Es gibt sie hin und wieder. Blogger, die im Grunde genommen das Potential haben, sich von ihrem publizistischen Schaffen zu ernähren. Primär basiert das auf ihrer Schreibe und ihrer digitalen Persönlichkeit. Das eine nutzt ohne das andere nichts. Ich spreche von Wiedererkennbarkeit, einem alles entscheidenden Gesamtfaktor. Allerdings befindet sich zwischen dieser Möglichkeit – sich vom Blog komplett zu ernähren – und dem Status Quo sagen wir ruhig mal „die Todeszone“.

Wozu braucht es eine Todeszone

copyright by Moyan Brenn - Berkut83@hotmail.it
Eine Todeszone braucht es, um die Starken/Geschickten von den Schwachen/Ungeschickten zu trennen. Die Todeszone definiert sich daher sehr einfach: Es reicht nicht, um davon zu leben. Es reicht aber im Moment, um sich davon ein nettes Zubrot zu verdienen.

Um von A nach B zu kommen, müsste der Blogger seinen Job ruhen lassen oder aber immer weiter reduzieren. Von Ganztags auf 3/4 auf 1/2 auf 1/4. Die Arbeitgeber sind aber nicht so flexibel. Und mit steigenden Zeiteinsatz – dem alles entscheidenden Faktor zu einer Professionalisierung – gehen die Einnahmen nicht linear einher, sondern mit einer erheblichen Zeitverschiebung. So kompensiert der Zugewinn aus der publizistischen Tätigkeit nicht den Verdienstausfall aus dem bisherigen Job.

Die Annahme Zeit und Arbeit dahinter ist recht simpel. Wer gut schreibt, muss Zeit investieren. Gewinnt Leser aber auch Kontakte und Möglichkeiten. Wer mehr Zeit investiert, gewinnt womöglich weiterhin an Lesern und Möglichkeiten. Konkurriert langsam aber sicher auch gegen die professionellen Webseitenangebote da draußen. Egal in welchem Bereich. Aus diesem Grunde kann man beruhigt (oder auch nicht) annehmen, mit einem Halbtagesjob am Blog eben nur „die Hälfte“ zu verdienen. Bleibt damit aber unter der notwendigen Flughöhe, um gegen den Wettbewerb zu bestehen, um auch genügend existenzsicherende Einnahmen zu generieren.

Doch nicht nur die Zeit für den Blog-Output zieht an, es kommen neue Herausforderungen im zeitlichen Sinne auf den Blogger zu. Er muss sich vermarkten bzw. refinanzieren. Das, was er womöglich vorher dank der Einnahmeprogramme im Vorbeigehen generiert hatte (meistens AdSense, Amazon und Affiliate), geht neuerdings für Direktvermarkungsmaßnahmen drauf. Alternativ kann der Blogger neue Refinanzierungsquellen erkennen, doch auch diese kosten Zeit und Zeitverzug, bis sie einnahmewirksam werden.

Die Todeszone dennoch überwinden

Was ist also die richtige Strategie, um die Dauer abzukürzen, bis man auf ein Vollzeitprogramm umstellen kann? Aber auch die notwendigen Arbeitszeiten weiterhin so schlank wie nur möglich zu halten, um ein Maximum an Entscheidungsflexibilität und Einkommenssicherheit (nicht Maximierung der Einnahmen!)zu haben?

Es gibt verschiedene Strategien. Sie sind im Grunde erstaunlich simpel! Im Vergleich zu vielen anderen Möglichkeiten, die wesentlich aufwändiger sind.

1. Einfach so weiterbloggen wie bisher

Bekanntheit, Leser, Aufmerksamkeit und Möglichkeiten sind eine Funktion von Kontinuität, damit Zeitdauer. Caschy geht diesen Weg. Sein einfaches Rezept: Nebenher bloggen, und das seit Jahren. Primärer Faktor ist, dass er Tag für Tag einen kontinuierlichen Output aufweist. Als Hauptbedingung habe ich es schon oben festzementiert: Die Schreibe und seine Art sichert sein Vorankommen. Wer nicht schreiben kann und kein Gesicht entwickelt, kommt da draußen nicht an. Dem nutzt alle Zeit der Welt nichts. Ob solche Blogger wie Caschy den Weg bis zu einem Vollzeit-Blogger Status gehen oder nicht, wissen wir nicht. Sie könnten es. Und dienen mir als Beispiel, dass auch Nebenher-Bloggen zum Erfolg führen kann. Es dauert eben Jahre.

2. Alternativ können Blogger Vermarktungseinheiten gründen

Die gleichartige Angebote zusammenfassen. Vorteil ist, dass man statt müden AdSense-Einnahmen ungefähr bei 1 Euro pro TKP relativ entspannt über 10 Euro pro TKP kommt. Wer demnach ein Blog mit rund 100.000er Trafficaufkommen hat, macht nicht mehr müde 100 Euro, sondern käme theoretisch auf 1.000 Euro. Das ist aber nur die reine Rechnung. Was steckt dahinter?

Die Werbeindustrie interessiert sich für Euer Blog nicht. Ihr seid eines von vielen Klein- und Kleinstangeboten. Sie kennen Euer Blog auch nicht, würden nicht einmal bereit sein, mit Euch zu reden, da ihr mit zu wenig Einnahmen der Agentur nix einbringen würdet und dem Werbekunden nicht genug Reach verspricht (der sich sowieso nicht selbst vermarktet, sondern die beauftragten Agenturen agieren läßt). Sie – die Agenturen – haben Euch nicht mal auf dem Radar und werden daran auch nichts ändern. Also bleiben Euch die automatischen Werbeprogramme von Google, Zanox und Amazon. Also bleiben Euch die müden 1 Euro TKPs. Weil Ihr Euch nicht verkauft – einem Programm kann man nix verkaufen, es redet nicht mit Euch – und weil Ihr als Einzelner – nochmals – zu klein seid.

Das Zusammenfassen und geballte Verhandeln mit Werbetreibenden und Vermarktungsagenturen stärkt Eure Position. Bei konsequenter Verkaufsstrategie und gemeinschaftlichen Qualitätskriterien (nicht jedes Blog ist geeignet, im Pool aufgenommen zu werden) sprecht Ihr mit stärkerer Stimme, habt mehr vorzuweisen, könnt endlich verhandeln.

Ob das ein leichtes Spiel ist? Wer glaubt, dass man seine Einnahmepotentiale einfach so verzehnfachen kann, liegt richtig. Nur vor dem „einfach so“ liegen zwei Probleme, die zu bereinigen sind: Wer kann einen Sack Flöhe hüten (unterschiedliche Blogger mit unterschiedlichen Typen und Zielen) und wer findet jemanden, der sich in der Onlinewerbeindustrie so auskennt, dass er/sie willens wäre, recht viel an Vorarbeit zu investieren (Meetings, Talks, Termine, Reisen, Kalkulationen, Blogger-Rücksprachen)?

3. Der dritte Weg liegt auf der Hand. Nebenbei bloggen und Vermarktungsgruppen bilden. Grau ist die Theorie, dunkel die Praxis.

Fazit

Ich persönlich flenne regelmäßig bei der Betrachtung einzelner Blog-Cluster, die weder in der Lage sind, zusammen zu agieren noch die Chancen ergreifen, stattdessen um jeden Leser und jeden Cent fighten anstatt an den effizienten Parametern zu drehen. Jedoch wie paralysiert angesichts vor Problemhürden die Waffen strecken und alles so belassen wie es ist. Und sich als Einzelne einem Vermarkter hingeben, der ihnen 40%-50% von dem Bisschen aus der Tasche zieht. Am Ende bleiben sie vor der Todeszone stehen und denken sich, wie es wohl auf der anderen Seite sein könnte. Die Allerwenigsten rudern herüber.

Update

Siehe Dialog auf G+ (mit und von Caschy)

Foto von Moyan Brenn, Lizenztyp: CC BY-ND 2.0

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