das vierte Update (siehe Tag „Wikileaks„, alle Artikel bis zu diesem Datum):

1. OpenLeaks heißt die deutsche Lösung des ehemaligen WikiLeaks Mitglieds Daniel Domscheit-Berg. Der uns als „Pressesprecher“ von Wikileaks verkauft wurde. Sein Lösungsansatz?

2. Siehe hierzu sein Interview mit Freitag.de

Wir arbeiten an einem dezentralen System von sicheren elektronischen Briefkästen mit dem Namen Openleaks. Damit wollen wir sicherstellen, dass jeder Verlag, jedes Medienhaus, jede NGO, jeder kritische freie Journalist einen digitalen Briefkasten bekommen kann, zu dem Whistleblower Informationen und Dokumente schicken können, ohne Gefahr zu laufen, entdeckt zu werden.

Soweit ich es in Erinnerung habe, wird das System kostenpflichtig sein. Stimmt das?

3. Daniel hatte sich mit Julian Assange aufgrund organisatorischen und strategischen Vorgehensweisen rund um Wikileaks verkracht. Anlass war die Veröffentlichung der Irak-Dokumente. Herbst 2010 verkündete Daniel seinen Ausstieg. Auf Wired.com kann man das interessante Chat-Protokoll zwischen beiden nachlesen, aus dem hervorgeht, wie sich beide in die Wolle bekommen. Hauptpunkt für Assange scheint die Geschwätzigkeit von Daniel zu sein, Dritte in die Wikileas-Sache mit reinzuziehen: Wikileaks Revolt. Siehe auch den Heise-Artikel dazu. Ach ja, Daniel wird ein Buch über Wikileaks veröffentlichen, das im ersten Quartal 2011 erscheinen soll.

4. Aus 2.+3. erklärt sich demnach auch die Zusammenfassung der vermeintlichen Schwachpunkte von Wikileaks auf Netzpolitik: Aus Fehlern lernen: OpenLeaks

5. Eines der zentralen Kritikpunkte sei Assanges Geltungssucht und Zentralismus (=“alles an sich reißen zu wollen“). Im Leserinterview des Guardian äußerste sich Assange zu diesem Aspekt:

I originally tried hard for the organisation to have no face, because I wanted egos to play no part in our activities. This followed the tradition of the French anonymous pure mathematians, who wrote under the collective allonym, „The Bourbaki“. However this quickly led to tremendous distracting curiosity about who and random individuals claiming to represent us. In the end, someone must be responsible to the public and only a leadership that is willing to be publicly courageous can genuinely suggest that sources take risks for the greater good. In that process, I have become the lightening rod. I get undue attacks on every aspect of my life, but then I also get undue credit as some kind of balancing force

6. Nach wie vor hält sich das kolportierte und zu gerne wiedergekaute Gerücht, Wikileaks habe 250.000 Diplomatendepeschen einfach so veröffentlicht. Daraus wurde schnell die Meinung gestrickt, Wikileaks habe unverantwortlich gehandelt. Was nach wie vor nicht stimmt, da ein Großteil immer noch die bekannten Nachrichten-Verlage unter Verschluss und Sichtung halten. Auf Wikleaks selbst sind gerade einmal 1.000 Diplomaten-Dokumente öffentlich.

7. Im Rahmen der TedGlobal 2010 äußert sich Julian Assange zu „Why the world needs WikiLeaks

8. Rund um den Globus scheinen Journalisten vermehrt über die Rolle von Wikileaks in Bezug auf ihre eigene journalistische Tätigkeit zu diskutieren:
– Wired: Why WikiLeaks Is Good for America
– Guardian: Live with the WikiLeakable world or shut down the net. It’s your choice
– Neunetz: 5 Aspekte der aktuellen WikiLeaks-Revolution
– Emily Bell: How Wikileaks has woken up journalism
– Spiegel Online: Im Zweifel für die Meinungsfeigheit
– Süddeutsche: Inszenierung der politischen Fratze
– Stern.de: Wikileaks und wir

9. Die Webseiten von Mastercard, Visa und Postfinance wurden via Netz teils heftigst attackiert und waren zeitweise nicht mehr erreichbar. Dummerweise wurde im Rahmen dieser Aktionen der Begriff Cyberwar assoziiert, aber nun gut, es wird sich zeigen, ob man später vom „ersten, echten Cyberwar“ sprechen wird. Ich halte diese Interpretation für dämlich und irreführend.

10. PayPal hat bekannt gegeben, dass es die eingefrorenen Gelder auf dem PayPal-Konto von Wikileaks und der Wau Holland Stiftung freigeben werde, neue Zahlungsanweisungen werden jedoch nach wie vor nicht angenommen

11. Die neuesten Wikileaks-Enthüllungen drehen sich um den Öl-Konzern Shell, der nigerianische Behörden mit Informanten durchsetzt haben soll, um bestens informiert zu sein, aber auch beeinflussend zu agieren. Nigeria ist eines der größten Öl-Lieferanten weltweit. Zugleich wirft man seit jeher der ölproduzierenden Industrie in Nigeria nicht nur Korruption, sondern auch schwerste, ökologische Vergehen vor. Die nigerianische Regierung hat sowohl die Herkunft als auch die Ableitungen daraus heftig in Frage gestellt.

to be continued

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