lese mit Neugier den Artikel auf Facebook-Marketing „Google Konkurrenz: Facebooks Suchmaschine ist da“ mit Verweis auf die Quelle „Facebook Tests Show SEO May Be Possible With Open Graph“. Der eine Artikel ist doch etwas vollmundig, klar, die US-Quelle ist da schon etwas zarter mit der Interpretationswucht.

Natürlich interessiert mich das Thema, denn es sind nun einmal Tendenzen, wie sich das Auffinden von Informationen im Netz zu Ungunsten (wirklich ?) von Google verschiebt. Dabei geht es mir weniger um die Frage, ob ich nun Google oder Facebook toller finde, das ist mir persönlich völlig egal. Egal ist mir aber nicht, wie sich Menschen untereinander besser informieren.

Bedenke zunächst, was Google Ansatz ist: Beobachte das Verhalten der Menschen, auf welche Webseiten sie verweisen. Lasse es über maschinelle Interpreter laufen, gewichte die Ergebnisse nach Dutzenden von weiteren Faktoren abseits des reinen Linkverweises (Google Erfolgsgeheimnis) und sortiere sie so, dass Suchabfragen in aberwitziger Geschwindigkeit angezeigt werden. Googles Pfund ist nicht ein einzelnes Etwas, sondern die Gesamtheit der Maßnahmen, um sich als die Suchmaschine zu verstehen.

Der Vorteil gegenüber Facebook ist in der Tat, dass man sich als Suchmaschine versteht. Facebooks Kosmos ist im Moment auf das Abbilden menschlicher Beziehungen fokussiert, demnach eine völlig andere Ausrichtung. Selbstverständlich ist ein Ergebnis daraus, dass Menschen auf externe und interne „Seiten“ verweisen. Natürlich kann nun Facebook den gleichen Grundansatz wie Google nutzen, um die Suche nach Informationen werthaltiger zu gestalten. Etwas, das sich durch die Einführung des „Like“-Buttons logischerweise noch verstärkt hat. Menschen verweisen Menschen auf Informationen, zwischengeschaltet sind maschinelle Interpreter dieses Verhaltens. Das kann Google exzellent, Facebook hingegen hat nicht einmal ansatzweise daran gekratzt, was möglich wäre. Wie auch? Sie haben nicht die Personalstärke, sie haben nicht die internen Strukturen geschaffen, um Ressourcen hauptsächlich in dieses Business zu verlagen, und, es fehlt ihnen an geeigneten Personal, menschliche Sprache mit Fokus auf Suchen-Finden zu verstehen.

Was wir bisher bei Facebook allerorten funktional beobachten können, ist das Ausspielen ihrer Stärken: Verstehe den Menschen so, dass du ihm hilfst, dich besser mit anderen Menschen zu vernetzen. Wie sonst soll man die Hinweise verstehen „vernetze dich doch mit dem und dem“, „reaktiviere diesen passiven User“, „ich zeige dir in den Top-News Inhalte von Personen, mit denen Du interagierst“? Was spielt sich demnach auf Facebook ab? Verstehen Menschen Facebook als Suchmaschine? Verlinken sie, um selbst ein menschlicher Informationsfinder zu sein? Wenn sie verlinken, tun sie es aus sozialen Gummibärchen-Aspekten heraus. Nebst denen, die auf Traffic hoffen, aber am sozialen Spiel nicht vorbeikommen. Wer nicht kuschelt, der wird keine spürbaren Klickraten und absoluten Klickzahlen haben. Warum sind Menschen auf Facebook und was tun sie dort, aus welchem Grund? Beantworte diese Fragen, dann kannst Du Facebook als „Suchmaschine“ im googleschen Traffic-Muster verstehen. Scheiß auf Google-SEO, es wird Dir nix nutzen.

Daraus entstehen unendliche, weitere Möglichkeiten, wenn man Menschen zusammenbringt. Die Suche ist nur eine Möglichkeit, aber nicht die für Facebook. Ich wette, dass Facebook auf die nächsten Jahre hinaus an der Social Operating Software weiter basteln wird, Suche á la Google wird ein Randfaktor bleiben. Sie wären auch schrecklick dämlich, Googles Stärken zu imitieren. Wir sehen das alleine an den immensen Summen, die Microsoft in ihre Suchtechnologie investieren muss und wie schwer das ist, Google das Wasser zu reichen. Facebook besitzt diese Finanzmittel nicht, wird sie auch nicht darin hauptsächlich investieren.

Nochmals der limitierende Faktor Finanzmittel. Google hat einen gewaltigen Vorteil aufgebaut, der auf economies of scale aufbaut: „Bei positiven Skaleneffekten kann eine Firma mit einem Kapitaleinsatz von 2 Mio. € mehr produzieren als zwei Firmen mit einem Kapitaleinsatz von jeweils 1 Mio. €. Im Wettbewerb setzt sich also die große Firma gegen die beiden kleinen durch. Schreibt man diese Tendenz fort, bleiben in den jeweiligen Wirtschaftszweigen immer weniger, immer größere Firmen übrig, wodurch der Wettbewerb innerhalb der Branchen abgeschwächt wird. Da Wettbewerb aber eine wichtige Voraussetzung für die Effizienz von Märkten ist, kann so durch steigende Skalenerträge Marktversagen begründet werden.„. Wer heute eine Suchmaschine aufbauen möchte, um Informationen jeglicher Art auffindbar zu machen, muss mit zunehmender Indizierungsmenge gewaltige Finanzmittel aufbringen. Die Kosten fressen einen auf, bevor man in positive Cash Flows kommt. Konkurrenten wie Ask.com und Bing sind aber nebst Google auch noch da. Laut Berichten wird Facebook dieses Jahr 800 Mio USD umsetzen. Ein Großteil des Umsatzes muss in die Infrastruktur gesteckt werden, die ihren Kunden den sozialen Austausch ermöglicht. Google wird dieses Jahr über 25 Milliarden USD einnehmen. Facebook ist ein Social Network, Google zu 99% eine Suchmaschine. Es gibt rein auf finanzieller Basis keine Unternehmen weltweit, die Googles Position bedrohen können, um den Vorsprung einzuholen. Microsoft ist ein Gigant und sie schaffen es nicht auf imitierendem Wege, das sollte einem zu Denken geben. Egal wie viel Finanzkapital in die Suche gesteckt wird. Facebook ist aus diesem Ressourcen-Spiel raus. Schon immer gewesen.

Facebook wird sich weiterhin auf ihre Stärken konzentrieren, jegliche Gedanken, ob Facebook Google Konkurrenz macht, sind zwar auf den ersten Blick logisch, aber nicht korrekt gedacht. Nichtsdestotrotz wird Facebook als Trafficlieferant wichtiger, bedingt durch die Verhaltensweisen der Facebook-Teilnehmer. Das resultiert aber nicht aus einem googleschen Suchansatz.


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