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Caschy und sein Blog

09.03.2010 / 13 Kommentare

auf der Cebit hatte ich die Gelegenheit, mich endlich in Ruhe mit Caschy auszutauschen, der sein Blog Stadt Bremerhaven nun seit fünf Jahren befeuert.

Ich äußere mich selten über Menschen im Netz. Wenn, dann gerne über ihr Tun, an der Sache entlang gehangelt. Es obliegt mir nicht, Menschen zu beurteilen. An dieser Stelle mache ich gerne eine Ausnahme. Nicht nur, dass Caschy eines der mit Abstand besten IT-Blogs in Deutschland unermüdlich betreibt. Was ich an Personen ganz besonders schätze, ist ihre natürliche Hilfsbereitschaft und dass sie Dinge gerade heraus sagen. Eigenschaften, die ich selten vorfinde. Bei Caschy erlaube ich mir zu sagen, dass dem so ist, ohne Einschränkung. Umso mehr möchte ich ihn gerne lohbudeln, weil es einfach gesagt werden muss. Ein Mensch, mit Ecken und Kanten, der seinen Weg geht. Großartig!

*verbeuge mich vor Dir*

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3 Jahre Twitter: Once a big thing, soon just a thing

09.03.2010 / 29 Kommentare

Twitter, das “Ding“. Das nach den internationalen Hype-Stars Friendster, Flickr, Technorati, Myspace, YouTube, Myspace und Facebook ganz oben thront. Vor exakt drei Jahren habe ich mich dort registriert und mittlerweile knapp über 14.000 Tweets herausgefeuert.

Doch so richtig warm geworden bin ich mit dem Dienst nicht. Ja, es ist ganz nett, sich darüber zu informieren und kurzen Gesprächsschnippseln zu folgen. Ja, es ist ein klasse Tool, um via Status-Updates mitzubekommen, was andere gerade treiben bzw. denken. Ja, es ist ohne Zweifel ein neues Schmieröl, Informationen rund um den Globus in rasender Schnelligkeit zu verbreiten. Es ist praktisch, ohne Frage (zu den verschiedenen Nutzungsmustern siehe diese Twitter-Studie). Letztlich reicht es mir schlichtweg nicht aus, um mich auszudrücken und mit anderen zu vernetzen. Es dürfte keine Überraschung sein, dass ich es mit Bloggen halte. Das ist das einzige “Tool”, das meinen Bedürfnissen nach intensiverem Gedankenaustausch noch am ehesten entspricht.

So bleibt Twitter für mich ein nützliches Tool, das mir eher einen rationalen Nutzen bietet, aber weniger einen emotionalen Bezug schafft. Es ist vergleichbar mit Facebook oder Xing. Nützliche Tools, emotional distanziert genutzt. Meine Buddies habe ich via Blogs gefunden, finde ich auch weiterhin darüber. Twitter-Kontakte sind mir zu flüchtig, zu wenig, um einen menschlichen Bezug zu jemandem herzustellen. Es ist höchstens ein “Anbahnungs-Werkzeug” für freundschaftliche und geschäftliche Beziehungen.

Unabhängig von allen Werkzeugen ist es mir schlichtweg egal, über welchen Kanal ich mich mit meinen echten Kontakten unterhalte, die ich persönlich kenne und schätze. Ob das heute Twitter ist, morgen Schaschlaweng und übermorgen SupiDupi. Tools kommen und gehen, Beziehungen bleiben. Diese Distanz erleichtert mir persönlich zu überlegen, abseits der technischen Begeisterung für dieses Produkt, wie es mit Twitter weiter gehen mag. Rein aus Neugier für die Entwicklungstrends des Netzes.

Solange Twitter von meinem nahen und entferntesten Kontaktnetzwerk genutzt wird, bleibe ich dort. Wenn sich das ändert, zucke ich mit der Schulter und ziehe weiter. Ich werde zurückgelehnt beobachten, welchen Zeitraum der Produktlebenszyklus von Twitter umspannt und wo dessen Ende liegt. Menschen werden relativ schnell eines neuen Werkzeugs müde. Das liegt einerseits am Werkzeug selbst, andererseits an neuen, aufkommenden Werkzeugen. Internetunternehmen zeigen ähnliche Reaktionsmuster wie RL-Unternehmen auf. Sie verstehen oft nicht, ihr Produkt zu innovieren, den Zyklus zu verlängern, sich anzupassen, mit der Zeit zu gehen. Twitter wird gehen? Das mag nicht mehr allzu lange dauern, in 5 Jahren, in 10 Jahren? Das ist nicht allzu lange. Ich bleibe bei der These, dass Twitter aufgrund seiner in höchstem Maße eingeschränkten Funktion in allen Software-Werkzeugen, die Menschen vernetzen, aufgehen wird, seine zentrale Rolle verliert. Etwas, das Facebook und andere (z.B. VZ-Netze, Wer Kennt Wen, Xing, LinkedIn) schon längst eingebaut haben und an der Schwerkraft von Twitter knabbern.

Twitter wird geschichtlich gesehen als nette Vorlage dienen, eines Tages aber längst vergessen sein. So wie del.icio.us, das mit seinen Tagging- und Sharing-Ansätzen vielen Dienste wie Flickr und YouTube als Ideenvorlage diente. Twitter hat die beiden Funktionen “einseitiges Abonnieren” im Zusammenhang mit “Status-Updates auf limitierter Informationspaketierung” populär gemacht. Beispiel: Facebook hat seinen Activity-Stream (eine großartige Funktion) um die zweite Komponente erweitert. Google hat beide Komponenten kopiert. Als eigenständiger Platzhalter für vernetzte Kurzgespräche reicht Twitters Kraft nicht aus, die bisherigen User-Scharen auf Dauer zusammen zu halten.

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der digitale Eingeborene und die Münzfernsprecher

07.03.2010 / 0 Kommentare

ein lesenswerter Blog-Beitrag von Oliver Gassner: “Warum es keine Digital Natives gibt

Nach dem Motto “alles wird gut” nimmt Oliver das Mysterium Digital Natives unter die Lupe:
Der Digital Native wird aktuell in Gesellschaft und Medien als Retter gehandelt: Wären nur alle wie er, so wäre alles gut: Firmen würden alle mit voll beschreibbaren Wikis arbeiten (mit Kunden und Partnern zusammen), wir alle würden bloggen und daraus die Zeitung per KI generieren und überhaupt würden wir dann einfach über alles reden und es auszudiskutieren.

Würde man Babys ins Wasser werfen, sie würden auch nicht schwimmen lernen sondern nur (und hoffentlich) lernen über Wasser zu blieben und warten, dass irgendwer ihnen irgendwann Schwimmfügel gibt. Oder Touchscreenhandys.

ein gekürzter Feed und mehr Traffic

06.03.2010 / 23 Kommentare

Das Basic Thinking Blog stellt um (Reaktionen darauf via Rivva) und liefert die Inhalte via RSS nur noch gekürzt statt wie bis dato ungekürzt aus. Hoffnung: Es werden mehr RSS Abonnenten auf dem Blog vorbeischauen. Der resultierende Besucheranstieg soll helfen, die Werbeeinnahmen des IT-Blogs zu erhöhen.

Schauen wir uns an, woher die Besucher kommen und auch, wo sie die Blog-Inhalte lesen. Und was wohl eine RSS Kürzung wirklich bewirkt. Abseits der Bauchannahmen, von denen man da draußen seit jeher viel lesen kann.

Zunächst einmal zu den Besucherquellen:
Die Leser kommen über Google (Zufallsleser, die nur zu Bruchteilen zu Stammlesern werden), über RSS Abos (vorwiegend, um sich die Kommentare anzusehen oder um selbst zu kommentieren), über Twitter und Facebook und über Verweise von anderen Blogs/Foren. Nicht zu vergessen die Stammleser, die das Blog via Browser direkt ansurfen.

Bei einem IT-Blog wie Basic Thinking ist es kaum verwunderlich, dass der Großteil der Leser die Inhalte direkt im RSS Reader konsumiert. Die RSS Abonnenten haben ca. vor drei Jahren die Zahl der Direktleser überstiegen, seitdem geht die Schere immer weiter auseinander.

Seitdem Twitter und Facebook in Deutschland populär geworden sind, setzt sich der Besucherstrom statt aus drei bisherigen Standardquellen (Blogosphäre = eigenes Blog und fremde Blogs, Google-Sphäre und RSS-Sphäre) nun aus fünf Hauptquellen zusammen. Btw, wären XING, die VZ-Netzwerke und “Wer Kennt Wen” etwas schlauer, würden sie ihre Status-Streams aufbohren, tun sie aber nicht (so überlässt man eben die nicht unwichtige Informationsfunktion den US-Anbietern).

Halten wir fest: Drei von fünf Hauptquellen liefern nur extrem verkürzte Inhalte (Google, Twitter/Facebook und Verweise von Dritt-Blogs). Lediglich die RSS Reader als fünfte Hauptquelle kommen meistens mit Komplettinhalten daher, wenn man das eigene Blog als Originärquelle der Inhalte außen vor lässt.

Wie auch immer man es rechnet, meistens kommt ein grober Drittelmix aus Google-, Direktleser- und verweisendem Traffic (via Twitter, Facebook, anderen Blogs und Foren) heraus. Was den Besucherstrom direkt auf der Seite angeht.

Soweit zu der groben Grundstruktur, woher Blog-Leser kommen und wo sie Inhalte wahrnehmen. Nun zu dem typischen RSS Leser.

Wie viele Abos hat ein RSS Nutzer und wie viel liest er?
Ein RSS Leser hat im Schnitt 20 Abos. Wenn es hochkommt, werden ihm 20 (Blog-)Artikel täglich vorgesetzt. Liest er jeden Artikel genau durch? Ich habe leider keine Daten dazu, aber ich wette, dass nur ein Bruchteil der Artikel genauer gelesen wird. Wenn ich schätzen müsste, werden lediglich 1 von 10 Artikeln komplett durchgelesen. Der Großteil der Artikel wird gescannt. So verdampfen 90% der Artikel in der Aufmerksamkeitsgunst. Aus Zeitgründen, aus Interessensgründen, warum auch immer.

Was tut also ein “guter” Blogger, wenn er smart ist? Er bringt das Wichtigste zu Beginn. Das tut typischerweise Basic Thinking, da es von Journalisten betrieben wird, die genau das eingeimpft bekommen haben. Und was noch viel wichtiger ist: Man knallt eine klasse Überschrift hin. Das erhöht die Chance, dass der RSS Leser einen genaueren Blick auf den Inhalt wirft.

Wie viele RSS Nutzer gehen auf ein Blog?
Aus einem “RSS Scanner” wird ein “RSS Leser”. Wird nun der “RSS Leser” zu einem Blog-Besucher? Das wird es nur, wenn er kommentieren will oder die Kommentare lesen möchte. Wie viele Kommentieren eigentlich? 1%? Wie viele lesen sich die Kommentare durch? 2%-5%? Lass es 10% insgesamt sein. Die vom Scanner zum Besucher werden. Das wäre schon sehr viel. Meiner Erfahrung nach sind es weit unter 10%, die aus dem RSS Abo aufs Blog blicken.

Was passiert, wenn man einen RSS Feed kürzt?
Nun lass uns doch den RSS Feed kürzen. Stürzt die Welt ein oder gibt es einen Trafficschub fürs Blog? Wir haben oben angenommen, dass der typische RSS Benutzer 9 von 10 Artikeln im RSS Reader scannt. Man hat sowieso also nur eine 10%-ige Chance, dass der Inhalt komplett wahrgenommen wird. Die steigen mag, wenn man die Artikel gut anteasert zu Beginn. Was bewirkt eine Kürzung? Es wirkt sich nicht auf die Quote “RSS Scanner” zu “RSS Leser” aus. Der Scanner huscht über die Überschrift (wichtigster Faktor) und die ersten Zeilen (zweitwichtigster Faktor). Wenn man den Inhalt -ob gekürzt oder nicht- zu Beginn des Textes inkl. Überschrift auf journalistische Art und Weise zusammenfasst.

Wer von Scannen auf Lesen umschaltet, ist bereits im “Porn-Modus”. Ob er nun auf den Link “more” im RSS Reader klicken muss (bei einem gekürzten Feed) oder den Inhalt komplett im RSS Reader (bei einem ungekürzten Feed) wahrnimmt, ist ehrlich gesagt scheißegal. Lass also rund 10% der RSS Bentuzer, die in den Porn-Mode übergehen, aufs Blog gehen. Weil es ja nun gekürzte Feeds gibt. Ok, nice. Wenn Basic Thinking 10.000 RSS Abonnenten hat, werden +1.000 aufs Blog gehen. Wenn es 20.000 sind, werden es +2.000 sein. Das macht welchen Anteil vom bisherigen Gesamttraffic aus? +5%? +10%? Ist das jetzt eine relevante Determinante für die Werbeeinnahmen?

Was ist mit mobilen Nutzern?
Was ist nun mit denen, die mobil unterwegs sind und aus Datenverbindungsgründen den Inhalt gerne komplett über ihren RSS Reader lesen, statt aufs Blog zu gehen? Den Trafficanteil kann man momentan beinahe vernachlässigen. Er bewegt sich locker unter 5%. Aber auch denen kann man entgegenkommen, wenn man ein mobiles Template zur Verfügung stellt.

Zusammenfassung
Betrachtet man nun alle Faktoren, merkt man schnell, dass sich die negativen (auf die ich bewusst nicht eingegangen bin, da ewig viel und oft durchgekaut im Blog-Netz) und positiven Effekte bei einer Umstellung von einer kompletten auf verkürzten Auslieferung via RSS nahezu ausgleichen. Der Anteil der RSS Besucher ist recht gering, die aufs Blog gehen. Die Scanner überwiegen. RSS ist nicht der alleinige Trafficlieferant. Klar beruhen diese Aussagen auf Annahmen bzw. Erfahrungswerten, die statistisch nachgemessen gerne falsifiziert werden mögen.

Wenn ich Basic Thinking etwas raten müsste, dann wäre es dies:
1. Testet die Verkürzung des RSS Feeds aus, wenn es tatsächlich markante, positive Auswirkungen hat, dann go, sonst break. Ich halte die Maßnahme unter dem Strich nicht förderlich, um die Finanzierung spürbar zu stärken. Sie ist lediglich eine sekundäre Maßnahme.
2. Fischt außerhalb des Blogs nach Trafficquellen (PR, Marketing). Ein Ziel muss sein, dass Euch die anderen Medien weitaus stärker wahrnehmen. Ihr solltet lauter werden:)
3. Erweitert die Inhalte um Massen kompatible Themen für die Internetnutzerschaft weit außerhalb der Poweruser-Kreise. Es fehlen z.B. immer noch gute und allgemein verständliche Artikelserien, wie man das “neue Netz” nutzen kann
4. Bindet die Leser viel stärker bei der Themenfindung ein. Die Idee mit dem Hybrid-Blog würde auch Euch gut tun;) Ihr könnt eh nicht alles abdecken, Heise ist reif zum Abschuss, die User wissen eh viel besser, was wo passiert.

Ich wünsche Euch ein gutes Gelingen, aber auch ein Kompliment für den Mut, so ein Fass aufzumachen. RSS Feed-Kürzungen waren schon immer brandheiß. Den Mut werdet Ihr Euch erhalten müssen, was das Ausprobieren der Möglichkeiten angeht.

der SM-Alltag

25.02.2010 / 15 Kommentare

die Webavantgarde hat mittlerweile eine Reihe von Lieblingswerkzeugen, um sich zu treffen und auszutauschen. Ich würde gerne diese Spielplätze vorstellen und was man dort üblicherweise so macht:

1. Twitter
- eigene, öffentliche Tweets schreiben
- Direct Messages senden / beantworten
- fremde Tweets der Follower lesen
- ggbfl. re-tweeten, sprich weiterleiten an die eigenen Follower
- neuen User zuhören (“followen”)
- User, die einem selbst zuhören abklopfen, ob es Spammer sind (“blocken” / als “Spam melden”)

2. Bloggen
- neue Quellen auftun
- ggbfl. in RSS Reader packen
- eigene Artikel schreiben
- fremde Blog-Artikel lesen
- Spam-Kommentare entfernen
- als fälschlich identifizierte Spam-Kommentare freigeben
- Kommentare lesen
- Kommentare beantworten
- Trackbacks und Pingbacks (Zitatverweise fremder Blogs im Kommentarbereich) folgen
- Mails beantworten
- Abmahnungen abwehren

3. Facebooken
- Freundschaftsanfragen beantworten
- neue Freundschaftsanfragen stellen
- Freundschaftsanfragen ignorieren
- Einladungen zu Events bestätigen, ablehnen oder ignorieren
- Einladungen zu einer Page oder Gruppe bestätigen oder ignorieren
- Updates von Fan Pages lesen
- Status Updates Dritter kommentieren oder “liken”
- eigene Status Updates posten
- Einladungen zu Facebook-Spielen bestätigen oder ignorieren
- private Nachrichten schreiben
- private Nachrichten lesen
- Hühner versorgen (Farmville)
- Leute umbringen (Mafia Wars)
- Buddies zum Geburtstag gratulieren (über die Anzeige der Geburtstagsliste;)

4. Xing
- Kontaktanfragen bestätigen oder negieren, überlegen, warum es keinen ignore-Button gibt
- eigene Kontaktanfragen erstellen
- Status manuell Updaten
- Profilfelder anpassen, um Status Updates zu generieren
- Einaldungen zu Forengruppen bestätigen oder löschen
- In Foren neue Beiträge posten
- In Foren neue Beiträge Dritter lesen
- Forenbeiträge kommentieren
- Beweisen, dass man der bessere Experte ist
- Fremde Profile im ausgeloggten Zustand besuchen, wieder einloggen danach
- Einladungen zu Terminen bestätigen, ablehnen oder “vielleichten”

5. Google Buzz
- Neuen Kontakte zurückfolgen
- Neue Buzzes lesen
- Eigene Buzzes posten
- Buzzes kommentieren
- Updates kontrollieren
- tolle Fotos verlinken
- verzweifelt intelligente Buzzes überlegend
- über Sinn von Buzz argumentieren “wird es morgen leben”

Prokastrinieren nenn ich was anderes:) Diese Tätigkeiten sind eindeutig unterschätzt. Hausfrauen haben ein schlechtes Image angesichts ihres Arbeitsaufwands. SM Hausfrauen sind noch schlimmer dran, wie man sieht.

über 1 Milliarde Internetbewohner einen Klick entfernt und doch allein

24.02.2010 / 22 Kommentare

folgender Text spiegelt meine Gedanken wider, es hatte etwas gedauert, bis sie nach einem bestimmten Erlebnis, das ich unten schildere, verarbeitet waren.

Update: Mir geht es gut, habe nicht das Problem wie unten geschildert. Danke für die Nachfragen:) Versteht es als Roman/Theaterstück, das einem eine sehr reale Situation vorspielt. Ich bin lediglich der Schauspieler und der Autor des Stücks zwischen den Rahmenstrichen, ich nehme eine Rolle ein. Ich bin nicht die Figur selbst.
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Kennt Ihr das Gefühl, wenn man eine miese Phase durchlebt und vor dem Monitor sitzt, Textzeichen, Symbole und Bilder spiegeln sich in Deinen Augen, digitale Ergebnisse Mensch gemachter Sprache, auf einen Web-Klick abrufbar, doch es hilft alles nichts, die Leere in Dir rückt nicht weg, die Einsamkeit bleibt?

Man ist allein, obgleich man von abertausenden Menschen umgeben ist. Allein. Keiner da. All die digitale Nähe trotz ihrer gefühlten Echtheit ersetzt nicht die physisch greifbare Nähe zu wenigstens einem einzigen Menschen. Du kannst 10.000 Freunde da draußen im Netz haben, 100.000 Leser jeden Tag, und doch kannst du nur den Monitor umarmen, mehr bleibt nicht wirklich. Texte, Symbole, Bilder können Dich nicht anlachen, Du kannst sie nicht umarmen. Nicht das gottverdammte Netz ist es, es ist das Ohr eines Menschen, der einem zuhört, einem in die Augen schaut, dich in die Arme nimmt. 1 Mensch ist mehr als 1 Milliarde Netzbewohner und 1 Googol an Bytes. Man will es nicht zugeben, man starrt weiter auf den Monitor und klickt sich durch, man tauscht sich aus, man chattet, man kommentiert, man status updatet, facebooked, connected. Nur um von dem Blick nach innen wegzusurfen, aber das geht nicht. Aus deiner Haut kannst du nicht raus. Jeder weitere Klick holt dich nur näher ans Allein-Sein.

Der Monitor als Fenster zu den Menschen ist nicht Dein Freund. Ihre Zeichen nicht. Auch nicht die Menschen, die am anderen Ende des Monitors sitzen. Sie könnten es sein, aber sie sind nicht da. Weit weg. Das, was sie da draußen sehen, ist nur ein Schein deiner selbst. Zeichen, Bilder, digitale Produkte, Zerrbilder, mehr nicht. Das Echte versteckst du. Blendest es weg, gerne auch vor dir selbst. Würdest es gerne rausschreien, rausschreiben, tust es nicht.

Ich werde das Gespräch mit einem Blogger niemals vergessen. Er/Sie ist nicht unbekannt. Gewiss nicht. Die Tretmühle Bloggen läuft. Im Telefonat fiel dann dieser Satz, aus dem Innersten: “Robert, ich bin sooo allein. Du weißt nicht, wie alleine ich bin!” Es war mehr verzweifelt gehaucht, geflüstert denn gesprochen. Es war mehr der Ton, die Art, nicht das Gesagte, was mich erschreckt hatte. Das Verrückte und Erschreckende war und ist, dass dieser Blogger abertausende von Menschen jeden Tag erreicht. Seit Jahren, jeden Tag. Doch alleine zu Hause vor dem Monitor sitzend, führt jeder weitere Klick weg vom Schein, im Verborgenen, hin zum Allein-Sein. Das Netz ist echt, und doch wieder ist es das nicht. Diese elektrischen Kabel können menschliche Nähe nicht transportieren, so sehr man sich das auch wünschen würde, so sehr man sich das vorgaukelt. Kabel sind kalt, Bits sind nur Stromzustände, Metall und Plastik, nicht mehr ist es. Natürlich könnte man es kappen, doch tut man es? Das bisschen, was man an digitalen Gesprächen und Eindrücken rauspresst, ist das letzte Fitzelchen gefühltem Trost und vermisster Nähe. Man kappt nicht, man klickt weiter.

Die Schultern straffen sich, die Finger klackern weiter auf der Tastatur herum, die Klicks, das Schein, die Tretmühle, der Monitor. Ich sehe das Gesicht des Bloggers im Monitorschein vor meinem geistigen Auge, das Zimmer ist dunkel, ich höre das Klappern der Tastatur.
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Manchmal weiß ich nicht, ob wir das Richtige tun, das Netz wirklich eine gute Antwort auf das Mensch-Sein liefert. Ich sehe die Entwicklung, wie wir uns immer mehr vor den Monitor kleben. Wir können uns in einem nie da gewesenen Ausmaß mit über 1 Milliarde Menschen austauschen, doch das Netz bleibt letztlich kalt.

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Meine Blog-Timeline

22.02.2010 / 24 Kommentare

ich hatte Lust, mir meine bisherigen Blog-Stationen anzuschauen. Von den ersten Schritten bis heute.

Februar 2003
Das Basic Thinking Blog wurde geboren und das war mein erster Eintrag überhaupt in der Blogosphäre (auf Movable Type Basis). Inhaltlich drehte es sich um das Netz, Lotus Notes und einem kleineren Anteil an privaten Erlebnissen. Ich schrieb die Artikel abwechselnd auf englisch und deutsch. Und war im Handumdrehen mit internationalen Bloggern vernetzt. Ich war völlig fasziniert von den verschiedenen Kulturen und natürlich den Menschen dahinter. Daraus sind bis heute bestehende, sehr intensive Beziehungen entstanden. Und so erklärt sich letztlich meine Liebe zu Blogs. Diese ersten Schritte haben mich als Blogger wie nichts anderes danach geprägt und beeinflusst.

Juni 2003
Start mit dem MEX Blog (nicht mehr existent) für die Wirtschaftsjunioren Frankfurt, auf ehrenamtlicher Basis. Ein Ausschnitt aus den Beiträgen via WayBack Machine. Es war als Gruppenblog mit Schwerpunkt auf Wirtschaft und insbesondere Gründer konzipiert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, ein Blog überhaupt zu erklären und was es bringen kann, ließ man mich gewähren. Und wir hatten im Handumdrehen die eigenständige Basisseite m-e-x.de (Gründer-Informationsportal) hinsichtlich der Besucherzahlen weit hinter sich gelassen. Das Blog strahlte umgekehrt positiv auf die Basisseite aus. Das Grundproblem vor Einführung des Blogs war: Auf m-e-x.de wurden Fachbeiträge von Experten veröffentlicht. Wo sich zuvor die Suche schwierig gestaltete, entwickelte sich dank dem Blog ein Strom an potentiellen Schreibern. Die Experten generierten aus ihren Fachartikeln nicht selten einen Haufen Aufträge, das sprach sich natürlich herum. Clou: Mittels dem Blog konnten wir einen wachsenden Teilstrom an Besuchern auf die m-e-x.de Seite lenken. Im Sommer 2005 war dann Schluss mit MEX, nachdem im internen Projektteam einige wichtige Keyplayer wegfielen (Stichwort Ehrenamt). Das Blog konnte ich damit nicht mehr weiter betreiben, weil die Projektbasis fehlte. Ich wollte es zwar übernehmen -auch gegen gutes Geld -, aber man entschied sich dagegen, da man schon “irgendwie eine Fortsetzung des Gesamtprojekts hinbekommen würde”. Was nicht der Fall war, heute ist MEX dead. Und damit das MEX Blog.

Mai 2005
Kurz vor dem Ausstieg aus dem MEX Blog hatte ich das Living in World of Worldcraft Blog aus der Taufe gehoben. Es war wie das MEX Blog auf Grund der guten Erfahrungen erneut als Gruppenblog konzipiert. Die Leserzahlen des Blogs explodierten förmlich, wir schrieben wie die Wilden zu dem heute immer noch weltweit populärsten MMORPG “World of Warcraft”. Über was wir schrieben? Na ganz einfach, über unsere Spielerfahrungen und -erlebnisse! Zwei Jahre später und 20 Autoren danach ließ die Schreiblaune linear zur lahmenden Spiellust an WoW nach. Es war mir von Beginn an klar, dass dieses Blog-Projekt ein nicht allzu fernes Ende finden wird. Im August 2009 machte ich das Blog dicht, ohne die Inhalte zu löschen.

Juli 2005
Restart von Basic Thinking nach dem zwei Jahre währenden Ausflug als Fremdblogger bei MEX. Meine MEX-Blog Artikel übernahm ich via Import-Funktion. Blog-technisch entschied ich mich, auf Wordpress umzusteigen. Am 15.01.2009 war dann auch damit Sense. Ich freue mich ganz besonders, dass das heutige Basic Thinking Blog noch mehr Leser informiert und erfreut.

Januar 2009
Tja, nun kritzel ich seit dem 20.01.2009 hier herum, auf written in basic. Wie ich auf den Namen kam? Weiß es selber nicht mehr so genau, aber wie ich mich kenne, habe ich mich mit der Namensfindung nicht zu lange aufgehalten:)

Juli 2009
Nicht zu vergessen: Das Buzzriders Blog ist mein allerjüngster Spross.

Ich habe vor wenigen Tagen eine kleine Überschlagsrechnung gemacht: In den rund 7 Jahren sind über 15.000 Artikel und +120.000 Kommentare (von Dritten, nicht meine!) zusammengekommen. Die Anzahl der rausgefeuerten Links kann ich kaum schätzen. Wenn ich müsste, würde ich auf +10.000 Links tippen. Wie viele Menschen haben in dieser langen Zeit mit mir in Kontakt gestanden, und sei es nur über einen flüchtigen Kommentar oder als Leser an meinen Gedanken vorbeihuschend, ohne zu wissen, wer den Gedanken hinterlassen hat? 10.000? 100.000? 1.000.000? Letztlich sind das nur Zahlen. Die nicht viel bedeuten. Viel wichtiger ist die Summe der unzähligen Eindrücke, Menschen, Freundschaften, Feindschaften, Emotionen und Erlebnisse. Manche davon haben spiegelbildlich Dritte tangiert. Nix Virtuelles, echtes Mensch-Sein. Nicht bloggen, Mensch-Sein. In der Summe ergibt sich etwas, das ich ohne die Bloggerei unter Umständen niemals in diesem Leben hätte erreichen können. Ich habe einen ungeahnten Reichtum an Leben erreicht. Und das waren bisher lediglich 7 Bloggerjahre von meinen bald 43 Lebensjahren. Sieben soll eine magische Zahl sein. Bloggen selbst ist für mich Magie, mag es einer verstehen oder nicht.

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André Vatter im Interview: Von kuriosen Paketen und dicken Foren

22.02.2010 / 6 Kommentare

Wer ist André Vatter? Solltet Ihr kennen. Wenn nicht, bitteschön, seine Netz-Vita: André Vatter ist Redaktionsleiter bei Basic Thinking, Redakteur bei Onlinekosten.de und privat bloggt der “freiberufliche Journalist mit Festanstellungs-Status” auch noch. Bisschen Privates hatte er damals vor rund einem Jahr über sich auf Basic Thinking geschrieben. Was fehlt noch? Twitter, klar, twittern twut er auch.

Da André das mit Abstand beste Blog Deutschlands verantwortet, wird es Zeit, den bloggenden Redakteur vor die Interview-Linse zu zerren, hinter der er sich nämlich meistens versteckt und andere mit Fragen durchlöchert. Per Twitter-DM hatte ich ihn gestern darum gebeten, er fragte ganz “ängstlich” zurück, ob er “was falsch gemacht habe” :)

Schreiten wir zur Frage-Antwort-Tat:

1. Haltungsfrage: Was bist Du lieber, Blogger oder Redakteur?
Wenn du so fragst: am liebsten bin ich Journalist. Es gibt unbestreitbare Vor- und Nachteile, wenn man sich in die eine oder andere Schublade steckt. Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich die Rollen tausche, vor allem im Gespräch mit Unternehmensvertretern: “Was sagten Sie? Sie sind von Bahsick Tinker?“, wird nachgefragt. “Onlinekosten.de“, schiebe ich dann nach. “Ich bin von onlinekosten.de.” Plötzlich klappt die Verständigung. Blogger genießen nicht das Ansehen, das Redakteuren eingeräumt wird und haben es daher im Arbeitsalltag nicht immer einfach. Ich habe aber kein Problem damit und versuche es immer wieder mit “Basic Thinking” – bis es bei den Sprechern sitzt.

2. Arbeitstechnische Frage: Musst Du mehr Zeit für Artikel auf onlinekosten.de aufwenden oder gibt es keine Unterschiede? Nach dem Motto: “Auf dem Blog knalle ich das Zeug raus, auf onlinekosten.de muss ich zig mal redigieren.” Gibt es vom Arbeitsablauf her Unterschiede?
Auf beiden Seiten wird mit großer Sorgfalt an die Themen herangegangen, was beispielsweise die Eigenrecherche und das Abklopfen zweiter, unabhängiger Quellen angeht. Gerüchte, die nicht verifiziert werden können, erscheinen nicht auf onlinekosten.de. Auf Basic Thinking nehmen wir sie manchmal mit auf, weil sie die Leser einfach interessieren und Spaß machen. Wie sieht das nächste iPhone aus? Wir weisen dann aber auch immer darauf hin, dass es sich dabei um reine Netzlegenden handelt.

Noch etwas ist anders: Redakteure hinterlassen traditionell für den Leser das fertige Endprodukt, einen geschliffenen Artikel, der das Wichtigste auf den Punkt bringt. Das ist der Stil, der sich durchgesetzt hat. Beim Blog macht es mir Spaß, den Weg der Meldung im Posting gleichzeitig mitzuzeichnen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ich den Sprecher XY erwähne, der es nach zwei Anfragen und drei Anrufen noch immer nicht geschafft hat, ein Statement zu liefern.

Einen dritten Unterschied gibt es zudem in der Art, wie die Themen beschafft werden. Wir haben schnell gemerkt, dass es zum Beispiel nichts bringt, für Basic Thinking großartig Pressemitteilungen zu beachten. Wir verlassen uns größtenteils auf Tipps aus der Leserschaft, Trends, die wir im Netz aufschnappen. Das ist ziemlich anstrengend, immerhin müssen wir so mit dem Echtzeitnetz konkurrieren. Doch es zahlt sich aus…

3. Persönliche Frage: Was ging Dir durch den Kopf, nachdem Dir Dein Chef damals anbot, für BasicThinking.de zu schreiben? War da so eine Art Gedanke “Oh Gott, ich muss unter die Blogger, Mist!” Gar Angst? Hat sich nach den ersten Wochen eine Art “ich bin nun tatsächlich Blogger”-Haltung eingestellt? War es überhaupt eine Umstellung für Dich, da Du eventuell andere “Regeln” entdeckt hast?
Wir brachten damals auf onlinekosten.de die News, kurz nachdem du die Versteigerung angekündigt hattest. Als mich dann der Chef in den Meetingraum bat, wusste ich, dass die Firma an der Auktion teilnehmen würde. Ich freute mich auf die neue Aufgabe, wahrscheinlich wurde ich ausgesucht, weil ich mich immer dafür interessiert habe, was hinter einer Meldung steckt und gerne fluche.

Natürlich war eine gehörige Portion Respekt vor dem Job dabei und die ersten Tage haben uns auch gezeigt, dass zum “Blogger” sein mehr gehört, als einen Post zu verfassen. Plötzlich tritt die Meldung ebenso wie ihr Autor in den Vordergrund: “Was ist dein Lieblingsessen?”, “Was hast du studiert?”, “Sag doch mal, wie dein Kater heißt.” – das waren nicht die Reaktionen die ich erwartet hatte, immerhin ist man darauf getrimmt, hinter seinen Text zurückzutreten. Berufs- und Privatleben verschmelzen nach einiger Zeit, ebenso expandiert der einstige Nine-to-five-Job auf 24 Stunden am Tag. Es ist ein Umstellungsprozess, den man da durchlaufen muss.

4. Bekommt Ihr für Artikel auf Basic Thinking oder auf onlinekosten mehr Feedback? Auch was Vorschläge für neue Artikel angeht.
Das Feedback ist auf beiden Seiten überwältigend. Onlinekosten.de bekommt nicht nur viele Lesermails mit Anregungen, sondern hat auch noch ein dickes Forum angeschlossen. Auf Basic Thinking läuft viel über die Kommentare, Twitter ist ein Rückkanal, ebenso wie Telefonanrufe, Mails und kuriose Pakete, die wie eine Bombe verpackt sind und zum Beispiel “Basic Thinking-Bier” eines süddeutschen Brauers beinhalten.

5. Ihr setzt Twitter und Facebook ein, um auf Basic Thinking zu verweisen. Auch für onlinekosten.de? Und prinzipiell die Frage: Warum macht Ihr das und was bringt es Euch?
Keinem dürfte entgangen sein, dass Trackbacks ein seltenes Gut geworden sind. Das hat damit zu tun, dass die Gespräche über gelesene Themen immer weiter in soziale Netzwerke abwandern. Es macht also Sinn, dem Leser dorthin zu folgen, wo er mehr und mehr verkehrt – und dort auch den Faden wieder aufzunehmen. Meiner Meinung nach gilt das nicht nur für Basic Thinking und onlinekosten.de, sondern sollte für alle Medien gelten, die im Netz publizieren.

zittern jetzt alle Social Media Berater?

19.02.2010 / 50 Kommentare

amüsiert habe ich den Beitrag vom Don Alphonso in der FAZ gelesen, aber auch seinen Nachtisch-Beitrag auf seinem Blog “Blogbar“. Wenn man beide Beiträge auf die Kernaussagen eindampft, geht es um Folgendes:

1. SM Berater setzen auf einen bloßen, bedeutungslosen Hype, den sie den Firmen verkaufen (á la “Bloggen ist cool, weil Bloggen cool ist”)

2. SM Berater haben es selbst nicht auf dem Kasten, wie können sie dann etwas vorbraten, von dem sie keine Ahnung haben

3. der SM Kuchen ist kein Wirtschaftszweig, sondern ein Wirtschaftskrümel, für den Firmen kaum Budget bereit stellen, damit sei per se die Bedeutungslosigkeit der SM Berater bewiesen

4. Wirklich reden -im Sinne eines wie auch immer gearteten Gesetzes- wollen die Unternehmen im Rahmen von Social Media mit den Kunden nicht, das Gespräch ist lediglich ein unwichtiges Vorspiel zur eigentlichen Kauf-Mich-Botschaft. Sie senden nach wie vor einbahnstraßig, daran wird sich nix ändern. SM Beratung sei auch daher reine Makulatur.

Kann ich das unterschreiben? Nö, die Argumente sind langweilig und lahm, da sie grundsätzlich keine Erkenntnisse bieten. Man kann sie auch noch so laut herausschreien, das macht sie nicht interessanter. Die Schreibe selbst ist klasse, aber das ist ja nur die Verpackung, für Verpackungen interessiere ich mich allerdings nur sehr eingeschränkt.

Tatsache ist, dass wir in allen Bereichen seit jeher lernende Wesen sind, die durch einen immer wiederkehrenden Kreislauf herumprobieren, lernen und verbessern. Die ersten Autos waren nach heutigen Maßstäben Schrott. Damals mögen die ersten Nutzer begeistert gewesen sein. Die heutigen Autos werden in 50 Jahren als ein Haufen technischer Schrott gelten. Die ersten Tageszeitungen waren Müll, die ersten Computer waren Müll, die ersten Blogs waren Müll, usw usf etcpp. Don Alphonso hat ebenso wenig einen blassen Schimmer wie alle anderen auch, wo es hingeht, wie wir etwas wann wo und warum nutzen werden. Das zum grundsätzlichen Prinzip von Trial-Error. Wer nicht ausprobiert, bleibt stehen. Wir können per se den menschlichen Antrieb, ständig Neues zu erforschen, in Zweifel ziehen, dann müssten wir aber unsere Natur ändern, das geht aber nicht.

Wenn man demnach Social Media als etwas Neues definieren möchte, stellt man schnell fest, dass es einerseits etwas sehr Diffuses ist. Andererseits stellt man fest, dass es weltweit einen Haufen Versuche gibt, aber keiner den Stein des Weisen gefunden hat, systematisch in diesem Bereich vorzustoßen. Wir testen, lernen, verbessern. An manchen Stellen sind wir schon wesentlich weiter, an vielen Stellen noch nicht besonders weit gekommen. Und kommt wesentlich unaufgeregter daher, als man denkt.

So braucht mir ein Don Alphonso nix vom Krieg zu erzählen, was man mit einem technischen Vertreter aus der Gattung Social Media – Blogs – nicht anstellen kann und dass Unternehmen=Kunden davon nichts haben. Sie haben einen Nutzen, Punkt. Glaubensfrage? Von mir aus, doch juckt mich das wenig, wenn andere nicht wissen, wie es geht und in Glaubensfragen abdriften müssen. Kein Hexenwerk, keine rocket science. Es ist “lediglich” Arbeit én Detail, zu 90% Handwerk, der Rest ist bisserl Zauberei und Neues. Beispiel? Eins der popeligsten Kostenrechnungen ist dabei der Vergleich zwischen inhouse Bloggen und Kosten für SEO und externalisierter SEO-Leistungen. Selbst wenn man einen Blog-Schreiber internalisiert, statt auf bestehende, interne Ressourcen zurückzugreifen, ist es unter dem Strich berechenbar, was effektiver und günstiger ist. Mal SEO wie seit jeher, mal Bloggen, mal ein Mix. Alternativkostenrechnungen sind seit anno domini nix Neues, dafür brauche ich keinen Social Media Philosophiekurs zu belegen, in irgendwelchen Gesetzesbüchern von Social Media zu wühlen oder einen Don Alphonso zu lesen, was nicht geht angeblich. Wie, Bloggen als Kosteneinsparung statt als Revolution in der unternehmerischen Kommunikation? Es ist eine unaufgeregte Betrachtung, ein Aspekt, was man mit Blogs recht einfach anstellen kann. Kosten einsparen. Ausprobieren, lernen, umsetzen, verbessern. Thats all. Und, wo ist das Problem? Gar keins, es ist ein simpler Vorgang. Nur darüber lässt sich schlecht herumschreien und palavern. Ist das denn noch Social Media dann? Was kümmert mich das, wie etwas einsortiert werden will?

Warum tun sich dann die Unternehmen so schwer mit all dem angeblich wunderbar, einfach zu verwendendem Social Media Dingenskirchen? Steht oben, in Unternehmen sitzen Menschen. Welch ein Wunder. Menschen lernen und sind per nicht schlau genug, Neues von Beginn an effektiv zu nutzen. Auch kein Wunder. Manche Organisationen lernen schneller, manche langsamer, manche gar nicht. Normal, seit jeher, auch nix Neues. Manche entdecken und schaffen sich einen Nutzen, verschieben Ressourcen peu á peu, manche kriegen es nicht heraus und verfahren mit ihren Ressourcen auf die gewohnte Art, was auch nicht viel schlechter ist. So kommen dann auch die ollen Sprüche zu Stande wie “Unternehmen haben auch bereits vor Social Media existiert, sie brauchen es also scheinbar nicht”. Ja und, was ist das denn für ein bescheuertes Argument? Vor Einführung der Autos sind Kuriere mit Pferden durch die Gegend geeiert und haben sich den Boppes wundgeritten. Man hat so oder so die Message überreicht. Werden demnach Unternehmen übermorgen nicht mehr existieren, weil sie Social Media nicht nutzen? Woher soll ich das denn wissen? Viele Wege führen nach Rom. Per se einen von vornherein auszuschließen, ist dumm.

Sind nun SM Berater per se doof und haben nix auf dem Kasten? Übliche Antwort: Das kommt darauf an, wer wie gut ist. Erweiterte Antwort: Zeit ist Geld. Egal, wie schlecht der SM Berater ist. Für eines ist er meistens immer gut: Er verkürzt die Zeit, Unternehmen etwas Neues aufzuzeigen, was Bares wert ist. Was die Unternehmen damit inhouse anstellen, hängt von den Machern intern ab, wie lernfähig und gut diese sind. Daran ändert weder ein DonA noch ein SM Berater nix. Also schon wieder Kosten? Sorry, dass Betriebswirtschaft so langweilig ist:)

Für eins war Don Alphonsos Beitrag für mich persönlich gut: Er ist anregend, knackig geschrieben und hat im besten Sinne amüsiert.

warum manche nicht einmal einen Blog-Buchstaben wert sind

12.02.2010 / 54 Kommentare

ich kann es nicht mehr zählen. Nicht mehr zählen, die vielen Gesprächen mit befreundeten Bloggern, die gefrustet sind. Das läßt sich genauso auf Gespräche mit denen übertragen, die irgendwo im Netz auf Foren, in Social Networks oder aber auf Twitter unterwegs sind. Gestern erst habe ich erneut so ein Gespräch mit jemanden geführt, der wegen Nichts heruntergeputzt wurde.

Worüber ich rede? Über die vielen Pussies da draußen, die im Netz über andere herziehen, im echten Leben aber darauf angesprochen nicht einmal in der Lage dazu sind, dazu zu stehen, was sie gesagt haben. “Ich habe es nicht so gemeint” und lächeln einen an. Feiglinge, die im RL auf nett machen, im Job die Stiefel der anderen lecken, im Netz aber die Sau rauslassen, als wäre es eine Kompensation ihres Zwangs, mitmenschlich im RL-Umfeld sein zu müssen.

Es fing in meinem Umfeld schon früh an damit, diese Erfahrungen zu sammeln. Immer dann, wo es thematisch kritischer wurde, ging es rund. Ob es um Blogger ging, die politisch ihre Meinung vertreten, wirtschaftliche Motive verfolgten oder einfach über irgendwas schrieben. Man liest sich die Kommentare durch und zuckt zusammen. Man liest Beiträge auf anderen Blogs und zuckt erneut zusammen. Übermäßig hart, einseitig, als gäbe es nur Schwarz und Weiß im Leben. Perfektion wird verlangt, alles andere ist nicht existent. Heute lese ich Twitter, Facebook, Foren. Immer und überall das gleiche Schema. Das Gesicht der Gosse zeigt sich ständig. Kleine Pussies, die meinen, es viel besser zu wissen, als wären sie Übermenschen. Vor persönlichen Beleidigungen im Netz keinen Halt machen. Im echten Leben selbst sind sie kleine Leuchten, viele Dinge falsch angegangen, fehlbar wie jeder andere auch sind und waren, welch Ironie. Und die vielen Lemminge, die den Spackos gerne folgen, sind nicht anders. Nur schlimmer. Sie steigen ins Geblöcke mit ein, labern den Dünnpfiff gedankenlos nach, halten sich an ihren Eiern und schaukeln sich gegenseitig hoch.

Mittlerweile kann ich die Blogger nicht mehr zählen, die völlig fertig mit ihren Nerven waren. Ihr persönliches Umfeld war nicht selten geprägt von familiären und beruflich angespannten Situationen. Kein Wunder, dass man dann in dem Moment schwach wird, wenn man im Netz auch noch auf die Fresse bekommt. Man versteht es nicht, warum man dermaßen angegangen wird, als hätte man Kinder gefressen. Es scheint ganz so, als würde es im Web immer ein Stück brutaler als im RL zugehen, wie eine Einladung, die Maske der Menschlichkeit runterreißen zu dürfen. Als würden im Netz andere Anforderungen gelten, wie das Leben da draußen auszusehen hat. Kein Grau, nur Schwarz-Weiß. Machen sich die Spackos da draußen den Kopf? Nein, sie kommen nicht einmal auf die Idee, sich in die mögliche Situation des Betroffenen zu versetzen, manchen ist es schlichtweg egal. Egal? Egal, was sie sagen, was sie senden, was der andere fühlt!

Obgleich ich über all die Jahre eine dicke Haut entwickelt habe, natürlich durch eigene Erfahrungen geprägt, die einem aufzeigen, wie bodenlos mangelnde Mitmenschlichkeit sein kann, bin ich jedes Mal aufs Neue betroffen, wenn ich das persönlich mitgeteilt bekomme oder im Netz lese. Sind es die Pussies wert, sich von ihnen runterziehen zu lassen? Welche Frage. Stehst du ihnen im echten Leben persönlich gegenüber, weichen sie deinen Augen aus, machen einen auf “na, war nicht so gemeint”, winden sich Würmern gleich, kein Wunder, wenn man kein Rückgrat hat. Welchen Wert haben diese falschen Fünfziger, was soll ich darauf geben? Das Blöde ist, dass ich dann auch noch Mitleid empfinde, wie Menschen sich ihrer Schwäche ergeben, sich gehen lassen, weil sie schwach sind. Im Grunde wollen sie im Netz glänzen, sich bestätigt fühlen in der Lemming-Menge, Anerkennung miternten. So sehr ich diese Pussies ablehne, so sehr zeigen sie ein nur zu menschliches Gesicht.

Ich kann es nur so formulieren: Solange man betroffen ist und fühlt, nicht abstumpft, wird man nie zu denen gehören, die weder Mitgefühl, Rücksicht noch Mitmenschlickeit zeigen. Ihr könnt mit erhobenen Haupt durch das Leben schreiten. Mehr als das kann ich nicht mitgeben, da ein Mehr nicht möglich ist. Die Narben kann ich nicht nehmen, warum auch, da Ihr Menschen seid, die fühlen. Was ist daran schlecht? Nichts. Eben.