Vorab eine klitzekleine Differenzierung: „Warum flattrn“ bezieht sich auf diejenigen, die den Dienst in der „Invite Only“-Beta Phase nutzen. Ich nehme an, dass der Anteil der Inhalteersteller (vorwiegend Blogger) überproportional hoch ist. Der Artikel dürfte auch für Foren-Nutzer spannend sein, bitte mitlesen. Vorab: Auch Foren-Benutzer können Flattr nutzen, siehe als Demo diesen Thread und achtet auf die Einbindung des Flattr-Buttons (Infos zum Einbinden).

Pro’s / Contra’s Dritter
Man kann einiges darüber im deutschen Blognetz darüber lesen, viele Argumente dafür und dagegen, macht Euch Euer Bild selbst:
– F!xmbr: Flattr Datenhandel leicht gemacht inkl. Argumenten gegen die „hohe“ Flattr-Provision von 10%
– Netzfeuilleton: Flattr – Die Dankbarkeitsökonomie
– siehe Rivva-Suche „Flattr“ für weitere Artikel

Warum Flattrn
Kommen wir zu den Inhalteanbietern – ich beziehe mich in meinem Fall als Blogger auf Blogger -, die am Flattr-System teilnehmen. Welchen Sinn macht es als Blogger daran teilzunehmen?

1. Ausstrahleffekt: Man nimmt symbolisch daran teil, um den anderen Bloggern bewusst mitzuteilen, dass sich nun eine weitere Chance bietet, für ihre Blog-Bemühungen auch monetär belohnt zu werden. Wie immer gilt: Nicht alle Blogger bloggen nur aus dem einen Grund, um berühmt zu werden und Kohle zu machen. Sie machen mit, weil es ihnen ein Bedürfnis ist. Aus welchen non-monetären Gründen auch immer. Angefangen bei denen, die monetäre Anreize stets von sich weisen bis hin zu denen, die nichts dagegen haben, aber danach nicht streben. Dennoch können auch diese Blogger bewusst am System teilnehmen, um den anderen, die nichts dagegen haben würden, diese Chance bewusst zu machen. Später kann man immer noch aus dem System wieder aussteigen. Zumal Flattr das Invite-System zum Buzzing geschickt einsetzt. Man wird als Teilnehmer motiviert, seinen Invite-Code ganz bewusst „abzuholen“, um damit andere einzuladen. Ergebnis: Auf Twitter, Facebook und in Blogs liest man häufiger „habe Invite-Codes“ abzugeben. Nebst der Platzierung des einheitlich aussehenden Flattr-Buttons, der für andere sichtbar wird. Auf Blogs, in Foren, im RSS-Strom und weiteren Webseiten.

Kostenpunkt im Moment: 2 Euro Minimum pro Monat inkl. 7% PayPal-Gebühr zum Aufladen des Kontos, um am Flattr-System teilnehmen zu dürfen.

2. Sozialeffekt: Unmittelbar mit dem Ausstrahleffekt ist ein Sozialeffekt verbunden. Bei Flattr handelt es sich nicht nur um ein System, in dem der Einzelne für sich agiert, sondern auch im Bewusstsein handelt, gemeinsam zu agieren. Wir alle, die teilnehmen, zahlen gemeinsam in einen Topf ein. Bei Flattr ist der Inhalteanbieter ebenso Einzahler – sonst könnte er keine Einnahmen von Dritten erhalten – wie diejenigen, die keine Inhalte anbieten. Ich kann mich nicht außen vor stellen und sagen „flattrt mich“, aber tue selbst keinen Beitrag zum Flattr-System einzahlen. Das ist bei Systemen wie Google AdSense eben nicht so. Dort kann ich als Nutznießer über eine Einbindung der AdSense-Banner auf meinem Blog teilnehmen, ohne auch nur einen Cent dafür aufbringen zu müssen. Zumal Googles System auf rein wirtschaftlichen Aspekten „werbe für meine Kunden“ basiert, das soziale Element lediglich am Rande mitschwingt.

3. Lottoeffekt: Ich warte nur auf die Story aus den USA und/oder anderen Ländern, wo ein Blogger seine 10.000 mit Flattr gemacht hat. So unwahrscheinlich ist das gerade in den USA nicht. Die neben Twitter und Facebook über weitere Trafficgeneratoren wie Digg.com aber auch den klassischen Medien verfügen, die recht intensiv über News aus dem Netz berichten. Ein gebündelter Laserbeam aus diesen Generatoren und man ist happy. Ich nenne es Lotto, da mich Flattr mitunter daran erinnert, weil es dieses Potential bietet. Sobald der Aufmerksamkeitsstrom („laserbeam“) auf Dein Blog fällt und der Flattr-Pool gut gefüllt ist, ist die Chance nicht unrealistisch. Üblicherweise nimmt man ja an, dass sich die Einnahmeströme im Durchschnitt so lala verteilen. Wenige, bekannte Blogs nehmen überproportional gut ein, die meisten Blogger bekommen vielleicht gerade mal so ihre Minimumgebühr von 2 Euro ebbeswas rein. Sobald der Lottoeffekt wiederholt auftritt und sich herumspricht, wird die Zahl der Flattr-Teilnehmer steigen. Bezogen auf die Inhalteanbieter.

4. Hilfeeffekt: Allseits beliebte Blogger-Abmahnungen sind Aufmerksamkeitsattraktoren. Im Falle des Falles können wir den Betroffenen recht einfach und schnell helfen, da wir über ein etabliertes Standardsystem verfügen. Wie wichtig etablierte Standardsysteme sind, zeigt sich im kommunikativen Bereich wie Twitter und Facebook. Es sind gemeinschaftlich normierte Vereinbarungen, an einem bestimmten Ort und/oder zu einem bestimmten Zeitpunkt auf eine bestimmte Art und Weise zu agieren. Je geringer die Hürden dazu sind und die damit einhergehenden „Verhandlungskosten“ (wo, wie und wann wollen wir etwas tun), umso eher und einfacher kann man helfen.

5. Soziale Einnahmeeffekte: Kommen wir zum letzten Punkt. Die meisten Blogs sind von ihrem Bekanntheitsgrad nicht sonderlich gut besucht. Alle existierenden Einnahmekanäle können diesen Nachteil nicht „reparieren“. Ob AdSense (basiert idR auf reiner Trafficskalierung, selbst mit 1 Mio PIs kommt man tendentiell auf 1.000 Euro Einnahme, die meisten gerade mal auf 10 Euro im Monat wenn überhaupt), Affiliate (auch rein basierend auf Trafficskalierung) oder Linkverkauf (unabhängig des Traffics, wird aber von Google abgestraft). Dass sich mal ein Werbekunde auf einem solchen Blog verliert, ist mehr Zufall denn Geschick und schon gar nicht Standard. Sprich: Die Summe der einzelnen Einnahmekanäle ist Müll! Ich kann es nicht beweisen, aber ich wette darauf, dass auch wenig bekannte Blogs eine wesentlich höhere Chance auf ein Vielfaches als bisher an den kümmerlichen Einnahmepotentialen mit dem Einsatz von Flattr haben. Die Treue und Loyalität der Leser zeichnet extrem viele Blogs aus, die mit Liebe befüllt werden. Gerade diesen Blogs bietet sich der seltene Lottoeffekt, der Hilfeeeffekt und der soziale Einnahmeffekt an.

Knackpunkte und weitere Warum-Gründe
Das alles ist schön und gut, dass wir als Blogger dafür trommeln, damit andere davon profitieren können. Wenn jedoch der Leser davon nicht zu überzeugen ist, werden wir als Inhalteanbieter im eigenen Saft schmoren. Ich für meinen Teil muss dennoch davor nicht zurückschrecken, es nicht zu versuchen. Finanziell beläuft sich mein werbliches Trommeln für Flattr auf rund 2 Euro im Monat Minimum. Und meine Überzeugung trägt dazu mehr bei, „kostet“ mich nichts.

Ich tue es auch, weil ich als Einzelner helfe, Flattrs Position gegenüber möglichen Kooperationspartnern zu stärken. Aber auch deren jetzige Manpower mit finanzieren möchte, die soweit ich weiß mit 5 Leuten denkbar knappe Ressourcen haben. Mit steigender Manpower ist es Flattr möglich, ihr Softwarepaket zu erweitern. Es kostet Zeit und Geld, Apps für Facebook-Nutzer anzubieten. Apps für moderne Smartphones wie das iPhone und Android basierende Handys. Es kostet Zeit und Geld, mit Kooperationspartnern zu verhandeln, aber auch viel Publicity-Power. Denn eins ist mir persönlich klar:

Die meisten User tummeln sich in Social Networks und Foren. Wenn Flattr dort nicht hinkommt, wird Flattr nicht zur Entfaltung kommen. Auf keinem anderem System wie Facebook, Twitter, Digg und anderen nationalen Social Networks werden derart viele Informationen und insbesondere auch Millionen von Linkverweisen untereinander kommuniziert.

Wo muss Flattr hin?
An wen kommt Flattr also heran, wo können User selbst aktiv werden?

An Google als globalen Trafficlieferanten No.1 kommt Flattr nicht ran, warum sollte Google neben die Suchergebnisse einen Flattr-Button einbauen? Sie haben keine Bedarf, ihr etabliertes System heißt AdWords.

Würde Flattr zum Beispiel in Facebook eine eigene App anbieten können, die es ermöglicht, auch den Facebook-User selbst zu flattrn, wäre das defintiv der Durchbruch. Warum Facebook nicht selbst ein derartiges System anbietet? Woher soll ich das wissen, warum Facebook zu dämlich ist? Die Chance, dass sie mit Flattr kooperieren ist zu gering, da Flattr momentan kein Player auf dem Markt ist und Facebook per se die Provisionen lieber selbst vereinnahmen möchte. Mit Twitter ist es ähnlich.

Was ist aber mit all den anderen SN Anbietern, die sich nicht als Micropayment Spezialisten sehen? Tja, darin liegt eine Chance für Flattr, sich mit den vielen Nummern 2 und 3 auf den nationalen Märkten zusammen zu tun.

Mein Trommeln hilft auch atomar-flüchtig mit, dass Foren-Usern bekannt wird, dass sie ohne Weiteres einen Flattr-Button in ihrer Signatur einbauen könnten, wenn der Forenanbieter das a.) zuließe und b.) die Signatur-Funktion HTML/JavaScript Code erlaubt.

Ergo?
Ergo helfe ich mit, indem ich dafür stimme, zu flattrn, darüber schreibe, den Button auf meinem Blog einbaue. Flattr hat ohne diese Publicity nicht den Ansatz einer Chance, sich als Micropayment Anbieter zu etablieren. Am Rande: Flattr sollte darüber nachdenken, den sozialen Effekt auf der Seite Flattr selbst viel stärker auszubauen. So kann ich mich auf Flattr weder mit anderen vernetzen, noch via Option Richtung Twitter und Facebook meinen anderen Netzen mitteilen, dass ich aktiv am System teilnehme. Warum soll ich nicht mit jedem Flattr-Klick reporten, dass ich jemandem etwas gegeben habe? Tue Gutes und Rede Darüber!



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