ein Kommentar von UschaSu (auf den Beitrag „Umwälzungen„):
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Nachdenken ist in alle Richtungen erlaubt – die Gedanken sind frei! Und das sicher noch sehr, sehr lange …

Ich glaube nicht, dass wir Menschen jemals unsere Hirnströme aka Gedanken und Gefühle direkt vernetzen werden. Das mag als SF eine spannende Vorstellung sein, aber:

1.) Wer sich für den technischen Fortschritt begeistert, neigt dazu, die Möglichkeiten zu überschätzen und die Irrwege und Abbrüche zu verdrängen. Was nicht mehr weiter beforscht wird, ist recht bald vergessen.

In den 60-er Jahren des vergangegen Jahrhunderts waren die Menschen so fortschrittsgläubig wie selten zuvor. Die unglaublichsten Sachen waren plötzlich möglich: die erste Mondlandung, die erste Herztransplantation, Atomstrom usw. Mit den Neuerungen wurden gigantische Hoffnungen verbunden, die endgültige Lösung aller irdischen Probleme schien in greifbare Nähe gerückt.

Und was ist daraus geworden? Weder die Besiedlung des Mondes noch des Meeresbodens sind weiter verfolgt worden. Die industrielle Produktion landwirtschaftlicher Produkte hat die Menschheit weder satt gemacht noch vom „Joch“ der Arbeit befreit. Es ist nicht mal soweit gekommen, dass wir, wie damals für das Jahr 2000 prophezeit, unsere Nahrung als Konzentrat aus Tuben drücken. Organtransplantationen sind bis heute ein extremer Eingriff geblieben, der die lebenslange, belastende Einnahme von Immunsuppressiva nötig macht, und so weiter … Sehr viele Visionen der 60-er Jahre haben es nicht oder nur sehr problembehaftet in die Realität geschafft.

2.) Allen gemeinsam ist, dass es in der Phantasie allzu leicht ist, drei Sprünge auf einmal zu nehmen. In der erdenschweren Umsetzung sind viele Probleme hingegen weitaus schwieriger zu überwinden – und mit jedem Schrittchen nach vorn tauchen neue Herausforderungen auf, deren Existenz man vorher nicht mal ahnte. Was wir immer mehr begreifen, ist, dass uns die Komplexität natürlicher Regelkreise überfordert. Weder können wir sie nachbauen noch haben wir überhaupt schon genügend Ahnung von den darin wirkenden Komponenten.

Das mag sich natürlich in der Zukunft ändern, aber die Entwicklung der Naturwissenschaften in den letzten 50 Jahren zeichnet imho ein anderes Bild. Da das so ist, sehe ich mittelfristig eher einen wachsenden Respekt vor der Weisheit der Natur und Jahrhunderte alten Methoden (organischer Landbau, naturheilkundliche Medizin, traditionelle Bauweisen etc.) und in bezug auf Innovationen die Hinwendung zu Technologien, die möglichst wenig in Regelkreise eingreifen. Das dürfte die vielleicht (sehr, sehr vielleicht!) mögliche, direkte Vernetzung unserer HIrnströme noch lange Zeit ausschließen.

3.) Nicht zu vergessen ist schließlich der Faktor Mensch. Würden wir, würden unsere Enkel einen solchen Eingriff überhaupt wollen? Man mag sich heute darüber wundern, wieviele Informationen viele Menschen freiwillig von sich preisgeben, verglichen mit dem Widerstand, den die geplante Volkszählung 1983 hervorgerufen hat. Das muss aber nicht heißen, dass diese Entwicklung immer so weiter geht. Viel eher dürfte das Pendel wieder zurückschwingen. Das entspräche dem normalen Lauf der Geschichte. Der Expansion folgt die Kontraktion, wenn sich die negativen Folgen der Überexpansion manifestieren. Konkret: Je mehr Menschen merken, dass sie sich in der Vergangenheit zu transparent gemacht haben, desto stärker wird das Bedürfnis nach Vertraulichkeit wiederkommen.

Der Mensch ist von der Natur als Individuum gedacht. Mit ganz klaren Grenzen. Wir können uns austauschen, miteinander empfinden, gemeinsam agieren – aber letztlich bleiben wir Einzelwesen. Geborgen und gefangen in uns selbst. In den letzten Dingen sind wir allein. Allein mit unseren Sinneswahrnehmungen, Gedanken und Gefühlen. Ich halte dies für eine so wesentliche natürliche Grenze, dass sie wohl kaum, wenn überhaupt jemals, aufgehoben werden kann.

Robert, die Fesseln der irdischen Welt sind schon jetzt nur temporär, jedenfalls für alle, die an Wiedergeburt glauben. Sobald Deine Seele den irdischen Körper verlässt, sprengt sie auch dessen Fesseln. Oder – da Du ja an nichts Überirdisches glaubst, richtig? – schwebt Dir vielleicht eher eine Verbindung von beidem vor: ein quasi-irdisches Leben ohne die biologischen Fesseln der Körperlichkeit? Ich fürchte, das wird wohl auf ewig ein unlösbarer Widerspruch bleiben. Allerdings lass ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Lass uns einfach mal alle paar hundert Jahre nachschauen … ;-)
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