Entries categorized as mensch

Dinge richtig tun wollen

08.04.2009 / 8 Kommentare

heißt eigentlich nicht, dass man Dinge nicht falsch tun darf. Ohne sich falsch zu fühlen. Im Umkehrschluss heißt es manchmal, zuviel zu richtig tun zu wollen. Und ehe man es sich versehen hat, wird man verloren sein, bei diesem Streben, das man eigentlich nicht gewinnen kann, wenn man sich dahinkämpfen möchte. Man scheitert an sich selbst, weil man nur ein Mensch ist, der nicht geboren wurde, um perfekt ins Schwarze zu treffen. Warum nicht bewusst auch was Falsches tun? Wenn man das nicht probiert, wird man nicht wissen, was im Grunde genommen für einen selbst richtig ist, oder für jemand anders. Das Falsche willkommen zu heißen ist genauso wichtig wie das Richtige. Ohne das wird man kein Gleichgewicht finden, da man weder den Nullpunkt noch die Extrema und die Zwischennuancen kennt. Und es ist verrückt, wer nur nach dem Richtigen strebt, macht es letztlich falsch. Erstaunlich wir Menschen sind. Lost, manchmal. Manchmal findet man den Weg aber wieder, entweder durch sich selbst oder von außen. Durch die Tür muss man aber selbst, um zu erkennen, dass das Streben nach dem Loslassen, nach dem bewussten oder unbewussten Abgleiten -was man manchmal nicht im Vorfeld erkennt- ins Falsche gut tun kann.

Lost…
Just because I’m losing
Doesn’t mean I’m lost
Doesn’t mean I’ll stop
Doesn’t mean I would cross

(btw, es geht nicht um mich, ich halte es anders;)

Tags:

Project Eyeborg

09.03.2009 / 2 Kommentare

die Webcam im Auge, Realität? Nicht in der Breite, noch nicht:

EYEBORG– The Two Week Trial from eyeborg on Vimeo.

Das was wir werden ist das, was wir waren und sind…

via Dvice

Der Mensch: gefesselt an sich selbst?

12.02.2009 / 2 Kommentare

ein Kommentar von UschaSu (auf den Beitrag “Umwälzungen“):
————————————————————————————–
Nachdenken ist in alle Richtungen erlaubt – die Gedanken sind frei! Und das sicher noch sehr, sehr lange …

Ich glaube nicht, dass wir Menschen jemals unsere Hirnströme aka Gedanken und Gefühle direkt vernetzen werden. Das mag als SF eine spannende Vorstellung sein, aber:

1.) Wer sich für den technischen Fortschritt begeistert, neigt dazu, die Möglichkeiten zu überschätzen und die Irrwege und Abbrüche zu verdrängen. Was nicht mehr weiter beforscht wird, ist recht bald vergessen.

In den 60-er Jahren des vergangegen Jahrhunderts waren die Menschen so fortschrittsgläubig wie selten zuvor. Die unglaublichsten Sachen waren plötzlich möglich: die erste Mondlandung, die erste Herztransplantation, Atomstrom usw. Mit den Neuerungen wurden gigantische Hoffnungen verbunden, die endgültige Lösung aller irdischen Probleme schien in greifbare Nähe gerückt.

Und was ist daraus geworden? Weder die Besiedlung des Mondes noch des Meeresbodens sind weiter verfolgt worden. Die industrielle Produktion landwirtschaftlicher Produkte hat die Menschheit weder satt gemacht noch vom “Joch” der Arbeit befreit. Es ist nicht mal soweit gekommen, dass wir, wie damals für das Jahr 2000 prophezeit, unsere Nahrung als Konzentrat aus Tuben drücken. Organtransplantationen sind bis heute ein extremer Eingriff geblieben, der die lebenslange, belastende Einnahme von Immunsuppressiva nötig macht, und so weiter … Sehr viele Visionen der 60-er Jahre haben es nicht oder nur sehr problembehaftet in die Realität geschafft.

2.) Allen gemeinsam ist, dass es in der Phantasie allzu leicht ist, drei Sprünge auf einmal zu nehmen. In der erdenschweren Umsetzung sind viele Probleme hingegen weitaus schwieriger zu überwinden – und mit jedem Schrittchen nach vorn tauchen neue Herausforderungen auf, deren Existenz man vorher nicht mal ahnte. Was wir immer mehr begreifen, ist, dass uns die Komplexität natürlicher Regelkreise überfordert. Weder können wir sie nachbauen noch haben wir überhaupt schon genügend Ahnung von den darin wirkenden Komponenten.

Das mag sich natürlich in der Zukunft ändern, aber die Entwicklung der Naturwissenschaften in den letzten 50 Jahren zeichnet imho ein anderes Bild. Da das so ist, sehe ich mittelfristig eher einen wachsenden Respekt vor der Weisheit der Natur und Jahrhunderte alten Methoden (organischer Landbau, naturheilkundliche Medizin, traditionelle Bauweisen etc.) und in bezug auf Innovationen die Hinwendung zu Technologien, die möglichst wenig in Regelkreise eingreifen. Das dürfte die vielleicht (sehr, sehr vielleicht!) mögliche, direkte Vernetzung unserer HIrnströme noch lange Zeit ausschließen.

3.) Nicht zu vergessen ist schließlich der Faktor Mensch. Würden wir, würden unsere Enkel einen solchen Eingriff überhaupt wollen? Man mag sich heute darüber wundern, wieviele Informationen viele Menschen freiwillig von sich preisgeben, verglichen mit dem Widerstand, den die geplante Volkszählung 1983 hervorgerufen hat. Das muss aber nicht heißen, dass diese Entwicklung immer so weiter geht. Viel eher dürfte das Pendel wieder zurückschwingen. Das entspräche dem normalen Lauf der Geschichte. Der Expansion folgt die Kontraktion, wenn sich die negativen Folgen der Überexpansion manifestieren. Konkret: Je mehr Menschen merken, dass sie sich in der Vergangenheit zu transparent gemacht haben, desto stärker wird das Bedürfnis nach Vertraulichkeit wiederkommen.

Der Mensch ist von der Natur als Individuum gedacht. Mit ganz klaren Grenzen. Wir können uns austauschen, miteinander empfinden, gemeinsam agieren – aber letztlich bleiben wir Einzelwesen. Geborgen und gefangen in uns selbst. In den letzten Dingen sind wir allein. Allein mit unseren Sinneswahrnehmungen, Gedanken und Gefühlen. Ich halte dies für eine so wesentliche natürliche Grenze, dass sie wohl kaum, wenn überhaupt jemals, aufgehoben werden kann.

Robert, die Fesseln der irdischen Welt sind schon jetzt nur temporär, jedenfalls für alle, die an Wiedergeburt glauben. Sobald Deine Seele den irdischen Körper verlässt, sprengt sie auch dessen Fesseln. Oder – da Du ja an nichts Überirdisches glaubst, richtig? – schwebt Dir vielleicht eher eine Verbindung von beidem vor: ein quasi-irdisches Leben ohne die biologischen Fesseln der Körperlichkeit? Ich fürchte, das wird wohl auf ewig ein unlösbarer Widerspruch bleiben. Allerdings lass ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Lass uns einfach mal alle paar hundert Jahre nachschauen … ;-)
————————————————————————————–

Umwälzungen: NoPrint -> Print -> Radio -> TV -> Internet -> Mobil -> Embedded

11.02.2009 / 5 Kommentare

Wann wurde die Schrift erfunden? Dazu die Wikipedia:

Traditionell wird Sumer als die Kultur genannt, in der die Schrift erstmals verwendet wurde. Die wohl ältesten Schriftfunde stammen von dem Fundort Uruk aus Abfallschichten unter der so genannten Uruk-III-Schicht. Sie werden somit ins 4. Jahrtausend vor Christus datiert. Es handelt sich dabei um Wirtschaftstexte. Die verwendete Schrift lässt allerdings keine Rückschlüsse auf die Sprache zu, es ist daher falsch, diese Schrift im strengen Sinne als sumerisch zu bezeichnen. Nur wenige Forscher glauben, dass es sich bei den Symbolzeichen der Vinca-Kultur, die in das 5. Jahrtausend v. Chr. datiert werden, um eine tatsächliche Schrift handelt. Die ägyptischen Hieroglyphen werden oft als eine aus Vorderasien importierte Idee angesehen; neuere Funde von Günter Dreyer in Ägypten stellen diese Lehrmeinung allerdings in Frage, und er vermutet eine eigenständige Erfindung.

Und, was hatte man davon?

Gemeinsam mit der Fähigkeit des Lesens bilden Schreiben, Schrift und Rechnen in den Industrieländern einen wesentlichen Teil von Tradition, Kultur und Bildung. Die Erfindung der Schrift gilt als eine der wichtigsten Errungenschaften der Zivilisation, da sie die Überlieferung von Wissen und kulturellen Traditionen zuverlässig über Generationen hinweg erlaubt, und deren Erhaltung (je nach Qualität des beschrifteten Materials und natürlich auch der Umstände) über einen langen Zeitraum garantiert. Alle bekannten frühen Hochkulturen (Sumer, Ägypten, Indus-Kultur, Reich der Mitte, Olmeken) werden mit der Verwendung der Schrift in Verbindung gebracht.

Mit jedem weiteren, technologischen Schritt (Buchdruck, Funkübertragung, Digitalisierung) wurde es immer leichter, Informationen zum Empfänger zu transportieren und in der Breite zu übertragen. An manchen Stellen wurden Informationsträger durch andere fast komplett ersetzt. Das beobachten wir nicht nur in der Musikindustrie, sondern auch im verlegerischen Bereich, wo Zeitschriften einen Auflagenschwund im Print beobachten (ganz offensichtlich im Bereich Gaming; Spieler beziehen aufgrund ihrer Aufgeschlossenheit und ihrer Nutzungsmuster mehr und mehr Informationen nur noch aus dem Web).

Das, was wir heute als Speerspitze der Informationsübertragung betrachten -manifestiert in Form von stationären und mobilen Computergeräten – wird mit Sicherheit ebenso wenig wie andere Übertragungsformen so schnell ersetzt. Aber, es wird erneut durch das Aufkommen immer kleinerer Geräte ergänzt, die man in die Hemdtasche stecken kann. Doch “Mobil” wird nur ein kleiner Zwischenschritt sein.

Embedded Systems, die im Körper implantiert sind, gehört die Zukunft, die allen externen Informationsträgern in jeglicher Hinsicht bei Weite, überlegen sein werden, nicht nur, was die Handhabung angeht. Und damit haben wir endlich unsere physischen Grenzen final überwunden, völlig unabhängig von externalisierten Techniken, Informationen in rasender Schnelle und Simplizität zu übertragen.

Es wird nicht nur den Einzelnen betreffen, sondern ich gehe von gesellschaftlichen Umwälzungen aus, die bei Weitem das übertreffen werden, was wir heute für denkbar erachten und an Rückeffekten auf die Menschen beobachten, was jetzigeTechnik verursacht. Sind wir dann alle “viele, vernetzte Superbrains”? Wird es dazu führen, das heute zwingend als notwendig erachtete Institutionen wie Staat, Militär und Wirtschaft auf den Kopf gestellt werden? Ich nehme es an. Es gibt nur ein kleines Problem.

Wenn, wenn wir uns auch im Zuge dieser Entwicklung auch mental weiter entwickeln. Denn alle Technik der Welt hat noch kein Gefühl wie Liebe, Hass, Freude und Trauer grundsätzlich verändert, höchstens den Zugang dazu. Dahingehend scheinen wir erstaunlich persistent zu sein. Liebe und Hass waren wohl vor 100.000 Jahren Menschheitsgeschichte exakt das gleiche Gefühl wie heute. Wenn sich das aber nicht ändert, was bringt dann Technik wirklich? Nur weil wir alle alles sehen und denken können, was der Mitbürger 10.000 KM entfernt sieht und denkt, ändert uns das wirklich? Widerspruch.. hm.. nicht auflösbar… weiterdenken… wie vom Objekt entfernen, wenn man Teil desselbigen ist? Ich sehe es aber mehr positiver denn negativer, da wir dadurch bessere Chancen in die Hand bekommen, Ressourcen vernünftiger zu verteilen, zunehmende Ressourcenknappheiten wie auch neuartige Probleme besser und besser gemeinsam in den Griff zu bekommen. Und uns gegebene, biologische Grenzen zu überwinden, dadurch natürlich Steuerungssysteme einer Gesellschaft, die meistens hierarchisch aufgestellt sind (Demokratie ist so gesehen nur ein sehr imperfekter Zustand im Sinne einer stellvertretenden Steuerung). Auch das liebe Geld wird dann eines Tages seinen langsamen Abschied sehen, da man aufgrund der wesentlich besseren Steuerungsmöglichkeiten keinen Nutzen mehr in monetär gelagerten Austauschsystemen sehen wird. Radikal? Ieehwooh… es ist eine einfache Logik. Geld ist lediglich ein externalisierter Faktor, um unsere mangelnde Informationstransparenz zu kitten.

Kann man sagen, wie fern diese Zukunft ist? Sie steht vor der Tür, sobald die Grundlagenforscher ihre Techniken auf die Menschheit loslassen. Erste Geräte, die man mit den Nervenbahnen verbindet, kennen wir ja bereits aus den medizinischen wie auch militärischen Bereichen. Ich liege wohl nicht falsch, wenn ich von einer bis zwei Generationen spreche. Sprich, meine Ur-/Enkelkinder werden womöglich die ersten “Normalnutzer” sein. Also in 20-50 Jahren. Das ist verdammt nahe an der Tür zum Heute. Wenn man so will, ist das übermorgen. Selbst 100 Jahre sind nichts, gemessen an der Dauer unserer gesamten Geschichte. Und um es abschließend nochmals zu betonen: Es wird ein neues Zeitalter einläuten, nichts anderes, nichts weniger. Das Informationszeitalter, wie manche Historiker zum Jetzt sagen, wird in der uns bekannten Form enden. Wie aber wird man das späte 21. Jahrhundert und das frühe 22. Jahrhundert bezeichnen? Meine eigentlichen Zukunftshoffnungen liegen jedoch nicht in der grundlegenden Erweiterung des biologischen Menschenkörpers, der nur allzu beschränkt in seinen angeborenen Fähigkeiten ist, sondern im 22. und 23. Jahrhundert, wo wir hoffentlich endlich unsere Fesseln sprengen können, um die Erde als Gefangene dieses winzigen Planeten zu verlassen. Hach, ich kann leider nicht so lange leben. Mist, Mist, Mist. Neugier:)

You cannot escape your destiny Luke
Tja, und warum das alles? Prometheus ist schuld, er hat den Göttern das Feuer gestohlen:)

Der Weg nach vorne

05.02.2009 / 46 Kommentare

ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Es ist schwer. Zufall oder nicht, aber die letzten zwei Wochen habe ich mit drei mir lieben Menschen gesprochen, deren berufliche, private und damit auch finanzielle Situation mehr als eng zu nennen ist. Alle drei haben eine Gemeinsamkeit: Sie stecken seit längerer Zeit in der Klemme und leben passiv in den Tag hinein, in der verzeifelten Hoffnung, dass es besser wird. Man versucht irgendwie an Geld heranzukommen, um wenigstens die Miete und das Essen zu bezahlen. Und der Schuldenberg wächst. Manchmal macht man einen Schritt kurzfristig nach vorne, mittelfristig aber drei zurück. Langfristig?

Es gibt an dieser Stelle nicht mal ansatzweise einen Grund, einen Vorwurf zu erheben. Jeder Mensch hat eine persönliche Kraftquelle, die irgendwann aufgebraucht ist. Bei dem einen früher, bei dem anderen etwas später. Wenn die Kraft nicht mehr da ist, lässt man die Dinge geschehen, zieht sich zurück, schaut weg und jeden Tag geht man mit einem Grummeln in der Magengegend schlafen und steht jeden Tag mit einem Grummeln in der Magengegend wieder auf. Mit jedem Tag nagt die Mischung aus Hoffnung, Trauer, Wut und anderen Dingen an einem. Jeden Tag wird man schwächer und kraftloser. Unaufhaltsam, bis zu einer persönlichen bottom line, wo man nicht mehr hinschauen mag. Was denjenigen unter uns unverständlich erscheinen mag, die solche Situationen nicht kennen. Aber ausnahmslos jeder -Ausnahmen bestätigen die Regel- wird in diesen zerstörerischen Situationen exakt das gleiche Verhalten aufweisen, wenn ihm keiner zur Seite steht. Niemand von uns ist aus Stahl gebaut, so sehr manche das von sich behaupten mögen. So gibt es kein Herabschauen auf diese Menschen, die in eine verzweifelte Lage geraten sind. Das Fatale ist insbesondere, dass es keinen irgendwann mehr gibt, der einem zur Seite steht, weil man sich in sich komplett zurückzieht.

Was bleiben diesen Menschen für Wege, wenn keine Kraft mehr da ist? Manche beschreiten einen Weg, den wir Lebende nicht gehen können und wollen. Es erscheint ihnen als beste Lösung, um niemanden mehr zur Last zu fallen und um sich selbst nicht mehr schämen zu müssen. Und mit jedem Freitod muss sich eine so reiche Gesellschaft fragen lassen, wann wir den Blick für unsere Mitmenschen auf dem Weg zum Wohlstand eigentlich verloren haben. Gerade in Großstädten, wo der eine dem anderen völlig fremd ist, obwohl man lediglich eine Tür weiter wohnt und lebt. Wir zahlen einen hohen Preis.

Der andere Weg ist? Es kann tatsächlich sein, dass man an eine Mauer gerät, wo einen die Verzweiflung so packt, dass man sie übersteigt und um Hilfe bittet. Um Hilfe bei den Stellen bittet, die dafür eingerichtet wurden, um wenigstens die Existenz zu sichern und den weiteren Weg nach vorne frei zu machen. Ich bin nicht der Typ, der sich allzu gut mit dem öffentlichen Apparat auskennt, so sei es mir verziehen, wenn ich die falschen Begriffe wähle. Es gibt das Sozialamt, es gibt das Arbeitsamt und es gibt Schutzgesetze -private Insolvenz- die einem den Rücken stärken und wieder freier atmen lassen. Um zu sich zu finden, einen Weg zu finden, wo man alleine aufgeschmissen wäre. Das, was die Gesellschaft von Mensch zu Mensch in Teilen nicht mehr auf Individualebene tut, wurde auf staatliche Stellen ausgelagert. Und es heißt nicht umsonst daher auch Sozialstaat, trotz aller Unkenrufe. Es ist kein Strafstaat, sondern diese Stellen wurden eingerichtet, um zu helfen, wo der Einzelne sich nicht mehr helfen kann. Das Schwierigste ist, diesen Schritt zu tun. In einer Situation, wo man sich selbst abgeschottet hat und nicht mehr die Kraft hat, diesen Gang zu gehen. Wir reden nicht von einem physischen Gang, sondern von einem mentalen Gang, der unendlich schwer fällt, da viele Dinge hierbei eine Rolle spielen, je nach Typus des Betroffenen.

Was wir tun können? Besser: Was ich tun kann? Ich sagte es, und ich schäme mich nicht um den Pathos, “i am my brothers keeper”, “i am my sisters keeper”. Ich kann versuchen, demjenigen meine Nähe zu geben, meine Unterstützung zuzusichern, wenn es zB der erste, begleitende Schritt zu dem Weg nach vorne ist. Das äußert sich in ganz einfachen Dingen, wie das Informieren über Mietrückstände, wie lange man damit in der Wohnung bleiben darf, um den kurzfristigen Druck zu nehmen. Das äußert sich darin, demjenigen die Möglichkeiten zu schildern, wo man hingehen kann, um nicht bestraft zu werden, sondern um zugehört zu werden und um Schritte einzuleiten, die einen endlich von dieser unendlichen Last befreien. Das, was ich nicht empfehlen würde ist, dem anderen mit eigenen Mitteln aus der finanziellen Notsituation aus der Patsche zu helfen, wenn man erkennt, dass die Situation kurzfristig so nicht mehr lösbar ist. Man schiebt damit nur den Zeitpunkt hinaus, wo das Gegenüber den einen oder anderen Weg beschreiten wird.

Boah, das ist so schwer zu schreiben, weil der Respekt vor der Verletzlichkeit des in Not Geratenen eine Gratwanderung ist, wo man zu schnell das falsche sagen kann. Jedoch, wenn man die Dinge nicht mehr klar sehen kann, ist es gut, dass es andere gibt, die für einen sehen wollen und begleitend an der Seite stehen. Was kostet es schon groß? Nichts, es kostet rein gar nichts. Es kostet nur etwas eigene Zeit, zuzuhören. Und wenn ich dran denke, dass wir Zeit für viel unwichtigere Dinge verplempern, muss ich sagen, dass es ein Zeitgewinn ist, wenn man zuhören will.