenntnissen von Menschen, die sich intensiv mit diesem Sport beschäftigt haben. Und eben aus einem zufälligen Kick ein systemisches Gebilde konstruiert haben, sich Zusammenhänge und Mechanismen bewusst gemacht haben. Wir sehen heute bei Spitzenmannschaften echtes Rasenschach und kein Gekicke mehr, auch wenn man das an schlechten Tagen meinen könnte. Dieser Fortschritt basiert auf Bewusstsein und prägt uns Menschen als lernende Wesen schlechthin. Aus Versuch und Irrtum wird ein wiederholbares, stabiles System.

"Modern Blogging" = Grundelemente
Die folgenden, nicht nach Prio gelisteten Grundelemente sind mit Sicherheit nicht vollständig und womöglich auch nicht sauber voneinander getrennt. Soll heißen? Denkst selbst mit, erweitert, präzisiert, korrigiert das Modell. Es ist mein erster Versuch, das Bloggen in ein Muster zu überführen. Unvollkommen, krude, aber ein Versuch. Ein Versuch, um die Grundelemente anschließend in einen größeren Rahmen zu betten. Betrachtet demnach diesen Versuch als Arbeitsgrundlage. Ob am Ende ein Blog-Plan analog zu einem Business-Plan herauskommt, kann sein, muss nicht sein. Lets see.

"Modern Blogging" = Vernetzung
Im Gegensatz zu alten Blog-Zeiten vor 10 Jahren spielen heute mittlerweile neben der Google-Suche zahlreiche, weitere Dienste eine große Rolle, die für das Blog wichtig sind bzw. sein könnten. Jedes dieser Dienste kann dazu beitragen, dass das eigene Blog mehr Besucher bekommt, eigene Inhalte im Netz besser gefunden werden, das Blog mehr Präsenz gewinnt.

Nur, was hat man von einem bloßen Mehr an Besuchern? Ist Euch überhaupt klar, dass YouTube-Besucher ganz andere Interessen haben könnten als Facebook- oder Twitter-Besucher? Ist Euch bewusst, dass die Konversions-Raten (externe Plattform -> Benutzer -> Besucher Eures Blogs) ganz unterschiedlich sind? Ist Euch der Modus, in dem sich die Benutzer einer externen Plattform befinden, geläufig und welche Auswirkungen das auf Euren Blog hat, wenn die Benutzer auf Euer Blog gehen?

Jeder dieser Dienste wartet mit eigenen Gesätzmäßigkeiten, User-Kulturen, Gebräuchen, Sprachmustern und nicht zuletzt Funktionen auf. Heutiger Stand des Bloggens aus Sicht der Blogger ist, dass man "egal wie, Hautpsache überall präsent sein" soll. Sorry, aber das ist Bullshit. Im Artikel "Content Sharing: Spam or Care" bin ich bereits darauf eingegangen. Im Zentrum des Vernetzungs-Gedanken steht, dass man sich bewusst macht, warum man wie oft und an welchen Stellen Blog-Präsenz zeigen soll. Das bedingt eine gute Kenntnis der externen Plattform. Wer nur Blog-Inhalte 1:1 verklappt, wird nicht damit rechnen können, sein Blog voranzubringen. Es bedingt ebenso, dass man einen Plan davon haben sollte, wie man das Blog mit dem externen Dienst besser integriert.

Beispiele
1. Andere Blogs: Es erstaunt mich immer wieder, dass viele Blogger keinen blassen Schimmer haben, wo und wie sie andere Blogger finden, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen. Nicht einmal sind sie sich bewusst, warum das überhaupt eine Rolle spielen soll. Damn! Wie man sie findet, darauf gehe ich jetzt nicht ein, denn Google kann jeder bedienen, dank der neuen Sidebar findet man Blogs einfacher denn je. Wie vernetzt man sich mit diesen Bloggern? 08/15 ist das Kommentieren und damit das Hinterlassen eines Links. Finde ich persönlich ok, aber nicht wirklich den Hit. Viel geiler und genialer ist es, wenn man die Gedanken anderer Blogger aufgreift und weiter führt. Diese Wertschätzung ist weitaus größer als das bloße Kommentieren. Wertschätzung ist das, was Ihr Euch dabei bewusst machen solltet, wie wichtig das ist! Und sei es nur, dass man recht kurz und knackig dabei hilft, auf einen tollen Artikel eines Bloggers hinzuweisen. Ich persönlich denke dabei noch an Mutter Google und versuche den Link auf das externe Blog mit einem passenden Text zu hinterlegen, damit Google dieses Blog besser findet und einordnen kann. Ja, ich tue dem anderen etwas Gutes damit. Dieser persönliche Netzwerkaufbau ist gegenüber dem bloßen Kommentieren ungeschlagen. Zudem hilft es mir ungemein, auf andere Themen zu kommen. Nur, man muss sich schon eben den Gefallen tun und überhaupt eine Liste von themenverwandten Blogs erstellen. Wer so gut wie nicht auf andere Blogs verweist, wird sein Blog kaum voranbringen, believe me or not. Die Bedenken, dass man damit mehr für Dritte als für sich tut, halte ich für obsoleten Schwachsinn und nur dumme Ego-Blogger denken so.

2. Facebook: Zunächst sollte man sich überlegen, ob eigene Status-Updates aus dem persönlichen Facebook-Profil bereits reichen oder aber, ob man eine eigene Gruppe bzw. Page zusätzlich startet. Man sollte sich bewusst machen, was die Unterschiede zwischen einem persönlichen Profil, einer Gruppe und einer Page sind.

Wer zu einem Themen-Cluster, das man auf seinem Blog betreibt (Schwerpunkt...), Menschen zusammenbringen will, wird das mit Sicherheit nicht über sein Blog erledigen können. Die bloße Kommentarfunktion ist leider nur sehr krude und reicht bei Weitem nicht aus. Dazu dienen Social Networks par excellence. Es ist ohne Weiteres denkbar, dass man zu einem bestimmten Thema eine Gruppe/Page aufmacht und auch via Blog (nicht nur via persönlichem Status-Update auf Facebook) User einlädt, dieser Gruppe/Page beizutreten. Selbstverständlich dient es nicht nur der persönlichen Vernetzung der Interessenten, die es Euch danken werden, sondern der Weiterführung eines Themas. Ihr werdet ebenso davon profitieren wie Eure Leser. Aufwand? Es ist ebenso ohne Weiteres denkbar, dass man diese neue Seite nicht selbst administrieren muss, sondern Co-Admins benennt. Diese Co-Admins können Euch aktiv mit neuen Erkenntnissen und neuen Themenideen für Euer Blog versorgen. Und ja, aber sicher kann man das Muster für weitere Themen wiederholen.

Heutiger Status-Quo ist, dass zahlreiche Blogger eine Page auf Facebook starten und es dabei belassen, sich kaum dort selbst einbringen. Was soll das bringen? Nicht das Blog steht im Zentrum, sondern Ihr, Eure Themen und Eure Leser. Exakt das lässt sich auf Facebook ausdifferenzieren und entsprechend gestalten.

3. Twitter: Das automatisierte Verlinken innerhalb eines Tweets auf einen Blog-Artikel über ein Blog-Plugin halte ich für schrecklich. Es kommen meistens dabei bloße, nicht selten gekappte Kopien der Blog-Überschriften heraus. Wie lieblos ist das denn? Hingeschissen ist das! Du Follower bist mir egal, lies gefälligst. Wertschätzung? Null. Geiern nach Lesern? Mist! Hastags? Fehlanzeige!

Auch hier dominiert der Gedanke, dass das Blog im Zentrum steht und Twitter lediglich eine olle Leser-Brücke darstellt. Und erneut gilt auch hier das Muster: Warum macht man es den Lesern/Followern so schwer, indem man einfach alles über einen Twitter-Kanal verklappt? Habt Ihr Euch mal gefragt, warum Mashable über Twitter ideal funktioniert? Mashable zeigt, dass es auch anders geht als 08/15 Blogger Twitter zu nutzen: Die Twitterlists wurden im Blog integriert. Anschauen, lernen, hinterfragen, warum das gut sein kann. Wie im obigen Beispiel mit Facebook gibt es keinen Grund, nicht verschiedene Kanäle aufzubauen, die ein Thema explizit einsortieren. Egal wie fokussiert Ihr Eure Themenschwerpunkte setzt, es wird niemals alle Leser gleichartig interessieren. Wer es versteht, das Signal-to-Noise Ratrio zu verringern, tut seinen Lesern einen Dienst.

4. RSS: So alt diese Technik auch ist, die meisten Blogger machen sich zero Gedanken, was man damit anstellen kann. Man bappt einen fetten RSS-Button auf sein Blog und gut ist. Mitnichten gut ist! Es gibt keinen Grund, warum ein Blogger seinen RSS-Lesern nicht helfen soll. Bei was helfen? Ich habe so gut wie nie, auch bei mir nicht, einen entscheidenden RSS Kanal (=Artikel-Kategorien) angeboten: "Wichtig"! Von 100 Artikeln sollen alle Artikel gleich wichtig sein? Come on, das glaubt uns kein Leser. Warum hilft Ihr dem Leser nicht, kommt ihm entgegen? Er hat nicht ewig Zeit, alle Artikel aus seinem RSS-Abos heraus zu lesen. Je deutlicher Ihr macht, dass Euch (!) dieser eine Artikel besonders wichtig ist, hilft Ihr dem Leser.

Habt Ihr schon einmal in den Artikeln darauf verwiesen, dass der RSS-Leser auch themen-fokussierte RSS-Kanäle buchen kann? Warum nicht? Ihr bietet Kategorien auf Eurem Blog an und damit hat es sich? Verschwendung. Brachliegende Potentiale. Zeigt ihm wenigstens die wichtigsten Themenkanäle an, die er per RSS abonnieren könnte.

Ihr möchtet, dass der RSS-Nutzer auf Euer Blog geht? Wo verweist Ihr in Euren Artikeln darauf, warum es das überhaupt tun soll? Was bietet Ihr auf Eurem Blog, das er nicht via RSS nutzen kann? Nur das bloße Verlassen des RSS-Readers, damit Eure Statistiken besser werden, reicht nicht aus.

Das soll zunächst an Beispielen genügen, Euch ein Gedankenmuster zu liefern. Das im Wesentlichen auf Wertschätzung, Vernetzung per se und der bewussten Auseinandersetzung mit den einzelnen Vernetzungsstellen basiert. Es stellt Euer Blog gedanklich als ein Gebilde dar, das nicht selbst als solches im Zentrum steht, sondern durch die Themen, Leser und Euch selbst definiert wird. An jeder dieser drei Stellen könnt Ihr ansetzen.

"Modern Blogging" = dezentrales Bloggen

Bei einem Blog denken wir stets an eine Webseite, die mit WordPress, Blogger.com oder irgendeinem anderen Blog-System betrieben wird. Schon mal darüber nachgedacht, dass man Bloggen nicht wirklich und unbedingt so verstehen muss? Ich kann ohne Weiteres Bloggen als Publizieren von Inhalten verstehen. Wenn ich das derart abstrahiere, kann jedwede Präsenz auf Twitter, YouTube oder Facebook als Bloggen verstanden werden. Die Entscheidung, ein eigenes, im herkömmlichen Sinne verstandenes Blog zu betreiben, nur um zu bloggen, ist möglicherweise eine falsche Entscheidung. Brauche ich wirklich ein Blog, wenn ich ausschließlich Bilder oder Videos ins Netz stellen will? Nein, faktisch nein! Ich kann Videobloggen, indem ich nur auf YouTube meine Hauptpräsenz aufbaue, auf Facebook mein persönliches Profil und darüber hinaus eine oder mehrere Groups/Pages betreibe, die wie oben beschrieben an die Inhalte angepasst sind und auf Twitter wichtige Infos zu den Videos vertreibe. Was habe ich dann? Ein dezentrales Blog-System. Jede dieser drei Anlaufstellen nutze ich, um jeweils angepasste Präsenz zu zeigen, Inhalte aufzubereiten, ein persönliches Netzwerk aufzubauen. All das, was ein modernes Blog bietet, können andere Dienste komplett im Gesamten oder im Einzelnen ebenso abbilden. Dennoch bin ich ein Blogger ohne Blog, so what?

"Modern Blogging" = Kommunikation

Kommunikation steht im Zentrum aller Blog-Tätigkeiten. Und wird durch verschiedene Kommunikationspartner definiert. Ich kenne keinen Blogger, der mir jemals davon berichtet hätte, dass er sich bewusst gemacht hat, wann er mit wem warum über was kommuniziert. Außer Profibloggern und Unternehmensbloggern. Warum nicht? Weil es unwichtig ist, sich das bewusst zu machen? Schade. Man kann extrem viel dabei herausholen und mit der Zeit ein vorzügliches Informationssystem aufbauen. Kontakte sind wirklich Alles! Kontakte ermöglichen Euch, an gute Inhalte, Background-Infos, Veranstaltungshinweise, Werbechancen, aber auch an das, was Eure Leser interessiert, heranzukommen. Eine direkte und wiederholte Kommunikation ist schlichweg unbezahlbar fürs Blog!

So ist es ein Leichtes, mit Unternehmen und insbesondere mit PR- und Werbeagenturen Kontakt aufzunehmen. Mehr als eine Webseite des Unternehmens braucht man dazu nicht, um an die Infos heranzukommen. Notiert Euch nach den ersten Gesprächen die Position des Ansprechpartners, dessen Interessen, fragt nach weiteren Kontakten in der Firma, nach neuen Themen, immer wieder und wieder. So werdet Ihr mit der Zeit nicht nur Kontakt zum PR-Ansprechpartner haben, Ihr werdet Kontakte in die Produktabteilung, Vertrieb, Strategie, Werbeabteilung, etc haben. Ein besseres Bild könnt Ihr Euch von einem Unternehmen nicht machen. Notiert Euch ebenso, wann Ihr über was mit wem gesprochen habt. Daraus ergeben sich eine Vielzahl an Blog-Themen und Insights! Mit der Zeit werdet Ihr die Branche erheblich besser als zuvor verstehen. So müsst Ihr nicht mehr wie zu Beginn bloß bloggen, dass die Firma ein neues Produkt herausgebracht hat, sondern ihr kennt die Zusammenhänge, Hintergründe, Branchentrends und Knackpunkte! Der Leser wird es Dir danken, denn eine bessere Informationsstelle wird er im Netz nicht mehr finden.

Das Gleiche gilt für die Presse. Es wundert mich extrem, dass zahlreiche Blogger nicht mal ansatzweise verstehen, wie wichtig die Kontakte zur Presse sind. Es sind ebenso Multiplikatoren wie Ihr, nur eben weitaus besser vernetzt, aufgestellt und auch häufig wichtiger! Selbstverständlich habt Ihr neben dem immens wichtigen Kontaktaufbau stets die Möglichkeit, Eure Blog-Artikel an die Presse zu schicken. Niemand frisst Euch bei der Redaktion auf, wenn Ihr Euch danach erkundigt. Niemand fallen die Blog-Eier ab, wenn es mal "njet" heißt. Und ob Ihr es wahr haben wollt oder nicht: Ein Presseartikel über Euch bzw. Euren Artikel wiegt heute immer noch weitaus mehr als ein bis zwei Links von anderen Blogs, so sehr man sich darüber auch freut. Ein Presseartikel verschafft Euch das, was draußen wichtiger denn je ist: Vertrauen, Aufmerksamkeit, Bedeutung.

Sowohl mit der Presse als auch Unternehmen lässt sich heute leichter denn je Kontakt aufnehmen. Beim Grundelement "Vernetzung" sollte Euch klar sein, dass Presse und Unternehmen ebenso ein Teil dieser Sphäre sind wie Ihr. Und damit nur einen Klick von der Kontaktaufnahme entfernt. Ihr müsst nicht stets auf diese beiden Informationsstellen zugehen. Ihr könnt umgekehrt auf den Radar kommen. PR-Agenturen, Unternehmen als solche und Presse werden relativ einfach auf Euch aufmerksam. Habt Ihr daher daran mal gedacht, auf Eurem Blog eine eigene Seite für derartige Kontakte auf die Beine zu stellen? Fragt Ihr Euch nicht, warum das bei Unternehmen zum Standard gehört?

Man kann übrigens auch mit Lesern Kontakt aufnehmen, ach! Wieso habt Ihr noch nie aktiv danach gefragt, was die Leser von Eurem Blog halten? Warum fragt Ihr nie, welche Inhalte sie noch interessieren? Warum erkundigt Ihr Euch nicht, wer die Leser überhaupt sind? Ist das etwa verboten? Ihr bloggt blind vor Euch dahin, schaut hin und wieder in Statistiken, statt zu fragen? Sorry, ist bisserl komisch. Was mich auch wundert: Wieso finde ich auf den allermeisten Blogs kein super simples, präsentes Formular "wenn Du ein Thema für das Blog hast, hau es hier rein"? Das funktioniert sogar extrem gut!

Andere Blogger lest Ihr nur via RSS? Gibt es einen Grund, warum Ihr Euch nicht gegenseitig über Skype in einem laufenden Chat-Kanal informiert, austauscht, unterhaltet? Euch gegenseitig spannende Themenideen zuschiebt? Miteinander kooperiert? Ohne aktive und stetige Kommunikation macht Ihr Euch nur unnötig das Leben schwer.

Zusammengefasst: Kommunikation sich bewusst zu machen, bedingt das Überlegen, mit wem man wann über welchen Kanal wie oft kommuniziert. Es heißt auch, sich Gedanken zu machen, wie man über welche Kanäle sichtbar über das eigene Blog erreichbar ist. Es führt zu einem stetigen Aufbau eines exzellenten Informationsnetzwerks. Und es bedingt die Erkenntnis, dass ohne persönlichen Kontakte nichts geht. Und es bedeutet, dass man mitunter am Anfang mit Excel-Listen arbeitet. Ach Gottchen, das sind keine Personalakten, sondern simple Hilfslisten, den Überblick zu bewahren, Kommunikation nicht zu einem zufälligen "ich blogg mal los" mutieren zu lassen.

"Modern Blogging" = Sharing

Wie heißt es so schön: "Sharing is Caring" !!!

Was macht der Zufallsblogger? Er schreibt einen Artikel, publiziert ihn und erfreut sich seiner Leser. Schön, kann man machen. Kein Problem.

Was kann man sich an dieser Stelle bewusst machen? Zerlegen wir den Prozess eines publizierten Artikels in einzelne Schritte: Man kommt auf die Idee, man findet eine inhaltliche Struktur, man erarbeitet den Artikel und feuert ihn heraus (via Blog und andere Kanäle). An diesen vier Stellen kann man extrem gut ansetzen.

Die Idee: Wer ein gut ausgebautes Kontaktnetzwerk hat und eine stete Kommunikation pflegt, bekommt Ideen én masse für Blog-Artikel. Dazu gehört nicht nur das Kontaktnetzwerk, sondern eine gute ausgebaute Vernetzungs-Strategie wie unter den obigen Punkten bereits erläutert.

CoWorking: Wenn Ihr jemals an einem komplexen Artikel gearbeitet habt, was hindert Euch daran, diesen Artikel zusammen mit anderen aufzubereiten? Seitdem es Wikis, Foren und neuerdings auch Google Docs ud Google Wave gibt, ist ein Leichtes geworden! Und es macht tierisch Spaß, nicht nur bloß Arbeit. Glaubt Ihr denn, dass Ihr alles besser wisst und könnt? Natürlich nicht, demnach wäre es nur konsequent an der Ausarbeitung Dritte einzuladen.

Inhalte: Inhaltsaufbereitung- und Verbreitung wäre nochmals ein eigenes Thema für sich. Wie alle Punkte, aus denen sich ein Grundelement zusammensetzt. Aber lasst mich auf einen bestimmten Punkt eingehen: Wer sagt, dass ein Artikel fertig sein muss? Ist es nicht so, dass man angelehnt an das Eröffnen einer eigenen Facebook-Gruppe das Thema beliebig vertiefen kann, aber auch wieder im Blog aufgreifen kann? Es bedingt, dass man sich das gesamtheitliche Denken aneignen muss. Wer an einer Stellschraube im Blog-System dreht, bewegt automatisch andere Schrauben. Exakt das Gefüge Facebook-Blog wäre ein Beispiel dafür. Was ebenso zu dem Schräubchen dazugehört, ist das Aufzeigen der Kommunikation zu diesem einen Blog-Artikel: Wo laufen Hinweise und Kommentare auf, natürlich außerhalb des Blogs? Kann man diese dynamisch oder manuell im Blog aufbereiten? Sollte man über einen Folgeartikel mit weiteren Aspekten, die sich über diese Kommunikation ergeben haben, separat aufzeigen? Damn, JA!!!

Leser: An welchen Stellen macht Ihr es Euren Lesern einfach, Eure Inhalte wahrzunehmen, zu verteilen und darüber auch zu sprechen?

- Habt Ihr über einen Creative Commons Hinweis nachgedacht, um das Verfügen über Eure Inhalte einfacher zu gestalten?
- An welchen Stellen weiß der Leser, dass man Euer Blog via Mail, RSS und mobil abrufen kann?
- Wo habt Ihr ihm klar gemacht, um was es auf Eurem Blog geht? Warum sich ein Wiederkommen lohnt? Gar nicht? Schlecht, ganz schlecht, so wie bei mir :) Die meisten Besucher sind häufig Erst-Besucher. Je weniger er über das Blog erfahren kann, umso schneller kommt er nicht mehr zurück. So einfach und doch so schwer ist das Spielchen. Wenn Ihr auch nur um 10% die Rückkehrer-Quote erhöht, werdet ihr nicht mehr so derartig viele Leserkilometer verschenken. Speziell in diesem Bereich vergeuden die meisten Blogger am allermeisten und ein bisschen Nachdenken wie auch Bewusstsein helfen ungemein!
- An welchen Stellen macht Ihr es dem Leser klar, warum speziell dieser Artikel für ihn interessant ist? Habt Ihr mal darüber nachgedacht, via Facebook ganz gezielt Freunde in Listen zu unterteilen, gezielte Status-Updates vorzunehmen und damit die Streurate wesentlich zu verringern? Oder über Google Buzz und Twitter mit einem Stichwort klar zu machen, wen das interessieren sollte?
- An welchen Stellen fragt Ihr den Leser, was ihn interessiert? Interessiert Euch das nicht? Warum nicht? (ich wiederhole mich hier gerne)
- Während der Barcamp-Session sind wir auf die Sprachpolizei eingegangen. Sie "nervt", sagen viele. Und doch, es sind Leser, die sich äußern, sich einbringen. Weil es ihnen wichtig ist. Mit bloßem "es nervt" macht man sich erneut nicht bewusst, was das bewirkt. Grammatik ist zweifellos vielen wichtig. Und es ist eines der wesentlichen Merkmale, ob man einem Blogger in der Tat vertraut! Wäre es hierbei undenkbar eigens dazu eine Fehlerteufelchen-Seite einzurichten, die auf die besten und amüsantesten Fehler hinweist? Aus der Schwäche eine Stärke zu machen? Die Hinweise deutlich zu honorieren?

Sharing ist demnach eines der zentralsten Punkte schlechthin! Es geht um das Bewusstsein, wie Inhalte zu Stande kommen, wie sie wahrgenommen werden, wie sie verteilt werden und warum. Ich habe nur einige Punkte von einer ganzen Armada an Möglichkeiten angesprochen. Kommen wir zum nächsten Punkt.

"Modern Blogging" = Produktlebenszyklus

Jedes Blog altert, ausnahmslos! Was sich laut Wikipedia über Produktlebenszyklus liest, mag trocken wie Staub sein, ist aber elementar für ein Blog. Ob Ihr nun wollt oder nicht, kein Blog wird jemals so bleiben wie es ist. Das liegt an den Trends, an Euren Lesern, an anderen Inhalteanbietern und an Euch selbst.

Und jedes Blog altert. Altern heißt nicht unbedingt, dass es weniger "bringt". Das hängt von der Phase ab, in der sich ein Blog befindet. Was aber klar ist: Je weniger sich ein Blog verändert, umso eher wird es in Vergessenheit geraten, um es extrem auszudrücken. Der Gewöhnungseffekt mag einerseits gut erscheinen, anderseits mögen wir Menschen Wiederkehrendes irgendwann nicht mehr. Übersetzt? An welchen Stellschrauben kann man drehen, damit Abnutzungseffekte kompensiert werden? Wo kann man Bewegung und Veränderung zeigen, um damit das Produkt "Blog" aufzufrischen?

Topics: Über welche Themen Ihr schreibt, ist ganz entscheidend. Nicht nur die Themenvielfalt-, Variation wie auch -tiefe ist wichtig, ebenso auch die Art und Weise, wie Ihr Themen sprachlich angeht. So könnt Ihr Euren Themenfokus erweitern, indem Ihr über benachbarte Themenfelder schreibt. Ihr könnt bei der Themenauswahl temporäre Themen bearbeiten, die irgendwann nicht mehr bearbeitet werden. Ebenso könnt Ihr Themen zu bestimmten Tagen und Tageszeiten veröffentlichen. Ihr könnt einen roten Faden einführen, der sich wie ein Muster durch die Themen durchzieht. Das kann ein z.B. Ritual sein. Auch könntet Ihr hergehen und bestimmte Themen weiter vertiefen. An dieser Stelle bietet sich in der Tat ein Ableger-Blog an, warum nicht? Denkt oben an die Mechanismen des Sharings und der Vernetzung. Nicht alles müsst Ihr selbst machen. Und nicht immer nur auf Eurem Blog.

Trends: Trends sind eine schwammige Sache und schwer zu erkennen, welche Auswirkungen es auf Euer Blog hat. Wenn Ihr vormals ein Web 2.0-Blog hattet, dieses Topic mangels Innovation und wegen der Ausführlichkeit gegessen ist, mit der es im Internet überall behandelt wurde, was macht Ihr dann? Ihr könnt den Namen des Blogs verändern, um zu signalisieren, dass es nun um frischere Themen geht. Ihr könnt die Themen anpassen, neue Gebiete auftun, die verwandt genug, aber nicht zu nah am alten Thema sind. Natürlich könnt Ihr das Blog einfrieren und ein neues Blog aufmachen.

Trends bedeuten jedoch nicht nur, dass ein Thema altert. Es kann auch heißen, dass sich neue Techniken ergeben, mit deren Hilfe Ihr Euer Blog auffrischen könnt. Twitter und Facebook sind neue "Techniken", die Eurem Blog weiterhelfen können. Wer diese partout nicht nutzen will, muss seine Gründe haben oder hat sich keine Gedanken ob des "Wie" gemacht.

Layout: Bereits kleine Design-Anpassungen können dem Leser das Gefühl vermitteln, dass sich das Blog bewegt, Ihr mit der Zeit geht, Bewegung drin ist. Auch könnt Ihr überlegen, an welchen Stellen des Blogs eine neue Anordnung interessant ist. Etablierte Blogs weisen ein recht gutes Kommentaraufkommen auf. Macht es immer noch Sinn, das Kommentarfeld am Ende der Kommentare anzuzeigen? Die Trackbacks zwischendurch? Was ist mit eingehenden Links aus Twitter? Die sind unspannend? Was ist mit Euch selbst? Habt Ihr Euch nicht verändert und entspricht das Layout des Blogs Eurer Person?

Jegliche Änderung am Layout kann dazu führen, den Produktlebenszyklus Eures Blogs zu verlängern. Denkt an andere Beispiele aus Eurer Umgebung: Wo verändert sich etwas mit der Zeit am Design, z.B. im Automobilbereich und warum? Das ist kein zufälliger Prozess. Wenn wir Menschen immer nur auf das gleiche stehen würden, würden wir noch heute Steintafel-Leser beglücken.

Produkte / Services: Auch an dieser Stelle kann man wunderbar drehen. Ihr könntet über die Einführung eines Forums nachdenken. Oder ist es besser, das auf Facebook zu erledigen? Kann es sein, dass ihr weiteres Publikum mit der Einführung eines old school Newsletters besser bedienen könntet? An welchen Stellen machen neue Blog-Funktionen Sinn? So bieten Plugins einen Haufen Möglichkeiten, inspiriert zu werden. Andere Blogs liefern Euch ebenso bestimmt Ideen.

Bewegung auf dem Blog ist weder Hexenwerk noch sollte man davor zurückschrecken, Dinge auszuprobieren. Nichts und niemand bleibt stehen. Warum dann Euer Blog?

"Modern Blogging" = Frequenz und Zeit

Hier geht es auch um das Thema Zeit und damit ums berühmte Hamsterrädchen. Viele Blogger meinen, Viel-Bloggerei sei gut und wichtig. Das ist kompletter Unsinn. Schnappt Euch das Blog The Big Picture und schaut Euch dessen Blog-Frequenz an. Postet der gute Mann namens Alan Taylor wie irre jeden Tag zig Artikel? Nope! Es ist dennoch eines der meistbesuchten Blogs der Welt. Es gibt demnach kein Grundgesetz, das lautet "viel Bloggen = gut".

Es muss einerseits mit Eurem Zeitkontingent einhergehen. Und dem Eurer Leser! Natürlich hat es auch mit der Ausrichtung Eures Blogs zu tun. Wenn Ihr unbedingt wollt und müsst, immer vorne dabei zu sein, die neuesten Nachrichten zu irgendwas abzuliefern, seid Ihr in der Tretmühle, die ziemlich kräftezehrend ist und kaum einer lange durchhält.

Andererseits? Geht es mit Euren Themen einher. Ihr müsst nicht "Neuigkeiten" verbloggen. Das erledigen bereits andere, die berühmt-berüchtigten High Frequency Blogger. Ihr könnt Euch genüsslich zurücklehnen, die wichtigsten Artikel zu Eurem Topic analysieren und einmal die Woche einen eigenen Artikel als Low Frequency Blogger herausfeuern, der es in sich hat. Der wird länger nachhallen denn 20 Artikel auf einen Schlag an einem Tag. Wenn Ihr in der Lage seid, die wichtigsten Punkte zu einem Thema ausgewogen und perfekt auf den Punkt dargestellt zu schildern. Ihr nimmt Euch dazu jeden Tag nur eine halbe bis eine Stunde Zeit, um die Struktur auszuarbeiten und peu a peu mit Inhalten zu bestücken. Der Artikel wird wesentlich besser ausfallen als in einer Stunde dahingebloggt zu sein. Und mit einem Bruchteil des Arbeitsaufwands eines HF-Bloggers, der locker 10 Artikel am Tag herausrotzt und dabei einen halben bis ganzen Arbeitstag investiert, habt Ihr mehr Leser. Und btw, der HF Blogger könnte gar an einem Tag 10 Weltmeister-Artikel verfeuern, glaubt Ihr, der Leser kommt noch mit? Der ist schon mit dem ersten Artikel gesättigt und soll dann noch die anderen 9 mental verarbeiten?

Jetzt habe ich aber genug gegen die High Frequency Blogger gesagt. Was spricht für sie? Sie unterscheiden sich kaum von Zeitungen. Sie posten die neuesten Neuigkeiten im Stundentakt, informieren ihre Leser knapp und bündig, halten sie auf dem Laufenden. Wer sich diese Zeit nehmen kann, go for it. Macht auch Laune. Wer allerdings meint, 10 ellenlange Artikel pro Tag schreiben zu müssen, wird mit der Geduld des Lesers nicht viel Spaß haben. Da, wo der Low Frequency Blogger ohne Weiteres einen langen Artikel verfassen kann, muss der HF Blogger eher darauf achten, knackige Artikel zu veröffentlichen.

Was ist mit dem Medium Frequency Blogger, der ca. 3-7 Artikel die Woche publiziert? Hier bietet sich eine schöne Mischung aus etwas längeren und kürzeren Artikeln an.

Oben hatte ich erwähnt, dass die Posting-Frequenz Eures Blogs entscheidend vom Zeitkontingent Eurer Leser abhängt, nicht nur von Eurem. Unmittelbar damit verbunden ist das Themensegment. Handelt es sich um Themen, die man überall im Netz vorfindet? Der Leser bereits gesättigt ist, bevor er Euer Blog besucht? Er wird dann naturgemäß wenig Zeit und Laune aufbringen, den Kram nochmals durchzukauen. Es sei denn, Ihr hebt Euch von den anderen Quellen ab, indem Ihr andere Perspektiven anbietet. Ihr lasst Euch mit der Aufbereitung Zeit und hebt Euch schon dadurch ab, dass Ihr einen gewissen unaufgeregten Ruhepol darstellt.

Was ist nun mit dem Random Frequency Blogger? Der bloggt, wie er Bock hat, wann er Zeit hat und wie es kommt? Nichts dagegen einzuwenden. Man kann sich lediglich bewusst vor Augen halten, dass man befreit von Systemen bloggt, keinem eigenem Zwang unterliegt. Das alleine wirkt bei manchen Bloggern Wunder, die glauben, dass sie unbedingt was bloggen müssen. Wozu? Random Blogging wirkt befreiend. Es gibt nun einmal Typen, die ungerne nach einem Schema und Rhythmus bloggen. Es ist nur ein Fehler, wenn man anfängt, nach System zu bloggen.

"Modern Blogging" = Und nun?
Ich habe versucht, einige recht lose zusammenhängende Grundelemente zu skizzieren, um ein Bewußtsein zu wecken, welche Parameter es überhaupt gibt. Da es sich um ein Arbeitspapier handelt, ist das mit Sicherheit nicht aus einem Guss. Und es fehlen weitere Grundelemente. Es ist für mich ein Zwischenschritt, angefangen beim "Business Plan fürs Bloggen" über diesen Artikel hin zu einem dritten Artikel. Der was beinhalten wird? Es gilt, den "Business Plan" in einen "Blog Plan" zu übertragen, die o.g. Grundelemente und weitere Grundelemente einzubauen. Wichtig wird dabei sein, die Grundelemente in einen Zusammenhang zu stellen. Eine Schraube verstellt eben die nächste Schraube. Um am Ende eine Vorlage zu haben, wie man Bloggen geplanter angehen kann. Je nach Gusto, Thema, Zeit und Typ. Bloggen ist kein Zufall, man kann es tatsächlich systematisch angehen. Bestandteil des Blog-Plans werden demnach auch Blog-Modelle sein, die mit unterschiedlichen Ausprägungen der Grundelemente spielen werden.

to be continued

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Sein eigenes Blog nach vorne bringen, aber wie?

18.04.2010 / 47 Kommentare

auf der re:publica habe ich mich mehrfach mit Teilnehmern über dieses Thema unterhalten, an einer Stelle sogar sehr intensiv. Das Muster der Problemstellung jedes Einzelnen ist meistens sehr ähnlich: Man hat ein Blog und möchte es bekannter machen. Letztlich aus ähnlichen Gründen. Der eine will mehr Dialoge auf dem Blog, der andere mehr Traffic, um sich Monetarisierungsmöglichkeiten zu eröffnen, andere wiederum haben ein recht gut laufendes Blog, aber es reicht weder für den Lebensunterhalt noch ist man wirklich zufrieden mit dem Zulauf (“es könnte mehr sein”).

Bei den Gesprächen ist mir – auch schon in der Vergangenheit – ein grundlegender Denkfehler aufgefallen: Die Frage, wie man ein Blog nach vorne bringt, ist nicht durch Gespräche mit anderen, erfolgreicheren Bloggern zu lösen, nicht allein. Die Frage ist auch nicht zu lösen, indem man fast schon zufällig einzelne Aspekte herausgreift, was man besser machen könnte. Menschlich gesprochen: Die Fragenden haben mir viel zu wenig strukturiert gedacht. Sie haben ihr Problem nicht sauber dekliniert. Es war ein großes Kuddelmuddel, wenn ich mir die Gespräche vor Augen halten. Für meinen Geschmack “denkt man zu sehr als Blogger”, der in seinem Saft schmort und seine Denkmuster so nie verlässt.

Und was soll daran falsch sein, als Blogger an seine bisherigen und fremde Blog-Erfahrungen zu denken? Im Sinne des Ziels ist es wie gesagt nicht förderlich, ganz einfach. Erfahrungen sind immer wichtig, aber noch wichtiger ist es, dass man sich früher oder später die Mechanismen präzise bewusst macht. Sonst bleibt man in der Denk-Box “Bloggen” gefangen anstatt zunächst strukturiert nachzudenken, Abhängigkeiten und Prioritäten zu erkennen, um erst zum Schluss als Ergebnis dieses Prozesses gesamtheitlich zu denken, wo alle Fäden zusammen laufen. Das Denkmuster Bloggen ist demnach nur ein Teil der Lösung, nämlich die bisherigen Eigenerfahrungen. Das gilt es zu verlassen. Und wie? Wie soll man bitteschön Erfahrungen und Ideen strukturieren? Wie erkennt man Probleme und Erfolgsfaktoren? Was sind Faktoren überhaupt? Wo fängt man an, wo schaut man dazu nach? Wie kann man systemisch sein Blog optimieren?

Indem man sich vorstellt, ein Blog als Unternehmer aufzuziehen. Was muss ein Unternehmen anbieten, um am Markt erfolgreich zu sein? Das ganze Fragenpaket, das sich daraus ergibt, ist weitaus umfänglicher als das Fragenpaket “wie pushe ich mein Blog”. Man wird sehr schnell entdecken, dass es einen Haufen Fragen gibt, die bis dato völlig ignoriert wurden. Und, es gibt einen Haufen Informationen zu diesem Thema, wie Unternehmen starten sollten, woran sie zu denken haben, wie sie zu trommeln haben, etcpp. Man muss lediglich zugreifen, ob nun auf den IHK Seiten oder Startup-Seiten im Netz. Primär hilft dieser Zugangsweg, das Denken wesentlich zu erweitern, die Blog-Faktoren präzise zu strukturieren und mit den Instrumentarien eines unternehmerischen Denkansatzes das Problem zu lösen. Am Ende dieser Sch…-Arbeit hat man klarere Entscheidungswege und -alternativen als Ergebnis dieses Vorgehens zur Verfügung stehen. Hope so. Zugegeben, es ist wie eine Art Businessplan schreiben, was nicht jedermanns Sache ist. Wer aber seine Frage wirklich beantworten will, wird an sowas nicht vorbeikommen. Nebenbei Gespräche mit anderen Bloggern ist nice, aber es bringt nicht wirklich was. Nebenbei nachdenken und kuddelmuddel Denken bringt auch nix.

Ist dieser Ansatz für Euch verständlich? Wir können das gerne ausbauen, beispielhafter und plastischer machen.

its thinking, not blogging, stupid

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Meine Blog-Timeline

22.02.2010 / 25 Kommentare

ich hatte Lust, mir meine bisherigen Blog-Stationen anzuschauen. Von den ersten Schritten bis heute.

Februar 2003
Das Basic Thinking Blog wurde geboren und das war mein erster Eintrag überhaupt in der Blogosphäre (auf Movable Type Basis). Inhaltlich drehte es sich um das Netz, Lotus Notes und einem kleineren Anteil an privaten Erlebnissen. Ich schrieb die Artikel abwechselnd auf englisch und deutsch. Und war im Handumdrehen mit internationalen Bloggern vernetzt. Ich war völlig fasziniert von den verschiedenen Kulturen und natürlich den Menschen dahinter. Daraus sind bis heute bestehende, sehr intensive Beziehungen entstanden. Und so erklärt sich letztlich meine Liebe zu Blogs. Diese ersten Schritte haben mich als Blogger wie nichts anderes danach geprägt und beeinflusst.

Juni 2003
Start mit dem MEX Blog (nicht mehr existent) für die Wirtschaftsjunioren Frankfurt, auf ehrenamtlicher Basis. Ein Ausschnitt aus den Beiträgen via WayBack Machine. Es war als Gruppenblog mit Schwerpunkt auf Wirtschaft und insbesondere Gründer konzipiert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, ein Blog überhaupt zu erklären und was es bringen kann, ließ man mich gewähren. Und wir hatten im Handumdrehen die eigenständige Basisseite m-e-x.de (Gründer-Informationsportal) hinsichtlich der Besucherzahlen weit hinter sich gelassen. Das Blog strahlte umgekehrt positiv auf die Basisseite aus. Das Grundproblem vor Einführung des Blogs war: Auf m-e-x.de wurden Fachbeiträge von Experten veröffentlicht. Wo sich zuvor die Suche schwierig gestaltete, entwickelte sich dank dem Blog ein Strom an potentiellen Schreibern. Die Experten generierten aus ihren Fachartikeln nicht selten einen Haufen Aufträge, das sprach sich natürlich herum. Clou: Mittels dem Blog konnten wir einen wachsenden Teilstrom an Besuchern auf die m-e-x.de Seite lenken. Im Sommer 2005 war dann Schluss mit MEX, nachdem im internen Projektteam einige wichtige Keyplayer wegfielen (Stichwort Ehrenamt). Das Blog konnte ich damit nicht mehr weiter betreiben, weil die Projektbasis fehlte. Ich wollte es zwar übernehmen -auch gegen gutes Geld -, aber man entschied sich dagegen, da man schon “irgendwie eine Fortsetzung des Gesamtprojekts hinbekommen würde”. Was nicht der Fall war, heute ist MEX dead. Und damit das MEX Blog.

Mai 2005
Kurz vor dem Ausstieg aus dem MEX Blog hatte ich das Living in World of Worldcraft Blog aus der Taufe gehoben. Es war wie das MEX Blog auf Grund der guten Erfahrungen erneut als Gruppenblog konzipiert. Die Leserzahlen des Blogs explodierten förmlich, wir schrieben wie die Wilden zu dem heute immer noch weltweit populärsten MMORPG “World of Warcraft”. Über was wir schrieben? Na ganz einfach, über unsere Spielerfahrungen und -erlebnisse! Zwei Jahre später und 20 Autoren danach ließ die Schreiblaune linear zur lahmenden Spiellust an WoW nach. Es war mir von Beginn an klar, dass dieses Blog-Projekt ein nicht allzu fernes Ende finden wird. Im August 2009 machte ich das Blog dicht, ohne die Inhalte zu löschen.

Juli 2005
Restart von Basic Thinking nach dem zwei Jahre währenden Ausflug als Fremdblogger bei MEX. Meine MEX-Blog Artikel übernahm ich via Import-Funktion. Blog-technisch entschied ich mich, auf WordPress umzusteigen. Am 15.01.2009 war dann auch damit Sense. Ich freue mich ganz besonders, dass das heutige Basic Thinking Blog noch mehr Leser informiert und erfreut.

Januar 2009
Tja, nun kritzel ich seit dem 20.01.2009 hier herum, auf written in basic. Wie ich auf den Namen kam? Weiß es selber nicht mehr so genau, aber wie ich mich kenne, habe ich mich mit der Namensfindung nicht zu lange aufgehalten:)

Juli 2009
Nicht zu vergessen: Das Buzzriders Blog ist mein allerjüngster Spross.

Ich habe vor wenigen Tagen eine kleine Überschlagsrechnung gemacht: In den rund 7 Jahren sind über 15.000 Artikel und +120.000 Kommentare (von Dritten, nicht meine!) zusammengekommen. Die Anzahl der rausgefeuerten Links kann ich kaum schätzen. Wenn ich müsste, würde ich auf +10.000 Links tippen. Wie viele Menschen haben in dieser langen Zeit mit mir in Kontakt gestanden, und sei es nur über einen flüchtigen Kommentar oder als Leser an meinen Gedanken vorbeihuschend, ohne zu wissen, wer den Gedanken hinterlassen hat? 10.000? 100.000? 1.000.000? Letztlich sind das nur Zahlen. Die nicht viel bedeuten. Viel wichtiger ist die Summe der unzähligen Eindrücke, Menschen, Freundschaften, Feindschaften, Emotionen und Erlebnisse. Manche davon haben spiegelbildlich Dritte tangiert. Nix Virtuelles, echtes Mensch-Sein. Nicht bloggen, Mensch-Sein. In der Summe ergibt sich etwas, das ich ohne die Bloggerei unter Umständen niemals in diesem Leben hätte erreichen können. Ich habe einen ungeahnten Reichtum an Leben erreicht. Und das waren bisher lediglich 7 Bloggerjahre von meinen bald 43 Lebensjahren. Sieben soll eine magische Zahl sein. Bloggen selbst ist für mich Magie, mag es einer verstehen oder nicht.

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Fragen kostet was

10.02.2010 / 8 Kommentare

ich habe die letzten Tage und Wochen mehrfach Gespräche mit Bloggern geführt, die ihre gesetzten Ziele nicht erreicht hatten. In den meisten Fällen war es so, dass man das Blog-Projekt aufgegeben hat oder kurz davor steht. Gründe wie Frust und Demotivation stehen am Ende einer langen Blog-Phase, als Ergebnis der unerreichten Ziele. Die Kraft zu einer Neustrukturierung des bestehenden Blogs -also auf etwas, das man bereits mühsam aufgebaut hat- existiert nicht mehr.

Zwei Sachen dazu:
1. Es ist vollauf verständlich, dass man sich nicht traut zu fragen, warum es schief läuft. Bis es nicht mehr geht. Etwas, das ich dennoch empfehlen möchte, auch wenn es hart ist: Fragt öffentlich, warum es nicht läuft. Früh, nicht zu spät. Erklärt die Umstände, warum es nicht läuft, was Eure Ziele eigentlich waren. Ich bin mir 100% sicher, dass sich draußen Menschen als Mitdenker finden lassen, die einen anderen Blick mitbringen. Der ungemein helfen kann. Klar, auf der einen Seite steht die Angst zugeben zu müssen, dass man fehlbar ist. An Ansehen verliert. Ich persönlich glaube das Gegenteil: Wer zugibt, fehlbar zu sein, etwas nicht wie geplant erreicht zu haben, der gewinnt mehr Größe als derjenige, der bis zum bitteren Ende schweigt. Die Idioten, die sich lustig machen könnten, sind es nicht wert, bedacht zu werden.

2. Stellt Euer Konzept, was Ihr mit dem Blog anstellen wollt, gleich zu Beginn vor. Mir war in den Gesprächen aufgefallen, dass sich eine Art “Muster von Denkfehlern” eingeschlichen hatte, der bereits zum Start des Blogs vorlag. Denkfehler, die bestimmte Parameter nicht richtig einschätzen. Die aber wesentlich zur Zielerreichung waren. Sorry, dass ich hier so wischiwaschi bleiben muss. Wie bereits erwähnt, wir sind nicht unfehlbar, zugleich sind wir im höchsten Maße flexibel, um aus Fehlern zu lernen. Je früher wir daher Dritte einbinden, umso eher können wir Denkfehler korrigieren. Auch hier birgt die Fragerei, ob man es richtig plant, hohe Kosten: Man hat einerseits Angst, zuviel mitzuteilen, im Sinne von Konkurrenz. Auf der anderen Seite muss man erneut zugeben, dass man nicht wirklich den vollen Durchblick hat. Auch hier gilt: Groß ist, wer die Größe hat, zu fragen.

Ob es nun hilft, einen Denkanstoß mit auf den Weg zu geben? Ich weiß nicht. Ich glaube, wir tendieren dazu, es bis zum bitteren Ende mit uns selbst auszufechten. Der gesellschaftliche Kult um das goldene Kalb der Erfolgreichen ist zu stark, wie mir scheint.

Dennoch, wie kann man es recht geschickt lösen, bevor das Kind in den Brunnen fällt bzw ohne fragen zu müssen, ob man grundsätzlich richtig liegt?
1. Beispiel: Robert Stögmann interviewt regelmäßig Blogger und eine seiner wiederkehrenden Fragen ist dabei die Frage, was er verbessern könnte!

2. Beispiel: Ich habe auf Basic Thinking regelmäßig (rund alle 3-6 Monate) direkt und unmittelbar meine Leser um offenes Feedback gebeten, was ich richtig schlecht und was ich richtig gut gemacht habe.

Eindrücke eines alten Bloggers

09.02.2010 / 11 Kommentare

ok, so alt bin mit 43 nun auch nicht, aber als Blogger nicht mehr einer, der sein Blog vor 1 Monat gestartet hat. Würde aber gerne als Altblogger eine Replik zu den Eindrücken eines neuen Bloggers geben.

Das, was Johannes schreibt, ist treffend formuliert. Die Blogger-Welt ist umfangreicher, vernetzter und verteilter geworden.

Durch… Posterous, Amplify oder aber auch myON-ID wird die ursprüngliche Blogkultur reformiert (Johannes Lenz)

Wie war das zu Opas Zeiten vor rund 5-6 Jahren? Die Ära der Social Networks hatte erst gerade begonnen und wurde von Seiten wie MySpace und Friendster dominiert. Derartige Dinge wie eine Timeline stellvertretend für das Real Time Web gab es nicht. Sprich, es gab noch kein Twitter und das aufkommende Facebook kannte noch keinen Activity Stream (womöglich eine gedankliche Vorlage für die dialogische Twitter-Timeline?).

Anno 2005 gab es im deutschen Umfeld für diejenigen, die publizieren wollten, folgende, bekannte Möglichkeiten:
- WordPress / Movable Type / Blogger.com und andere Bloglösungen
- Technorati.com war die Vernetzungsmaschinerie, um Blogverweise zu filtern
- Mutter Google war für neue Blogger die wichtigste Maschine, um Leser zu finden
- neben der Möglichkeit, über Kommentarverweise (Direktkommentare und die ab ca. 2005 aufkommende Trackback/Pingback Mechanik) auf sich aufmerksam zu machen

Summa summarum, waren die Möglichkeiten im Vergleich zu heute sehr eingeschränkt. Wer unter den Bloggern kaum Feedback bekam, wurde in dieser Blogosphäre nur sehr eingeschränkt wahrgenommen. Die Vernetzungsmechaniken im Sinne von Aufmerksamkeit waren einerseits blog-zentrisch und andererseits am Rande von Lösungen wie Technorati gestützt.

Anno 2010? Es haben massive Weiterentwicklungen stattgefunden, die einen Altblogger wie mich manchmal an einen alten Cowboy erinnern, der vor Gleisen steht und sich fragt, wie sich die Welt verändert hat. Heute habe ich als Blogger zahlreiche Möglichkeiten, zu Wort zu kommen. Manche sind ineinander vernetzt, andere machen es zu einem Kinderspiel. Johannes hat schon einige aufgezählt, zur Wiederholung:
- Twitter und Facebook haben sich auch in D zu vorzüglichen Vernetzungsschwerpunkten entwickelt, die man extrem gut für sein Blog nutzen kann.
- Posterous, Yiid oder MyONID stehen für Tools, die das Bloggen bereits von vornherein zu einem Kinderspiel machen, zudem eigene Vernetzungsmechaniken mit sich bringen (wer liest mein Blog, pushe Inhalt zu Plattformen wie Twitter, etcpp)
- Google ist dramatisch schneller geworden und zeigt Inhalte Minuten nach der Veröffentlichung im Suchindex an
- Nochmals Google: Es wird in Zukunft mittels der neuen Suchroutinen noch einfacher, Inhalte Web-Freunden anzuzeigen, sobald die neuerdings eingeführten Social Search Mechaniken (Video) um sich greifen. Vielen ist diese Maßnahme von Google und ihre Bedeutung nicht mal annähernd bewusst geworden.

Es ist nicht mehr wie früher, so blog-zentrisch. Da steht man also da und bewundert diese Entwicklung, zugleich fragt man sich, wie weit man sich als bloggende Person im Netz auf all diesen Seiten verteilen möchte? Ob das Blog überhaupt noch seine Rolle als zentraler Träger einer Person spielen kann? Das sind weniger Fragen der technischen Zugänglichkeit, sondern mentale Fragen. Ich bin ins Netz hineingewachsen, wo es über 30 Jahre lang in meinem Leben kein Netz gab. Diese Umstellung war nicht ohne und hat immens reale Auswirkungen auf mein Leben gehabt. Und heute muss ich mich fragen, wie ich mein digitales Ich im Netz verteile, ausgehend aus dem Selbstverständnis, ein Blogger zu sein, der seinen eigenen Platz kennt und es sich dort eingerichtet hat. Gar nicht mal so einfach diese Umstellung. Ja, es ist schon ein bisschen wie der oben besagte Cowboy, der vor Gleisen steht. Die Entwicklung innerhalb von lediglich 5 Jahren war rasant. Das wird wohl kaum aufhören. Und man stellt sich unweigerlich die Frage, ob man es nicht ruhiger angehen lassen möchte. Im Wissen, dass man das Leben nicht auf einen Schlag erfährt und Vieles seine Zeit braucht, verarbeitet zu werden. Wie weit lasse ich mich von der Technik treiben? Meine Antwort habe ich für mich gefunden: Nutzen kann ich all diese Wunderwerke ohne Weiteres, doch meine innere Distanz wirkt wie ein Entschleunigungsfilter der dafür Sorge trägt, die Entwicklungen ausgewogen und mit Abstand zu betrachten.

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Die Eindrücke eines neuen Bloggers

09.02.2010 / 15 Kommentare

es ist spannend, Eindrücke von “Jung-Bloggern” zu bekommen. Denen, wenn sie denn heute mit dem Bloggen beginnen, eine Reihe anderer Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Johannes Lenz hat mich angemailt und sich die Mühe gemacht, um auf diese Fragestellung, was denn anders ist, einzugehen. Ich finde, der Einblick lohnt sich (und es wird Zeit, meinen Artikel neu zu schreiben, wie man ein Blog aufsetzt und es bisserl nach vorne bringt). Johannes, lieben Dank!!
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Hi Rob,

ich komme ja aus einer anderen Internet-Generation als Du, aber vielleicht ist das ja auch einmal einen Gedanke wert… von jemandem, der sich jetzt in diesen Tagen erstmals vernetzt präsentiert, von Twitter kommt und via Posterous bloggt, wenn man es so bezeichnen kann:

Ich denke, dass durch Applikationen wie Posterous, Amplify oder aber auch myON-ID die ursprüngliche Blogkultur reformiert wird. Content, der ja irgendwie immer noch der King zu sein scheint… wird durch die zunehmende Vernetzung scheinbar leichter.

Damit meine ich, dass ich etwa einen Teaser nehme und dann bei den 3 genannten einfach Dein Original-Text via Copy&Paste einsetze (ich würde zitieren, andere tun dies nicht)

Damit saust der Blogger-Content noch fixer „um die Häuser“ als vielleicht noch vor 3 bis 5 Jahren. Das birgt einerseits erhebliche Chancen für die Zunft, insbesondere Strahlkraft. Andererseits nimmt es ihm vielleicht das Unique…wer weiß es.

Schließlich meine ich zu sehen, dass Menschen wie Du, @sachark @saschalobo, @codeispoetry oder @klauseck und viele andere eine zunehmende Strahlkraft entwickeln und Agendasetter sind, die es inzwischen leichter haben, von den traditionellen Medien aufgenommen zu werden als früher.

Warum: Weil das Internet einen immer festeren Bestandteil unseres Lebens und unserer Öffentlichkeit (ab-)bildet.

Zusammengenommen: Abgesehen von den ewig gestrigen Unternehmungen (Schlagwort: Abmahnungen) und dem Dauerkonflikt mit Print scheint sich mir als „Greenhorn“ die Bloggosphäre mehr und mehr zu verzahnen und auszufransen (positiv). Die Vielfalt wird größer und mit entsprechenden Applikationen die Kreativität vielleicht noch eine Spur sichtbarer für die allgemeine Öffentlichkeit.

Ein Wort noch: Wahrscheinlich wir Dich der Feuilletonist auf Jaron Larnier [Internet-Pionier, geistert durchs Feuilleton seit mehreren Wochen, etwa in der FAZ am 16.01.2010 - oder in der SZ am 24.01.2010 –] ansprechen, der vom heutigen Internet als einem „digitalen Maoismus“ spricht oder so: Davon halte ich nichts. Aber auch gar nichts.

Subjektiv merke ich, wie ich stärker darüber kommuniziere, aber dass es uns beherrscht, naja…

Vielleicht ist es doch wie früher mit dem Kicken im Garten als kleines Kind: Einmal „Lunte gerochen“, will man jeden Tag ran an den Ball und Tore schießen, Fuddeln usw. Irgendwann lässt es aber auf “Normalmaß” nach und man kommt in den Fussballverein…:)

Liebe Grüße

Johannes
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