Daimler hatte mich nach Teneriffa eingeladen, um sich dort die neue C-Klasse und den neuen SLK anzuschauen. Bevor ich auf die Autos komme (in einem folgenden Artikel) wäre es vielleicht interessant, Euch mal so ein Event vom Ablauf her zu schildern? Solltet Ihr mal selbst das Vergnügen haben.

Vor dem Event?
Man erhält per Mail eine persönliche Einladung inklusive Link zu den Eventdetails, die auf einer Mercedes-Webseite hinterlegt sind. Dort wird erklärt, um was es sich handelt, wie das Programm aussieht und wo/wann das genau stattfindet. Nachdem man via Mail zugesagt hat, bekommt man die Programminfos im Detail und die Flugdaten zugeschickt.

Anreise?
Am frühen Donnerstag Morgen ging es mit dem Taxi zum Flughafen Hannover, wo der Lufthansa-Flieger um ca. 6 Uhr Richtung München abhebt. Gebucht war die Business Klasse. Sowohl für das Taxi aber auch für die Flugtickets kommt Daimler auf. Die Taxikosten kann man nachher via Rechnung erstatten. Die Flugtickets ordert Daimler im Voraus. In München angekommen meldet man sich an einem eigenen Checkin-Schalter von Mercedes, der für dieses Event vorgesehen war. Da warten schon zwei Mercedes-Mitarbeiter, die einen begrüßen. Dann gehts ab zum Gate, wo sich die anderen, eingeladenen Event-Teilnehmer versammeln. Es handelt sich um Journalisten inkl. Fotografen und Kamerateams, Blogger (die nicht nur Autoblogs betreiben), Daimler Mitarbeiter (Presseabteilung) aber auch Daimler eigene Fotografen und Kameraleute, die im Auftrag von Daimler Shootings machen. Für die Event-Teilnehmer wurde eine eigene Chartermaschine gebucht, so dass die Teilnehmer gemeinsam nach Teneriffa fliegen. Während des Fluges hat man dann genügend Gelegenheit, sich mit den anderen Teilnehmern auszutauschen bzw. die Leutchen kennen zu lernen.

Ankunft
Am Flughafen von Teneriffa holt man sein Gepäck ab, bekommt die ersten Anweisungen von Daimler Mitarbeitern, wie es weiter geht. Konkret geht es um das Aushändigen des Roadbooks, das die Strecke erklärt, die man gleich mit dem Testwagen abfahren wird. Die Route ist in zwei Etappen unterteilt. Die natürlich bereits vorab in das Navisystem einprogrammiert wurde. Am Flughafen-Parkplatz standen rund 20 Mercedes C-Klasse Wagen mit unterschiedlichen Konfigurationen bereit, Limousinen, Kombis, andere Farben und Motoren. Man geht demnach zu einem eigenen Counter, wo man den Perso und Führerschein vorzeigt und irgendeinen Rechtswisch unterschreibt. Nebenan steht der Schlüsselmeister bereit, mit dem man ausmacht, welchen Wagen man fahren möchte. Ein Blick auf den PC-Monitor zeigt Dir, welche Wagen noch frei sind. Mercedes 200 CDI, Mercedes 350 CDI, Automatik, manuelle Schaltung, Kombi, Limousine, etc. Je nach Gusto und Verfügbarkeit bekommt man seinen Wunschwagen. Ich hatte mir einen Mercedes 350 CDI Kombi mit Automatik geschnappt. Raus aus dem Flughafengebäude, ab zum Parkplatz. Dort stehen die Autos in Reih und Glied. Kleines Gimmick am Rande: Die Wagen sind mit den gleichen Kennzeichen ausgestattet, nur die letzten beiden Ziffern sind anders (S – CC – 1001, 1002, 1003). Ich hatte den Wagen mit der Endziffer 40. Da die Autos nach diesen Kennzeichenziffern wortwörtlich aufsteigend abgestellt waren, bin ich bis zum Schluss der langen Reihe und habe dort meinen knallroten Testwagen entdeckt. Wer will, kann sich von den bereitstehenden Daimler Mitarbeitern den Wagen und dessen Bedienung erklären lassen. Auch interessant: Die Autos sind mit Telefonen ausgestattet, um im Notfall das Daimler-Team kontaktieren zu können. Auch hat man zwei Wasserfläschchen bereit gestellt. Zwei? Manche fahren alleine, andere zu zweit, je nach nachdem.

Testfahrt
Schlüssel rein, Zündung an, Navi ein, Sitz und Spiegel verstellen und los gehts. Die erste Etappe geht über 65 KM zu irgendeiner Zwischenstation. Durch die Stadt, raus auf die Autobahn, dann über Landstraßen, Serpentinen artige Wegstrecken (Teneriffa ist eine Vulkaninsel mit bis zu über 3.000 Meter hohen Bergen), wieder zurück über die Autobahn, bis zum Zwischenziel. Die meisten Testwagen-Teams halten zwischendurch an, um Fotos und Videos an geeigneten Orten zu schießen. So dauert es rund 2 Stunden, bis man ankommt. Laut Programmheftchen sollte man bis 15:30 Uhr da sein. Am Zwischenziel angekommen, einem netten Hotel, wird man mit Speis und Trank verköstigt. Auf dem Hotelhof stehen 3 Mercedes C-Klasse Rennwagen und die erste Mercedes C-Klasse. Im Hotel findet man einen größeren Raum, wo Daimler einige kleinere Stände in der Art von Messeständen aufgebaut hat. Wer mag, kann sich dort mit den Daimler Experten austauschen. Viel Zeit ist dafür nicht, da man um 16:30 zur zweiten Etappe startet. Die beträgt dann 160 KM. Auch über Serpentinen, Dörfer, Landstraßen und Autobahnen. Während der Fahrt kommt man immer wieder an anderen Teams vorbei, die ihren Testwagen für Shootings am Wegrand abgestellt haben. Am Ende der Etappe ist man schon am Hotel, in dem man übernachten wird. Aussteigen, Schlüssel abgeben, ab aufs Zimmer. Denn schon um 19:30 Uhr findet eine Pressekonferenz statt. Da man knapp vor ankommt, ist nicht viel Zeit, um es sich auf dem luxuriösen Zimmer des X-Sterne Hotel bequem zu machen. Im Hotel bekommt man auch noch eine Pressemappe mit den Daimler Mitarbeitern überreicht, die einem für Fragen zur Verfügung stehen. Nach der PK geht es ab zum edlen Abendessen, dann hat man auch Zeit, sich mit den Daimler-Leuten über alles Mögliche rund um die C-Klasse zu unterhalten. Pressemitarbeiter, Designer, Entwickler, Produktmanager. Klar, Mercedes hat auch hier drei C-Klasse Wagen mitten im inneren Hotelhof aufgestellt. Einen Kombi, eine Limousine und das Coupe.

Der zweite Tag ist ähnlich. Dieses Mal konnte man sich einen SLK schnappen. Erneut zwei Etappen. Wobei die erste Etappe über spektakuläre Serpentinen bis hoch zu einer Sternenwarte führte. Das Wetter änderte sich hierbei dramatisch. „Unten“ schien die Sonne, 25 Grad warm. „Oben“ wurde es immer bewölkter, bis man nur noch durch eine Nebelsuppe fuhr, inklusive Regen bis Schneefall und starkem Wind. Oben angekommen, konnte man kurz an einer Führung durch die Sternwarte teilnehmen. Dann wieder runter, dieses Mal 180 KM bis zum Ziel. Auch einem luxuriösen Hotel mit großen Zimmern, Meerblick, leckerem Essen und tollen Ausblick (es handelte sich um ein edles Golfhotel am Meer). Pressekonferenz und Gespräche mit entsprechenden SLK Zuständigen inklusive.

Orga insgesamt
Die Orga so eines Auto-Events ist hierbei erstaunlich komplex. Teams fahren vorab die möglichen Strecken ab, damit die Presse nicht nur den Wagen auf unterschiedlichen Straßenverhältnissen ausführlich testen kann, sondern auch visuelle Locations bekommt (Fotos, Videos). Die Teilnehmer müssen eingeladen werden. Die Autos müssen verschifft und je nach Plan an verschiedenen Orten geparkt werden. Automechaniker kümmern sich nicht nur um das Betanken. Die Hotel wollen bebucht werden, die Flüge auch. Die Verpflegung will eingeplant sein. Die passenden Mitarbeiter müssen ausgewählt werden. Man bietet auch eigene Fotografen an, die die geladenen Gästen eigens für bessere Fotos nutzen können. Simultandolmetscher sind auch vor Ort. Denn, so ein Event findet über mehrere Wochen statt, da aus allen möglichen Ländern Presseleute eingeladen werden. Die natürlich nicht alle gemeinsam zu einem Zeitpunkt eingeladen werden. Schon alleine das Abstellen der PKWs vor dem Flughafen ist eine logistische Herausforderung. Selbst an Kleinigkeiten wie das Voreinstellen von passenden Musiktracks wurde gedacht. Die man während der Fahrt laut Roadbook an bestimmten Wegstrecken abspielen kann. Oder die bestellte Simultandolmetscherin, die auf der Pressekonferenz für Non-Deutsche auf englisch übersetzt hat. Dazu standen auf den Tischchen Kopfhörer-Geräte herum. Usw usf etcpp. Ein irrer Aufwand, dazu noch picobello edle Locations inkl. der Hotels. Was auch immer man von Autos halten mag, aber die Orga ist eine Meisterleistung! Selbstverständlich möchte Daimler als Edelmarke keine 08/15 Hotels buchen, ebenso wenig will man bei der Orga stümperhaft rüberkommen, auch das gehört dazu.

Ich hänge Euch mal als PDF den Grobplan an, damit Ihr Euch das anschauen könnt.

Resümee aus Blogger-Sicht
Für uns Blogger ist es dennoch nicht so einfach wie es scheinen mag. Trotz perfekter Orga, die auf klassische Pressejournalisten ausgerichtet ist. Es ist wenig Zeit für Berichte zwischendurch, obleich unser Event eigens wegen Bloggern etwas weniger mit Programmpunkten vollgepackt war. Die Presse ist es scheinbar gewohnt, asynchron zu berichten. Wir Blogger sind eher mehr „realtime“ eingestellt. So würde man gerne eher zwischendurch bloggen, twittern, facebooken. Doch mangels Datenverbindungen – eigene SIM Karten stellt Daimler nicht zur Verfügung – kann man lediglich im Hotel aufs WLAN zugreifen. Das leider nicht allzu fett war, bei mir war es zudem extrem instabil auf den beiden Zimmern, in denen ich übernachtet hatte. Hinzukommt, dass im Hotel kurz nach dem Ankommen die Pressekonferenzen stattfinden, das Abendessen wartet auch, die Daimler Mitarbeiter stehen zur Verfügung, das will man sich nicht wirklich entgehen lassen. Sprich, wenig Datenfenster und wenig Zeit, um sich realtime zu äußern. Man muss aber dazu sagen, dass man WLAN seitig bei den Zwischenstation nicht geschludert hatte. Es wurde ein eigenes Mercedes WLAN zu Verfügung gestellt, entsprechende Login-Karten ausgeteilt, Lob Lob! Nur, bei den Zwischenstation war wenig Zeit, um mal mehr als ein Biep von sich zu geben. Auch fällt auf, dass Daimler wenig Barcamp-Kultur geatmet hat. Warum? Die Teilnehmer stellen sich nicht vor (Name, 3 Tags), es gab hierzu keinen eigenen Orgapunkt. Auch gab es kein vorab vereinbartes Hashtag. Ebenso wenig gab es eine Art expliziter Blogger-Lounge, damit die Blogger untereinander einen Versammlungspunkt vorfinden. Ich wusste bis zum Schluss nicht genau, wer Blogger und wer Pressefuzzi ist. Und Strom? Heute gibt es keine Web-Konfi mehr, die ohne Verlängerungskabel und Dosen auskommt, damit die stromhungrigen Blogger ihre Geräte aufladen und sorgenlos betreiben können. Weder bei den Zwischenstationen noch an den Zielen gab es an den einzelnen Versammlungspunkten derartige Auflademöglichkeiten. Man musste letztlich doch aufs Zimmer. Klar, ich gehe davon aus, dass Daimler mit der Zeit lernen wird, sich auch unseren Bedürfnissen besser anzupassen. Oben habe ich ja bereits ausführlich geschildert, wie komplex so ein Event ist. Das wird nicht von Heute auf Morgen passieren, dass wir Blogger ein Event geboten bekommen, was unserer Art zu berichten viel eher entspricht.

Update: Auf Facebook könnt Ihr einer Diskussion folgen, die schon oft geführt worden ist. Es geht um Blogger Relations, ob Blogger und Unternehmen publizistische Problemzonen haben. Hätte nicht gedacht, dass sehr alte – von ihren Ursprüngen her – Diskussionen über Blogger Relations nach wie vor für manche interessant sind, aber wenn es altes Wissen auffrischt oder Neues für die bietet, die das noch nicht kennen, einfach folgen.


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