Nachdem ich T3N bisher gerne gelobt habe, muss auch mal Kritik angebracht sein. Das Magazin T3N erscheint einmal pro Monat Quartal. Und bringt mittlerweile schon längst nicht mehr nur Themen rund um Typo3. Das Themenfeld hat sich mit der Zeit verändert, heute findet man zahlreiche Berichte rund ums Netz, Social Media, Social Commerce und und und.

T3N spricht hierbei vom Kuratieren, wenn es um das Produzieren von Inhalten geht. Was das bedeutet? Die Schreiberlinge rekrutieren sich nicht nur aus dem eigenen Haus, sondern extern. Das trifft mehr oder minder auf alle ausführlichen Artikel zu. Der Rückgriff auf schreibende Experten ist nicht ungeschickt. T3N spart Personalkosten, ruft Expertenwissen ab. Heraus kommt dann das Magazin T3N.

Kritisch betrachtet? Schreibt ein Experte Über, Für oder Gegen ein Thema an?
Kann man davon ausgehen, wenn man lauter „Experten“ – vornehmlich aus der Wirtschaft rekrutiert – die Artikel schreiben lässt, dass der Leser wirklich profunde Artikel zu Sachthemen bekommt? Profund heißt für mich, sich kritisch, sachlich und mit Know How mit einem Thema auseinanderzusetzen. Auffallend ist bei dieser Art von Kuratiererei in der T3N, dass ich in den Artikel nie jemanden „gegen“ ein Thema habe schreiben sehen. Es wird gerne der werbliche Eigennutz außen vor gelassen, so dumm sind die Verfasser dann doch nicht, aber unter „profund“ verstehe ich etwas anderes.

Muss es denn verwundern? Ein potentieller Verfasser, der von T3N kontaktiert wird, hat welche Motivation für Umme zu schreiben? Weil er katholisch angehaucht ist und nur das Gute im Menschsein durch Geben statt Nehmen vorleben will? Oder nicht doch eher seinen Eigennutz sieht, sich zu positionieren? Würde jemals ein Facebook Berater etwas gegen Facebook sagen? Grundlegend negieren? Würde er jemals auf die Idee kommen, dem Gros der Firmen ein Facebook-Engagement aus abertausenden von Gründen heraus auszureden? Wie dumm wäre das, der Experte würde sich sein Geschäft kaputtreden. Er ist ja nicht Ausredner, sondern ein Einredner. Zur Belohnung erscheint sein Profil in einer Box am Ende des Artikels. Mit Nennung seiner Firma und seiner Tätigkeit.

Von journalistischer Vermittlung kann daher bei T3N nicht die Rede sein. Jede Tageszeitung und jedes Fachmagazin, das etwas auf sich hält, würde mit dieser Art von Kuratieren in der Luft zerrissen werden. Auf dem Markt der Fachmagazine hat sich jedoch schon sehr lange diese Methodik des outgesourcten Schreibens durchgesetzt. Der Verleger profitiert von niedrigen Personalkosten, der Experte erhält Werbung. Das ist der grundsätzliche Deal. Muss man das jetzt gut heißen?

Grundlegend, was ist besser: Die neutrale und sachkritische Auseinandersetzung wie auch Vermittlung von Sachthemen oder das Gegenteil davon? Das kann man fast schon philosophisch beantworten. Aber lassen wir das. Drücken wir es wirtschaftlich aus. Viele Fachmagazine würden sich nicht über Wasser halten, weil die Abnehmer – meistens Wirtschaftsbetriebe – nebst dem Magazinpreis kaum genug für Werbung zahlen, um vernünftiges Fachpersonal des Verlages zu finanzieren. Zwar erneut eine Abhängigkeit, aber immer noch besser als Wölfe zu Schafen zu tragen. Und noch eins: Die Schaffung von redaktionellen Arbeitsplätzen fördert das oben beschriebende Outsourcing von Schreibkompetenz nicht. Eine soziale Frage, doch wir wollen Verlagen wie T3N nicht das auch noch aufbürden. Dennoch bleibt die Frage der sozialen Verantwortung im Raum stehen. Halten wir Verlagen wie T3N zu Gute, dass sie ein Opfer der wirtschaftlichen Verlagsentwicklung wurden. Sie können nicht mehr anders. Redaktionell bleibt eben einiges auf der Strecke.

Update
Zusammenfassung der Pro/Contra-Argumente aus den Kommentaren:

– Journalistische Herangehensweise wird nicht erwartet, stattdessen Fachliche, das macht die Autorenbox schließlich deutlich (Alex)

– Es wird sehr viel Zeit in das Veredeln der Artikel gesteckt. Durch Personalaufbau bei T3N bedingt zunehmend Zeit. Der Fachmann bleibt dem Journalisten fachlich stets überlegen. Und, für viele Fachthemenbereiche gibt es keine Journalisten. Daher gilt: Beide Welten für T3N miteinander zu verbinden, ist das „best of“ aus Wissen, Journalismus und Engpassfaktoren. Zudem möchte man mehr „Positivistisch“ denn „Kritisch“ erscheinen. (Andy, Mitherausgeber und Jan Tissler, Redakteur T3N)

– Abhängigkeitsverhältnisse bestehen immer. Es wiegt beim Externen schwächer, somit ist dort fundierte, kritischere Berichterstattung zu erwarten (Rupert)

– Tiefe und kritische sachliche Auseinandersetzungen sind die Würze in jedem Artikel (Frank Bültge)

– Für spezialisierten Fachzeitschriften ist es sinnvoller, wenn externe Autoren mit Praxiswissen schreiben. Zudem gilt, positive Beiträge werden lieber gelesen als kritische (Jens Grochtdreis)

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