Es mag für viele der Blogger nicht erstrebenswert sein. Ebenso wenig mag es deren deklariertes Ziel sein. Sagen wir es daher mal so, „wie wird man bekannt“ ist als Frage exakt so zu verstehen, weniger „wie werde ich gezielt bekannt“. Man wird bekannt, ob man es will oder nicht. Welche Mechanismen spielen eine Rolle? Und vorneweg, wir gehen jetzt nicht von Personen des Zeitgeschehens aus, die allgemein über andere Kanäle bereits bekannt geworden sind (Fußballer, Musiker, Politiker…). Gehen wir von Menschen als Blogger wie Du und ich aus. Auch vorneweg, die Wertung der Frage, was es einem bringt, bekannter zu werden oder gar warum man das will, betrachte ich nicht.

1. Hauptfaktor ist Kontinuität
Bis man als Blogger anderen Bloggern, der Presse und natürlich auch bei Lesern bekannt wird, dauert es in der Regel eher Jahre denn Wochen. Man sammelt sozusagen Kontaktkilometer um Kontaktkilometer. Jede Blog-Aktivität erreicht einen bestimmten Kreis von Menschen. Wie macht sich das bemerkbar? Einige Kontakte bleiben dabei „hängen“, kehren zum Blog zurück. Sporadisch oder regelmäßig. Wichtig ist dabei „nur“ zu verstehen, dass wenige Prozentbruchteile von Neukontakt zu Wiederkehrer konvertieren. Das könnt Ihr an Eurer Besucherentwicklung beobachten. Von sagen wir mal 100 neuen Besuchern (was schon recht viel wäre für normale Blogs) am Tag kommen, rund 1-2 Personen wieder. Wir reden demnach von rund einem 1%. So ist Kontinuität bei diesem Aufbau von Kontaktkilometern der wichtigste Dreh- und Angelpunkt.

Regelmäßige Wiederkehrer? Geht es nur darum? Nope, wer sich einen Namen gemacht hat, dem fällt es leichter, neue Kontakte zu erreichen. In der heute vernetzten Welt muss man nicht allein auf den Faktor „regelmäßiger Leser“ schielen. Es führt auch dazu, dass man mit jedem Blog-Posting eine höhere Chance hat, auch außerhalb seines Kontakt-Dunstkreises wahrgenommen zu werden. Von denen, die „mal schon von Deinem Blog und Deinem Namen was gehört haben“.

Kontinuität ist auch in anderer Hinsicht sehr wichtig: Man trainiert sich selbst, immer besser Gefühltes und Erlebtes aufs Blog bringen zu können. Man sieht nicht nur mehr aus seiner Umgebung mit Blog-Augen, man versteht auch eher, wie man es noch besser vermitteln kann. Training! Erfahrung!

2. Gesicht zeigen
Es ist ungemein hilfreich, wenn man wortwörtlich eine fühlbare Fläche bietet, als Mensch anfassbar zu sein. Wer verbirgt sich hinter den Artikeln? Wie tickt man? Was denkt man? Wie fühlt man? Brennt man für ein Thema? Welche Werte vertritt man? Die Summe dieser menschlichen Attribute macht einen Blogger insgesamt fühlbarer, wenn er sie denn via Blog transportiert und transparent macht. So bildet die Verbindung aus dem Thema des Artikels und dem Mensch dahinter eine Einheit, die viel greifbarer ist denn eine bloße sachliche Darstellung ohne Menschgesicht zu zeigen. Man könnte es auch als eigenen, unverkennbaren Stil bezeichnen oder auch als „Voice“ vergleichbar mit Musikern. Das ist nicht bloß der Schreibstil alleine!!

Es gibt Blogger, die schreiben sauber, super strukturiert, auf den Punkt genau. Nur, ihre Voice bleibt dabei auf der Strecke. Sie sind auswechselbar, man vergisst sie eher denn Menschen mit einer ausgeprägten Blog-Voice.

Wie versuche ich das? Ich schreibe so, wie ich rede und fühle. Das folgt nicht unbedingt einem grammatikalisch korrekten Satzbau und einer korrekten Wortwahl. Somit verbiege ich eher die üblichen Sprachmuster denn meine Voice den Sprachregeln anzupassen.

Auch wird die Voice durch das Layout getragen, das mit dazu beiträgt, die Voice zu vermitteln. Das ist die Summe aus Design, inhaltlichen Elementen und derer Anordnung. Für viele, wie auch für mich, ist es jedoch sehr schwer, Voice in Layout zu übersetzen. Tja…

Ein weiterer Aspekt ist dabei sehr wesentlich: Wenn man etwas beschreibt, versetzt man sich auch und vor allen Dingen mit Gefühl in das Thema. Es ist bei Weitem nicht nur eine reine Kopfgeschichte. Während man sich in Stimmung versetzt, spiegelt das geschriebene Wort die Summe aus Gefühl und Verstand als Ergebnis dieses Prozesses wider. Wie soll ich es anders sagen? Wenn man beispielsweise über das Bloggen schreibt, ist man das Blog in sich selbst, man wird zum Blog in der Gesamtheit seiner Summe. Wie ein Basketballwerfer, dem man sagt „sei der Ball“. Versteht Ihr das einigermaßen?

3. Ausufern
Ausufern ist ein negatives Wort, doch meine ich das nicht negativ. Es ist für einen Blogger ungemein wichtig, sich auch mit den Themen anderer Blogger und im Allgemeinen mit Netzthemen zu beschäftigen. Wer immer nur auf seinem Blog bleibt, wird es schwerer haben. Als? Als Blogger wie ein Udo Vetter, der sein Fachthema immer wieder mit den Blogger-Themen in Einklang bringt. Sobald ihm etwas außerhalb seines Blogs interessant genug erscheint, es mit seinem Fachthema (Rechtswesen) zu verbinden, wird das auf seinem Blog zu finden sein.

Es ist wie eine Verbindung auf Augenhöhe, ein Thema mit anderen Augen zu betrachten, es anzureichern, mit eigenen Wissen und Gedanken. Das heißt eben nicht, dass man themenfremd schreiben muss. Man verbindet zwei Themen miteinander.

Was ist das Resultat dieser Tätigkeit? Man erweitert den Wirkkreis seines Blogs wesentlich, wenn man das nur kontinuierlich und regelmäßig macht. Dies hat, um im Beispiel zu bleiben, ein Udo Vetter seit Jahren erfolgreich getan und heute ist Udo Vetter „der“ Rechtswesen-Blogger schlechthin.

Statt Ausufern können wir auch gerne „verlinken“ sagen.

4. Medienhebel
Als Ergebnis aus Kontinuität, Voice und Ausuferung hat man mit der Zeit den Kontaktkreis dermaßen erweitert, dass ein häufigeres Auftauchen auf dem Radar Dritter fast schon automatisch zu Pressekontakten führt. Früher oder später wird die Presse anbimmeln und Dich um Deine Meinung als Experte/Blogger fragen. Medien befördern die Bekanntheit eines Bloggers ungemein. Allzu viel Worte will ich daher dazu nicht unbedingt verlieren.

5. Frequenz
Es geht nicht nur um Voice und Kontinuität. Natürlich ist ein Faktor beim Aufbau von Kontaktkilometern selbstverständlich auch die Posting-Frequenz. Je weniger Schritte man in einer gegeben Zeit macht, umso kleiner wird die Strecke ausfallen, die man zurücklegt. Es ist wie im Fernsehen: Es gibt Sternchen, die tauchen selten im Wohnzimmer auf. Dann gibt es Stars, die regelmäßig im Wohnzimmer auftauchen. Klaro, oder? Mit dem Bloggen verhält es sich genauso. Die Wirkweise der steigenden Bekanntheit hängt eng mit der Posting-Frequenz zusammen.

6. Qualität
Nun kann man eine Strecke in weniger oder mehr Schritten zurücklegen. Das spiegelt sich in der Qualität der Artikel wider. Je oller die Summe von 100 Postings vom Mehrwert her ausfällt (Spaß, Information, what ever), umso mehr Schritte benötigt man, um eine Strecke zurückzulegen. Das ist eng verbunden mit der Kondition eines Bloggers. Natürlich entwickelt ein Blogger eine gewisse Ausdauer, doch je mehr Schritte er machen muss, umso mehr „Kraft“ muss er investieren. Er wird mehr oder minder nie bekannt werden, da seine Power nicht ausreicht. Irgendwann ist eben die Grenze erreicht, was den Output angeht, den er verkraften kann. Viel Mist macht eben viel Mühe, macht jedoch nicht die mangelnde Qualität wett.

Qualität ist beim Bloggen eine ominöses Ding. Wie misst man schon die Qualität eines Artikels? Wie schreibt man „qualitativ“?

Oben haben wir bereits etwas von Voice gesagt. Wer eine unverwechselbare Stimme entwickelt, muss ein Thema nicht unbedingt informativ reichhaltiger rüberbringen. Die Tatsache, dass er dem geschriebenen Wort mehr Stimme und damit auch Wirkkraft verleiht, übertrifft die Wirkkraft eines Bloggers, der rein informativ besser schreibt. Es ist dabei völlig egal, ob es sich um ein technisches oder esoterisches Blog handelt. Kann man anders sehen, ich aber nicht.

7. Zusammenfassung
Die Bekanntheit eines Bloggers ergibt sich aus
– Kontinuität
– Voice
– Verlinken
– Medienpräsenz
– Posting-Frequenz
– Qualität

Diese Prinzipien sind in meinen Augen auf jeglichen Blogger anwendbar, völlig egal, welches Thema das Blog abfrühstückt. Nun kann man sich abschließend fragen, was man davon hat, bekannt zu sein? Die Frage war nicht Thema des Artikels. Thema war, was die Komponenten sind, wie man als Blogger bekannter wird.

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