Die diesjährige re:publica war für mich ein Oberhammer. Ich habe lediglich zwei öffentliche Sessions besucht (Telekom Hilft und Crowdfunding), den Rest der Zeit habe ich ausschließlich von morgens bis abends mit „privaten Sessions“ verbracht und mich mit einer unzähligen Menge an Teinehmern unterhalten können. Und sehr genossen! Ich war selten so befriedigt.

Es ist schon seit Jahren so, dass ich aus den öffentlichen Sessions kaum noch Impulse oder Know-how herausholen kann. Statt 45 Minuten schweigend und zuhörend herumzusitzen tausche ich mich lieber mit anderen aus. Diese Art von Sessions bringen mir weitaus mehr, gerade an Know-how, das in der Form so niemals auf der öffentlichen Bühne zu vernehmen wäre. Wenn man so will, ist jeder Teilnehmer für sich eine gigantische Session-Bühne im Sinne der Intensität, Vielfalt und Einblicke, kaum vergleichbar mit den konstruierten Bühnen-Sessions.

Wie das bei mir ablief? Lassen wir mal die privaten Sessions außen vor. Die sind natürlich immer dabei.

Mit die besten Business-Talks hatte ich u.a. mit einem überaus sympathischen Hornbach-Mitarbeiter. Wir unterhielten uns über eine geplante Hornbach-Aktion, die abseits der üblichen Social-Media blablas erfrischend war. Und auch 100% zu Hornbach-Klientel passt.

Mit die ungewöhnlichste Privatsession fand im Parkhaus um die Ecke statt. Zusammen mit drei Daimler-Mitarbeitern und zwei re:publica Teilnehmern unterhielten wir uns im Testwagen rund um das jetzige und kommende Command Online System im Mercedes. Nebenbei wurde dann auch gleich eine brandneue App aufgespielt. Es handelt sich hierbei um einen Parkhaus-Finder. Der nicht nur die Anzahl der freien Plätze anzeigt, sondern gleich die Öffnungszeiten und Gebühren mitliefert. Ein Knopfdruck und schon navigiert man dahin. Es dürfte klar sein, dass Abrechnung und Reservierung Service-Ideen sind, die für Kunden im automobilen Premiumsegment auf der Hand liegen. Wir werden eine Reihe von Änderungen im PKW der nächsten zehn Jahre beobachten können, was dem Normalo draußen nicht einmal ansatzweise klar ist. Aber den sich zügig ändernden Anforderungen an Mobilität geschuldet sein wird.

Mit einem anderen Teilnehmer ging es um ein mögliches Barcamp rund um eine altehrwürdige Branche, die erwartungsgemäß nicht dem digitalen Zeittakt des alles überrollenden Webs folgen will und mag. Wozu auch. Es hat Gründe. Man verdient fett und gut, selbst Webseiten sind da schon eigentlich nur ein Anhängsel. Geschweige denn hyperventilierende Facebook-Pages. Dennoch kann und wird das Barcamp Sinn machen. Es kommt auf den Zuschnitt an.

Das waren nur wenige Ausschnitte aus den Talks. Stellt Euch einfach den Tag so vor, dass ihr von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends draußen herumsteht und nonstop am Quatschen seid, maximal 5 Minuten Pause zwischen den Einzeltalks liegt. Dann bekommt ihr eine ungefähre Ahnung.

Was auch sehr schön ist, ein sehr angenehmer Nebeneffekt, aber mir sehr wichtig: Die Menschen kommen nicht mehr auf mich zu und quasseln mich mit dem Alpha-Blogger Gedöns voll. Ich kann mich endlich als Person und als Robert und nicht mehr in der unnötigen Rolle einer Fremdbildperson frei unterhalten. So passierte es mir nicht nur einmal, dass Teilnehmer mit den Worten auf mich zukamen „…habe mich damals nicht getraut Dich anzusprechen, weil du sicher schwer beschäftigt / keine Zeit / kein Interesse…„. Mein Glänzen in den Augen könnt Ihr Euch sicher vorstellen. Viele wissen auch nicht mehr um mein altes Blog, was ganz und gar wundervoll ist. Endlich frei. Und die Presseanfragen haben ein nicht mehr störendes Maß angenommen und wurden – wenn sie denn reinkamen – auf das Abstellgleis geschoben. Die Pressemenschen finden genügend und ausreichend Mikro- und Kamera-affine Menschen auf solchen Events.

So war meine re:publica eine höchst individuelle Veranstaltung. Ungemein befriedigend, erhellend, inspirierend, meine Neugier stillend, über Menschen, Vorstellungen und Ideen etwas zu erfahren. Volle Ladung.

Ganz großen Dank an die Orga, Helfer und an die Sponsoren der re:publica!!! Freue mich auf 2013.



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