der König ist tot, es lebe der König“ (franz.: Le roi est mort, vive le roi). Dieser Spruch deutet auf Kontinuität hin. So gesehen ist der Abschied von Rivva unter diesem Vorzeichen zu sehen.

Frank Westphal hat einige Jahre dieses Projekt in Alleinregie nach vorne gebracht und warum er nun dicht macht, wissen wir nicht. Rivva hatte sich für viele Blogger zu einem wichtigen News-Aggregator entwickelt. Er verdient Respekt, den er auch immer genossen hat. Was Rivva geboten hat? Eine Blog-Übersicht. Welche Blog-Artikel wurden heißer als üblich gegessen, über was sprach man so? Nun fällt dieser Aggregator weg. Alternativen zu Rivva scheinen nicht in Sicht zu sein. Wirklich nicht?

Zunächst aber die Stimmen aus dem Netz dazu
Lumma, Netzpolitik, Pottblog. Siehe auch die Kommentare! Und siehe den Twitter-Stream dazu.

Der Wegfall von Rivva wird nicht umsonst als Verlust empfunden. Ich hatte erst vor wenigen Tagen über die Fragilität der Blog-Aggregation geschrieben und auf die Problematik hingewiesen, dass Einzelpersonen in Eigenregie wichtige Projekte betreuen (Blogoscoop, Deutsche Blogcharts, Rivva). Nun bricht tatsächlich eine Säule weg.

Gut, betrachten wir es rational: Blogs werden nicht schließen, nur weil Rivva weg ist. Es gab Blogs lange vor Rivva und es wird sie lange danach geben. Ungeachtet der Leistung von Frank. Klar war es schön als Blogger, eine Übersicht zu bekommen. Das war sicher kein nachteiliger Effekt. Wie groß war aber der positive Beitrag? Dazu mehr am Ende. Halten wir fest: Einige Blogger & Leser haben Rivva eben genau dazu genutzt, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Was sind die Alternativen?
1. Wikio bietet eine gute Übersicht an, was in der deutschen Blogosphäre besprochen wird. Nicht ganz so schick und en vogue wie bei Rivva, es reicht aber allemal. Wer mag, kann auch in 13 verschiedenen Kategorien herumwühlen (Blogs & HighTech)

2. Paper.li ist kein schlechtes Tool, um sich eine persönliche Zusammenfassung aus dem Twitter-Stream Deiner Follower zusammenstellen zu lassen. Da fallen natürlich auch Blog-Verweise an. Zumal mich die individuelle Aggregation in meinen Augen mehr als Rivva überzeugt hat. Ich habe eher auf paper.li spannende Sachen denn auf Rivva gefunden. Selbstverständlich werden wie gesagt eben nicht nur deutschsprachige Blogartikel gezeigt.

3. Weitere Aggregatoren? Summify.com (danke, Martin!) und PostPost.com (Beide können auf den Facebook-Stream zurückgreifen, Summify kann auch Deinen Twitter-Stream auslesen)

Resümee
Letztlich wird die Aggregation heutzutage immer individueller. Es ist nichts Neues, dass User zunehmend ihre Infos aus dem persönlichen Netzwerk (Facebook, Twitter, VZ-Netze, WKW,…) beziehen. Blogs spielen dabei eine gewisse Rolle, jedoch keine zentrale. Nicht wenige Blog-Leser haben sowieso ihre RSS-Tools im Auge, wenn sie schon so scharf auf Blog-Inhalte sind. So what? So bleibt die Frage, ob eine zentrale Aggregation überhaupt zeitgemäß ist? Wer nischige Infos haben möchte, wird diese finden und abonnieren. Spiegelbildlich gilt für moderne Blogger, die mit der Zeit mitgegangen sind, dass die Verzahnung mit sozialen Netzen schon längst zum Standardrepertoire gehört (Verweise auf Twitter & Facebook, eigener Twitterkanal, eigene Facebookpage), um ihre Leser dort zu erreichen, wo sie sich gerne aufhalten.

Wer nur Mainstream haben möchte, schaut eh über Google News nach. Die Zeiten, als man nicht wusste, wo man schauen soll, sind vorbei. Rivva war nett, Techmeme ist nett, aber nicht dringend lebensnotwendig für die Blogosphäre. Darauf deuten auch die groben Zahlen hin: Laut Google AdPlanner sollen es gemäß Meedia.de lediglich 20.000 Unique Visitor gewesen sein, die Rivva im Dezember 2010 besucht hatten. Selbst wenn es das Doppelte und Dreifache wäre, das sind jetzt keine Mega-Zahlen. War der positive Effekt von Rivva wirklich jemals markant? Das Weiterreichen von Blog-Nachrichten erfolgt heute über Twitter, Euroweb hat das jüngst wieder aufgezeigt. Es war schneller und weitreichender denn ein Rivva es zu leisten vermochte. Ein Aggregator entfaltet nur dann seine katalytische Wirkung, um bestimmte Nachrichten zu befördern, wenn es eine ausreichende Zahl von Nutzern verwenden. Rivva? Ich denke, Rivvas Reichweite war seit jeher zu gering. So schön das Tool auch war. Ein Mann alleine, der sich nur um das Entwickeln kümmerte, ist nicht dazu in der Lage, sich um das Marketing zu kümmern. Und auch nicht um die Massenkompatibilität eines Werkzeugs. Davon war Rivva weit entfernt.

Die Zahlen und die veränderten Nachrichtenströme zeigen klar auf, dass ein Blog-Aggregator stets nur die zweite Geige spielen würde auf der Suche und bei der Aggregation von Netzinhalten. Der König ist tot, es lebe das Netz.


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