Das Handlungsmuster von PR Agenturen wiederholt sich gerne, ohne dass ich Euch sagen kann, wie viel Prozent der Agenturen so agieren. Aber, ich treffe es extrem häufig an. Merkmale?

1. PR Agenturen wissen nicht, wie man mit Social Media Geld verdienen kann. Daher erfolgen keine Angebote in dieser Richtung an Kunden. Ein Hemmschuh für Fortschrittspotentiale in der modernen Kommunikation.

2. PR Agenturen haben kein internes Know How über Personal aufgebaut, das sich abseits bisheriger Tätigkeiten („klassisches Set an Aufgaben“) als „social media“ Kommunikationsaufgaben bezeichnen ließe. Wo keine Einnahmechancen, da keine Investionen. Siehe Punkt 1.

3. PR Agenturen denken für den Kunden in spe mit und ziehen sich damit die Brille desjenigen auf, der noch weniger an Know How verfügt als die spezialisterten Kommunikationsdienstleister, eben die PR Agentur als solche. Der Kunde wird in der Regel als extrem risikoscheu bezeichnet. Jedes Risiko wird als Argument betrachtet, dass moderne Kommunikation über das Netz fatal ist und auf die PR Agentur als möglicher Anbieter zurückfällt.

Die Innensicht aber auch die Außensicht des Kunden führt dazu, dass nach wie vor ein Mangel an geeigneten Kommunikationsangeboten herrscht, die ich so salopp als „modern“ bezeichne. Wer aufmerksam das Netz verfolgt, vor allen Dingen die Kommunikation der PR Agenturen im Netz, wird daher nicht selten auf existentialistische Fragestellungen stoßen wie „was haben wir wirklich über Social Media an guten Beispielen überhaupt hervorgebracht?„. Teilweise von gestandenen PR Profis. No names here ;)

Im Grunde genommen ein idealer Nährboden für PR Agenturen, die rational denken können. Auf der einen Seite beobachten wir eine zunehmende Kontaktchance für Unternehmen, in einem vorher nicht dagewesenen Ausmaß mit Interessenten und Kunden unmittelbar öffentlich in Verbindung treten zu können. Auf der anderen Seite beobachten wir auf Basis der schnellen Entwicklungen technischer Möglichkeiten eine zunehmende Unsicherheit der Unternehmen aber auch PR Agenturen selbst, wie man die Potentiale und Risiken einschätzen aber auch in die betriebliche Praxis umsetzen soll.

Wir sprechen demnach vom Unbekannten. Unbekannt ist, wie man Geld verdienen soll, warum man investieren soll, wie sich PR Kunden letztlich verhalten sollen. Also lieber nichts tun als etwas zu tun? Mitnichten. Die Antwort finden wir in einer anderen Branche.

Wer ist aber Meister im Einschätzen des Unbekannten, der das zu einem erheblichen Wirtschaftszweig ausgebaut hat und was kann von diesen Meistern des Unbekannten lernen? Versicherungen. Versicherungen kalkulieren (!) das Gestern, das Jetzt und das Morgen, um daraus Produkte zu kreieren, die künftige Risiken absichern, aber auch minimieren. Sie sammeln Informationen, sichten, analysieren. Sie haben nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern hingeschaut. Sie können demnach nicht sagen, ob ein Risikofall für den Kunden eintritt, sie können aber sagen, wenn das Risiko eintritt, wie man sich vor den Risikokonsequenzen schützen kann. Nochmals, der Risikofall liegt in der Zukunft, er ist nicht heute eingetreten, aber dennoch verdienen Unternehmen damit ihr Geld, für nicht eingetretene Ereignisse Produkte zu verkaufen. Ist das nicht noch irrer als das Problem der PR Agenturen? Und dennoch schon lange gelöst, obgleich auf den ersten Blick weitaus vakanter und unkalkulierbarer? In einer Welt voller Unsicherheiten managen sie die Information über die Zukunft. Und die Information selbst wird dadurch werthaltig. Versicherer sind Informationsmanager.

Was haben Versicherungen getan, um auf einen grünen Zweig zu kommen? Sie haben Risiken identifiziert. Kausalitäten aufgestellt. Wahrscheinlichkeitstabellen angelegt (die bekannteste dürfte die Sterbetafel (.xls) sein?). Aus den Eintrittswahrscheinlichkeiten und Faktoren heraus lassen sich Prämien kalkulieren. Das ist ihr Know How und zugleich Quell für Milliardengeschäfte. Klingt simpel, war es natürlich nicht. Aber ein Indikator und Beweis dafür, dass sich mit dem Unbekannten meisterhaft Geld verdienen läßt.

Nun kann man PR Agenturen folgendes fragen:
1. Wo bietet Ihr dem Kunden „Versicherungs“-PRrodukte für den Eintrittsfall der Kommunikation und Nichtkommunikation an?
2. Was beinhalten diese Versicherungsprodukte? Was wird abegsichert, was wird nicht abgesichert, was passiert im Fall des Eintritts, wie wird agiert, wer macht was?
3. Welche Faktoren habt Ihr identifiziert und welche Kausalitäten?
4. Welche Eintrittswahrscheinlichkeiten lassen sich für welche Kommunikationsmaßnahmen beobachten?
5. Wie managed Ihr das Risiko Eurer Kunden, um Risiken zu minimieren? Bei Kommunikation und Nichtkommunikation?
6. Welche Prämien kalkuliert ihr für künftige Eintrittsfälle ein?
7. Wie belohnt Ihr Eure Kunden für positives Verhalten, Eintrittswahrscheinlichkeiten zu senken?

Nennen wir es im Denkmodell „Social Media Police“. Ich habe bis dato keine derartige Social Media Police in hinreichender Güte gesehen. Nicht, weil es unmöglich ist, sondern weil die Denke der PR Agenturen so schrecklich altmodisch ist? Womöglich. Weil PR Fachleute moderne Betriebswirtschaft nicht inhalieren? Womöglich. Oder weil Kommunikation so weich und unkalkulierbar ist? Versicherungsrisiken sind letztlich noch weicher, aber dennoch kalkulierbar, weil man damit begonnen hatte, es rational zu gestalten, nicht aus dem Bauch, sondern vom Kopf her.

Alles beginnt beim Kopf. Da sitzt ein Rechenzentrum, das zu faszinierenden Leistungen fähig ist, Unbekanntes einzuschätzen, abzuwägen und in Handlungsanweisungen zu überführen.

Bin ich ein Freund von Versicherungen? Dem Ruf nach eigentlich nicht, aber vor der Faszination ihrer Ratio beuge ich mein Knie.

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