Etwas zum kommenden „Windows Store“ von Microsoft, der im Rahmen des anstehenden Windows 8 Betriebssystems (Verkauf wohl 3./4. Quartal 2012) mit rauskommt. Die folgenden Informationen basieren auf meinem Besuch der BUILD-Konferenz in den USA, bei der es um das kommende Windows 8 ging.

Was ist der Windows Store?
Man kann ihn ohne Weiteres mit Apples App Store vergleichen. Eine zentrale Software-Vertriebsplattform, auf der Anbieter ihre Software hochladen, beschreiben, bepreisen und dem Kunden zum Download anbieten.

Was ist der große Vorteil eines zentralen Software-Stores, rein prinzipiell?
Natürlich die Zentralität und Bekanntheit (=“großer Marktplatz, hier kannste alles kaufen“), die Firmen wie Apple, Amazon, Google und Microsoft dank ihrer Finanzkraft und Ressourcen als notwendige Bedingung gewährleisten können. Statt irgendwo im Netz nach Software zu suchen, dabei auch Vertrauensproblemen unterliegend, findet man an einer Stelle Software für alle möglichen Zwecke. Hübsch sortierbar und filterbar nach Ratings, Downloads, Userkommentaren, Free/Paid etcpp.

Was haben Anbieter davon?
Es gibt unzählige Software-Firmen da draußen und die meisten knabbern am Marketing/Vertriebsproblem. Gerade kleine „Klitschen“ können begnadete Developer haben, doch was nutzt ihnen das, wenn sie ihr Produkt nicht loswerden können? Hier kommt ein zentraler Software-Supermarkt gerade recht und billig.

Wie „billig“ ist denn ein Windows Store?
Microsoft hat hierzu auf der Konferenz „BUILD“ keine Angaben gemacht. Wir können aber davon ausgehen, dass analog zu Apple eine Platzierunsgebühr erhoben wird. 0% wird es mit Sicherheit nicht sein. 50%? Wohl kaum. 30%? Um diesen Wert herum pegelt es sich sicherlich ein. So hat Apple wiederholt betont, dass die Gebühr von 30% ungefähr kostendeckend ist. Wenn man sich die Bilanzen von Apple anschaut, spielt diese Gebühr keine große Rolle bei den Umsatzanteilen (gerade mal 1%-2%). Wozu auch, Apple verdient prächtig an der Hardware, indem es ein geniales Software-Ökosystem aufgebaut hat, das die HW-Verkäufe wesentlich unterstützt.

Wie reichhaltig ist der Windows Store für Anbieter?
Soweit ich es auf Basis der Präsentationen sehen konnte, wird der Store mehr Möglichkeiten denn der App Store von Apple bieten. Allen voran die flexiblen Möglichkeiten des Pricings und individueller Nutzungslizenzen.

Wie will Microsoft die Software freigeben?
Auch hier habe ich nur Positives über das Konzept seitens der Build-Teilnehmer gehört. MS verspricht einen sehr zügigen Freigabeprozess, der zudem sehr transparent und übersichtlich – was die Folgeschritte angeht – aufgebaut ist. Es wird dabei auch auf Sicherheit und SW-Qualität geachtet. Die Praxis wird die Versprechen testen, klar.

Welche Chancen bietet MS den App-Anbietern an?
Hierzu muss man zunächst verstehen, dass der Windows Store wohl „nur“ Software vertreiben wird, die für die Metro Style Oberfläche gedacht sind (im Wesentlichen „Touch Enabled“-Software). Keine Desktop-Software, wie wir sie bisher kennen. Desktop-SW wird wie gehabt über die bisherigen Kanäle durch die Anbieter eigenveranwortlich vertrieben werden. Metro Apps werden nur und ausschließlich über den Windows Store vertrieben. MS plant keine Derivate seiner Plattform, so wie es Google zugelassen hat. Daraus ergibt sich der Einsatzbereich für die Metro Apps: Tablets in jeglicher Form.

Welche Chancen hat MS auf dem Tablet-Markt?
Dies ist schließlich eine entscheidende Frage für SW-Anbieter. Bevor diese auch nur eine Zeile Code für Metro Apps schreiben, muss die Menge an Vetriebseinheiten stimmen. Hierzu möchte ich gerne auf Sascha Pallenbergs „Tablets 2012“-Artikel verweisen, der MS Windows 8 Tablets eine gute Chance prophezeit. Soweit ich es selbst beurteilen konnte, war ich sehr angetan von der frühen Windows 8 Testversion auf einem Tablet.

Werden Anbieter die Chance ergreifen?
Wie gesagt, es ist eine Art Kreis. Wenn MS nicht liefert und keine interessantes Ökosystem schafft, werden SW-Anbieter nicht liefern.

Betrifft das nur Software-Anbieter, die bisher für Windows-Umgebungen entwickelt haben?
Der Kreis der potentiellen SW-Anbieter wird mit hoher Wahrscheinlichkeit größer. Da Metro Apps auch auf Basis von HTML/JavaScript/CSS entwickelt werden können. Allerdings muss man hier betonen, dass es Besonderheiten gibt, die einen gewöhnlichen HTML-Developer nicht sofort loslegen lassen. Jede Windows 8 Maschine wird mit IE 9/10 (?) ausgeliefert. Ohne diese Engine liefe keine Metro-App auf HTML-Basis. Damit das korrekt verzahnt werden kann, muss der Metro App Entwickler auf Developer-Tools wie MS Visual Studio zurückgreifen, die passenden Code anbieten, den man so auf üblichen HTML-Maschinen nicht finden wird. So zum Beispiel die Ansprache der Tablet-Sensoren, allen voran die Touch-Mechanik. Die Einarbeitungszeit dürfte für gute Developer recht niedrig ausfallen. Für Anfänger wird es natürlich schwerer, aber nicht unmöglich. Nur HTML geht eben nicht, Punkt.

Was hat Steven Sinofsky damit zu tun?
Steven ist der Chef des „Windows 8“ -Projekts, der zuvor für Windows 7 und davor für MS Office zuständig war. Er hat sich mittlerweile einen exzellenten Ruf als Manager erarbeitet und zahlreiche Journalisten wie auch Developer/agenturen haben Steven sehr gelobt. Er gilt zudem als kommender Nachfolger von Steve Ballmer, wohl nicht zu unrecht. Offensichtlich hat Microsoft in Steven einen Mann gefunden, der die Leistung des MS Personals auf die Straße bringt.

Sollte demnach Microsofts Idee, auch den Tablet-Market über Windows 8 erobern zu können, am Markt durchschlagenden Erfolg haben, dürften sich weltweit Millionen von Developern neuer Möglichkeitene erfreuen, ihre Software loszuwerden. Und das ist nicht von der Hand zu weisen, denn heute schon verfügt Microsoft über die mit Abstand größte Entwicklergemeinde weltweit. Kein Wunder, Windows ist das dominante Betriebssystem mit einem gigantischen Software- und Beratungs-Ökosystem.

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