9/11 wird wohl geschichtlich gesehen für immer mit dem Name Osama verbunden bleiben. Nachdem ich mir einige Berichte zu dem Typen durchgelesen hatte – klar war der Anlass dessen Tod -, habe ich mehr den Eindruck gewonnen, dass der im Grunde nix auf die Reihe gebracht hatte. Weder schulisch, wirtschaftlich, militärisch, noch als Leader und Stratege. Selbst als Oberterrorist scheint er lediglich der Depp an vorderster Front gewesen zu sein, um dem Terror ein Gesicht zu geben. Wühlt Euch durch die vielen Berichte selbst durch. Das Bild verfestigt sich, egal wo man nachliest.

Erst kürzlich hatte ich eine Diskussion auf Facebook, ob man Osama demnach als Schadterroristen bezeichnen könnte? Und ob es demzufolge umgekehrt auch Nutzterroristen gab. Nutzterroristen? Schadbär? Ja, so kam der Hinweis, dass es mindestens einen Nutzterroristen gab, nämlich Georg Elser, der Hitler in seiner Aufstiegszeit umbringen wollte, was ihm leider nicht gelang. Er wurde kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs im KZ erschossen. Elser und Osama in einem Atemzug? Osama war anscheinend beides, je nachdem, welche Seite und welchen Zeitpunkt man betrachtet. Eine Ironie der Geschichte, oder? Als er in Afghanistan im Krieg der Bevölkerung gegen die Sowjets finanzielle Ströme managen durfte, war er der „Gute Terrorist“, in den Augen der USA. In den Augen der Sowjets ein Schadterrorist. Nach dem Krieg war er bei seiner Rückkehr eine Art von Held in Saudi Arabien. Obgleich er nur unter dem Strich ein Störfaktor für die Afghanen war. Er durfte es sich sogar erlauben, das saudische Königshaus zu kritisieren. Wäre er dabei geblieben, wäre er heute womöglich ein Volksheld in den Augen der Bevölkerung, ein Guter in den Augen des Westens. Ein Schadterrorist in den Augen des Königshauses. Nur konnte er es nicht lassen, musste weiter den nützlichen Idioten für Dritte spielen.

Am Ende? Ein nützlicher Idiot für alle möglichen Seiten gewesen zu sein, kann man als Leistung herausstellen. Wer auch immer welche Ziele verfolgt hatte und bis heute verfolgt, es war nützlich, eine Symbolfigur des Terrors aufzubauen. Und wie endet Osama im Netz? Als Depp, der für Spammer ein nützliches Klickvieh ist („finde hier das Exekutionsvideo“). Irgendwie ein bezeichnendes Ende für jemanden, der ein ganzes Jahrzehnt als Oberbösewicht der Welt galt, ein Jahrzehnt vor 9/11 gar ein Held war, aber wirklich nie was auf die Reihe gebracht hat. Nur einen Bockmist nach dem anderen gebaut hatte. Sinnlos wäre das richtige Wort.

Gedanken zu einem Menschen, der mich sozusagen seit 10 Jahren begleitet hat. Und in nichts besser als all die Figuren der Geschichte ist, die nur Leid und Tod den Menschen gebracht haben. Angefangen bei Alexander dem Großen über Julius Cäsar, bis hin zu weiteren Massenmördern wie Wallenstein, Napoleon und Stalin. Ok, er hat nicht ganz so viele Menschen um die Ecke gebracht. Geschichtlich gesehen hat es wohl nicht ausgereicht, in den Lehrbüchern honoriert zu werden. Es waren nicht genug Tote. Auch so eine Ironie. Stimmt, er war ja nicht staatlich abgesegnet.

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