Grundlage: Betrachten wir sogenannte „low traffic“-Blogs, die wir mit cirka 10-500 Besuchern pro Tag beziffern und so einordnen, zwecks Vereinfachung. Und gehen darauf ein, welche grundlegenden Maßnahmen diesen Blogs zur Verfügung stehen, um mit Standardmitteln das Besucheraufkommen zu steigern. Zunächst zur Einsortierung.

Low Traffic
Ob wir nun diese Zahl – 10-500 Besucher – als „low traffic“ als zu niedrig angesetzt betrachten, sei dahingestellt. Wir könnten die Definition „low traffic“ ohne Weiteres ausdehnen. Doch belassen wir es bei der Range 10-500. Das beruht auf subjektiven Eindrücken und Gesprächen mit Bloggern. Soweit ich es bisher beurteilen kann, fühlen sich viele Blogger – die meinen, ein Besucherproblem zu haben – bis rund 500 Besucher am Tag auf die eine oder andere Art „klein“. Interessanterweise kann man das auch unter finanziellen Gesichtspunkten beobachten, eine interessante Parallele.

Übertragen auf die Einnahmeumfrage – um es mit einer finanztechnischen Einsortierung zu versuchen – handelt es sich bei „low traffic“ um Blogs der kleinsten Einkommensgruppe mit bis zu 100 Euro Monatseinnahme. Diese Blogs generieren rund 18.000 Seitenaufrufe durchschnittlich pro Monat. Oder anders gesagt, sie haben im Schnitt 600 Seitenaufrufe am Tag. Da Blogs eine geringe „Besucher-zu-Seitenaufrufe“-Quote um 1:1,5 aufweisen, handelt es sich bei 600 Seitenaufrufen um rund 400 Besucher am Tag. Das kommt den gefühlten 500 Besuchern, von denen wir oben sprachen, sehr nahe.

Maßnahme 1: Output erhöhen
Die Erhöhung der Frequenz, nämlich mehr Blogartikel innerhalb einer gegebenen Zeit zu produzieren, führt in der Regel zu einem spürbaren Anstieg in relativ kurzer Zeit. Was ist „in der Regel“, was „spürbare Anstieg“, was „relativ kurze Zeit“, und überhaupt, was heißt „Erhöhung“ konkret?

Ein Blog, das zuvor 1 Artikel pro Woche publiziert hatte, kann mit 2 Artikeln – also einer Verdoppelung – pro Woche den Traffic um den Faktor 2-5 erhöhen. Wer zuvor 100 Besucher am Tag hatte, kommt recht schnell auf 200 und mehr Besucher. Wer zuvor 500 Besucher hatte, wird mit geringeren Anstiegen rechnen müssen, da es mit Output allein nicht mehr getan ist. Wann stellen sich diese Effekte ein und ist das garantiert? Nein, es ist nicht garantiert. Denn, die Erhöhung des Outputs hängt von anderen Faktoren ab, die man ebenso im Auge behalten muss. Man kann aber – sollten die anderen Faktoren positiv sein – von einem halben Jahr sprechen, in dem man von A nach B kommt. Wer demnach nur kurzzeitig den Output erhöht, kommt nicht weit. Welche „anderen Faktoren“ sind zusätzlich zu beachten? Kommen wir zur Standardmaßnahme zwei.

2. Maßnahme: Inhaltsnutzen schärfen
Was sich zunächst so abstrakt anhört, ist im Grunde ein einfacher Gedankengang. Unter Nutzen sehe ich zunächst den Leser, dann dessen Ausprägungen. Jeder Mensch hat ein gewisses Set an Charaktereigenschaften und Gefühlsausprägungen. Sachliche Menschen, emotionale Menschen, neugierige Menschen, frustrierte Menschen, liebende Menschen, mitfühlsame Menschen, zurückhaltende Menschen, und und und.

All das subsummiert sich in der Frage für den Blogger: Wo ist der Nutzen für den Leser, wenn er meine Story liest? Was spreche ich bei ihm an, was möchte ich in ihm auslösen und abrufen? Will ich Erinnerungen abrufen? Emotionen erzeugen? Wissen vermitteln? Will ich ihn erstaunen, positiv überraschen? Je weniger ich in ihm abrufe, umso weniger wird er mein Blog interessant finden. Also? Der Blogger muss beim Schreiben darauf ganz bewusst achten, wie er den Leser wo genau anspricht. Welcher Teil der Story wird was vermitteln und erzeugen? Im Kopf, im Herz und im Bauch. Das geht gedanklich recht einfach. Stellt Euch einfach vor, Ihr erzählt die Story einem vor Euch sitzenden Publikum. Malt Euch gedanklich Gesichter aus, stellt Euch vor, wer diese Menschen sind. Schon seid Ihr beim Leser. Wenn Ihr das Publikum erheitern wollt, was müsst Ihr schreiben? Wenn Ihr das Publikum mitfiebern lassen wollt, was müsst Ihr dann schreiben?

Persönliche Blogs
Wer nur und ausdauernd über seine privatesten Erlebnisse berichtet, wird eher seinen Bekanntenkreis anziehen. Personen außerhalb dieses Kreises werden wenig mit den Geschichten anfangen können. Ihnen fehlen Aufhänger, die sich auf sich übertragen können. Spricht der Blogger immer nur von Paul und Paula, die dies und jenes gestern getan und erlebt haben, kann ein Fremder damit wenig anfangen. Klar, oder?

Den Inhaltsnutzen kann man schärfen, indem man die Geschichte eben wie eine echte Geschichte im Sinne eines Buchautors verfasst, dabei – und darauf kommt es an – an fremde Menschen denkt, damit sie die Story auch verstehen. Die persönlichen Erlebnisse des Alltags kann man wunderbar transportieren, angefangen bei Einkaufserlebnissen, über Parties bis hin sogar zu Beziehungsproblemchen. Wir alle kennen den Alltag. Wir alle können uns darin – in der Story – wiederfinden, wenn uns das der Blogger erlaubt und ermöglicht. Wie das geht? Im Grunde sehr einfach. Menschen haben eine universelle Sprache: Emotionen. Emotionen sind das, was Privates am ehesten und nächsten liegt. Es ist nicht mehr so sehr wichtig, ob das geschilderte Erlebnis dem Leser geläufig ist. Aber die Emotion versteht er ohne Weiteres. Mit Emotionen kann ich jeder Story Brücken mitgeben, über die der Leser gehen kann, um die Story innerlich mit zu erleben.

Wir alle mögen Humor, das Aufzeigen von Verhaltensweisen, eingefahrenen Sitten und Traditionen, die im Grunde perfekt hinterfragbar sind, wir alle können neuen Sichtweisen etwas abgewinnen, wir alle können uns mit dem Geschichtenerzähler und dessen Geschichten identifizieren. Wenn er – der Blogger – auf die Übertragung von Emotionen, „gemeinsamen“ Erlebnissen („kennt Ihr das auch…“) und Verständlichkeit wert legt. Viele Blogger, die ich kenne, machen sich leider viel zu selten über den Leser beim Schreiben Gedanken. Sie gehen mehr von sich denn vom Leser aus. Die Frage ist nicht, was ich schreiben will, sondern was ich dem Leser vermitteln will.

Um es in zwei Sätzen zu sagen: Was wird die Story im Kopf und Bauch des Lesers ansprechen? Welche Erinnerung und welche Emotion will ich beim Leser abrufen?

Wer das beachtet, kann auch ein persönliches Blog pushen. Indem er den Output erhöht und den inhaltlichen Nutzen für den Leser schärft. Zugleich wird er über die Schilderung und Übertragung seiner eigenen Emotionen eine wunderbare Bindung zum Leser schaffen. Sprich, er wird seine Blogstimme wiedererkennbar ausgestalten. Er wird als Mensch greifbarer. Und, an sein Blog werden sich Leser erinnern & wiederkommen.

Themenblogs
Unter Themenblogs verstehe ich Blogs, die weniger Privat-Persönliches von sich geben, sondern ein oder mehrere Sachthemen in den Vordergrund stellen. Sollte es einen Themenschwerpunkt geben, spreche ich dann von Fachblogs. Sollte es mehrere Themenschwerpunkte geben, spreche ich eher von Mischblogs. Im Gegensatz zu den persönlichen Blogs, die ich oben angesprochen habe, stellt der Leser etwas anders dar. Es geht nicht mehr darum, rein Privates zu vermitteln, was meistens und idealerweise sehr emotional vermittelt werden kann. Sondern? Hier ist ein Austarieren von Sachlichkeit – der puren Vermittlung von Informationen – gemischt mit Emotion gefragt. Was heißt das?

Wenn Ihr Menschen Twitter erklären möchtet, auf Eurem Blog? Was macht Ihr dann? Erklärt Ihr den funktionalen Aufbau von Twitter? Was soll der Leser damit anfangen? Die Faszination von Twitter ergibt sich doch nicht daraus, dass ein Code auf dem Server abläuft, sondern dass sich Menschen untereinander austauschen. Er, der Leser kennt Twitter nicht. Nutzt es nicht. Lehnt es sogar warum auch immer ab. Es ist ihm scheißegal, wie die Funktionalität aussieht und welcher Code im Hintergrund abläuft. Erneut greift Ihr auf das zurück, was Ihr bei der Schilderung persönlicher Erlebnisse gelernt habt. Emotion ist die universelle Sprache, Leser in neue Materien einzuführen. Sich in Neues reinzudenken, aber noch viel eher reinzufühlen, da wir Menschen Dinge meistens erst erfühlen bevor wir sie rational verstehen. Was macht der Blogger demnach? Er schildert, was das Neue für den Mensch bedeutet. Was er damit macht und was er damit erleben kann, das steht im Zentrum. Ihr baut Ihm Brücken, ruft bereits Bekanntes ab.

Es geht demnach um das Austarieren von sachlichen Informationen gepaart mit emotionalen Brückenbauten. Im Zentrum steht übrigens nach wie vor die Schärfung des inhaltlichen Nutzens. Doch was, wenn es um nix Neues geht, einfach nur ein Update zu einem altbekannten Thema?

Hier ist – sollte sich Euer Leser gut im Thema auskennen – weniger die emotionale Vermittlung von Sachinformationen gefragt, sondern die mehr rein sachliche Vermittlung mit bisserl weniger Emo-Anteilen gefragt. Auch hier stellt sich immer noch die Frage nach dem Nutzwert? Was erzählt Ihr dem Leser nun? Was er nicht schon kennt? Wo ist das Detail, das wichtige Detail, was er wissen muss? Was heißt das für ihn? Warum ist das wichtig? Wo geht Ihr im Text darauf explizit ein? Ach so, Ihr seid vom Update begeistert und wollt das halt der Welt mitteilen? Ganz ehrlich, lieber Update-Blogger? Es interessiert mich einen Scheiß, was Dich begeistert. Begeistere mich, hole mich ab, denke an mich.

Mozilla Firefox Update? Auf Version 4.0? Alles ist schneller und besser? Fuck! Das juckt keinen Leser. Das weiß er sowieso, da er das bereits überall in den News gelesen hat. Wo ist also Euer Mehrwert, auf das Update hinzuweisen auf Eurem Low Traffic Blog? Greift Euch ein Detail raus, auf das andere wenig eingegangen sind. Es bietet sich demnach die neue Tab-Steuerung an? Ok, go! Erkärt das ausführlicher als andere. Wie man es nun handhabt, wie man es umstellen kann, wo die Vorteile und Nachteile liegen, welche neuen Plugins es dafür gibt. Dann habt ihr gegenüber den anderen Bloggern/Newsorganen einen Mehrwert für den Leser geschaffen.

Was hat es aber mit den Mischblogs und Fachblogs auf sich? Je vermischter die Themenschwerpunkte sind, umso schwerer ist es für den Leser, das Blog zu greifen. Sich zu entschließen, das Blog auf dem Radar zu behalten. Ihr habt zwei Standardmöglichkeiten: Reduziert den Themenmix. Steigert den Nutzwert jedes einzelnen Artikels. Oder beides:)

Wer sowohl den Output erhöht und die Qualität der Artikel steigert, beeinflusst in doppelter Hinsicht das Besucheraufkommen positiv, verkürzt die Zeitspanne, in der das Besucheraufkommen steigt.

Alternative, da zu zeitraubend? Verzichtet auf die Reduktion und/oder Steigerung der Qualität, erhöht dafür nur den Output, wie oben beschrieben. Ihr habt weder zu der einen oder anderen Maßnahme Lust? Dann habe ich keinen Rat für Euch. Doch, eine weitere Maßnahme kann ich Euch anbieten.

3. Maßnahme: Trommeln
Ich unterscheide hierbei zwei Trommel-Gebiete: Trommeln auf dem Blog. Trommeln außerhalb des Blogs. Schnappen wir uns zunächst das Trommeln auf dem Blog.

Ich kann es nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist, eine Persönlichkeit auf dem Blog zu entwickeln, die Leser greifen können. Je mehr Ihr Euch als Person mit Eurer Meinung und Eurem Gefühl hinter Eurem eigenen Blog versteckt, umso schwerer ist es für den Leser, sich an Euer Blog zu erinnern. In der Musik spricht man von wiedererkennbarer Stimme. Die muss nicht unbedingt hübsch sein, sie muss auf alle Fälle einmalig sein. Aber was bringt das? Es bringt extrem viel! Es unterscheidet Euch von vielen Bloggern da draußen. Die auswechselbar sind. Es hilft Euch, dass Leser Eure Inhalte im Netz weiter tragen, gerne darauf verlinken, immer wieder oder nur hin und wieder Euer Blog aufsuchen. Sie erinnern sich an Euch. Erinnern sie sich nicht, ist ihre Bereitschaft Zero, Euch im Meer an Informationen, Links und Gesprächen im Netz zu liken, sharen und zu kommentieren. Seid Ihr ein Niemand, bleibt Ihr ein Niemand. Ein Link auf Twitter zu Eurem Blog? Wen juckt es, Ihr seid ein Niemand. Ein Verweis auf Facebook? Überlesen, ein Niemand wird nicht beachtet.

Aber muss denn ein Experte – wenn er ein Fachblog betreibt – eine Person im Netz werden? Natürlich kann er darauf verzichten, sich hinter Expertise und fachlichen Geschwurbel verstecken und mit Wissen förmlich strotzen und protzen. Doch der Experte mit Profil und Persönlichkeit wird den gesichtslosen Experten bei Weitem übertrumpfen. Warum? Weil wir Menschen lieber mit Menschen sprechen, nicht mit seelenlosen Maschinen, Ausnahmen unbenommen.

Was ist aber mit Tipps, Facebook-Buttons auf dem Blog zu platzieren? Auf Twitter aktiv zu sein? In Foren? Alles schön und gut. Doch ohne Persönlichkeit greifen all diese Standardmaßnahmen ungleich schwerer. Sie greifen, aber eben nicht so gut. Damit sind wir schon beim externen Trommeln. Ja, macht das, seid auf Facebook, Twitter und und und aktiv. Rotzt nicht bloß per Copy&Paste seelenlos Eure Linkverweise ins Netz heraus. Spricht menschlich, redet über den Link, statt Tools zu nutzen, die das automatisiert machen. Seid Mensch, nicht Maschine.

4. Maßnahme: Sesamstraße verlassen
Alle drei oben geschilderten Maßnahmen sind im Grunde genommen Standard. Sie liegen auf der Hand, herum, selten benutzt. Es gibt irre viele Maßnahmen, die sich letztlich aus Erfahrung ergeben. Erfahrung kommt von Probieren, Ärgern, Verarbeiten, Lernen, neu probieren. Repeat until kotz:) Wir sind so unterschiedlich, es gibt eben keine Schema-F Methoden, wie ein Blogger sein Blog nach vorne bringt. Im Low Traffic Bereich reichen die drei Maßnahmen völlig aus. Der Rest ist Kunst und Können.

Es kann gut sein, dass ich viele Standardmaßnahmen nicht genannt habe. So what? SEO? Artikellänge? Stilvarianz? Frequenzvarianz? Redaktionsplan? Lautstärke? Populärthemen? Buzzmethoden? Alles Themen für Blogs, die schon weiter sind.

Fini


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