Entries categorized as menschen

Michael “Holzwurm” Finger im Gespräch

02.08.2010 / 1 Kommentar

Die Holzindustrie gehört in Deutschland zu einer der umsatzträchtigsten Branchen überhaupt. Da müsste es doch im Web einige gute Anlaufstellen geben. Eine davon betreibt Michael Finger, sie nennt sich “Holzwurm” (Slogan: “Holz mit Knoff Hoff“) und gehört zu einer der meistbesuchten Holzseiten im deutschsprachigen Netz. Anlass genug, Michaels Seite und natürlich ihn in persona vorzustellen. Michael kenne ich schon lange und er ist durch und durch einer, der Holz im Blut hat, Holz denkt und Holz atmet. Ich könnte viele Eigenschaften von Michael nennen, aber drei möchte ich besonders betonen: Seine Ausdauer, seine Lernbereitschaft und passenderweise seine autodidaktischen Fähigkeiten. Seitdem ich ihn kenne, arbeitet er sprichwörtlich unermüdlich in Gedanken und onsite daran, diese Seite über Holz voranzubringen. Ich freue mich daher sehr, dass er mir einige Fragen über sich und seine Webseite beantwortet hat.

———————————–
1. Hallo Michael, stell Dich kurz unseren Lesern vor:
Michael Finger und seine Holzwurm-SeiteMein Name ist Michael Finger, Holztechniker und Hausmann von 4 Kindern und 1 Frau. Das mit dem Hausmann kam mehr oder minder aus gesundheitlichen Gründen und weniger aus beruflichen Gründen. Wobei ich sagen muss, ich mache die Hausarbeit gerne, das ist für mich keine Last oder Schlimmeres. Wie Robert schon oben geschrieben hat, mein Hauptinteresse liegt beim Holz und wie man es verarbeitet/bearbeitet und welche Technik dafür möglich ist. Mehr über mich kann man auf der About-Seite erfahren oder mich einfach anschreiben oder anrufen, ich beantworte fast alle Fragen.

2. Du betreibst die Holzwurm-Page wie lange schon?
Ich betreibe die Seite schon seit mehr als 8 Jahren, wobei ich zugeben muss, dass ich nur die eine Seite betreibe. Das Erstaunliche für mich selber ist, dass es mir immer noch so viel Spaß macht wie am ersten Tag. Leider sind viele Menschen von den Anfängen nicht mehr im Netz, das ist dann für jemanden wie mich immer sehr schade, weil ich mich gerne mit Menschen unterhalte.

3. Wie kamst Du dazu, die Seite in Betrieb zu nehmen? Warum machst Du das?
Ach, das war zu der Zeit als mein Vater an der Sägewerker-Schule in Bad Wildungen als freier Fachlehrer gearbeitet hatte. Er fand keine Infos zu dem Thema Sägewerkstechnik. Wobei ich sagen muss, dass ich gerne alte Bücher, Schriften und Artikel über Holz und -Technik sammle. Das wusste mein Vater und sprach mich an, ob man das nicht zusammenfassen könnte. Die Seiten sind auch die ältesten Seiten zusammen mit der Holztrocknung.

Warum ich das mache? Weil ich denke – und so langsam auch durch Gespräche weiß -, dass es sehr wenige Webseiten mit Grundlagen zu diesem Thema gibt. Das ist sehr schade, gerade bei Themen wo es mal nicht um Web oder Computer geht. Auch bedauere ich, dass Menschen in ihrer Rolle als Fachleute sehr wenig bis gar nichts zu Fachthemen schreiben. Das würde ich gerne mit der Webseite ändern, aber der Weg ist sicher noch sehr steinig, bis so ein Projekt bei den Fachleuten bekannt ist. Erstmal ist man eine von vielen Holzseiten im Netz, zum anderen misstraut man immer noch sehr Online-Fachartikeln. Aber es wird, ich habe erst neulich ein Gespräch mit einem Profossor für Holztechnik geführt. Er würde gerne mehr im Netz machen, aber leider brauchen Studenten und auch Universitäten Geld. Da suche ich gerade nach neuen Wegen und Idee, wie man das Internet und die Universitäten zusammen bringen kann, damit mehr Grundlagen online kommen und das Ganze auch noch in 5 oder gar 10 Jahren lebt. Es darf nicht so sein wie man es jetzt schon im Netz sieht, weil keine Besucher kommen und kaum Geld da ist. So werden einige Holzseiten nicht mehr gepflegt und weiter entwickelt, das möchte ich vor allen Dingen vermeiden.

4. Auf welcher technischen Basis läuft die Seite? Hast Du das alles selbst gemacht oder Dir helfen lassen?
Die Webseite läuft seit ca. 2007 auf Drupal, vorher war phpCMS im Einsatz. Nein ich habe nie wirklich was selber/alleine gemacht, da sind ganz viele Menschen, die dabei mitgeholfen haben. so wie Du, Robert bei dem Blog, “SuperMario” und Freeblogger.org bei der Technik nicht zu vergessen, “jegade“, der sich um den V-Server kümmert. Auch Netzwerke wie die E-Mail i-worker, nur um mal ein paar Menschen zu nennen. Mehr findet man auf der Dankes-Seite. Wobei ich ganz klar sagen muss, das ist keine Hilfe zum *Ich mache es dir fertig, sondern immer Hilfe zur Selbsthilfe (Lernen und selber umsetzen)*. Besonders stolz bin ich auf das Logo, das wurde von jemanden erstellt als Bewunderung für mein Durchhaltevermögen, sowas prägt einen und es freut einen sehr.

5. Magst Du etwas dazu sagen, wie viele Besucher die Seite hat? Wer sind Deine Besucher?
Bisher habe ich die Zahlen nicht veröffentlicht, denn ich persönlich denke, es kommt nicht auf Zahlen an, sondern auf die Menschen, die so eine Seite besuchen. Eine Webseite lebt von den Menschen, die sich einbringen und etwas von sich und ihrer Erfahrung dort lassen, für andere Menschen. Wenn es deinen Besuchern wichtig ist und es in den Kommentaren stehen sollte, dass man gerne wissen möchte, wie viel so eine Webseite besuchen, werde ich das gerne nachreichen.

Eine gute Frage, wer besucht so ein Infoportal, auf der es nur um Holz geht? An erster Stelle Menschen, die sich für Holz Interessieren und mehr darüber wissen wollen. Dann sind dort sehr viel Berufsschüler und Menschen, die sich speziell für Holzarten interessieren. Es gibt sogar den einen oder anderen Studenten, der dort nach Infos für seine Arbeit sucht. Also ein sehr gemischtes Publikum.

6. Was sind die Schlager auf der Seite? Das Blog? Der Holzatlas?
Der meist besuchte Artikel im Blog ist der “Holz-BH“, was ich selber immer noch nicht so ganz verstehe, aber den Menschen gefällt er. Sonst ist eigentlich der Holzatlas am häufigsten besucht, wobei da auch sehr viel Menschen daran mitgearbeitet haben. Die User vom Drechsler-Forum habe dafür sogar schon mal Geld gesammelt, damit ich mir im Rahmen des Holzatlanten-Projekts etwas kaufen konnte. Leider gehen dabei Grundlagen-Seiten unter, die schaut sich kaum einer an, bis auf die Seite CNC-Technik, aber das gibt es auch nur einmal in dieser Form im Netz.

7. Kannst Du davon bereits leben? Wenn nicht, woran hängt es noch? Was hast Du schon probiert?
Nein, man kann von so einer Seite nicht leben, dafür sind es einfach zu wenige Einnahmen. Wobei ich ja sogar dieses Jahr von Google zu einem AdSense-Workshop eingeladen worden bin und dort noch mal einiges an Info bekommen habe. Woran es genau liegt, weiß ich selber nicht genau, dafür muss ich zugeben, dass ich zu wenig von der Vermarktung verstehe. Das ist sicher ein Schwachpunkt, an dem ich arbeiten müsste, damit sich die Webseite weiter entwickeln kann.

Es läuft einiges auf der Seite wie zum Beispiel Google AdSense, Linklift, eBay und Amazon Bücher. Eigenvermarktung habe ich auch schon probiert, aber man bekommt dann immer die Antwort, die Seite wäre vom PR Wert her zu schwach. Das verstehe ich nicht wirklich, was der PR Wert über den Inhalt oder gar über die Besucher aussagen soll. Das ist wohl so bei Webseiten, sie werden nach Zahlen beurteilt und nicht nach ihrem Inhalt.

8. Wo möchtest Du gerne mit der Seite hin, was sind Deine Ziele?
Kann ich dir gar nicht sagen, denn ich weiß nicht, was die Besucher außerdem interessiert und wo es deren Meinung nach hingehen soll. Denn die Seite ist ja nicht für mich gemacht, sondern für die Menschen, die Infos über Holz und Technik suchen. Schau dir dazu mal das letzte Projekt auf der Seite unter Quellen- und Schwinden-Rechner an. Das ist entstanden, weil man gerne wissen wollte, um wie viel das Holz bei x% Feuchtigkeitsänderung schwindet oder aufquillt. Das ist schon sehr interessant, wenn man so im Laufe der Jahre sieht, wie sich die Meinung über eine Webseite ändert. Von dem, was sie leisten soll und vor allen Dingen was sie an Infos bereit halten soll.

Es gibt da Themen, die weder in gedruckter Form noch online zu finden sind. Holzwerkstoffe, das wäre so ein Thema, was man mit einer Uni angehen könnte. Es gibt mittlerweile ca. 1.000 verschiedene Holzwerkstoffe, aber um sowas langfristig umzusetzen, bräuchte man Geld und Webmenschen für die Technik. Das wäre bestimmt hochinteressant, das auch langfristig umzusetzen, so dass es auch noch in 5 Jahren gepflegt werden kann.

9. Du hast sicher einen guten Überblick, kann man sagen, dass die Holzbranche das Internet rege und auch auf moderne Art und Weise bereits nutzt oder siehst Du Nachholbedarf?
Die Holzbranche war mal sehr rege im Netz, aber wegen Mangel an Besuchern und zum Teil auch am Geld, entwickelt sich zur Zeit nicht sehr vieles weiter. Da ist sicher noch einiges zu tun, aber Holz ist nicht ein Buzz-Thema im Netz. Das ist sehr schade, denn man hat immer in seinem Leben mit Holz zu tun. Manchmal sieht man es nur nicht, wie zum Beispiel bei Häusern, die über einem Stockwerk nicht mehr unbedingt aus Stein sein müssten. Oder man schaue sich das US-Projekt Holz-Auto an (würde ich gerne mal real sehen und mich mit den Machern unterhalten, wobei ich zugeben muss, dass ich kein Englisch kann und einen Dolmetscher bräuchte). Für die meisten ist der Rechner immer noch eine Maschine, mit der sie nicht gerne arbeiten. Die Holzleute arbeiten immer noch gerne handwerklich und nutzen den Rechner nur zum Arbeiten, wenn es nicht anders geht. Das muss erst noch mehr zusammen wachsen, auf der einen Seite die Entwickler und Webverrückten – wie du Robert zum Beispeil – und auf der anderen Seite die Menschen, die das Web noch nicht so gut kennen und sich nicht mit IT oder Web beschäftigen. Für diese Art von Menschen ist es zum Teil sehr schwer, Infos zu einem Thema zu finden. Auch wenn man das in der heutigen Zeit manchmal gar nicht so glaubt.

10. Wenn Du an die Leser Fragen hättest, welche wäre das?
Mich würde am meisten interessieren, warum so wenige Grundlagen-Themen im Netz existieren, die eben nichts mit IT zu tun haben? Was muss so ein Holzwurm wie ich noch machen oder gar ändern, damit sich Websuer für das Thema Holz interessieren? Oder anderes gefragt, was muss anders werden, damit Holzverrückte und Webverrückte zusammen ein Stück des Weges gehen, so dass sich das in einem Infoportal weiter entwickelt; für Menschen, die nicht so webverrückt wie wir sind?
———————————–

Michael, lieben Dank für Deine Antworten!! Sagt man jetzt “Gut Holz”?

was kann ich über dich erfahren?

22.07.2010 / 11 Kommentare

In diesem Artikel beschäftige ich mich gedanklich mit den Notwendigkeiten der Offenheit und Transparenz. Und werde Ableitungen treffen, warum Unternehmensmitarbeiter speziell aus kommunikativen Bereichen im Netz präsent sein müssen, um es anhand eines konkreten Beispiels deutlicher/greifbarer zu machen. Thilo Specht hat mich mit seinem Artikel “Vordenker, Mitmacher, Nachtreter: Es lebe die Social Media Leitkultur! #nicht” dabei inspiriert und auf neue Assoziationsketten gebracht.

Ausgangspunkt
Wenn wir über das Netz in irgendeiner noch so flüchtigen Form Kontakt zu einem uns fremden Menschen auf privater oder beruflicher Ebene knüpfen, ist eine der wichtigsten Fragen dabei: Wer ist dieser Mensch, was macht dieser Mensch, was verbindet uns womöglich? Auch stellt sich bei bestimmten Abweichungen oder einem Mangel an Informationen die Frage des Vertrauens.

Einfaches Beispiel: Wenn ein Mensch auf meinem Blog kommentiert und einen Link hinterlässt, kann es sein, dass es sich um einen Link auf eine kommerzielle Seite handelt. Ich bevorzuge authentische Kommentare, jedoch keine larifari Kommentare, bloß um den Google-Wert der verlinkten Seite zu steigern.

Also checke ich die verlinkte Seite und suche Informationsstückchen über die Person. Gibt es eine About-Seite? Stellt sich die Person dort vor? Wie spricht und gibt sich diese Person? Gibt es Twitter-, Xing-, Privatblog- und/oder Facebook-Verweise, Fotos und Videos? All dies trägt dazu bei, dass ich mir in – je nach Bedarf, Kontaktdauer/häufigkeit, Abweichung von der Regel – ca. 1-10 Minuten ein Bild machen kann.

Erlernte Verhaltensweisen und neue Ausprägungen
Es ist im Grunde nicht anders als erlerntes Verhalten in der Realität. Nur, im Netz steht mir diese Person nicht gegenüber, ich kann meinen bewussten und unterbewussten Apparat nicht 1:1 wie in der Realität nutzen, um den Mensch über das Netz einzuschätzen. Je mehr ich daher von einer Person im Netz finde umso einfacher gestaltet sich das Zueinander und Miteinander.

Die im Netz oftmals eingeforderte Offenheit und Transparenz gegenüber Unternehmen kommt daher nicht von ungefähr. Es ist eben kein Revoluzzer-Geschwätz, sondern basiert auf menschlichen Verhaltensweisen, die schon lange vor der Erfindung des Internets erlernt sind und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Im Netz gestaltet sich das eben nur mit anderen Mitteln. Den Mangel an Sinnen im Netz kompensieren wir durch eine andere, informative Offenheit über unsere Person im Netz. Über Texte, (Bewegt-)Bilder und Akkustisches. Diese Transferleistung ist der eigentliche casus knaktus und daran zerschellen viele Überlegungen insbesonders seitens der Unternehmen, wie offen und transparent mein eigentlich sein soll und darf. Dabei liegt es auf der Hand, wenn man auf die Menschen in seiner Umgebung achten würde und sich längst etablierte Verhaltensweisen vor Augen hält.

Das, was wir im privaten Netzumgang miteinander erlernt haben, übertragen wir selbstverständlich auf Kontakte mit Menschen – die beruflich unterwegs sind – und deren Unternehmen. Mehr Offenheit, mehr Transparenz. Im vorauseilenden Sinne, denn wir können nicht wissen, mit wem wir es morgen zu tun haben, aber wir können es demjenigen erleichtern, sich ein Bild von uns zu machen. Das ist keine Frage der Unternehmenskultur, sondern eine essentielle Frage des Zugangs im menschlichen Miteinander via Netz.

PR-Profis ratlos im Umgang mit Offenheit und Transparenz
Unternehmen lassen sich gerne davon irritieren, wenn man sie mit den Forderungen an Offenheit und Transparenz immer und immer wieder konfrontiert, indirekt über die Entwicklungen im Netz. Dabei geht es zunächst nicht um das Unternehmensgebilde. Mir ist es doch Jacke wie Hose, ob links die Buchhaltung sitzt und rechts gegenüber die Revision. Das interessiert mich null. Ich will gar nicht das gesamt Gebilde bis ins letzte Detail kennenlernen (völlig unabhängig, was Betriebsinterna sind). Um was gehts aber, wenn man von Offenheit und Transparenz spricht?

Auf einer PR-Veranstaltung stellte eine PR-Beauftragte die Gretchen-Frage: “Muss ich als PR-Mitarbeiterin auch einen Teil meiner Person von mir preisgeben? Ich als Person würde gerne außen vor bleiben, wenn möglich. Ich bin Mitarbeiterin von XYZ, das muss reichen.
Das kann diejenige nach wie vor auch bleiben, man muss lediglich etwas Transferleistung vollbringen. Im geschäftlichen Realumgang miteinander gibt es längst etablierte Verhaltensweisen. Das Private bleibt je nach Kultur mal weniger mal mehr außen vor. Die Frage ist dabei, wie viel man als Person von sich preisgeben muss (über Gesagtes, Gestik, Mimik, Klamottencode), um dem Gegenüber die Möglichkeit zu bieten, sich ein Bild zu machen, das für Weiteres mindestens ausreichend ist. Diese Frage gilt ebenso im Netz. Das Unternehmen ist als solches über seine Marke und Imagewerte nicht unwichtig, aber nicht zentral.

Kontaktiert mich demnach eine PR-Person – also ein waschechter Kommunikationsprofi, der sich bestens mit menschlichem Verhalten auskennen sollte (daher dieses Beispiel “PR-Mensch”) – so kann ich nach wie vor nicht verstehen, warum dieser Mensch so gut wie keine Netzspuren hinterlassen hat. Aus gebotener Offenheit und Transparenz. Der- oder diejenige macht es sich nur unnötig schwer. Ich muss in diesem Kontext nicht zwingend wissen, ob es sich um einen Menschen handelt, der privat Blumen züchtet und gerne Schach spielt. Schaden würde es nicht. Wichtig ist mir primär, dass ich die agierende Person in seiner Rolle als Firmen-Mitarbeiter besser einschätzen kann. Und zwar über das übliche Maß an meistens nichtssagenden “wischi waschi”-Mitarbeiterprofilen hinaus.

Was wäre ratsam, um Offenheits- und Transparenzgrade im Netz mindestens zu erfüllen?
Idealerweise hätte dieser PR-Mensch ein eigenes PR Blog, wo er sich Gedanken über seine Arbeit macht. Gut wäre ein Xing-Profil. Nett wäre ein privates Facebook-Profil. Tweets auch. Ein Mitarbeiterprofil? Ok, wenn nicht nichtssagend.

Nehmen wir uns als Beispiel Thilo Specht. Thilo ist in seiner Rolle als Privatperson aber auch als beruflich agierende Person im Netz unterwegs. Ich finde ihn auf Twitter unter @tspe, er betreibt ein beruflich ausgerichtetes Blog namens Cluetrain PR, auf Facebbok hat er dazu eine eigene Page eingerichtet, sein Facebook-Profil ist natürlich ebenso vorhanden wie ein Xing-Profil. Die Agentur, für die er arbeitet, bezeichnet sich als “Agentur für Public Relations und Marketing-Kommunikation“. Das Mitarbeiter-Profil zu Thilo ist zwar vorhanden, aber das kann man getrost vergessen, das hilft nicht wirklich weiter, mir ein Bild zu machen. Die Bilder habe ich an anderen Stellen viel besser geliefert bekommen. Die Bilder, die Thilo sendet. Ich könnte weitere Beispiele von Vorreitern nennen, die Offenheit und Transparenz bieten. Schaut Euch dazu zunächst das Profil von Frank Hamm an. Von da aus könnt Ihr weitersurfen, um das Bild zu komplettieren.

Ergo? Wäre ich einer, der von Vorreitern wie den Thilos und Franks dieser Welt kontaktiert wird, hätte ich im Handumdrehen mein Informationsbedürfnis gestillt. Als Kunde würde ich mich froh schätzen, wenn ich von diesen Profis digital Unterstützung bekommen würde. Als Blogger habe ich es einfacher, mich mit Thilo und Frank zu unterhalten und nicht den Kontakt zu verweigern. Diese Prinzipien im 1:1 Umgang lassen sich selbstverständlich auf den 1:n Umgang übertragen.

Fassen wir zusammen:
- Kontakte via Netz werden erheblich erleichtert, wenn man schnellstmöglich über ein Mindestmaß an Informationen rund um die Person erhalten kann.
- Die Fülle an Informationen muss nicht komplett den Mensch als Privat- und Geschäftsperson umfassen, es besteht dazu keine Notwendigkeit beim Erstkontakt.
- Das Maß an Kontrolle über die eigene Privatsphäre, was man von sich sendet, und das Maß an eingeforderten Offenheits/Transparenzgraden beißt sich demnach nicht. Je nach Kontext ist ein unterschiedliches Maß an Informationen über die Person notwendig. Im privaten Umfeld ist das weicher definiert, im geschäftlichen Umfeld bei zielgerichteten Handeln ist das klarer definiert.
- Offenheit und Transparenz von Unternehmen ist nicht die Forderung an Unternehmen, sondern eine konsequente Forderung an in der Öffentlichkeit arbeitenden Mitarbeitern. Wir sprechen im Netz nicht mit Unternehmen, sondern mit Personen. Marken und Imagewerte von Unternehmen helfen hierbei nur bedingt weiter.
- Offenheit und Transparenz gegenüber Privatpersonen ist eine Forderung, die Kontaktanbahnungen wesentlich erleichtert. Wer daran kein Interesse hat, kann als Person im Hintergrund bleiben und komplett anonym kommunizieren. Derjenige muss damit rechnen, dass der Vertauensprozess wesentlich länger andauert.
- Marketing/PR Profis, die Offenheit und Transparenz gegenüber sehr kritisch bis hin zu absolut negierend eingestellt sind (meistens schwurbeln und lästern sie über Social Media ab), arbeiten meiner Erfahrung nach meistens bei großen Agenturen und stolpern vor lauter zielgerichteten Handeln und Strategie-Folienarsenalen über die banalsten Verhaltensweisen im menschlichen Umgang miteinander, wenn es um Fragen geht, wie man im Netz mit Kunden spricht.
- Offenheit und Transparenz sind keinen Fragen der Unternehmenskultur, sondern eine Frage, ob sich Unternehmensmitarbeiter vernunftorientierten, mit dem Netz einhergehenden Verhaltensmustern öffnen wollen.

Update
Prof. Thomas Pleil via Facebook: … die Unternehmenskultur hat schon auch Einfluss, z B, ob und wie Mitarbeiter kommunizieren duerfen oder wie mit Problemen umgegangen wird.

Reply: Das ist richtig, was die (un)sichtbare Ausprägung des Verhaltens im Netz angeht, allerdings kenne ich keine Unternehmenskultur, die das Vorstellen von agierenden Personen im Unternehmensumfeld per se untersagt. Sprich, die Unternehmenskultur ist längst vorhanden, wir sprechen nur noch darüber, ob man das Go für die gleichen Verhaltensweisen auf den Kanal Internet ausdehnt. Das bedingt keine Änderung der Unternehmenskultur in sich, sondern eine Ausdehnung der Kultur.

Weitere Zusatzhinweise:
- Kommentar von Prof. Thomas Pleil erneut zur Unternehmenskultur als Barriere

- Christian Henner-Fehr zur klarstellenden Unterscheidung zwischen persönlichen und privaten Inhalten unterscheiden

- Frank Hamm präzisiert Christians Punkt, was man als beruflich-präsenter User an Informationen darstellen kann und sollte. Und geht wie Prof. Pleil auf die Frage der Unternehmenskultur ein

Burning-Nettime

08.07.2010 / 18 Kommentare

mir kommt es schon vor, als wäre es irgendwann im letzten Jahrzehnt passiert, als ich am 18.12.09 angekündigt hatte, meinen Twitter-Account loszuwerden. Das löste im Twitter-Dorf helle Aufruhr aus, mehrere tausend Tweet-Reaktionen, dazu einige Reaktionen in den Blogs und Medien. Als reale Person stand ich am Spielfeldrand und bewunderte das römisch anmutende “panem et circenses“-Treiben. So viel sportliches Kommentieren um einen Twitter-Account? Ein Teil meiner Person, das sich des Eulenspiegel-Gens erfreut, musste angesichts der Ausrufe der Auguren schmunzeln. Er – der RobGreen – würde all seine Follower verlieren. Wohlwissend, wie kurzzeitig Reaktionen im Netz auflodern und wieder verbrennen. Ich nenne das für mich “Burning-Nettime”. Bis heute tragen es mir einige Personen nach, welche, die mich kennen, welche, die mich nicht kennen. Letztlich ok, um mein Image habe ich mich bis dato wenig gekümmert, kümmere mich bis heute kaum darum. Immer schon zum Leidwesen meines Vaters, der meinte, ich solle doch mal endlich an die Leute da draußen denken (er meinte natürlich nicht das Netz damals, das interessiert ihn bis heute zero).

Viel spannender sind aber die Zahlen, Zahlen mag ich:) Schauen wir mal auf die Grafik, die die Follower-Entwicklung von September 09 bis Juli 10 aufzeigt. Wie wir sehen, köchelt die Followerzahl kurz nach der Ankündigung Mitte Dezember um ca. 4% von rund 5.000 auf rund 4.800 Follower herunter. Dieser Prozess hält bis Ende Januar 10 zum lowest level an. Danach geht es wieder hoch, im Mai hatte ich den Count von 5.000 wieder erreicht. Komischerweise geht es letzte Zeit ziemlich ruckartig nach oben, keine Ahnung warum, ob z.B. immer mehr deutschsprachige User zu Twitter dazustoßen. Würde man die Chart von September 09 – Dezember 09 als Trend zu Grunde legen und bis heute projizieren, landet man bei ca. 6.000 Followern statt den heute faktisch vorliegenden ~5.500.

Sprich, abertausende negativer Tweets und einige hundert Blog/Kommentare haben keine mittelfristigen Auswirkungen auf die Follower-Zahl in Twitter. Da ich kein Anthropologe bin, vermag ich nicht zu sagen, welche Faktoren damit wirklich und grundlegend zusammenhängen. Gab es re-follower, handelt es sich rein um neue Follower, etc.? Was ich nur weiß ist, dass die Burning-Nettime ziemlich kurzfristig ist. Daraus könnte man Ableitungen auf die Nokia-Schließung des Bochum-Werkes oder aber sogar anderer PR-Fälle treffen. Nokia, Bochum? Google it :)

das Leid der Macher?

06.07.2010 / 5 Kommentare

Frank Schmiechen schreibt in “Beschimpfungen aller Art” auf seinem frisch eingerichteten Blog:

Man hat sich ja beinahe daran gewöhnt. Unterstellungen, Beleidigungen, Verdrehung von Tatsachen prasseln besonders nach der Scrolledition von WELT KOMPAKT auf mich, die Macher aus der Redaktion und die beteiligten Blogger ein. Aber auch jeden anderen Tag. Man muss damit leben, sagen die Kollegen. Will ich aber nicht. Deswegen habe ich mir dieses Plätzchen eingerichtet, um meinen Ärger los zu werden…

Je platter der Slogan, desto lauter der Jubel. Da spüre ich an vielen Tagen einen leichten Würgereiz und auch ein bisschen Angst.

Frank Schmiechen braucht kein Mitleid, keine Bemitleidung, weder sage ich ihm das nach noch ist das etwas, wonach er sucht. Er stellt lediglich fest, was viele feststellen, die irgendwas “machen”. Vor allen Dingen, wenn sie es so machen, dass es anders und neuartig anmutet. Und (!) für eine offene Informationspolitik sorgen, so gut es geht. In dem Fall ging es eben um die Scroll Edition, auf das ich bereits gestern eingegangen bin.

———————————-
Wer sich selbst ein Bild von der Welt Kompakt Scroll Edition machen möchte und dann nach der Durchsicht mitreden will: Kostenloser Download (via Massenpublikum)
———————————-

Dass man irgendwann die Nase so richtig gestrichen vor lauter Geblöke voll hat, ist nur zu verständlich. So auch Sachar, der Franks Artikel kommentiert und mit den Worten schließt:

Während wir noch bei Springer saßen, schrieb ich folgenden tweet „Wir sind uns übrigens darüber im Klaren, dass Ihr die @weltkompakt morgen zerreißen werdet. So oder so #wk107″. Warum das so klar war? Weil nicht einer – weder Blogger noch Journalist – hinterher auf die Idee kam, eine fundierte Blattkritik zu liefern und auch mal konstruktive Vorschläge zu liefern, wie eine „Welt Kompakt powered by Web“ besser aussehen könnte. Weil der Mensch destruktiv ist.
Ich bin es leid…

Der Mensch ist beides zugleich, destruktiv und konstruktiv. Je weiter wir von dem Objekt der Betrachtung entfernt sind umso weniger nehmen wir emotional beide Seiten wahr. Je näher wir uns in die Mitte der Betrachtung annähern, umso größer erscheinen die Ausschläge. Letztlich können wir beides. Wenn wir etwas Neues bauen müssen, hindern uns unsere Erfahrungen – exakt das, was uns als lernende Wesen zu der momentan dominierenden Spezies auf diesem Planeten erhoben hat – zu weit nach vorne zu denken. Wir sind so nicht geschaffen worden. Jeder weitere Meter nach vorne sprengt unseren Intellekt im exponentiellen Ausmaß scheinbar. Ob es ein Selbstschutz für lernende Wesen ist? Eine Art Sicherung? Womöglich. Logisch. Neues wird aufs Schärfste begutachtet, kritisiert, gelöchert und zerlöchert. Das müssen wir, sonst wären wir nicht Mensch.

Wenn man sich das Ergebnis des Neuen, wenn es denn einmal akzeptiert und angenommen ist, anschaut, muss man lachen. So banal und winzig erscheint der Fortschritt, wenn man den faktischen Unterschied zu früher betrachtet, dennoch ist die Lösung ein gefühlt großer Fortschritt. So deutlich lag die Lösung vor einem, dass man sie im Gestern nicht gesehen hat? Und darum haben sich Menschen förmlich bis aufs Blut geprügelt, gestritten und Millionen von Gedankenkilometern ausgetauscht?

Ja, es gehört eine Menge Frustbereitschaft dazu, sich durch diese Fortschrittsprozesse durchzuquälen, Nein-Sager, Geht-Nicht-Sager, Doof-Sager anzuhören. Manche Macher und Vordenker geben dabei auf, andere nehmen den Ball auf und spielen eben weiter. Ohne Biss und Durchhaltevermögen geht nichts. Wer probiert, wird sich diesem kritischen Prozess der Begutachtung unterwerfen müssen. Das ist nix für Zaghafte noch etwas für Halb-Optimisten. Fehler produzieren gehört dazu, auch das macht uns alle aus.

Im Netz mag das eine Ecke härter erscheinen, sich Kritiken ausgesetzt zu sehen, weil es eher lauter und knalliger denn im persönlichen Gespräch wird. An der Sache ändert es nichts. Wer von etwas wirklich überzeugt ist, wird sein Ding durchziehen. Bis er erkennt, dass es im Endergebnis gut war oder eben nicht. Das Endergebnis wird aber durch eine Unzahl von Zwischenergebnissen definiert. Ja, nach tausenden von Iterationen, das ist das Problem dabei. Dieses “Unterwegs” bereitet Kopfzerbrechen. Wer sich beim “Unterwegs” dem Kunden öffnet, der wird – sorry – auf die Fresse bekommen. Das ist das, was der Welt Kompakt passiert ist, unweigerlich.

Letztlich darf man nicht den Fehler machen zu glauben, die Menschen würden einen mit offenen Armen empfangen, egal was man Tolles vor hat, solange etwas nicht wirklich fertig im Sinne des wohlwollenden Kunden ist. Wer das glaubt, verliert. Wer das nicht glaubt, muss fähig sein, unentwegt Punches einzukassieren und ebenso diese vorab einzukalkulieren. Das spielt insbesondere dann eine Rolle, wenn man mit unfertigen Produkten balanciert und in dieser Frühphase der Entwicklung das ungare Produkt dem öffetnlichen Augenschein des Kunden überlässt. Im Grunde genommen eine klasse Sache, der Kunde kann bereits früh Einblicke gewinnen, Feedback abgeben, um das Produkt besser zu machen, gemeinsam. Wenn da nicht unsere Neigung wäre, Dinge gerne zu zerreißen, sobald irgendein auch noch so kleiner Mist nicht passt.

Alternative? Schaffe ein in sich geschlossenes, vom Kunden in der Entwicklungsphase abgeschottetes System, das damit die Schläge auf ein Minimum reduziert, unfertige Produktszenarien gar nicht erst aufbaut. Das ist auch übrigens zugleich der Grund, warum sich viele Unternehmen eher das Herz rausreißen würden denn in Frühphasen unfertige Produkte zu präsentieren. Sie tun alles, damit ein Produkt dermaßen kontrolliert über alle Phasen hinweg an den Start geht, damit die Kunden yipieeh schreien. An sich spielen sie lediglich ein gigantisch inszeniertes Theater, etwas, das Apple grandios beherrscht. Über das Netz hat sich diese Problematik noch weitaus verschärft: Die kritische Masse im wahrsten Sinne des Wortes wartet nur darauf, sich zu überbieten. Wenn etwas nicht funzt wie erwartet. Ein unfertiges Produkt zur Diskussion stellen? Doofen Kunden, die nicht lesen können, ein vermeintlich fertiges Produkt zeigen? Panisch ist ein noch zu niedliches Wort für das Wagnis, dessen sich die Unternehmen aussetzen würden.

Tja, so bleibt das Leid der Macher der neuen Generation, die am offenen Herzen operieren, andere zum Mitdenken und Mitmachen einladen. Die daran glauben, dass man mit Hilfe des Internets Zusammenarbeit auf eine neue Stufe hieven kann. Ich finde diesen Weg irgendwie charmanter als den alten Weg, den Weg von Apple und anderen Unternehmungen. Spannender, aufregender und ungewisser zugleich. Wer sich für etablierte Wege interessiert, kann ja weiterhin das Schaffen von Apple bewundern. Produkt kaufen und gut ist. Cool.

Mensch machen Fehler, Du nicht

25.06.2010 / 21 Kommentare

Wenn Du den Fall MSPRO vs. FAZ noch nicht kennst, dann lies das zuerst. Short story, Blogger bloggt für FAZ, nutzt Bilder ohne kommerziellen Verwertungsrechte, FAZ klemmt Blog ab. Man einigt sich, nicht mehr zusammen zu arbeiten, so wie es aussieht.

Man kann viele Betrachtungsweisen annehmen, pro/contra oder neutral, jedem sein Ding. Was mich schreckt, sind persönliche Angriffe. Gerichtet gegen MSPRO aber auch Personen bei der FAZ. Wo ist das Maß? Wo das Auge für Ausgewogenheit? Wo das Mensch-Sein?

Ein Mensch sagt:

Denn dass dieser [sie meint mspro] es mit seinen Bildquellen nicht so genau nahm, ist mir schon vor geraumer Zeit aufgefallen. Ich kann so ein respektloses (vor den Leistungen anderer), egoistisches und asoziales Verhalten nicht ab

Kennst Du mspro? Woher weißt Du, dass er respektlos, egoistisch, asozial ist? Heißt umgekehrt, Du kennst ihn nicht und erlaubst Dir dennoch, Dich über einen Menschen zu stellen, obgleich Du mit Sicherheit mit einem Haufen Fehlern übersät bist?

Ein anderer Mensch schrieb was von Bücherverbrennung, der Link ist es nicht wert, um diesen Vorwurf gegenüber der FAZ überhaupt zu würdigen.

Das ließe sich beliebig fortsetzen, ein Blick in die Kommentare an den verschiedensten Publikationsstellen genügt. Auch wenn ich die Handlungsweise von mspro nicht sonderlich smart finde, er ist und bleibt ein Mensch. Ebenso die betroffenen Mitarbeiter der FAZ. Wir machen Fehler, was ist daran schwer zu verstehen? Andere machen größere, andere kleinere Fehler. Wir bleiben immer Mensch. Bezeichnet ein Richter einen Menschen vor Gericht als dumm, dämlich, asozial, blöd? Es gibt etwas, für das wir lange kämpfen und viele sterben mussten: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist nicht ein hohler Satz. Diese Würde wird einem nicht entzogen, wenn man Fehler macht. Auch nicht von denen, die glauben, dass sie fehlerfrei sind. Uh, er hat Bilder verbloggt, ohne die Rechtelage zu beachten? Uh… Menschverbrecher? Uh… er hat das Blog gesperrt, uhh.. Menschenverbrecher?

Zeige bitte, dass Du Respekt hast, ja, Du. Und beweise, dass Du menschliche Würde verstanden hast. Schlage Geschichtsbücher auf und lies Dir durch, was das Gegenteil davon bedeutet.

Ich kann meine Klappe nicht halten, weil ich diese Verhaltensweisen als Blogger weit von mir weise. Ich bin nicht perfekt, andere Blogger sind nicht perfekt, die FAZ ist nicht perfekt. Der Umgang miteinander wird uns vorauseilen, damit der Respekt vor Bloggern zugleich. In den Kommentaren lese ich wiederholt, dass es auf “uns Blogger abfärben würde, wie wir uns in dem Fall verhalten, [zickig, doof, blöd...]“. Sorry, aber ist eine ganz miese Generalisierung. Was einzelne an Kommentaren von sich lassen, dafür stehen ich und andere auch nicht ein. “Die” sind nicht “wir”.

Tags:

Jobs: Firma sucht und findet

25.06.2010 / 8 Kommentare

liebe Firmen in und um Leipzig, auch anders wo, habe was für Euch. Ich kenne Martin, ich schätze ihn und glaube, dass Ihr zugreifen solltet. Bericht garantiert, wenn Ihr Euch einig werdet!

Martin? Wer ist das und was bietet er Euch? Anbei ein Interview mit ihm:

———————————————-
hi Martin,

ich habe Deinen Tweet gelesen, dass Du einen Job als Mediengestalter im Raum Leipzig im Bereich Design & Fotografie suchst. Und verlinkst dort auf Dein Portfolio.

Da ich Dich als Blogger schon länger kenne und schätze, habe ich Fragen an Dich, vielleicht hilft es, dass Arbeitgeber auf Dich aufmerksam werden.

Beschreibe Dich als Person recht knackig selbst, was macht Dich aus, wie tickst Du?
Ich bin 25 Jahre alt, komme aus Leipzig und liebe diese Stadt. Ich mag es die Welt durch eine Kamera zu betrachten und bin auch sehr in dieses Web 2.0 verliebt. Ich bin stetig offen für neue Dinge und probiere viele verschiedenen Arten der Gestaltung aus. (Streetart, Magazin-Gestaltung, Webdesign) Natürlich bin ich auch ein Twitter, Facebook & Blog-Verrückter.

Warum bist Du Mediengestalter geworden? Was reizt Dich daran?
Eigentlich fing alles mit einer 1,3 Megapixel Kamera im Dezember 2000 an. Ich war einer der Ersten mit einer Digicam und alle waren begeistert, dass man sich diese Bilder ja sofort anschauen kann. Mit 14 hab ich mich dann so langsam an die Bildgestaltung gewagt. Ich hab mich durch diverse Grafikforen gekämpft und mir dabei sehr viel Kritik erarbeitet. Natürlich wollte ich diese Grafiken & Fotos auch online stellen. Mit Word 97 hab ich mir damals meine 1. Webseite gebastelt und bin seitdem immer dran geblieben. 2004 hab ich dann eine Ausbildung zum Mediengestalter angefangen und diese dann auch 2007 erfolgreich abgeschlossen. Halt irgendwie mein Hobby zum Beruf gemacht. Gerade die Vielseitigkeit eines Mediengestalters reizt mich. Ob ich nun ein WordPress Theme basteln oder eine Print-Broschüre, alles hat seinen Reiz. Die Fotografie ergänzt es dann noch sehr gut. Der Mediengestalter ist die klassische Eierlegende Wollmilchsau.

Gibt es Projekte, die Du als Mediengestalter als Vorbild betrachtest?
Was ich sehr bewundere sind Straßenkünstler, die ohne ihren eigenen Namen zu nennen, abstrakte Kunstwerke schaffen. Ich mag Werbung, die nicht inszeniert ist, z.B. die vor ein paar Monaten am Trafalgar Square. Sowas kann man nur bewundern. Dies dann auch in allen Kanälen (Twitter, Facebook, Print, TV) publik zu machen ist sehr spannend.

Was wäre Dein Traum-Arbeitsplatz und-Arbeitgeber?
Ich hab schon einiges durch. Ich habe bei einer sehr großen Leipziger Internetfirma gearbeitet und bei einer 3 Mann-Firma. Was ich sehr mag, wenn die eigenen Mitarbeiter gefördert werden und diese auch eine eigene Stimme haben.

Suchst Du eine Angestellten-Stelle oder handelt sich um einen Job als Freelancer?
Ich suche einen festen Job. Mein letzter Arbeitgeber musste im Februar leider Konkurs anmelden und seitdem probiere ich mich durchzukämpfen. Ich versuche meine Blog etwas zu pushen und fotografiere derzeit sehr viele Leute. Ein kleines Nebengewerbe habe ich auch, was aber derzeit auch erst anläuft.

Gibts Du mir eine Cola aus, wenn sich über dieses Blog ein Arbeitgeber findet?
Eine Cola? Ich baue einen Robert-Basic-Schrein und bete dann vor dem Schlafengehen immer zu meinem neuen Gott. ;)

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Suche!!
———————————————-
Ok, das mit dem Schrein brauchens wir nicht, mach einfach weiter als Mensch wie Du bist :)

Tags: ,

Jörg Berger verstorben

24.06.2010 / 3 Kommentare

der ehemalige Trainer der Eintracht Frankfurt ist am Mittwoch, dem 23.06.2010 verstorben. Unvergessen bleibt er uns als Trainer im Abstiegskampf 1995 in Erinnerung. Ruhe in Frieden, aber mögen sie da oben vielleicht auch Fußballtrainer brauchen, habe Deine Passion erneut!

via @textundblog

dem Paetzel sei Dank

14.06.2010 / 1 Kommentar

heute steht auf Twitter geschrieben:
Wie sagt man so schön, “Haken dran” offiziell kein Azubi mehr ;) Prächtiiiiiiiig (@paetzel)

Lieber André,

ich gratuliere Dir herzlichst und wünsche Dir nun das Beste nach Deinen Lehrjahren, die ja bekanntlich jetzt erst wirklich beginnen! Und möchte mich auf diesem Wege ganz besonders bei Dir für Deine tatkräftige Unterstützung beim Buzzriders-Projekt bedanken, bei dem Du seit Beginn an mitschiebst und mithilfst, Türen aufmachst, mitdenkst, mitfieberst. Ich möchte damit die anderen tatkräftigen Unterstützer ganz sicher nicht vergessen, aber heute ist eben Dein Tag, Ex-Azubi :)

Tags:

Wie schnell ändern sich Zeiten?

13.06.2010 / 6 Kommentare

schon zu meinen Schulzeiten fand ich Geschichte extrem spannend. Die Vorstellung, wie damals Menschen gelebt, gedacht, sich angezogen, sich abgemurkst, sich neu erfunden haben, hat mich schon immer fasziniert. Was mich am meisten erstaunt, welches Tempo wir Mensch dabei an den Tag legen. Für manche Dinge wiederum brauchen wir extrem lange, das wird deutlich, wenn man sich mit der Herkunft von Familiennamen beschäftigt, eine überaus spannende Geschichte. Angefangen von der Idee (die Bevölkerung nahm zu und siedelte dichter vaD in Städten, so wurde die Unterscheidung rein nach dem Vornamen irgendwann zu undeutlich) bis hin zur gesetzlichen Normierung. Überhaupt die Idee als solche, Menschen Bezeichnungen zu geben, um sie besser zu unterscheiden, um die Bezeichnungen dann komplexer zu gestalten, erscheint banal, ist aber grandios. Ideen und Einsichten treiben uns voran. Manche Dinge können wir nicht gleich realisieren. So kann man sich die Frage stellen, ob eine Demokratie vor 1000 Jahren mangels bestimmter Voraussetzungen – zB im kommunikativen Bereich – überhaupt funktioniert hätte?

Betrachten wir die Zeitspanne vom Jahr 1 n.Chr. bis heute 2.010 n. Christus. 2.000 Jahre erscheinen unglaublich lang. Und was ist nicht alles in dieser Zeit passiert?

Doch man muss sich eines vor Augen halten: Was heißen schon 2.000 Jahre, wenn man sich fragt, wie viele Generationen diese Zeitspanne umfasst? Wenn ich richtig gerechnet habe, so leben in einem Jahrhundert 4 Generationen. Idealtypisch: Die Ur-Großeltern werden um die Jahrhundertwende geboren, die Großeltern im ersten Viertel des Jahrhunderts, die Eltern ungefähr zur Mitte, die Kinder im letzten Viertel eines Jahrhunderts. Wenn wir die Zahl 4 zu Grunde legen:
- eintausend Jahre umfassen 40 Generationen
- so begann die Geschichte von Martin Luther vor 5 Jahrhunderten = 20 Generationen
- so endete das römische Reich vor rund 15 Jahrhunderten = 60 Generationen
- die Geschichte Jesu begann vor 20 Jahrhunderten = 80 Generationen
- das deutsche Reich (1871) wurde vor gerade einmal 5 Generationen gegründet
- das Reich der Sumerer existierte im 4. Jahrtausend vor Christus = 240 Generationen
usw usf

Überlegt man sich dann, wie sich Gesellschaften, Nationen, Gebräuche, Wissen und Sprachen verändert haben, erscheint einem das angesichts dieser dramatisch niedrigen Generations-Iterationen bei Weitem nicht mehr so langsam. Eines meiner Lieblingsbeispiele ist die Tatsache, dass Homosexuelle und Unverheiratete Mitte des letzten Jahrhunderts keine Mietwohnung bekamen, die Frau als Hausfrau abgestempelt war, unsere Großeltern und Eltern merkwürdigen Ausgehritualen ausgesetzt waren, wenn man an die Kleiderordnung denkt. Und diese Zeitspanne erscheint einem wie gestern. Die Änderungen jedoch sind dramatisch.

Heißt: Wir Menschen verändern uns und unsere Umgebung in dramatisch kurzen Zeitspannen. Exakt das halte ich mir immer vor Augen, wenn ich mich im Internet tummel und daran denke, welche Auswirkungen es auf uns in lediglich 4 Generationen haben könnte. Zwei Generationen, die das Aufkommen des Internets erlebt haben, eine dritte Generation, die damit von Beginn an aufwächst und eine nachkommende Generation, die 100 Jahre nach Erfindung des Internets kaum noch emotional durchdringen können wird, wie es “damals” zu den “Frühzeiten” aussah.

Summa summarum schmunzel ich stets über die Menschen, die der Meinung sind, dass sich “nichts so schnell ändern wird”. Die in ihrer Zeit denken, aber kaum ein Gespür noch Vorstellung haben, dass sie von Veränderung umgeben sind.

André Vatter: Basic Thinking ade

31.05.2010 / 3 Kommentare

was klar, als Basic Thinking eine neue Stelle ausgeschrieben hat: André, der Redaktionschef bei Basic Thinking, geht zum 30.06. von Bord und wird sich neue Abenteuer suchen.

In seinem Artikel beschreibt er seine Erfahrungen in der Zeit nach der Übernahme bis heute. Ich kann mich noch sehr lebendig an sein Posting “Basic Flashback: Danke für das ‘Arschloch’, lieber Leser!” erinnern, das war reinstes Blogger Rock’n'Roll. Aber auch an eines seiner ersten Postings, damals am 17.01.2009. Aufgrund der Nähe zum Leser ist das Betreiben eines Blogs gerade für professionelle Schreiber eine völlig neue Erfahrung, die man erstmal meistern muss. Dienst nach dem 08/15 Schema kann man knicken. Zumal es mental gesehen mehr Kraft kostet als ein herkömmlicher Redakteur aufzubringen hat. Was nicht zu unterschätzen ist. Wer da keinen Bezug zu Menschen hat und den Kontakt scheut, aus der Nähe nicht an Power schöpft, wird nicht weit kommen. Umso mehr ist die Leistung von André beachtlich, der als eher klassisch arbeitender Redakteur diesen Switch nach der Übernahme des Jobs bei BT erstmal hinbekommen musste.

Natürlich habe ich die Entwicklung des Blogs mit Spannung verfolgt und gehofft, dass es weiter nach oben geht. Und André hat zusammen mit seinem Team ganze Arbeit geleistet.

Ich bin mir sicher, dass André nicht nur bloß Talent hat – das er auf die Straße bringt-, sondern auch mit seinem Elan und vor allen Dingen seiner menschlichen Art eine Bereicherung für jeden, passenden Arbeitgeber wäre. Was die Erfahrungen angeht, so findet man nicht an jeder Ecke jemanden, der in der klassischen wie auch modernen Welt der schreibenden Zunft unterwegs ist. Auch und gerade das macht ihn zu einem sehr geeigneten Kandidaten für spannende Jobs! Ich drücke Dir die Daumen und wünschen Dir das Beste!

Tags: