amüsiert habe ich den Beitrag vom Don Alphonso in der FAZ gelesen, aber auch seinen Nachtisch-Beitrag auf seinem Blog „Blogbar„. Wenn man beide Beiträge auf die Kernaussagen eindampft, geht es um Folgendes:

1. SM Berater setzen auf einen bloßen, bedeutungslosen Hype, den sie den Firmen verkaufen (á la „Bloggen ist cool, weil Bloggen cool ist“)

2. SM Berater haben es selbst nicht auf dem Kasten, wie können sie dann etwas vorbraten, von dem sie keine Ahnung haben

3. der SM Kuchen ist kein Wirtschaftszweig, sondern ein Wirtschaftskrümel, für den Firmen kaum Budget bereit stellen, damit sei per se die Bedeutungslosigkeit der SM Berater bewiesen

4. Wirklich reden -im Sinne eines wie auch immer gearteten Gesetzes- wollen die Unternehmen im Rahmen von Social Media mit den Kunden nicht, das Gespräch ist lediglich ein unwichtiges Vorspiel zur eigentlichen Kauf-Mich-Botschaft. Sie senden nach wie vor einbahnstraßig, daran wird sich nix ändern. SM Beratung sei auch daher reine Makulatur.

Kann ich das unterschreiben? Nö, die Argumente sind langweilig und lahm, da sie grundsätzlich keine Erkenntnisse bieten. Man kann sie auch noch so laut herausschreien, das macht sie nicht interessanter. Die Schreibe selbst ist klasse, aber das ist ja nur die Verpackung, für Verpackungen interessiere ich mich allerdings nur sehr eingeschränkt.

Tatsache ist, dass wir in allen Bereichen seit jeher lernende Wesen sind, die durch einen immer wiederkehrenden Kreislauf herumprobieren, lernen und verbessern. Die ersten Autos waren nach heutigen Maßstäben Schrott. Damals mögen die ersten Nutzer begeistert gewesen sein. Die heutigen Autos werden in 50 Jahren als ein Haufen technischer Schrott gelten. Die ersten Tageszeitungen waren Müll, die ersten Computer waren Müll, die ersten Blogs waren Müll, usw usf etcpp. Don Alphonso hat ebenso wenig einen blassen Schimmer wie alle anderen auch, wo es hingeht, wie wir etwas wann wo und warum nutzen werden. Das zum grundsätzlichen Prinzip von Trial-Error. Wer nicht ausprobiert, bleibt stehen. Wir können per se den menschlichen Antrieb, ständig Neues zu erforschen, in Zweifel ziehen, dann müssten wir aber unsere Natur ändern, das geht aber nicht.

Wenn man demnach Social Media als etwas Neues definieren möchte, stellt man schnell fest, dass es einerseits etwas sehr Diffuses ist. Andererseits stellt man fest, dass es weltweit einen Haufen Versuche gibt, aber keiner den Stein des Weisen gefunden hat, systematisch in diesem Bereich vorzustoßen. Wir testen, lernen, verbessern. An manchen Stellen sind wir schon wesentlich weiter, an vielen Stellen noch nicht besonders weit gekommen. Und kommt wesentlich unaufgeregter daher, als man denkt.

So braucht mir ein Don Alphonso nix vom Krieg zu erzählen, was man mit einem technischen Vertreter aus der Gattung Social Media – Blogs – nicht anstellen kann und dass Unternehmen=Kunden davon nichts haben. Sie haben einen Nutzen, Punkt. Glaubensfrage? Von mir aus, doch juckt mich das wenig, wenn andere nicht wissen, wie es geht und in Glaubensfragen abdriften müssen. Kein Hexenwerk, keine rocket science. Es ist „lediglich“ Arbeit én Detail, zu 90% Handwerk, der Rest ist bisserl Zauberei und Neues. Beispiel? Eins der popeligsten Kostenrechnungen ist dabei der Vergleich zwischen inhouse Bloggen und Kosten für SEO und externalisierter SEO-Leistungen. Selbst wenn man einen Blog-Schreiber internalisiert, statt auf bestehende, interne Ressourcen zurückzugreifen, ist es unter dem Strich berechenbar, was effektiver und günstiger ist. Mal SEO wie seit jeher, mal Bloggen, mal ein Mix. Alternativkostenrechnungen sind seit anno domini nix Neues, dafür brauche ich keinen Social Media Philosophiekurs zu belegen, in irgendwelchen Gesetzesbüchern von Social Media zu wühlen oder einen Don Alphonso zu lesen, was nicht geht angeblich. Wie, Bloggen als Kosteneinsparung statt als Revolution in der unternehmerischen Kommunikation? Es ist eine unaufgeregte Betrachtung, ein Aspekt, was man mit Blogs recht einfach anstellen kann. Kosten einsparen. Ausprobieren, lernen, umsetzen, verbessern. Thats all. Und, wo ist das Problem? Gar keins, es ist ein simpler Vorgang. Nur darüber lässt sich schlecht herumschreien und palavern. Ist das denn noch Social Media dann? Was kümmert mich das, wie etwas einsortiert werden will?

Warum tun sich dann die Unternehmen so schwer mit all dem angeblich wunderbar, einfach zu verwendendem Social Media Dingenskirchen? Steht oben, in Unternehmen sitzen Menschen. Welch ein Wunder. Menschen lernen und sind per nicht schlau genug, Neues von Beginn an effektiv zu nutzen. Auch kein Wunder. Manche Organisationen lernen schneller, manche langsamer, manche gar nicht. Normal, seit jeher, auch nix Neues. Manche entdecken und schaffen sich einen Nutzen, verschieben Ressourcen peu á peu, manche kriegen es nicht heraus und verfahren mit ihren Ressourcen auf die gewohnte Art, was auch nicht viel schlechter ist. So kommen dann auch die ollen Sprüche zu Stande wie „Unternehmen haben auch bereits vor Social Media existiert, sie brauchen es also scheinbar nicht“. Ja und, was ist das denn für ein bescheuertes Argument? Vor Einführung der Autos sind Kuriere mit Pferden durch die Gegend geeiert und haben sich den Boppes wundgeritten. Man hat so oder so die Message überreicht. Werden demnach Unternehmen übermorgen nicht mehr existieren, weil sie Social Media nicht nutzen? Woher soll ich das denn wissen? Viele Wege führen nach Rom. Per se einen von vornherein auszuschließen, ist dumm.

Sind nun SM Berater per se doof und haben nix auf dem Kasten? Übliche Antwort: Das kommt darauf an, wer wie gut ist. Erweiterte Antwort: Zeit ist Geld. Egal, wie schlecht der SM Berater ist. Für eines ist er meistens immer gut: Er verkürzt die Zeit, Unternehmen etwas Neues aufzuzeigen, was Bares wert ist. Was die Unternehmen damit inhouse anstellen, hängt von den Machern intern ab, wie lernfähig und gut diese sind. Daran ändert weder ein DonA noch ein SM Berater nix. Also schon wieder Kosten? Sorry, dass Betriebswirtschaft so langweilig ist:)

Für eins war Don Alphonsos Beitrag für mich persönlich gut: Er ist anregend, knackig geschrieben und hat im besten Sinne amüsiert.


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