Hyperlinks sind die Mutter der Permalinks. Konzeptionell war spätestens seit der Idee von Tim Berners-Lee – einem der Väter des Internets und dem Vater von HTML – die Idee von Informationsverweisen mittels Hyperlink populär geworden. Wir schrieben damals das Jahr 1989.

10 Jahre später begann die Ära der Blogs sich abzuzeichnen. Doch die damaligen Blog-Systeme der späten 90er und frühen 2000er kannten zu Beginn ihrer Existenz keinen Permalink, im Sinne eines Linkverweises auf einen einzelnen Blog-Artikel. Linkverweise gab es in der Regel entweder nur auf die Blog-Domain als Ganzes oder aber auf Seiten als Gesamtheit von einer Artikelmenge X („Paginierung“).

So wirklich klar ist es nicht, wer den Begriff geprägt hat und wer der eigentliche Vater der Idee ist, Blogsysteme mit Permalinks auszustatten. Jedem Artikel seine eigene URL zu vergeben.

Wühlt man sich etwas durch die Archive, wird man an einigen Stellen fündig. So findet man in der Wikipedia folgenden Eintrag dazu:

One cited early use of the term permalink in its current sense was by Jason Kottke on March 5, 2000, in a post titled: „Finally. Did you notice the..„. Matt Haughey had discussed a permalink style feature with Blogger co-founders Evan Williams and Paul Bausch the previous weekend, and Bausch had pointed out that it was technically feasible to produce permanent links in Blogger, using a feature (written by him) that allowed the ID of a post to be placed in a Blogger template. In response to Kottke’s blog, on March 6, 2000, Matt Haughey posted the technical details on his own weblog, which helped open the way to widespread adoption.[citation needed]

„Blogger“ war ehemals eine eigenständige, zentrale Blogplattform, die heute zu Google gehört. Übrigens, einer der Gründer war Evan Williams, dem heute Twitter gehört!

Für die Nachwelt, was schrieb Matt auf seinem Blog am 06.03.2000?

How to make automatic targets in Blogger

There’s a lesser known tag called [$BlogItemNumber$] which represents the exact ID of each Blogger post. So, I opened up my blog’s Template and right after my [$BlogDateHeader$] is closed, I put in the following:

[a name=“[$BlogItemNumber$]“][/a]

then at the footer of each post, I placed a link pointed at „#[$BlogItemNumber$]“, that looks like this:

[a href=“#[$BlogItemNumber$]“]link to this post[/a]

Easy, huh? After saving my template file, I regenerated my archives, and now all my blogger posts have this feature.

Fantastisch, oder? Ein klitzekleiner Eintrag mit großer Wirkung. Sowohl Blog-Anbieter wie auch Blogger haben nach und nach dieses „Feature“ für sich entdeckt. So zum Beispiel beschreibt Jason Levine in seinem Blog Q Daily News am 19.08.2001 „Change of Format„, wie er den Permalink als Funktion im Manila-Blogsystem entdeckt.

Tom Coates befasst sich drei Jahre (Sommer 2003) später mit der Bedeutung der Permalinks, „On Permalinks and Paradigms…„. Er gibt zu, dass er zuerst an das Konzept der Permalinks nicht geglaubt habe. Resümiert aber wie folgt:

It may seem like a trivial piece of functionality now, but it was effectively the device that turned weblogs from an ease-of-publishing phenomenon into a conversational mess of overlapping communities. For the first time it became relatively easy to gesture directly at a highly specific post on someone else’s site and talk about it. Discussion emerged. Chat emerged. And – as a result – friendships emerged or became more entrenched. The permalink was the first – and most successful – attempt to build bridges between weblogs. It existed way before Trackback and I think it’s been more fundamental to our development as a culture than comments… Not only that, it added history to weblogs as well – before you’d link to a site’s front page if you wanted to reference something they were talking about – that link would become worthless within days, but that didn’t matter because your own content was equally disposable. The creation of the permalink built-in memory – links that worked and remained consistent over time, conversations that could be archived and retraced later. The permalink stopped all weblog conversations being like that guy in Memento…

Er meint mit Memento einen Film, der sich um einen Darsteller dreht, der an Amnesie leidet.

Warum
Warum ich das erzähle? Manchmal hilft es, wenn man zurück schaut und sich dadurch heutige Phänomene leichter erklären kann. Es hilft auch zu erkennen, wie schwer wir uns mit simpelsten Neuerungen tun. Deren Tragweite wir nicht erkennen noch erahnen können. Statt auf den Kern einer Idee zu schauen, verfängt man sich zu schnell in der momentane Betrachtung einer manchmal technisch schauderhaft umgesetzten Ausprägung der Idee selbst.

Was mich persönlich daran fasziniert ist die Tatsache, wie normal heute Permalinks geworden sind. Vor 10 Jahren war das überhaupt nicht normal, geschweige denn ein Standard. Eigentlich, nachträglich betrachtet, kein Wunder, oder? Die Dynamisierung der Inhalte auf Webseiten hatte quasi automatisch präzisere Hyperlinks zur Folge. Kleine Änderungen, große Wirkung, ich bin immer wieder erstaunt.

Spätere Web 2.0-Plattformen hatten diese Permalink-Idee für sich übernommen. Heute besitzt nahezu jedes Informationsschnippsel auf Facebook, Twitter, Flickr und YouTube einen eigenen Link. Auch Nachrichtenseiten hatten nachgezogen und CMS-Anbieter per se.

Wir werden mit den Permalinks nicht stehen bleiben, bekannte Internetexperten wie Dave Winer propagieren den Paragraphen-Link, eine einfachere Handhabung von Linkverweisen auf einzelne Textabschnitte (in HTML schon lange als Anchor bekannt).

Meine goßen Kudos an Menschen wie Jason Kottke, Matt Haughey, Evan Williams und Paul Bausch!

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