Zahlenjunkie Jens Schröder hat neben den Deutschen Blogcharts die Deutschen Twittercharts auf die Beine gestellt. Seit Oktober laufen die Twittercharts unter einer eigenen Domain und zeigen nicht mehr die Twitter-User mit den meisten Followern auf. Sondern? Welche deutschsprachigen Medien wurden auf Twitter am meisten verlinkt.

Jens nutzt zur Auswertung den Dienst Backtype und betrachtet einen Zeitraum von 16 Wochen. Wie viele unterschiedliche (!) Twitter-Nutzer haben in diesem Zeitraum auf eine Seite wie Spiegel Online verlinkt? Antwort laut Backtype: 6.208. Antwort laut Jens: 5.663. Woher die Differenz? Jens rechnet mit einem 16-Wochen Durchschnitt, Backtype summiert einfach die letzten 7 Tage16 Wochen auf (= siehe Kommentarhinweis von Jens). Soweit so gut.

Was fällt auf? Amateur-Angebote spielen mit!
Von den 100 Seiten sind knapp unter 25 Blogs dabei. Und es sind noch weniger, wenn man die Blogs heraus rechnet, die nicht von Medienhäusern (ZEIT, FAZ, Gawker, AOL, Burda…) betrieben werden. Sprich, ca. 10-12 Amateur-Blogs rangieren in dieser von Verlagshäusern durchsetzten Liste (No.1 = Spiegel Online, No.2 = Heise Online, No. 3= Welt Online). Anders herum gesagt, Twitter-User verweisen gerne auf professionell geführte Informationsangebote.

Zugleich muss man die herausragende Arbeit der „Amateur-Blogger“ betonen, die in diesem Dunstkreis mitspielen können. Wenn die Fußball-Bundesliga aus 100 Vereinen bestehen würde, würden Clubs wie Buchonia Flieden, Rot-Weiß Darmstadt, SC Fortuna Köln und SpVgg Erkenschwick mitspielen? Wenn ja, wäre das eine beachtliche Leistung.

Top 10 dominieren
Die ersten 3 Seiten vereinen 21% aller Nennungen auf sich. Die 10 meistgenannten Seiten vereinen fast 40% auf sich. Die Blogs vereinen rund 12% auf sich.

Messung irrelevant?
Nun kann man sich fragen, ob ein Twitter-User = Twitter-User ist. So wissen wir über die laufenden Messungen von Thomas Pfeiffer, dass der Median im Moment bei 89 Followern liegt, der Durchschnitt jedoch bei 415 Followern. Ein Twitter-Nutzer ist damit ganz und gar nicht gleich zu einem anderen, die Unterschiede sind erheblich. So könnten ohne Weiteres die 781 Twitter-User, die Netzpolitik in den letzten 16 Wochen mindestens einmal genannt haben, um eine Vielfaches so „schwergewichtig“ sein wie der um den Median-Wert 89 schwankende Twitter-User.

Soll heißen? Reichweite wird mit den Twitter-Charts kaum präzise ableitbar sein, nur sehr grob. Anders gesagt: Wenn 100 Aston Kutchers (6 Mio Follower) das Google Watchblog (aktuell 100 in den Twittercharts) verlinken würden, verliert Spiegel Online (aktuell die No.1) dramatisch an Aufmerksamkeits-Anteilen auf Twitter. Das findet sich aber so nie in den Charts wieder. Kein Wunder, Backtype bietet dummerweise keine Reichweiten-Analyse im Abschnitt „Audience“ an (da hat Jens seine Zahlen her). Die Twittercharts sind demnach mit gelassener Vorsicht zu genießen. Kein Mensch erwartet schließlich vom Jens, dass er Google imitiert und komplexe Rankingformeln einführt :)

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