es mag Blogger geben, die wenig Wert auf Kommentare legen. Dann gibt es Blogger wie mich, die ohne Kommentare nur halb so viel Spaß am Bloggen empfinden würden. Ein Blog ohne Kommentare ist für mich undenkbar.

Auf 100 Blog-Artikel 4 Kommentare
Leider Gottes kann man sich ebenso wenig Kommentare herbeiwünschen wie das Wetter. Blogs mit einer Quote von 10 Kommentaren auf einen Artikel sind ein seltenes Gewächs. Die typischen Kommentarquoten bewegen sich zwischen 0-1 Kommentaren pro Artikel. Die Stichprobe auf Blogoscoop ist erschreckend, so liegt die gemessene durchschnittliche Anzahl der Kommentare pro Blog bei einem Wert von 0,04. Heißt? Auf 100 Artikel findet man 4 Kommentare. Anders gesagt, 1 Kommentar auf jeden 25. Artikel. Was kann man tun, damit die eigene Kommentarquote hochgeht?

Berg zum Propheten: Sich zum Leser bewegen
Bevor wir uns mit Kommentaren auf Blogs befassen, machen wir kurz einen Abstecher zu Alternativen. Wenn man schon gar keine bis wenige Kommentare bekommt, kann man sich als Blogger Richtung Leser bewegen. Logischerweise meine ich damit Twitter und vor allen Dingen Facebook. Es ist wahrscheinlicher, Leser dort zu finden, denn auf dem eigenen Blog, das sich im Meer von Webseiten verliert.

So wissen wir, dass sich weit über 10 Mio Menschen auf Facebook aufhalten, die Vernetzung der User gehört dort zum Alltag. Der durchschnittliche Facebook User hat rund 150 Kontakte in seinem Netzwerk. Die eingeloggt sind. Die müssen dann eben nicht auf Dein Blog, sondern können recht bequem nebst Like und Share auch einen Kommentar zu Deinem verlinkten Posting auf Facebook absetzen. Bedingung ist?
FB Linkposting - Beispiel

1. Das Facebook Posting wird als „Link“ gepostet = Backlink zu Deinem Blog-Beitrag

2. Die Überschrift des FB Postings (in fett gedruckt) sollte das Gegenteil von Nichtssagend sein. „Heute“ ist schlechter als „Heute bin ich einem Elch begegnet“. Übrigens, Du musst die FB Posting-Übeschrift nicht übernehmen, Du kannst sie sogar editieren (einfach draufklicken;)

3. Facebook übernimmt die ersten Zeichen aus Deinem Blog-Beitragstext als Teaser-Text. Auch dies kannst Du erstens editieren und zweitens sollte sie knackig den Inhalt des Blog-Artikels wiedergeben.

4. Dein persönlicher Kommentar zu dem Blog-Beitrag kann sich fragend an die FB User richten, gesamtheitlich den Beitrag aus Deiner Sicht resümieren, neugierig machen, auf jeden Fall sollte es Deine persönliche Meinung widerspiegeln bzw. mindestens etwas Aufmerksamkeit erregen.

Beispiel:
Beispiel für Kommentar zum Link

5. Wenn möglich ein Vorschaubild angeben, das dem Facebook User präsentiert wird (zieht sich Facebook automatisch aus Deinem Blog-Beitrag, klappt leider nicht immer)

So erhalte ich an manchen Tagen mehr Kommentare auf Facebook denn auf meinem Blog. Was mit der Sichtbarkeit eines Eintrages in der Timeline Deiner Kontakte und deren Kontakte wiederum zusammenhängt. Je mehr geliked und geshared wird umso wahrscheinlicher wird es, dass Dein Facebook-Eintrag auch Dritten angezeigt wird. Nicht nur Deinem eigenen Netzwerk.

Soweit zu Facebook. Auf Twitter gehe ich nicht näher ein, das Prinzip ist im Grunde das Gleiche, nur eben mit weniger Optionen. Befassen wir uns mit dem Blog selbst, wie man die Kommentaranreize aufpeppen kann.

Maßnahmen, um die Kommentarquote zu erhöhen
1. Gehe zum Leser, siehe obigen Punkt

2. Je länger ein Beitrag wird, biete dem Leser umso eher eine Zusammenfassung und zugleich einen Grund, zu kommentieren. Beispiel: 100 WordPress-Plugins vorgestellt? Fasse die besten drei zusammen und frage den Leser, welche seine drei Top-Plugins sind. Deutlich, fett, groß, sichtbar.

3. Je kompletter und ausführlicher aber auch ausgewogener ein Gedanke Deinerseits erläutert wurde, bleibt wenig Raum zu kommentieren. Was soll der Leser denn auch noch dazu sagen? Ja, toll? Auch hier gilt, zeige ihm die offenen Flanken Deines Beitrags auf, wo man völlig konträr darüber denken kann. Beispiel: „Ich habe Euch jetzt mit den Schlussfolgerungen von Kant komplett beglückt, nur die Gretchenfrage, wer braucht eigentlich Philosophie zum Leben? Ich brauche Kant weder zum Atmen noch zum Denken.“ Provoziert, zeigt eine andere Position, die auch denkbar ist. Meistens ist das genaue Gegenteil.

4. Je kürzer Texte sind, umso eher entstehen Lücken zum Kommentieren, umso eher bringt auch der Leser die Zeit auf, sich den Beitrag anzuschauen. Behandelt nicht alle Aspekte eines Themas, pickt Euch nur einen Punkt heraus. Schaltet bewusst die anderen Aspekte aus, geht nicht mal darauf ein, dass Ihr das gemacht habt. Der Leser agiert in der Regel nach dem Muster, „wenn der Blogger A sagt und nicht B-Z, dann hat er wohl das Wichtigste vergessen“.

5. Teile lange Gedanken in mehrere Blog-Postings auf. Es gibt keinen Grund, alles in ein Posting zu werfen. Man erreicht mehr, wenn man aus einem 1 Artikel 5 Artikel macht. Wie lang ist das konkret? Pi x Daumen = 1 – 2 Bildschirmseiten sind das absolute Limit bei dieser Empfehlung. Besser sind 0,5-1 Bildschirmseiten. Auch und gerade beim anfänglichen Leseraufbau. Damit einhergehend wird das Blog gesamtheitlich leichter verdaulich. Mit der Zeit geht die Kommentarquote auch hoch.

6. Beziehe Kommentatoren in Deine Postings mit ein. Wenn sich schon jemand die Mühe macht, gehe im Kommentar darauf ein. Und wenn möglich, ergänze Dein Posting um den Kommentar als Update. Zeige damit klar und deutlich auf, dass Du Kommentare wahrnimmst und honorierst. Inklusive Backlink zum Blog (?) des Kommentators, wenn Du ein Artikel-Update schreibst.

7. Greife Kommentare dergestalt auf, dass Du manchmal auch komplett eigene Postings rund um diesen Kommentar publizierst. Mach das nicht nur, sondern spreche darüber. Auf Deinem Blog sowieso aber auch auf Facebook und Twitter („Kommentator meint, dass…“, „Kommentator hat mich auf die Idee gebracht, dass…“, Kommentator hat einen klasse Beitrag geschrieben…“).

8. Mache es dem Leser und vor allen Dingen Kommentatoren einfach, neuen Kommentaren zu folgen. Es gibt für alle Blog-Systeme Plugins, die ein Abo per Mail zulassen.

9. Hole den Leser in seiner Welt ab. Zeige ihm nicht nur Deine Gedankenwelt, sondern denke vorher darüber nach, was der Leser an Situationen selbst am eigenen Leib erlebt hat. Schreibe nicht darüber, wie es im Supermarkt ist, einkaufen zu müssen. Wähle einen bekannten Supermarkt wie ALDI, den jeder von innen kennt. Wähle eine Situation, die andere auch erlebt haben. Lange Kassen an der Schlange? Einkaufswagen im Rücken? Ausverkaufte Artikel? Unfreundliche Kassiererin? Selbst wenn Du das nicht ins Zentrum Deines Artikels stellst, reichere das Posting im Me-Too Erlebnisse an. Menschen reagieren immer am besten darauf, wenn sie selbst etwas erlebt haben.

10. Ebenso gilt: Sprich den Leser direkt an. Sprich weniger von Dir. Hast Du Dir auch schon mal einen PC gekauft und der Ventilator war extrem laut? Hat Dich das auch genervt? Heißt? Den Leser interessiert es – mit Verlaub – einen Scheiß, was Du gefühlt hast. Er interessiert sich viel eher für sich. Rufe das ab, rege zum Mitfühlen an.

11. Je sachlicher Du etwas beschreibst, umso weniger holst Du ihn emotional ab. Sachliche Darstellungen sind genauso öde wie das Gespräch mit einer Maschine. Menschen können mit Sachthemen viel leichter umgehen, wenn Du an gewissen Stellen emotional wirst. Entweder selbst Gesicht zeigst oder aber Emotionen abrufst, diese mit dem Sachverhalt koppelst. Der PC Ventilator dreht mit 11.000 Umdrehungen aufgrund der koaxialen Anordnung der Propeller und einer diametral angebrachten Spule. Techisch kann man das besser lösen. Ok… Was? Wie bitte? Wie wäre es mit dem gleichen Sachverhalt und der zusätzlichen, emotionalen Bemerkung, dass man dem Ventilator aufgrund seiner Bauweise am liebsten dem Ingenieur ans Ohr binden möchte, weil das Mistding dermaßen nervt?

12. Frage nicht um Bestätigung, ob der geneigte Leser „das auch so sieht“. Bettle nicht um Kommentare.

13. Vermeide lange Kommentarformulare mit Zwangsfeldern, Captcha und einer Kommentarmoderation obendrauf. Halte das Kommentarformular übersichtlich auf einer kleinst möglichen, dennoch bequemen Bildschirmseite zusammen. Es gibt Blogger, die labern sich im Kommentarformular den Wolf, was man ausfüllen soll, was nicht, was man sagen darf, was nicht. Ellenlang. Ätzend! Der Leser hat keinen Bock so lange zu scrollen, bis er endlich das Kommentarfeld erblickt.

14. Zeige deutlich im Posting an, dass Kommentare zu Deinem Posting existieren. Reaktionen auf Twitter und Facebook gehören ebenso dazu. Wenn Du keine hast? Dann blende den Kommentarzähler aus, wenn Du weißt, wie das geht (If-Abfrage).

15. Zeige im Blog zum Beispiel in der Sidebar an, wer zuletzt kommentiert hat.

16. Was auch gut geht: Baue eine eigene Seite, in der nur Kommentare inkl. Artikelüberschrift und Backlink zum Blog-Posting angezeigt werden. Machen wenige, aber es wirkt aus eigener Erfahrung sehr gut.

17. Denke selbst

Soweit so gut, das soll reichen. Man könnte noch ewig viele Hinweise bieten, was man tun kann. Fini

Fini? Nope, klar werden Sachen nachgereicht ;)

18. Bezug nehmend auf Nimbert: Lange Aufzählungen können Wunder wirken, wenn man innerhalb der Aufzählung deutlich (fett markiert z.B.) Fragen formuliert bzw. persönliche Bemerkungen platziert, die auch emotional sein können.

19. Selbstverständlich kann man mit Goodies arbeiten. Jeder x.-te Kommentator bekommt ein realphysisches oder virtuelles Goodie (angefangen von Backlink bis hin zu einem Avatar in der Sidebar, be creative).

20. Avatare der Kommentatoren lassen den Kommentarbereich viel eher menschlicher und persönlicher wirken. Sieht griffiger aus, regt andere eher zum Mitkommentieren an. WordPress? Use Gravatar…

21. Links zu anderen Blogs? Auch das funktioniert prima. So findet Ihr bei Vera weitere Posting-Verweise, die sich mit dem Thema „Mehr Kommentare“ befassen. Und das wirkt kommentarsteigernd? Wenn sich schon der Leser nicht zu einem Kommentar auf Deinem Blog hinreißen lässt, so doch vielleicht auf einem anderen Blog (jeder hat eben seine Art zu Bloggen, das spricht umgekehrt die Leser unterschiedlich an)? Hinzu kommt, dass man via Trackback ein klitzekleine Chance bekommt, in den Kommentaren des verlinkten Blogs wahrgenommen zu werden. Und letztlich hilft das gegenseitige Verweisen der Blogger untereinander, des Lesers Lieblingsbeitrag eher zu liefern, darunter fällt dann natürlich auch Dein Blog.


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