Caschy und sein Blog
auf der Cebit hatte ich die Gelegenheit, mich endlich in Ruhe mit Caschy auszutauschen, der sein Blog Stadt Bremerhaven nun seit fünf Jahren befeuert.
Ich äußere mich selten über Menschen im Netz. Wenn, dann gerne über ihr Tun, an der Sache entlang gehangelt. Es obliegt mir nicht, Menschen zu beurteilen. An dieser Stelle mache ich gerne eine Ausnahme. Nicht nur, dass Caschy eines der mit Abstand besten IT-Blogs in Deutschland unermüdlich betreibt. Was ich an Personen ganz besonders schätze, ist ihre natürliche Hilfsbereitschaft und dass sie Dinge gerade heraus sagen. Eigenschaften, die ich selten vorfinde. Bei Caschy erlaube ich mir zu sagen, dass dem so ist, ohne Einschränkung. Umso mehr möchte ich ihn gerne lohbudeln, weil es einfach gesagt werden muss. Ein Mensch, mit Ecken und Kanten, der seinen Weg geht. Großartig!
*verbeuge mich vor Dir*
über 1 Milliarde Internetbewohner einen Klick entfernt und doch allein
folgender Text spiegelt meine Gedanken wider, es hatte etwas gedauert, bis sie nach einem bestimmten Erlebnis, das ich unten schildere, verarbeitet waren.
Update: Mir geht es gut, habe nicht das Problem wie unten geschildert. Danke für die Nachfragen:) Versteht es als Roman/Theaterstück, das einem eine sehr reale Situation vorspielt. Ich bin lediglich der Schauspieler und der Autor des Stücks zwischen den Rahmenstrichen, ich nehme eine Rolle ein. Ich bin nicht die Figur selbst.
——————————————————————
Kennt Ihr das Gefühl, wenn man eine miese Phase durchlebt und vor dem Monitor sitzt, Textzeichen, Symbole und Bilder spiegeln sich in Deinen Augen, digitale Ergebnisse Mensch gemachter Sprache, auf einen Web-Klick abrufbar, doch es hilft alles nichts, die Leere in Dir rückt nicht weg, die Einsamkeit bleibt?
Man ist allein, obgleich man von abertausenden Menschen umgeben ist. Allein. Keiner da. All die digitale Nähe trotz ihrer gefühlten Echtheit ersetzt nicht die physisch greifbare Nähe zu wenigstens einem einzigen Menschen. Du kannst 10.000 Freunde da draußen im Netz haben, 100.000 Leser jeden Tag, und doch kannst du nur den Monitor umarmen, mehr bleibt nicht wirklich. Texte, Symbole, Bilder können Dich nicht anlachen, Du kannst sie nicht umarmen. Nicht das gottverdammte Netz ist es, es ist das Ohr eines Menschen, der einem zuhört, einem in die Augen schaut, dich in die Arme nimmt. 1 Mensch ist mehr als 1 Milliarde Netzbewohner und 1 Googol an Bytes. Man will es nicht zugeben, man starrt weiter auf den Monitor und klickt sich durch, man tauscht sich aus, man chattet, man kommentiert, man status updatet, facebooked, connected. Nur um von dem Blick nach innen wegzusurfen, aber das geht nicht. Aus deiner Haut kannst du nicht raus. Jeder weitere Klick holt dich nur näher ans Allein-Sein.
Der Monitor als Fenster zu den Menschen ist nicht Dein Freund. Ihre Zeichen nicht. Auch nicht die Menschen, die am anderen Ende des Monitors sitzen. Sie könnten es sein, aber sie sind nicht da. Weit weg. Das, was sie da draußen sehen, ist nur ein Schein deiner selbst. Zeichen, Bilder, digitale Produkte, Zerrbilder, mehr nicht. Das Echte versteckst du. Blendest es weg, gerne auch vor dir selbst. Würdest es gerne rausschreien, rausschreiben, tust es nicht.
Ich werde das Gespräch mit einem Blogger niemals vergessen. Er/Sie ist nicht unbekannt. Gewiss nicht. Die Tretmühle Bloggen läuft. Im Telefonat fiel dann dieser Satz, aus dem Innersten: “Robert, ich bin sooo allein. Du weißt nicht, wie alleine ich bin!” Es war mehr verzweifelt gehaucht, geflüstert denn gesprochen. Es war mehr der Ton, die Art, nicht das Gesagte, was mich erschreckt hatte. Das Verrückte und Erschreckende war und ist, dass dieser Blogger abertausende von Menschen jeden Tag erreicht. Seit Jahren, jeden Tag. Doch alleine zu Hause vor dem Monitor sitzend, führt jeder weitere Klick weg vom Schein, im Verborgenen, hin zum Allein-Sein. Das Netz ist echt, und doch wieder ist es das nicht. Diese elektrischen Kabel können menschliche Nähe nicht transportieren, so sehr man sich das auch wünschen würde, so sehr man sich das vorgaukelt. Kabel sind kalt, Bits sind nur Stromzustände, Metall und Plastik, nicht mehr ist es. Natürlich könnte man es kappen, doch tut man es? Das bisschen, was man an digitalen Gesprächen und Eindrücken rauspresst, ist das letzte Fitzelchen gefühltem Trost und vermisster Nähe. Man kappt nicht, man klickt weiter.
Die Schultern straffen sich, die Finger klackern weiter auf der Tastatur herum, die Klicks, das Schein, die Tretmühle, der Monitor. Ich sehe das Gesicht des Bloggers im Monitorschein vor meinem geistigen Auge, das Zimmer ist dunkel, ich höre das Klappern der Tastatur.
——————————————————————
Manchmal weiß ich nicht, ob wir das Richtige tun, das Netz wirklich eine gute Antwort auf das Mensch-Sein liefert. Ich sehe die Entwicklung, wie wir uns immer mehr vor den Monitor kleben. Wir können uns in einem nie da gewesenen Ausmaß mit über 1 Milliarde Menschen austauschen, doch das Netz bleibt letztlich kalt.
warum manche nicht einmal einen Blog-Buchstaben wert sind
ich kann es nicht mehr zählen. Nicht mehr zählen, die vielen Gesprächen mit befreundeten Bloggern, die gefrustet sind. Das läßt sich genauso auf Gespräche mit denen übertragen, die irgendwo im Netz auf Foren, in Social Networks oder aber auf Twitter unterwegs sind. Gestern erst habe ich erneut so ein Gespräch mit jemanden geführt, der wegen Nichts heruntergeputzt wurde.
Worüber ich rede? Über die vielen Pussies da draußen, die im Netz über andere herziehen, im echten Leben aber darauf angesprochen nicht einmal in der Lage dazu sind, dazu zu stehen, was sie gesagt haben. “Ich habe es nicht so gemeint” und lächeln einen an. Feiglinge, die im RL auf nett machen, im Job die Stiefel der anderen lecken, im Netz aber die Sau rauslassen, als wäre es eine Kompensation ihres Zwangs, mitmenschlich im RL-Umfeld sein zu müssen.
Es fing in meinem Umfeld schon früh an damit, diese Erfahrungen zu sammeln. Immer dann, wo es thematisch kritischer wurde, ging es rund. Ob es um Blogger ging, die politisch ihre Meinung vertreten, wirtschaftliche Motive verfolgten oder einfach über irgendwas schrieben. Man liest sich die Kommentare durch und zuckt zusammen. Man liest Beiträge auf anderen Blogs und zuckt erneut zusammen. Übermäßig hart, einseitig, als gäbe es nur Schwarz und Weiß im Leben. Perfektion wird verlangt, alles andere ist nicht existent. Heute lese ich Twitter, Facebook, Foren. Immer und überall das gleiche Schema. Das Gesicht der Gosse zeigt sich ständig. Kleine Pussies, die meinen, es viel besser zu wissen, als wären sie Übermenschen. Vor persönlichen Beleidigungen im Netz keinen Halt machen. Im echten Leben selbst sind sie kleine Leuchten, viele Dinge falsch angegangen, fehlbar wie jeder andere auch sind und waren, welch Ironie. Und die vielen Lemminge, die den Spackos gerne folgen, sind nicht anders. Nur schlimmer. Sie steigen ins Geblöcke mit ein, labern den Dünnpfiff gedankenlos nach, halten sich an ihren Eiern und schaukeln sich gegenseitig hoch.
Mittlerweile kann ich die Blogger nicht mehr zählen, die völlig fertig mit ihren Nerven waren. Ihr persönliches Umfeld war nicht selten geprägt von familiären und beruflich angespannten Situationen. Kein Wunder, dass man dann in dem Moment schwach wird, wenn man im Netz auch noch auf die Fresse bekommt. Man versteht es nicht, warum man dermaßen angegangen wird, als hätte man Kinder gefressen. Es scheint ganz so, als würde es im Web immer ein Stück brutaler als im RL zugehen, wie eine Einladung, die Maske der Menschlichkeit runterreißen zu dürfen. Als würden im Netz andere Anforderungen gelten, wie das Leben da draußen auszusehen hat. Kein Grau, nur Schwarz-Weiß. Machen sich die Spackos da draußen den Kopf? Nein, sie kommen nicht einmal auf die Idee, sich in die mögliche Situation des Betroffenen zu versetzen, manchen ist es schlichtweg egal. Egal? Egal, was sie sagen, was sie senden, was der andere fühlt!
Obgleich ich über all die Jahre eine dicke Haut entwickelt habe, natürlich durch eigene Erfahrungen geprägt, die einem aufzeigen, wie bodenlos mangelnde Mitmenschlichkeit sein kann, bin ich jedes Mal aufs Neue betroffen, wenn ich das persönlich mitgeteilt bekomme oder im Netz lese. Sind es die Pussies wert, sich von ihnen runterziehen zu lassen? Welche Frage. Stehst du ihnen im echten Leben persönlich gegenüber, weichen sie deinen Augen aus, machen einen auf “na, war nicht so gemeint”, winden sich Würmern gleich, kein Wunder, wenn man kein Rückgrat hat. Welchen Wert haben diese falschen Fünfziger, was soll ich darauf geben? Das Blöde ist, dass ich dann auch noch Mitleid empfinde, wie Menschen sich ihrer Schwäche ergeben, sich gehen lassen, weil sie schwach sind. Im Grunde wollen sie im Netz glänzen, sich bestätigt fühlen in der Lemming-Menge, Anerkennung miternten. So sehr ich diese Pussies ablehne, so sehr zeigen sie ein nur zu menschliches Gesicht.
Ich kann es nur so formulieren: Solange man betroffen ist und fühlt, nicht abstumpft, wird man nie zu denen gehören, die weder Mitgefühl, Rücksicht noch Mitmenschlickeit zeigen. Ihr könnt mit erhobenen Haupt durch das Leben schreiten. Mehr als das kann ich nicht mitgeben, da ein Mehr nicht möglich ist. Die Narben kann ich nicht nehmen, warum auch, da Ihr Menschen seid, die fühlen. Was ist daran schlecht? Nichts. Eben.
Fragen kostet was
ich habe die letzten Tage und Wochen mehrfach Gespräche mit Bloggern geführt, die ihre gesetzten Ziele nicht erreicht hatten. In den meisten Fällen war es so, dass man das Blog-Projekt aufgegeben hat oder kurz davor steht. Gründe wie Frust und Demotivation stehen am Ende einer langen Blog-Phase, als Ergebnis der unerreichten Ziele. Die Kraft zu einer Neustrukturierung des bestehenden Blogs -also auf etwas, das man bereits mühsam aufgebaut hat- existiert nicht mehr.
Zwei Sachen dazu:
1. Es ist vollauf verständlich, dass man sich nicht traut zu fragen, warum es schief läuft. Bis es nicht mehr geht. Etwas, das ich dennoch empfehlen möchte, auch wenn es hart ist: Fragt öffentlich, warum es nicht läuft. Früh, nicht zu spät. Erklärt die Umstände, warum es nicht läuft, was Eure Ziele eigentlich waren. Ich bin mir 100% sicher, dass sich draußen Menschen als Mitdenker finden lassen, die einen anderen Blick mitbringen. Der ungemein helfen kann. Klar, auf der einen Seite steht die Angst zugeben zu müssen, dass man fehlbar ist. An Ansehen verliert. Ich persönlich glaube das Gegenteil: Wer zugibt, fehlbar zu sein, etwas nicht wie geplant erreicht zu haben, der gewinnt mehr Größe als derjenige, der bis zum bitteren Ende schweigt. Die Idioten, die sich lustig machen könnten, sind es nicht wert, bedacht zu werden.
2. Stellt Euer Konzept, was Ihr mit dem Blog anstellen wollt, gleich zu Beginn vor. Mir war in den Gesprächen aufgefallen, dass sich eine Art “Muster von Denkfehlern” eingeschlichen hatte, der bereits zum Start des Blogs vorlag. Denkfehler, die bestimmte Parameter nicht richtig einschätzen. Die aber wesentlich zur Zielerreichung waren. Sorry, dass ich hier so wischiwaschi bleiben muss. Wie bereits erwähnt, wir sind nicht unfehlbar, zugleich sind wir im höchsten Maße flexibel, um aus Fehlern zu lernen. Je früher wir daher Dritte einbinden, umso eher können wir Denkfehler korrigieren. Auch hier birgt die Fragerei, ob man es richtig plant, hohe Kosten: Man hat einerseits Angst, zuviel mitzuteilen, im Sinne von Konkurrenz. Auf der anderen Seite muss man erneut zugeben, dass man nicht wirklich den vollen Durchblick hat. Auch hier gilt: Groß ist, wer die Größe hat, zu fragen.
Ob es nun hilft, einen Denkanstoß mit auf den Weg zu geben? Ich weiß nicht. Ich glaube, wir tendieren dazu, es bis zum bitteren Ende mit uns selbst auszufechten. Der gesellschaftliche Kult um das goldene Kalb der Erfolgreichen ist zu stark, wie mir scheint.
Dennoch, wie kann man es recht geschickt lösen, bevor das Kind in den Brunnen fällt bzw ohne fragen zu müssen, ob man grundsätzlich richtig liegt?
1. Beispiel: Robert Stögmann interviewt regelmäßig Blogger und eine seiner wiederkehrenden Fragen ist dabei die Frage, was er verbessern könnte!
2. Beispiel: Ich habe auf Basic Thinking regelmäßig (rund alle 3-6 Monate) direkt und unmittelbar meine Leser um offenes Feedback gebeten, was ich richtig schlecht und was ich richtig gut gemacht habe.
Buzzriders Skizze 2
folgende Mail von Sandkorn hat mich erreicht, die ich zitieren darf und die Skizze natürlich dazu:
Hallo Robert,
wir kennen uns ja noch vom Wordcamp in Jena. Damit du nicht alleine zum Feiertag an Buzzriders arbeiten musst, habe ich aus Just 4 Fun, mal nen bissl mit deinen Skizzen gespielt. Vielleicht hilft dir die grafische Umsetzung bei deiner Ideensammlung und ersten Schritten.Schöne grüße aus Thüringen,
www.sandkorn-im-getriebe.de
Wenn jemand noch Zweifel hat, warum ich Buzzriders offen angehe, freiwillige Mitarbeit biete und die Softwareentwicklung Open Source belassen möchte, wird hier eventuell eine Antwort finden. Für meinen Teil sind es diese erhofften Momente, die mich vorher schon bewegt haben, das Unternehmensprojekt nicht geschlossen anzugehen. Zumal wir in einer offenen Gesellschaft leben, und wenn Buzzriders zu einem Teil dieser Art von Gesellschaft werden möchte, sollte es entsprechend von innen und von außen aufgebaut und gelebt sein.
Bedingung ist, dass man die Vision formuliert und klar skizziert, wo man hin möchte. Wo ich allerdings noch nicht 100% bin, um Menschen, die mich nicht kennen, mit zu bewegen.
Update: Marion schriebt treffend “Wenn einer allein träumt, dann bleibt es ein Traum. Wenn aber alle gemeinsam träumen, dann wird es Wirklichkeit. (Helder Camara)”
Sandkorn-Blogger, ich bedanke mich bei Dir zutiefst!
chase the dream not your weaknesses
Britain Got Talent heißt die englische Show, aus der letztes Jahr Paul Potts als Sieger hervorgegangen ist. Der spätestens seit der Telekom-Werbung jedem hier in D bekannt sein dürfte. Dieses Jahr scheint eine gewisse Susan Boyle die Nachfolge von Paul Potts anzutreten, wie gewissermaßen aus einem hässlichen, unscheinbaren Entlein ein Schwan wird, so sollte die Show viel eher heißen.
Susans Act:
Auf YouTube bricht das Video langsam aber sicher alle Viewrekorde. Und ein Artikel (!) in der NY Times.
Was mich übrigens dazu bringt, darüber nachzudenken, warum manche Menschen nicht an sich glauben. Und dazu muss man nicht mal auf irgendeiner Bühne von tausenden Menschen beklatscht werden, noch Uber-Talente haben. Nur ein wenig mehr Glauben in sich und die eigenen Stärken und auch an seine eigenen Schwächen, die man nicht ablehnen, sondern akzeptieren, mitnehmen und dran arbeiten sollte. Statt umgekehrt sich nur auf die Schwächen zu fokussieren und runterzumachen. Wie schreibt der User, der das Video auf Dailymotion hochgeladen hat, treffend: She embodies how hopes and dreams can be found in the most unlikely places and people. All we have to do is believe.
Bloglinks abnehmend: Linkkrise? Who cares. Wichtig ist, was wirkt.
Mitnichten. Der seit langer Zeit zu beobachtende Effekt, dass weltweit Blogs an Links verlieren (messbar über Technorati), weil sie gegenseitig seltener aufeinander verweisen, wurde von Jens Schröder untersucht. Seine Annahme ist, dass zahlreiche Aktive nunmehr über Twitter vermehrt verlinken. Und in der Tat, er findet seinen Annahme bestätigt: blogs, twitter und links. Gedanklicher Seiteneinschub: Links sind per se wertlos. Sie sind auch und vaD ein Indikator dafür, ob Menschen miteinander sprechen oder nicht. Daher misst man die Links, wenn man das wissen will.
Vornweg, es gibt kein “gut” oder kein “schlecht” dabei, wenn man diese beiden Tools, Blogs und Microblogs vergleicht. Weder dient ein Blog-Werkzeug seiner selbst, noch ein Microblog. Sie sind Werkzeuge, mit deren Hilfe man sich austauschen, orientieren, vernetzen, kennenlernen, informieren und amüsieren kann. Unabhängig dessen, wie intensiv man das mit dem einen oder anderen Tool ausüben kann, bleibt eines vor allen Dingen festzuhalten: Blogs erscheinen dem Nichtnutzer als schwergängige Tools, die man mit einem ungewöhnlich hohen Engagement befüllen muss, um sie zum Leben zu erwecken, um sie schwingen zu lassen, den Leser mitzunehmen. Überhaupt auch nur ansatzweise auf die Ideen und das notwendige, positive Gefühl zu kommen, dass man ein Blog startet, bedarf eines immensen Anlaufs. Das bedarf wie in unseren sonstigen Lebenssitutationen viel Energie eben. Denn, wer schwingt schon am laufenden Band täglich geschliffene, lange Reden?
Warum das wichtig zu verstehen ist? Wenn man sich für Menschen interessiert, sollte man sie auch verstehen. Und, wie sie wann welche Werkzeuge zum Kommunizieren nutzen. Wenn man sich nicht dafür interessiert, braucht man sich nicht damit weiter zu beschäftigen, aber dann nicht auch meckern, dass andere selbstreferentiell übers Bloggen oder Twitter bloggen/twittern.
Es tun eher wenige, die sich den Kopf zerbrechen. Und erst so auf dieses notwendige Niveau kommen, um überhaupt ein Blog zu beleben. Umgekehrt werden auch viele von uns Bloggern das Gefühl kennen. Dieses Gefühl, wenn man keine Lust hat, etwas auszuformulieren, überhaupt einige Sätze zu schreiben. Man fühlt den Abstand zum Blog, das sich in diesen Momenten wie ein Fremdkörper und nicht wie ein verlängerter, geistiger Arm seiner selbst anfühlt. Und man wird partout nichts verfassen.
Die geistige Hürde zu nehmen fällt leichter, wenn man im “Flow” eines stetigen Schreibens ist. Je seltener man das tut, umso mehr Anlauf braucht man, sich in den Blogsattel und die Feder zu schwingen. Doch wer hat schon diese Zeit? Und die Energie dafür? Nach dem Job etwa, wenn man müde nach Hause kommt und Zeit für seinen Partner aber auch für sich in Ruhe aufbringen muss? Das gedankliche Umschalten “ich blogge jetzt” ist in der Tat nicht so einfach, wie man sich das vielleicht auf den ersten Blick ungedacht vorstellen mag.
Ich denke nach wie vor, dass wir uns geistig auf das Blogwerkzeug einlassen und einstimmen müssen, es in der Gänze vor dem geistigen Auge erleben, wenn wir gedacht etwas schreiben wollen, wie es sich anfühlen wird. Wir nehmen dabei vieles vorweg. Den Schreibprozess als solchen, bei dem man sich und seine Eindrücke reflektiert. Bewusst. Ja, Bloggen heißt defintiv bewusster erleben und leben, wenn man so will. Eine an und für sich wunderbare Geschichte. Wer bewusster durch sein Leben geht, wird es intensiver erleben als andere. Wenn Blogs nur nicht diese Energiefresser wären. Man nimmt die Reaktionen der Leser vorweg. Wie wird es sich anfühlen? Vielleicht fühlt es sich auch negativ an, da man weiß, dass kaum einer kommentiert. Man lässt es optisch auf sich wirken, wie wohl der Artikel eingebettet im Bloglayout wirkt. Man strukturiert die Gedanken vorab. Man ahnt auch, dass beim Schreiben neue Gedanken aufkommen. Dass man unter Umständen neu strukturieren wird. Man korrigiert dabei erneut seine Eindrücke, wie der Leser dann wohl darauf reagieren wird. Wird es ihn mehr interessieren? Weniger? Wie überhaupt Leser erreichen? Wo kommen die her? Wie finden die zu einem? Was muss man dafür tun? Könnte man messen, wieviel Leistung das menschliche Gehirn dabei verbraucht -gegenüber anderen, geistigen Tätigkeiten- dürften Blogs ziemliche Energiefresser sein.
Wundert es noch, dass viele ihr Blog aufgeben? Links liegen lassen? Man bringt nicht immer diese Energie auf. Der Einstieg war schon nicht einfach. Und je länger man vom eigenem Blog weg bleibt, hat man immer weniger Lust, den Einstiegsprozess jedes Mal aufs Neue zu durchleben, um auf das notwendige Niveau zu kommen, wieder auf einem Level mit dem vom Werkzeug geforderten, mentalen Leistungen zu sein. Häufig sind es jedoch keine 1- oder 0-Entscheidungen. Es geht nicht immer darum, ob man bloggen soll oder nie wieder. Es geht um das Wie. Hat man lange genug gebloggt, wird der Mensch seine Erfahrungen so weit verdichtet haben, dass sie gespeichert bleiben, um relativ einfach neu abgerufen werden zu können. Um erneut einen Blogartikel zu verfassen. Das merkt man dann an der Artikelfrequenz, dem sich verändernden Stil, der Artikellänge, aber auch an dem Inhaltlichen selbst. Ganz so, als hätte der Blogger seinen Weg mit seinem Blog als Begleiter seiner selbst gefunden.
Jetzt muss ich gar nicht mehr so viel zum Microblogging sagen, wenn ich das o.g. Revue passieren lasse. Leichtüßiger erscheint es, weniger energiefressend, die Kommunikation ist flüssiger, zeitnäher, aber auch leichtgängiger, weniger intensiv, weniger tief. Es entspricht schon eher den Gewohnheiten der Menschen. Obgleich es den bewussten Menschen -der seine Gedanken gerne offen reflektiert- und dessen Durst nicht alleine stillen wird. So bei mir. Ohne ein Blog gehts nicht, mit Twitter gehts, aber ohne kann ich auch.
Schule: Ausbildungsstätte für seelische Killerkommandos?
Einer, der die Schule als Hort des Mobbings, der Killerausbildung und Brutstätte menschlicher Arschlöcher überzeichnet: unfassbar? . Und wenn man dafür ganz besonders empfänglich ist (nicht für die Geschichte, sondern die Erlebnisse an Schulen selbst so verarbeitet), wird man zu einem Killerkommando. So die Theorie. Muss nicht groß erzählen, was ich von diesen “Angeber-Geschichten” halte, wie schlimm Schulen sind. Typisch für Menschen, die sich gerne in Extrema hineindenken und überzeichnen. Die Realität ist meistens viel langweiliger. Oder sagen wir menschlicher. Aber auf diese Art zu erzählen, wäre ja nicht drastisch und cool genug. Macker.
via Rivva
wenn die Sonne scheint und man dennoch friert
Heute Morgen musste ich kurz aufstehen, bin dann aber wieder schlafen gegangen. Man steht auf, freut sich, da die Sonne scheint und checkt seine Mails/Twitter etc. Und man liest eine bizarre Meldung eines Amoklaufs an einer Schule. Wtf, schon wieder. Denkt, dass müsse wohl wieder ein aus der Bahn Geworfener in den USA sein. Doch dann entdeckt man, dass es sich um eine Schule in Deutschland handelt.
Man liest drei Mal nach, damit man ganz sicher ist, dass es sich nicht um eine der Schulen meiner Kinder handelt. Check.. soweit kein höchster Alarmzustand. Man liest zunächst beruhigt unruhig weiter und erfährt, dass es Tote gab, es um 2, dann 5, dann schon 10 Tote geht, 16 (letzte Meldung: 9 Schüler, 3 Lehrer, 3 Passanten, der Täter)… Kinder anscheinend vor allen Dingen. Und die Sonne wird immer kälter und kälter. Man denkt an die betroffenen Eltern, Verwandte und Freunde, die mit den Schülern an der Schule in Winnenden verbunden sind. Als Vater. Hilflos ausgesetzt denen, die nicht mehr zu unterscheiden wissen, was die Grenzen zwischen Leben und Tod sind und was sie bedeuten. Ich denke an die Eltern des mutmaßlichen Täters, der lt. letzten Meldungen angeblich erschossen wurde. Man denkt auch an ihn, was in ihm zugestoßen sein muss, um sich zu verlieren, der anscheinend noch jung war. Hilflos, kalt.. die Welt zeigt sich manchmal von ihrer allzu grau-schwarzen Seite unmitelbar.
Ich liebe meine Kinder und werde ihnen Halt geben. Immer, bis zum Ende und darüber hinaus.
Twitter: mein Zweijähriges und ein Blog-Vergleich
ich bin seit dem 09.03.07 bei Twitter angemeldet und habe dennoch nicht das Gefühl, irgendwas innerlich feiern zu müssen. Es mag strange klingen, dass man die Nutzung eines Kommunikationswerkzeugs feiert, aber beim Bloggen war das immer so. Neben dem, dass ich es hin und wieder auch verflucht habe. Auf jeden Fall war ich mit dem Blog immer mental eins.
Woran liegt das? Wir hatten uns gestern auf Twitter darüber unterhalten, ob es einen gefühlten Unterschied gibt. Betrachte ich es von meiner Warte, so kann ich feststellen, dass mich ein persönliches Treffen mit Bloggern (die ich regelmäßig lese) mehr anturnt als ein Twitter-User. Ich könnte zahlreiche Beispiele nennen, wo ich das Gefühl hatte, den Blogger als Person schon lange zu kennen, wie eine Art magischer Moment. Man sieht jemanden zum ersten Mal und kennt ihn schon. Wobei das Kennen natürlich nicht dem enstpricht, wie sich Freunde und Paare kennen, klar. Bei einem Twitterianer stellt sich dieses Gefühl nicht ein. Die 140 Zeichen reichen mir einfach nicht aus, um diese Person so gut zu erfahren wie bei einem Blogger. Es fehlt natürlich auch die Tiefe des Austausch via Kommentaren. Auf dem Blog kommt die Person imho wesentlich besser zur Entfaltung. Mit den 140 stakkato-Tweets stelle ich für mich fest, kann ich weniger anfangen, um den mentalen Connect herzustellen.
So bleibt für mich festzustellen, dass ich in den zwei Twitter-Jahren wesentlich weniger Menschen kennenlernen durfte. Beim Bloggen war das komplett das Gegenteil. Und das war/ist es auch, was mich beim Bloggen dermaßen positiv anspricht. Twitter ist mehr ein Tool, um sich mit denen auszutauschen, die ich schon vorher kannte. Bei denen, die ich in Twitter kennenlerne, bleibt die gewohnte Distanz wie im RL, wo man sich flüchtig trifft, bisschen Smalltalk führt und sich wieder aus den Augen verliert. Kein Connect. Sicher liegt es daran, dass ich mehr auf Brainfuck stehe, ich schätze das tiefe Gespräch, weniger das oberflächliche Flüchtige, was mir so gut wie nichts bedeutet. Das identifiziere ich eher mit den 140 Zeichen, das Flüchtige. Im RL auch. Smalltalk bleibt Smalltalk.
Gut, man könnte meinen, dass sich ein Teil der untereinander vernetzten Blogger eben nach Twitter bewegt haben, so kann man eben keine neue Bekanntschaften schließen. Doch es sind genügend Fremde auf Twitter, die ich nicht kenne. Kennen tue ich eh höchstens an die 500 Personen, wenn ich es schätzen müsste. Es soll aber schon über 50.000 deutsche Twitter-User geben.
Und noch etwas: Gib mir je 10 ausführliche Postings von jeweils 100 Bloggern, die ich lese und gib mir 1000 Tweets von 100 Followern, ich werde mich immer noch an die 100 Blogger besser erinnern, als an die 100.000 Tweets/1.000 Twitter-Personen. Was auch logisch ist im Grunde genommen. Das Noise-to-Signal Ratio ist beim Twittern ungleich schlechter.
Nicht falsch verstehen, Twitter ist ein extrem gutes Tool, um in Verbindung zu bleiben, sich zu informieren, seinen wunderbaren Spaß zu haben. Da ich aber mehr auf Tiefe denn auf das Flüchtige stehe, sieht mein Tool-Ranking so aus, dass ich das Blog für unschätzbar, Twitter aber für verzichtbar halte, wenn ich wählen müsste.
Ich kann schlecht von dem ausgehen und verallgemeinern, wie ich im Netz ticke und warum ich im Grunde online bin, aber wenn man den Hype, der um Twitter wirbelt, abzieht, was bleibt dann wirklich an echter Substanz? Werden sich wie auf Social Networks letztlich nur die untereinander austauschen, die sich persönlich schätzen? Wird das dann für Twitter reichen oder werden sich die User zurückbesinnen auf das, was sie ausmacht und was sie im Netz auf persönlicher Ebene an Tools nutzen, “besseren” Tools? Unabhängig der weiteren Funktionen, die Twitter bedient (News, Infos….). Auch bei den Blogs konnte ich das beobachten über die Jahre hinweg. Zunächst sah man sich in alle Richtungen um, fokussierte sich dann aber zurück auf diejenigen, die man wirklich dauerhaft gerne wahrnimmt?

