Viele Blogger sind Hobby-Schreiber, die nicht aus geschäftlichen Gründen Worte zu ePapier bringen. Weniger Blogger sind geschäftlich motiviert (made for Adsense-Blogs, Firmenblogs, usw).

Je nach Rolle -eher die Hobby-Rolle-, die man einnimmt, ist die Vereinnahmung eines Bloggers für eigene, meistens wirtschaftlich getriebene Zwecke ein relativ leichtes Spiel, wenn man es bewusst geschickt und manipulativ als Firma angehen würde (ein Extremfall, aber das muss nicht Standard sein). Auf die Hobby-Schreiber möchte ich gerne im Folgenden abheben.

Wie nimmt man Kontakt zu Bloggern auf?
Das fängt mit den ersten Kontaktschleifen an. Die Kontaktaufnahme via Mail gehört zu den eher schwächeren Ansatzpunkten. Heute ist es ein Leichtes, über soziale Wege Kontakt aufzunehmen. Facebook und Twitter eignen sich ideal für unscheinbar erscheinende Kommentare und Replies. Der Kontaktaufbau über soziale Kanäle wirkt extrem gut.

Die ersten Produktnews-Meldungen lassen nicht lange auf sich warten. Bitten, mal etwas schnell zu verlinken oder auf etwas hinzuweisen. Man kennt sich und schätzt sich ja. Auch das Zusenden von Produkten und Einladungen zu Events gehören zum Repertoire.

Warum?
Unternehmen betrachten Blogger zunehmend als einen neuen, unverbrauchten Kanal. Um ihr Image und auch ihre Leistungen zu transportieren. Im Zuge der Digitalisierung der bisherigen Kommunikationskanäle werden Blogger ebenso wichtiger, nebst Online-Werbung, Affiliate, Online-Presse und Social Networking Präsenzen. Das ist nicht fabuliert, sondern im Bereich Mode und Auto schon längst Realität. Techblogger gehören mittlerweile ebenso zum Standard-Kontaktrepertoire von Tech-Firmen und sind nicht mehr wegzudenken. Diese Entwicklung bringt es mit sich, dass Unternehmen vermehrt auf Blogger zugehen, Blogger diese Erfahrungen machen werden und in diesem Miteinander wird es immer wieder zu Problemchen und Problemen kommen. Je nach Art und Weise der jeweiligen Firma, wie sie vorgeht. Und je nach Art und Weise des jeweiligen Bloggers, ob er das Spiel versteht oder nicht.

Journalisten
Holen wir ganz kurz aus, bevor wir weiter machen: Ein Journalist wird für seinen Job bezahlt. Nicht nur spielt dessen Beauftragung eine Rolle, sondern auch die Standards des Arbeitgebers. So gesehen haben es Firmen etwas schwerer, die Journalisten für sich zu vereinnahmen. Ein Journalist sieht das meistens distanziert und abgeklärt.

Rollenkollision
Ein Blogger kann da schon eher Persönliches mit Geschäftlichen vermischen. Kein Wunder, kommt er aus seiner Hobby-Schreiber Rolle nicht heraus und betrachtet das Ganze eher mit persönlichen Anliegen, auch Firmenkontakte. Die Firma, die den Blogger als unverbrauchten Multiplikator – und sich damit ein neuer, frischer Kanal zum Konsumenten auftut – nutzen möchte, agiert naturgemäß nicht aus persönlichen Antrieben, sondern eben aus geschäftlichem Antrieb heraus. Klar, es klingt banal, wenn man sagt „nicht weil man nett ist, wird man kontaktiert“.

Es ist daher gesehen nicht wirklich leicht, die notwendige Distanz und kritische Nähe zu bewahren. Ich habe auch überhaupt nichts gegen Kontakte zwischen Firmen und Privatbloggern. Im Gegenteil. Ich werfe ebenso wenig Firmen vor, sich die Blogger zu eigen zu machen, denn sie können ebenso wenig aus ihrer Rolle wie ein Blogger, der Spaß und Lust am Schreiben hat.

Wie kann man als Blogger agieren?
Eines der besten Mittel ist, Transparenz zu zeigen. Nicht nur der Leser wegen, sondern auch um sich selbst zu schützen. Nicht kapiert? Das ist recht einfach und nichts Hehres noch Schweres. Ein Beispiel: Wenn ich der Meinung bin, dass mich der Aufenthalt in einem Luxushotel – die Firma hat zum Event eingeladen – womöglich eher dazu bringt, dem Produkt zugeneigt zu sein, schreibe ich das. Wenn ich der Meinung bin, dass mich mein gutes Verhältnis zur Kontaktperson der Firma beeinflussen könnte, schreibe ich das. Ich schreibe, woher ich die Person kenne, warum ich eingeladen wurde, auch über die Tatsache, dass ich die Person OK finde. Wenn ich Werbung (früher) geschaltet hatte und die verantwortliche Person der Firma kannte, hatte ich das in Artikeln dazugeschrieben, um mögliche Interessenskollisionen offen zu legen. Diese recht einfachen Maßnahmen schützen mich vor mir selbst. Ich mag Distanz nicht, ich mag Menschen, ich lasse mich gerne für tolle Produkte begeistern, ich finde Firmen per se gut, da ich Wirtschaft als ein wichtiges, gesellschaftliches Element betrachte.

Der Leser muss überhaupt nicht meine Neigungen verstehen, aber ich kann es ihm überlassen, ob er meinen Worten glaubt oder eher vermutet, dass ich positiv beeinflusst bzw. vereinnahmt wurde. So kann ich mir meine Art zu Bloggen und meine Art, subjektiv zu sein, erhalten.

Zählen wir die Möglichkeiten auf
1. Disclosure: Explizite Nennung der beeinflussenden Faktoren inkl. persönlicher Wertschätzungen zu involvierten Geschäftspersonen
2. Rollenverständnis: Sich bewusst machen, warum die Firmen Kontakt aufnehmen (nicht, weil Du nett bist)
3. Distanz: Notwendige Distanz im Innenverhältnis mit der Firma explizit ansprechen
4. Kritikverständnis: Mit der Firma explizit ansprechen, wie man zu Kritiken steht und abtasten, wo die Firma zurückzuckt (zuckt sie zu früh zurück, lehnt lieber eine Beziehung ab)
5. About: Im About könnt Ihr beschreiben, wie Ihr Kontakte zu Firmen bewertet, ein gesundes Maß an Verständnis für alle drei Seiten damit zeigt (Leserinteressen, Firmeninteressen, Eure Interessen), wie Ihr Produkttests und Einladungen zu Events handhabt

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