das Jetzt-Internet ist hochspannend. Wir beobachten zur Zeit eine zunehmende Vernetzung von Menschen, insbesondere über im Moment dominierende Plattformen wie Facebook und Twitter, außerhalb der westlichen Hemisphäre mögen es andere, u.a. aufkommende Schwergewichte sein (Afrika?).

Worauf läuft es hinaus? Soziale Software-Funktionen werden mit Sicherheit integraler Bestandteil von Betriebssystemen, mobilen Apparaten, Kommunikationssystemen (Telefon, Handy, …) und anderen Softwarelösungen sein. Aber zunächst einen Schritt zurück. Bevor wir diesen Gedanken und dessen Folgen aufgreifen.

Heute ist: Social Networking-Steinzeitalter
Woraus besteht Facebook, das so dermaßen hochgespielt wird? Aus einer geringen Anzahl recht simpel gehaltener Formulare. Welche zentralen Formulare sind das? Das Registrierungsformular, das Userprofil, das Timeline-Formular, das Freundschafts-Formular, das Bilder-Formular. Mehr als fünf im Grunde genommen simpelst gehaltener Formulare braucht es nicht, um die Assoziationskraft von Menschen zu befriedigen, soziale Beziehungen digital abzubilden, den Mensch ansatzweise zu transportieren.

Können wir damit etwas komplexere Anwendungsfälle im zwischenmenschlichen Gefüge abbilden? Betrachten wir die Frage: Wer von meinen Kontakten kann mir zu einem Produkt etwas sagen, das ich kaufen möchte. Das ist mit herkömmlichen Facebook-Formularen so nicht zu lösen. So gesehen ließe sich eine beliebige Summe an sozialen Anwendungsfällen konstruieren, die weder Facebook noch andere Social Networks nicht einmal ansatzweise gut lösen. Um was zu erreichen? Um ein erweitertes, kompletteres Bild des Menschen darstellen zu können. Das unabdingbar ist, um ein soziales Miteinander zu ermöglichen, das annähernd mit dem realen, sozialen Verhaltenskomplex vergleichbar wäre. Sprich: Es existiert unglaublich viel Raum für Innovationen. Wir haben bisher nur an der Oberfläche der Möglichkeiten gekratzt. Und befinden uns im Steinzeitalter sozialer Software. Von standardisierten Schnittstellen, standardisierten Anwendungsmöglichkeiten ganz zu schweigen, die für eine Integration sozialer Funktionen in Betriebssysteme und anderen Systemen eine maßgebliche Bedingung darstellen.

Morgen ist: Social Networking Bronzezeitalter
Sobald mir soziale Software ermöglicht, ein umfänglicheres Szenario an sozialen Beziehungsfällen darzustellen, die Bedienbarkeit nicht mehr so sperrig daherkommt, mehr oder minder die gesamte Internet-Menschheit über maximal drei Knotenpunkte untereinander verknüpft ist, alle Social Networking-„Adressbücher“ miteinander verbunden sind, haben wir die Grundlagen für die nächste Stufe geschaffen. Es wird eine Integration in sämtliche Systeme erfahren, die soziale Funktionen benötigen. Es wird keine Rolle spielen, ob es sich um Bürosoftware handelt oder um Chat-Systeme, die heute noch völlig unsinnig mit eigenen Adressbüchern = Abbildern von Menschen aufwarten. Jeder Internetnutzer wird eindeutig über alle Systeme hinweg adressierbar wie auch abbildbar sein.

Was bedeutet das für uns?
1. Der Informationsfluss wird gegenüber heute um mehrere Potenzen verbessert. Jeder User wird die Informationen bekommen, die er benötigt, ohne sie dauerhaft und regelmäßig suchen zu müssen. Solange Menschen Informationen besser als emtionslose Maschinen bewerten, wird der Mensch im Zentrum der Informationsverteilung stehen.
2. Politische Ideen, wie ein System zu funktionieren hat, werden sich dramatisch verändern. Demokratie basiert auf dem Verständnis, dass politische Willensbildung nach recht starren, unter „Parteien“ subsummiert zu erfolgen hat. Dazu existiert kein Notwendigkeit mehr, wenn sich Gruppierungen dynamisch und kollaborativ ergeben können. Alles, was man dazu benötigt, ist ein digitial identifizierbares System von Menschen und ihren Haltungen. Exakt das ermöglichen moderne, heute nicht existierende Social Networks.
3. Die Gesellschaft wird sich verändern, da aus dem Digitalen heraus neue Erfahrungsmuster an Verhaltensweisen aufkommen, die nicht im Realen geboren und antrainiert wurden. Dahinter steht der Gedanken, dass uns die Umwelt und ihre Beschaffenheit systemisch anpasst. Selbstverständlich wird das Netz als ein Subsystem der gesamten Umwelt mindestens die gleichen Auswirkungen haben wie andere Subsysteme.
4. Wirtschaftssysteme basieren wesentlich auf dem Wissens- und Informationsvorsprung, wie man etwas besser als ein Individuum organiseren kann, um daraus Mehrwerte zu generieren. Informationstransparenzen werden auf Grundlage „besserer Informationsfluss“ reduziert. Dies wird einen gewaltigen Schub auslösen, wie sich Unternehmen bilden, wie sie gemanagt werden und wie sie am Markt agieren.

Warum soll das passieren?
Es scheint so, als gäbe es ein ehernes Naturgesetz der Menschheit: Alles, was dazu beiträgt, das wir uns sicherer fühlen, wird angenommen, integriert und weiter gedacht. Das ist exakt der Grund, warum wir normierte Verhaltensweisen aufweisen, uns Gesetzesstrukturen auferlegen, nach wiederkehrenden Mustern im scheinbaren Chaos suchen und danach streben. Musik ist nicht umsonst ein uns Menschen verbindendes Element. Es spiegelt Harmonien = Muster wider, es „befriedigt“ uns. Social Networks sind nichts anderes. Sie verschaffen uns Sicherheit. Sicherheit darin zu wissen, dass wir „sozial“ sind, eben ein Teil eines Gesamten und nicht ein Antiteil. Selbst wenn es wie bei Facebook eine minimale Anzahl von abartig einfachen anmutenden Formularen dazu benötigt. Wir werden unweigerlich dieses digitale Sozial-System ehern vorantreiben.

Wo geht es hin?
Ich finde es erstaunlich, dass wir bisher nur ansatzweise über weitere Möglichkeiten nachgedacht haben: Was wird sein, wenn sämtliche Maschinen dieser Welt über eigene Sensoriken mit dem Netz gekoppelt sein werden? Keine Idee, wie sich das anfühlt? Du wirst wissen, wann die Ampel in Tokyo an der Straße XYZ auf Rot springt. Du wirst wissen, wann der Toaster des Nachbarn eingeschaltet wird. Du wirst wissen, mit welcher Geschwindigkeit das Auto Deiner Tochter fährt. Ebenso wirst Du wissen, dass sie in 10 KM voraus in einen Stau kommt. Die verdammte Autobombe hat welche Menschen in Irak getötet, wie haben sie gelebt, wer waren sie, wo waren sie, mit wem sind sie verwandt, was ist real, was erzählen uns die Medien überhaupt, wenn wir denn diese überhaupt noch brauchen werden? Es ist ein ewiger Exzess an Signalfeuerwerk, das uns ein weitaus gigantischeres Informationsnetzwerk eröffnen wird. Ich habe nicht mal ansatzweise eine Idee, welche Lösungen im Zuge dessen auf uns Menschen einprasseln werden.

Wir befinden uns heute in der Steinzeit der Digitalisierung. Und sind nur einen Steinwurf von Veränderungen ausgesetzt, die nicht nur mit den Social Networks der nächsten Generationen einhergehen werden. Wird es uns „besser“ machen? Wie werden wir denken, positiver? Was werden Normen sein, befreiende? I hope so…

Und was heißt das im Jetzt?
Jeder Agierende, der an diesem System mitwirkt, muss für die nächsten fünf Jahre vorausschauend agieren. Er bzw. Sie muss verstehen, wo die Reise hingeht, das Netz, dessen dominierenden Treiber und die dahinter stehenden Muster verstehen. So agieren Unternehmen, die sich überlegen, wie man Werbung in Social Networks platzieren kann, nicht wirklich vorausschauend. Alles, was dazu beiträgt, dass sich Menschen besser und schneller und effizienter austauschen, finden, verbinden können, ist im System gedacht, nicht außerhalb. Außerhalb ist es dann, wenn man mit einer Denke herangeht, die durch das Vergangene Menschenbild geprägt ist. Und daher zum Misserfolg verdammt.

Es ging mir bei diesem Artikel um Verständnis, was im Jetzt passiert und um Denkmuster. Wenn wir verstehen, können wir agieren, statt nur passiv Ergebnisse anzunehmen. Es betrifft Agierende. Es sollte aufzeigen, dass selbst Facebook archaisch anmutet. Und was wir uns an Innovationen vorstellen können. Wenn wir die Grundmuster erkennen. Und es bedeutet Änderungen, die nicht auf einmal auf uns zukommen, aber in der Summe für mich dramatisch sind.

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