Bloggen: Die Anlaufstellen zwecks Infos, Austausch, Hilfe und Rat ?

publiziert am 23.11.201112 Kommentare

Blogs existieren seit über einem Jahrzehnt im deutschsprachigen Internetraum und sind mittlerweile kein begafftes Randphänomen mehr, sondern ein fester Bestandteil des publizierenden Teils der Nutzerschaft. Wo geht der Blogger hin, wenn er Hilfe benötigt, Rat sucht, auch Tipps und Tricks, die ihm auf die Sprünge helfen? Das eine Jahrzehnt hat in Teilen dazu ausgereicht, dass feste Strukturen und Anlaufstellen entstanden sind. Es ist allerdings nicht gerade so, dass die Anlaufstellen unzählbar und überlaufen wären. Erwartet also keine Wunder. Zu welchen grundsätzlichen Bereichen können Fragen aufkommen? Unterscheiden wir das grob in folgende Bereiche: Inhalt, Technik, Design, Recht, Werbung.

Anbei die mit Sicherheit unvollständige Liste, nicht ganz zufällig etwas WordPress lastiger, da WP nun einmal die populärste Blog-Software ist. Es ist auch keine ellenlange Liste, sondern kurz und knackig. Sollte Euch eine wichtige Seite fehlen, melden.

wordpress forumForum WordPress Deutschland = Technik, Design
Wordpress-Blogger werden in dieser Community rund um technische Fragen bestens bedient. Der große Bruder ist natürlich auf WordPress.org zu finden.

blogger united fb pageAuf Facebook findet Ihr eine Page namens “Blogger United“, die sich dem allgemeinen Austausch verschrieben hat: Stellt Euer Blog dort vor und vernetzt Euch. Eine populärere Facebook-Page habe ich bis dato nicht finden können.

wikio blogsInhaltlich kann man sich natürlich von anderen Blogs inspirieren lassen. Hierzu kann man folgende Verzeichnisse besuchen, die mal mehr mal weniger gut gepflegt sind: Wikio (am aktuellsten von allen), Blogoscoop, Bloggerei, BlogAlm, TopBlogs. Ob Ihr unter Umständen mit den Bloggern Kontakt aufnehmen wollt, bleibt Euch überlassen.
blogoscoopUnmöglich zu sagen, welcher Blogger auf dem Egotrip ist und keinen Kontakt will und welcher Blogger Fragen gerne beantwortet, solange sie hinreichend präzise und nicht ausschweifend formuliert sind (“was muss ich tun, um mein Blog zu starten, bekannt zu machen und reich zu werden” = gibts tatsächlich; manche Newbie-Blogger stellen sich beim schonenden Strapazieren der Nerven ihrer Blogger-Kollegen manchmal dämlich oder dumm an, schwer zu unterscheiden). Aber man muss nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Ein digitaler Kontaktaufbau in Schritten schadet nicht, um den Nasenfaktor einzuschätzen. Hier ein Follow, da ein Subscribe, drüben ein Comment, ein Like, ein Plus, ein Backlink, Abtasten und Austauschen nach Belieben ist sogar ganz außerhalb schnöder Mailwege möglich und machbar. Statt “ey, ich bin neu, was muss ich tun, um Dich zu nerven, Blogger”.

blogkolossBlogkoloss: Inhalt, Werbung
Daniel Koch bietet Euch auf seinem Blog zahlreiche, gut aufbereitete Artikel zum inhaltlichen Aufbau von Blogs. Kein Tschacka-Scheiß, sondern knackig, down to earth.

selbständig im netz blogSelbständig im Netz = Werbung, Inhalt
Peer Wandiger liefert Euch mit seinem Blog seit Jahren frei Haus Tipps rund um die Monetarisierungsmöglichkeiten von Blogs, gibt Euch zusätzlich sehr hilfreiche Hinweise, was die Inhaltegestaltung angeht. Peer hat mit “BlogProjekt” eine zusätzliche Seite aufgesetzt, die das wichtigste Blog-KnowHow zusammenfasst. Sein englischsprachiger Bruder ist das weltweit bekannte Blog “Problogger” von Darren Rowse.

perunPerun = Technik, Layout
Beim Vladi findet Ihr seit zig Jahren regelmäßig Tipps über all das, was man mit WordPress technisch anstellen kann. Eine etablierte Stelle im Netz, die ihresgleichen sucht. Übrigens, ein Blick auf sein Ableger-Blog “WordPress-Buch” ist ebenso ratsam.

bueltgeFrank Bültge = Technik
Franks Blog ist die Anlaufstelle schlechthin, wenn man das Anpassen von WordPress über den Einsatz von Plugins erlernen will. Mehr was für Entwickler und Frickler.

Internetrecht (.pdf) von Prof. Dr. Thomas Hoeren = Rechtliches
Es handelt sich hierbei um eines der bekanntesten Standardwerke im deutschsprachigen Raum, um das man nicht umhin kommt, gerade als Blogger

kriegs-rechtKriegs-Recht: Rechtliches
Ein unschätzbarer Fundus an dedizierten Blog-Rechts-Fragen findet sich beim RA Henning Krieg, der der Szene schon seit Jahren treu ist und diese mit exzellent aufbereiteten Infos beliefert

Wie ich schon sagte, es sind nicht allzu viele Stellen, die bei Weitem nicht alles abdecken können noch wollen. Im Großen und Ganzen bleibt festzustellen, dass wir Blogger über all die Jahre nicht in der Lage waren, uns über Technisches, Rechtliches, Inhaltliches und Vermarktungstechnisches einen allgemein gültigen und anerkannten Platz im Netz zu schaffen, den wir kennen, schätzen und wo wir zuerst hinschauen. So muss bis heute jeder Blogger allein und deppert durch die Gegend rennen, um sich über Abmahnungen oder Vermarktungschancen kundig zu machen, oder um sich schlau zu machen, wie man an Pressekontakte herankommt, wo man virenfreie Layouts bekommt, wie und wo man Mitmacher fürs Blog sucht oder wie man überhaupt ein Blog startet, nebst 100.000 anderen Detailfragen. Für die Publizisten des Netzes ist der Mangel an Gemeinsinn und Bewusstsein für die Vorteile eigentlich peinlich, aber so isses halt. Wer sich nicht organisiert, bleibt für sich und klein, Punkt.

Das Facebook im Auto

publiziert am 06.11.201114 Kommentare

Mercedes hat uns Bloggern und Presse auf dem hauseigenen “Telematik-Day” seine Online-Lösungen präsentiert. Wie stellt es sich Facebook im PKW vor, wie Google, wie Twitter? Für mich war es besonderer Tag, denn nach wie vor steckt das Internet im PKW in den Kinderschuhen. Und erst seit diesem Jahr können wir vermehrt auf Lösungen blicken, die in PKWs langsam aber sicher Einzug halten.

Warum das “Internet” überhaupt im PKW implementiert wird? Das erklärende Stichwort 1 ist “Kunde”, Stichwort 2 “Zeitgeist”, Stichwort 3 “Always On”. Mehr und mehr Kunden erwarten, dass sie auch im PKW online sein können und nicht wie vor 20 Jahren offline durch die Gegend fahren. Sie erwarten, dass die Anbieter mit eigenen Lösungen aufwarten. Das betrifft natürlich nicht “den” Kunden, sondern manche Kunden. Was hierbei alles vorstellbar ist, welche Dienste und Daten im PKW abrufbar sein könnten, zeigt diese Chart von Mercedes:
Always on im PKW

Es geht jedoch nicht nur darum, einen ollen Screen ins Auto zu klatschen und mittels Browser ins Netz zu gehen. Halten wir uns das vor Augen, auch nachfolgend, wenn wir vom Heute und Morgen sprechen. Wie man sich vorstellen kann, werden passende Daten, Dienste und Anwendungsmöglichkeiten eine eigene Einheit im Straßenverkehr bilden müssen, die nicht unbedingt mit dem spiegelgenau übereinstimmen muss, was wir bereits von zu Hause über unseren Wohnzimmer-PC gewohnt sind.

Der Wagen der Zukunft wird mehr und mehr mit dem Fahrer interagieren, mit anderen PKWs und mit Straßenverkehrsteilnehmern allgemein. Selbstverständlich sprechen wir hierbei auch von mehr Sicherheit im Straßenverkehr (siehe bspw. “Car-to-X“-Projekt). Warum sollte ein Kind nicht davor gewarnt werden, jetzt über die Straße zu rennen? Damit das passiert, werden wir noch zahlreiche, technologische Weiterentwicklungen im PKW beobachten. Im Bereich Hardware und Software.

e-Smart AppDer Wagen will mit Sensoren und Schnittstellen ausgestattet werden, die immer ausgefeilter interagieren. Wie weit sich das auf die Spitze treiben lässt, zeigt die Studie F125 (siehe auch FTD-Report). Ein mit Sensoren und HightTech vollgestopfte Maschine, die möglicherweise in dem Technikpaket in nicht einmal 5-10 Jahren auf der Straße nix mehr Neues sein wird. Was Sensoren im PKW ermöglichen? Apps natürlich! Links seht Ihr eine Smart-App (vom eSmart).

So hatte mich persönlich eine weitere App begeistert, die F125!Drive-App. Eine App, begeistert? Es war doch klar, dass Technik in Kombination mit den Ideen des Internets auch im PKW-Bereich zu neuartigen Lösungen führt, wie ich es oben bereits aufzuzeigen versucht hatte: Die Fernbedienung eines PKWs. Sozusagen auch die Tamagotchisierung der eigenen Kiste.

Wie ich es auf G+ bereits erklärt habe, es – die Vernetzung mit unserem Auto – wird unser Bild vom PKW verändern. Und es wird zu einem erweiterten Kaufargumentationsszenario. Welcher Hersteller wird es verstehen, ein Gesamtpaket zu bauen, dass auch den Geek und Nerd anspricht? Werden es bestimmte, geniale, spaßige, extrem nützliche Services sein, die nur der Hersteller exklusiv anbietet? Werden wir ein “iPad X” ins Auto beigelegt bekommen? Die Möglichkeiten und Ideen sind mit der Vernetzungs-Eroberung des PKWs unbegrenzt. Für Hersteller und Käufer.

Kommen wir aber zurück zum Heute. Wie sieht Facebook im Mercedes-PKW aus? Visuell sehr unspektakulär. Welche Funktionen werden angeboten? Nochmals, denkt dran, dass es um eine fahrbezogene Situation geht. Im Vordergrund steht das zügige Informieren und Sharen, nicht das stundenlange Herumspielen:

FB App in Comand Online“Places” = Welche Facebook Places umgeben mich, sind meine Buddies in der Nähe
“Friends & Request” = Meine Buddies
“Events & Invites” = Was bietet sich an, wen ich was unternehmen möchte
“Wall” = Was machen meine Buddies, in der Nähe
“Change my Status” = Bin noch [30 Minuten] unterwegs, bin bei [Ort] und stecke aktuell im [Stau]
=> von den vorgefertigten (!!!) Statimeldungen mit dynamischen Angaben gibt es rund ein halbes Dutzend, und das ist eine ideale Umsetzung bzw. Anpassung der FB App, denn wer schon mal selbst mühsam was Verkehrsbezogenes in FB/Twitter reingehauen hat, hat sich sicher fertige Statuspakete gewünscht
“News Feed” = Weiß ich nicht mehr :)

Einige Funktionen bzw. Informationen sind unmittelbar mit dem Navigationsgerät verbunden, so dass man im Handumdrehen zu einem Buddy / Place /Event in der Nähe fahren kann, ohne die Adresse mühsam kopieren zu müssen. Ebenso ist das knappe Mitteilen von ortsbezogenen Infos durchaus für Geschäftstermine und Familie/Freunde sehr praktisch. Das alles händisch einzutippen ist meistens murks.

Folgende Dinge sollte man verstehen:
1. Es ist Daimlers erste FB App im PKW. Die via “Comand Online” – so nennt sich das gesamte System – für die A/B/C/M/CLS/SLK-Klasse verfügbar sein wird/ist.
2. Daimler arbeitet eng mit den Netz-Giganten San Francisco/Palo Alto zusammen
3. Die Lösung wird über ein eigenes Mercedes-Serversystem abzusichern versucht
Mercedes Cloud
Man kann sich vorstellen, dass PKW-Hersteller die größten Sorgen haben, wenn ein Virus den Wagen beeinflussen würde. Daher wird an sicheren Lösungen gebaut.
4. Wer ein iPhone hat, schaut in die Röhre, denn es braucht Bluetooth, um sich mit der jetzigen Lösung zu verbinden (das Handy ist sozusagen der notwendige WLAN-Hotspot, ohne das ist die Onlinelösung von Mercedes offline :). Daimler will dem Problem in Zukunft mit NFC beikommen. Eine Art Nahbereichsfunk = vereinfacht ausgedrückt stellt man sein Handy auf einer kleinen Fläche ab und gut ist, der Rest ist “Magie”.
5. Mercedes ist aufgrund der Infrastruktur in der Lage, die neueste Version einer App im Wagen zu installieren, man muss nicht in eine Werkstatt fahren. Heißt auch, dass Mercedes Twitter, YouTube, Spotify what ever aufspielen kann, wenn man soweit ist, eine fahrzeugtüchtige Appp frisiert zu haben.
6. Ab 2012/2013 soll “Comand Online” => “@YourComand” heißen.
7. Es steht noch nicht fest, ob es jemals sowas wie einen AppStore für Mercedes geben wird, wovon ich persönlich ausgehe. Mercedes argumentiert damit, dass eben nicht 20 Mio Einheiten pro Jahr verkauft werden (iPhone/iPad), sondern nur 2 Mio Einheiten. Sprich, es ist fraglich, ob sich genügend externe, freiwillige Developer finden würden.

Wie stellt sich Mercedes die Zukunft vor? Was uns auch zeigt, wo wir heute noch nicht stehen;) Zitat aus dem F125-Projekt, achtet auf einige Punkte, die Euch sicher auffallen und als missing links = next steps interpretierbar sind

Mit „@yourCOMAND“ zeigt der F 125! eine Vision zukünftiger Mercedes-Benz Telematiksysteme. Das Spektrum umfasst unter anderem:
• Natural Handling: Die Bedienung erfolgt weitgehend durch natürliche Sprache, ergänzt wird sie durch intuitive Gesten und Berührung.
• Seamless Experience: Die Multimedia-Systeme sind nahtlos und inhaltlich übergreifend miteinander vernetzt, sozial interaktiv und lenken nicht ab.
• Remote Convenience: Das Fahrzeug und sein Multimedia-System sowie alle Anwendungen und Inhalte lassen sich vollständig aus der Ferne vorkonfigurieren.
• Sensory Perfection: Der F 125 ! bietet High-End-Klang und hochauflösende Bildschirme mit brillanten und individuellen Anzeigen

Alles das, was wir hier sehen, ist nur ein winziger Teil vom Ganzen. Eines Ganzen, das die nächsten Jahre im PKW deutlicher nach vorne treten wird. Die Eroberung des noch Internet freien Raums PKW hat begonnen.

Denkspiel: Ein Fukushima im Netz

publiziert am 27.10.201111 Kommentare

Die Nuklearkatastrophe von Fukushima zog nicht nur Auswirkungen in Japan nach sich, sondern führte weltweit zu Diskussionen ob dem Heil und Segen von Atomkraftwerken. Das Grundvertrauen der Befürworter dürfte – wenn es denn je eins gab – grundsätzlich erschüttert sein, die Skepsis hat bei den Skeptikern zugenommen. Niemand wird wohl glauben, dass diese Katastrophe keine dauherhaften Auswirkungen auf die künftige Atompolitik der einzelnen AKW-Nationen habe, ganz besonders nicht in Deutschland. Der Mensch ist recht einfach gestrickt: Was er nicht sehen und nicht wirklich verstehen kann und ihn dennoch wärmt, das muss irgendwie ok und gut sein. Und es bedarf viel, um ihn davon abzubringen.

Was wäre, wenn wir dieses Vertrauens-Szenario – denn es geht letztlich um Vertrauen in gesamtheitlich positive Nutzeffekte – auf das Internet übertragen? Irgendwie wärmt es uns, wir können die Technik nicht wirklich sehen und nicht wirklich verstehen. Bereits in einem anderen Artikel hatte ich versucht zu erklären, was passieren würde, wenn die Kommunikationstechnik des Internets dauerhaft und über Nacht ausfällt.

Es hätte Auswirkungen auf sämtliche Bereiche der Menschheit. Wirtschaft, ganz besonders Finanzwirtschaft, Militär, Gesundheit, Ernährung und Wissenschaft. Bereits der Kollaps der Finanzwirtschaft alleine würde sämtliche Staaten in erhebliche Not bringen.

Ist der Ausfall wichtig? Nicht wirklich, aber etwas anderes, aus dem sich der Ausfall-Gedanke speist. Wir werden in Zukunft eine noch weitaus stärkere Durchdringung unserer gesamten Lebensgestaltung beobachten können. Die Vernetzung wird in Haushaltssysteme vordringen, in jedes Fahrzeug, in jede Straße, an nahezu jedem Ort der Erde wird jederzeit mindestens ein Gerät mit dem Netz kommunikativ verbunden sein. An dieser Zukunft bauen Firmen wie IBM, Microsoft, Google, Apple, Mercedes, Toyota, Intel, AMD, ARM, Siemens und General Electrics.

Die Abhängigkeit von der Technik, aber auch der technische Fortschritt wird nur oberflächlich betrachtet von wirtschaftlichen Interessen getrieben. Wesentlich ist, dass der Mensch gesamtheitlich gesehen der alles verbindenden Kommunikationsmaschine Internet ein Grundvertrauen in deren Nutzvorteile entgegenbringt.

Erschüttert man dieses Grundvertrauen in die Technik, wird es größere Auswirkung denn Fukushima nach sich ziehen. Nicht nur, dass vorstellbare “Fallout”-Effekte eine unzählige Menge von Menschenleben nach sich ziehen. Mit zunehmender Abhängigkeit wird der drastische Abfall des Vertrauens noch stärker ausfallen. Das Schreckensszenario eines nuklearen Winters wird in Zukunft durch das Szenario eines digitalen Winters abgelöst bzw. ergänzt. Es wird womöglich nie dazu kommen, muss es auch nicht. Im Grunde ist es nur wichtig zu verstehen, dass das Bewusstsein von Risiken und zugleich positiven Nutzeffekten zunimmt. Angst gegen Vertrauen.

Was bedeutet dies für die agierenden Wirtschaftsbetriebe? Ich deute nicht nur Aussagen leitender Intel-Angestellter in diese Richtung (“was würde passieren, wenn das Vertrauen erschüttert wird”), sondern auch von anderen Akteuren aus der bestimmenden Internetwirtschaft, dass man sich des wachsenden Risikos immer bewusster wird. Je größer die Wirtschaftseffekte, umso stärker das Bewusstsein. Und wir wissen nicht erst seit gestern, dass sich die US-Regierung ebenso wie andere Regierungen zunehmend den Kopf zerbricht, wie man das System Internet weitaus besser schützen kann. Politik und Wirtschaft gehen stets einher. Sie sind diejenigen, die mit am meisten Einfluss auf unsere Zukunft haben.

Kontrollieren und Schützen sind jedoch nicht weit voneinander entfernt. Wenn ich etwas besser schützen kann, kann ich es auch besser kontrollieren. Wenn ich etwas besser kontrollieren kann, wie wird sich der Mensch in diesem System dann verhalten, wenn sein Leben davon betroffen ist? Wird er sich freiheitlich eingeschränkt fühlen? Wird es einen ersten Freiheitskrieg geben, der nur und wegen dem Netz ausgetragen wird? Je enger sich der Mensch an dieses System bindet, umso wichtiger wird ihm dieses Systems, umso eher wird er es als ein Teil seines Lebens empfinden und schützen wollen.

Wer schützt nun in diesem Zukunftsszenario wen? Die Angst der einen oder die Angst der anderen? Was wir heute sehen, dass Netzpolitik der Bürger immer wichtiger wird und die Politlandschaft durchdringt, wird morgen auf einer Augenhöhe mit militärischen, energiepoitischen, gesundheitlichen und sozialen Themen behandelt. Was das auch heißt? Dass die Piratenpartei eine rosige Zukunft vor sich hat, womöglich, aber ist das wirklich wichtig in diesem Denkspiel?

Vom Stamm zum Staat, von der Mär über das Mehr

publiziert am 17.10.20116 Kommentare

Es war einmal ein Stamm von 100 Leuten. Der Stamm besaß keinen Staat. Wie kam es aber zu Staatsbildung? Es gab ein Problem, wie immmer eigentlich. Die ersten Beschwerden kamen auf.

“Hey, Willie, wenn wir uns ständig gegen andere Stämme verteidigen müssen, wie sollen wir dann den Acker umpflügen?”

“Hey, Erna, wenn unsere Männer ständig im Krieg sind, wie sollen wir unsere Kinder durchfüttern?”

Da meinten die Ältesten, nachdem sie lange nachdachten:
“Lasst uns einen Häuptling für 1 Jahr wählen, der dem Stamm voransteht. Der kümmert sich darum, eine Berufsarmee auszuheben. Die Männer werden rekrutiert, gut ausgebildet und mit den besten Waffen ausgestattet. So müssen viel weniger Männer in den Krieg ziehen, während die meisten zu Hause bleiben können, um unsere Äcker umzupflügen”.

Alle so: “Ok!!!”
Der Staat, der Häuptling und die Armee ward erfunden worden.

Nach einiger Zeit wurde der Häuptling gewählt und eine Armee ausgehoben. 10 Männer, die besser als Spartaner ausgebildet werden sollten. Doch schon nach 3 Tagen trat der Häupling vor die Ältesten:
“Wir haben Hunger, nichts zu essen. Waffen können wir uns auch keine leisten!”

Die Ältesten überlegten und kamen auf die Idee:
“Ok, Häuptling, du erhebst eine Steuer. Den Zehnt! Jeder von uns 89 wird dir ein Zehntel für deine Männer abgegen. Vom Essen und von unserem Geld!”
Das Geld war damit erfunden, die Steuern auch.

Doch schon nach 100 weiteren Tagen kam der Häuptling schon wieder auf die Ältesten zu:
“Meine Soldaten beklagen, dass ihre Familien leiden. Sie können nicht die Äcker bestellen, weil sie dauernd im Krieg sind. Außerdem sind manche Kinder krank. Sie können sich keinen Arzt leisten.”

Die Ältesten überlegten und kamen auf eine weitere Idee:
“Ok, Häuptling, wir erheben eine neue Steuer. Die Gesundheitssteuer und eine Umlagesteuer für Hunger. Jeder von uns 79 wird dir einen Zehnt geben. Dann hast du zwei Zehnt, das muss reichen!”
Man erfand die Sozialsteuern!

Doch nach 100 weiteren Tagen kam der Häupling schon wieder auf die Ältesten zu:
“Ich habe eine Idee. Da mein Jahr bald um ist, würde ich gerne wieder antreten. Es macht so viel Spaß. Damit das klappt, würde ich gerne meinem Stamm Kindergärten und Schulen schenken!”
Die Ältesten leicht genervt: “Aber wir 79 können nicht noch ein Zehnt dafür aufbringen. Das ist zuviel!”
Der Häuptling: “Das passt schon. Ich kenne da einen befreundeten Stamm, der wird uns das Zehnt leihen. Nur für kurze Zeit, denn wir werden nach zwei Jahren durch besser ausgebildete Stammesmitglieder mehr zu Essen haben, bessere Soldaten und mehr Geld!”
Die Ältesten: “Klingt gut, aber nur dieses eine Zehnt noch!”

Man erfand die Staatsverschuldung.

10.000 Tage später versammelten sich alle 999 Stammesmitglieder und klagen ihr Leid:
“Wir haben zwar einen Häuptling, doch die vielen Zehnt fressen uns die Haare vom Kopf. Für die vielen Kriege, Kindergärten, Hungersteuern, Gesundheitsabgaben, Stammesbeamten, Ackersteuern, Handelssteuern, aber vor allen Dingen die vielen Schulden bei den anderen Stämmen, die drohen uns mit Krieg, auf jeden Fall wollen die uns nichts mehr leihen!”

Der Häuptling war erzürnt: “Ihr habt mich gewählt, ich habe Euch eine goldene Zeit verschafft und nun soll alles nicht gut gewesen sein? Wir haben alles was wir wollen. Und das mit den Schulden bekommen wir schon hin. Ich schaffe einfach die Kindergärten und Schulen ab!”

Die Mütter: “Aber unsere Kinder, das geht nicht!”

Der Häuptling: “Gut, dann schaffen wir die Hungersteuer ab und nehmen es uns von den anderen Stämmen, meine Soldaten sind stark!”

Die Väter: “Nein, nein, nein, dann müssen noch mehr von uns sterben, soviele Kinder können wir nicht zeugen und außerdem dauert es, bis wir einen Krieg gewinnen, solange werden die anderen, die nicht genug haben, hungern!”

Der Häuptling: “Gut, dann halt auch nicht. Also schaffe ich die Stammesbeamten ab!”

Die Stammesbeamten: “Dann kannst Du aber unseren Stamm nicht mehr führen!”

Der Häuptling: “Wer kam auf die Scheißidee, einen Staat zu erfinden? Jedem, dem ich was gebe, kann ich nichts mehr nehmen. Jedem, dem ich was nehme, will mir nichts mehr geben. Was soll aus uns noch werden, wenn keiner mehr geben will noch nehmen darf? Ich dachte, wir wären ein Stamm!”

Die Ältesten sprachen: “Hört, wir sind nicht mehr ein Stamm. Lasst uns hinausgehen, in zehn Stämmen aufgeteilt. Dann machen wir alles besser.”

So verstreute sich der Stamm in alle Winde, aus dem 1 Stamm wurden 10 Stämme aus dem wiederum 100 Stämme entstanden. Jeder mit seinem eigenen Staat, jeder mit eigenen Steuern und Schulden, keiner löste die Probleme besser als die anderen.

Die 10 Ältesten kamen viele Tage später wieder zusammen und beratschlagten, was zu tun sei.
“Wisst ihr, die Sterne, die Sterne bieten Platz für uns. Lasst uns nach den Sternen greifen. Dort wird alles viel besser!”

Sollte es jemand besser machen wollen oder sich das denken, dem emfpehle ich gerne den Vortrag von Dr. Michael Wohlgemuth (Walter Eucken Institut/ Freiburg, “Social Market Economy and Socialist Market Economy: A Comparison” = .pdf). Dort erfährt man etwas über die grundlegenden Austarierungselemente des Staatswesens. Nix Sterne, nix Stamm, nur weit und breit die Suche nach dem richtigen Gleichgewicht, in Abhängigkeit der Denkweisen.

Welchen Vorteil bietet G+ für Facebook?

publiziert am 17.10.20116 Kommentare

In den meisten Berichten über Google+ ging es stets darum, dass Google schon irgendwie Facebook Anteile abluchsen würde. Facebook wurde im Nachteil gesehen. Welche Vorteile hat aber Facebook aus dem Wettbewerb?

1. Allen voran die Produktentwicklung.
Alles das, was Facebook mangels Ressourcen und vorgegebenen Planungspfaden nicht testen konnte, testet Google aus. Eigentlich ist es wie immer: Niemand weiß, was wie gut angenommen wird. Man muss es in einem ewigen Kreislauf probieren. Facebook war da keine Ausnahme. Das risikoreiche Lancieren von neuen Produkten und Produktbestandteilen kostet Zeit, Personal und Geld. Facebook ist mit Sicherheit keine Firma, die vergleichbar mit Riesen wie Apple, Intel oder Microsoft wäre. Die Milliarden für Research&Development ausgeben.

So gab Google letztes Jahr 2010 rund 3,7 Mrd. USD für Forschung und Entwicklung aus (12% vom Umsatz). Facebook kratzt gerade mal an der 2 Mrd. Umsatzmarke oder anders gesagt, Googles F&E-Ausgaben übertreffen Facebooks Gesamtumsatz um fast das Doppelte.

Warum das wichtig ist? Software zeichnet sich durch einen intensiven und sehr teuren Innovationswettbewerb aus. Alles was dazu beiträgt, die eigenen Ressourcen gezielter einsetzen zu können – hier Google+ vs. FB-, Investitionsrisiken dabei minimiert, hilft einem Unternehmen wie FB immens.

FB profitiert damit mehr von Google, denn Google von FB profitiert.

2. Marktvolumen vergrößern
Bis dato will FB rund 800 Millionen User begrüßt haben, Google will 40 Millionen haben. Allerdings soll es insgesamt 2 Mrd Internetuser geben. Ein Teil davon nutzt keine Social Networks. Ein Teil nutzt alternative Anbieter. Und ein weiterer Teil nutzt mehrere Alternativen zugleich (Beispiel: Xing, FB, G+, VZ). So wird auch Google mit seiner Marktmacht Facebook helfen, den Markt für Social Networking-Nutzung zu vergrößern. Noch haben wir nicht den Punkt erreicht, um von einer Marktsättigung zu sprechen, wo es “nur” noch um gnadenlosen Verdrängungswettbewerb geht (Mobilfunkmarkt).

3. Nutzungsintensitäten festigen
Absolute Nutzerzahlen bringen nichts, wenn sich jeder User nur einmal im Jahr in einem Social Network bewegen würde. Je mehr Angebote draußen vorhanden sind, umso eher führt es dazu, dass ähnlich dem Mobilfunkmarkt jeder User mehr oder minder an einer täglichen Nutzung nicht mehr vorbeikommt. Ob es nun die Nutzung eines Smartphones sein wird, die Nutzung eines Browsers, der Kauf via eCommerce. Sämtliche Anbieter tragen dazu bei, die Nutzung in den Alltag des Kunden zu überführen.

Facebook alleine kann das nicht mehr, es bedarf eines spürbaren Wettbewerbs, der sich in allen Bereichen festsetzt und auf den Kunden einwirkt. Werbung, PR, Mundpropaganda, Use Cases, APIs, Drittanbieter (“Apps”), Produktfeatures.

4. Finanzierung
Jeder Dienst ist nichts wert, wenn er sich nicht selbst aus den Einnahmen heraus tragen kann. So verdienen Facebook wie auch Google über den Verkauf von Werbeplatzierungen. Auch hier geht es darum, eine immer bessere und gut geölte Werbemaschinerie auf den Weg zu bringen. Das kann erneut Facebook nur bedingt alleine. Es braucht Agenturen, Berater, Designer, Planer, Firmenkunden, die gesamte Prozesskette eben, die den Print-, Radio- und TV-Markt schon längst durchdrungen hat. Jedes Rädchen ist bestens verzahnt, wenn es darum geht, Werbung zu produzieren und anzubringen. Dieses Produktionsniveau haben weder Facebook noch Google im Social Networking Markt erreicht. So agieren beide getrennt für sich, aber letztlich gemeinsam daran, den Werbemarkt für Social Networks zu beackern. Selbstverständlich hat Google hier einen historisch bedingten Vorsprung, mit der Werbeindustrie zusammen zu arbeiten. Und die Augen der Industrie auf deren neues Werbesystem zu lenken. Aber auch die notwendigen Tools zu entwickeln, noch besser Daten zu verstehen. Facebook wird daher in doppelter Hinsicht von Google profitieren.

Das waren in meinen Augen die vier wesentlichen Punkte, warum Facebook sogar sehr von Google profitiert.

Der Windows Store unter Windows 8: Riesenchance für (HTML-)Entwickler?

publiziert am 17.10.20110 Kommentare

Etwas zum kommenden “Windows Store” von Microsoft, der im Rahmen des anstehenden Windows 8 Betriebssystems (Verkauf wohl 3./4. Quartal 2012) mit rauskommt. Die folgenden Informationen basieren auf meinem Besuch der BUILD-Konferenz in den USA, bei der es um das kommende Windows 8 ging.

Was ist der Windows Store?
Man kann ihn ohne Weiteres mit Apples App Store vergleichen. Eine zentrale Software-Vertriebsplattform, auf der Anbieter ihre Software hochladen, beschreiben, bepreisen und dem Kunden zum Download anbieten.

Was ist der große Vorteil eines zentralen Software-Stores, rein prinzipiell?
Natürlich die Zentralität und Bekanntheit (=”großer Marktplatz, hier kannste alles kaufen”), die Firmen wie Apple, Amazon, Google und Microsoft dank ihrer Finanzkraft und Ressourcen als notwendige Bedingung gewährleisten können. Statt irgendwo im Netz nach Software zu suchen, dabei auch Vertrauensproblemen unterliegend, findet man an einer Stelle Software für alle möglichen Zwecke. Hübsch sortierbar und filterbar nach Ratings, Downloads, Userkommentaren, Free/Paid etcpp.

Was haben Anbieter davon?
Es gibt unzählige Software-Firmen da draußen und die meisten knabbern am Marketing/Vertriebsproblem. Gerade kleine “Klitschen” können begnadete Developer haben, doch was nutzt ihnen das, wenn sie ihr Produkt nicht loswerden können? Hier kommt ein zentraler Software-Supermarkt gerade recht und billig.

Wie “billig” ist denn ein Windows Store?
Microsoft hat hierzu auf der Konferenz “BUILD” keine Angaben gemacht. Wir können aber davon ausgehen, dass analog zu Apple eine Platzierunsgebühr erhoben wird. 0% wird es mit Sicherheit nicht sein. 50%? Wohl kaum. 30%? Um diesen Wert herum pegelt es sich sicherlich ein. So hat Apple wiederholt betont, dass die Gebühr von 30% ungefähr kostendeckend ist. Wenn man sich die Bilanzen von Apple anschaut, spielt diese Gebühr keine große Rolle bei den Umsatzanteilen (gerade mal 1%-2%). Wozu auch, Apple verdient prächtig an der Hardware, indem es ein geniales Software-Ökosystem aufgebaut hat, das die HW-Verkäufe wesentlich unterstützt.

Wie reichhaltig ist der Windows Store für Anbieter?
Soweit ich es auf Basis der Präsentationen sehen konnte, wird der Store mehr Möglichkeiten denn der App Store von Apple bieten. Allen voran die flexiblen Möglichkeiten des Pricings und individueller Nutzungslizenzen.

Wie will Microsoft die Software freigeben?
Auch hier habe ich nur Positives über das Konzept seitens der Build-Teilnehmer gehört. MS verspricht einen sehr zügigen Freigabeprozess, der zudem sehr transparent und übersichtlich – was die Folgeschritte angeht – aufgebaut ist. Es wird dabei auch auf Sicherheit und SW-Qualität geachtet. Die Praxis wird die Versprechen testen, klar.

Welche Chancen bietet MS den App-Anbietern an?
Hierzu muss man zunächst verstehen, dass der Windows Store wohl “nur” Software vertreiben wird, die für die Metro Style Oberfläche gedacht sind (im Wesentlichen “Touch Enabled”-Software). Keine Desktop-Software, wie wir sie bisher kennen. Desktop-SW wird wie gehabt über die bisherigen Kanäle durch die Anbieter eigenveranwortlich vertrieben werden. Metro Apps werden nur und ausschließlich über den Windows Store vertrieben. MS plant keine Derivate seiner Plattform, so wie es Google zugelassen hat. Daraus ergibt sich der Einsatzbereich für die Metro Apps: Tablets in jeglicher Form.

Welche Chancen hat MS auf dem Tablet-Markt?
Dies ist schließlich eine entscheidende Frage für SW-Anbieter. Bevor diese auch nur eine Zeile Code für Metro Apps schreiben, muss die Menge an Vetriebseinheiten stimmen. Hierzu möchte ich gerne auf Sascha Pallenbergs “Tablets 2012″-Artikel verweisen, der MS Windows 8 Tablets eine gute Chance prophezeit. Soweit ich es selbst beurteilen konnte, war ich sehr angetan von der frühen Windows 8 Testversion auf einem Tablet.

Werden Anbieter die Chance ergreifen?
Wie gesagt, es ist eine Art Kreis. Wenn MS nicht liefert und keine interessantes Ökosystem schafft, werden SW-Anbieter nicht liefern.

Betrifft das nur Software-Anbieter, die bisher für Windows-Umgebungen entwickelt haben?
Der Kreis der potentiellen SW-Anbieter wird mit hoher Wahrscheinlichkeit größer. Da Metro Apps auch auf Basis von HTML/JavaScript/CSS entwickelt werden können. Allerdings muss man hier betonen, dass es Besonderheiten gibt, die einen gewöhnlichen HTML-Developer nicht sofort loslegen lassen. Jede Windows 8 Maschine wird mit IE 9/10 (?) ausgeliefert. Ohne diese Engine liefe keine Metro-App auf HTML-Basis. Damit das korrekt verzahnt werden kann, muss der Metro App Entwickler auf Developer-Tools wie MS Visual Studio zurückgreifen, die passenden Code anbieten, den man so auf üblichen HTML-Maschinen nicht finden wird. So zum Beispiel die Ansprache der Tablet-Sensoren, allen voran die Touch-Mechanik. Die Einarbeitungszeit dürfte für gute Developer recht niedrig ausfallen. Für Anfänger wird es natürlich schwerer, aber nicht unmöglich. Nur HTML geht eben nicht, Punkt.

Was hat Steven Sinofsky damit zu tun?
Steven ist der Chef des “Windows 8″ -Projekts, der zuvor für Windows 7 und davor für MS Office zuständig war. Er hat sich mittlerweile einen exzellenten Ruf als Manager erarbeitet und zahlreiche Journalisten wie auch Developer/agenturen haben Steven sehr gelobt. Er gilt zudem als kommender Nachfolger von Steve Ballmer, wohl nicht zu unrecht. Offensichtlich hat Microsoft in Steven einen Mann gefunden, der die Leistung des MS Personals auf die Straße bringt.

Sollte demnach Microsofts Idee, auch den Tablet-Market über Windows 8 erobern zu können, am Markt durchschlagenden Erfolg haben, dürften sich weltweit Millionen von Developern neuer Möglichkeitene erfreuen, ihre Software loszuwerden. Und das ist nicht von der Hand zu weisen, denn heute schon verfügt Microsoft über die mit Abstand größte Entwicklergemeinde weltweit. Kein Wunder, Windows ist das dominante Betriebssystem mit einem gigantischen Software- und Beratungs-Ökosystem.

Lufthansa-Erlebnisse eines Senators

publiziert am 15.10.201121 Kommentare

Nach meinem Lufthansa-Servicebericht kam ich aus Gemütlichkeit und Faulheit noch nicht dazu, den Fall direkt peu á peu mit Lufthansa direkt durchzugehen. Sinn der Sache war und ist festzustellen, wie sich Lufthansa via Netz zu Kundenkritiken äußert – also eine Art von Social Media Test – und was an möglichen Servicebedenken dran ist. Unter dem Aspekt, dass Lufthansa eine der bekanntesten Firmenmarken Deutschlands ist und bis heute davon in einem nicht unerheblichen Ausmaß zehrt. Am Rande sei gesagt, dass sich seitdem auch keiner seitens Lufthansa mehr bei mir gemeldet hat, was nun Sache sei. Nachdem ich keinen Blog-Wirbel mehr gehabt habe, hat man es wohl seitens Lufthansa auf sich beruhen lassen. Ich bin nicht Lufthansa, aber unter Qualitätsgesichtspunkten ist das ein Error in meinen Augen.

Erschreckend ist dabei womöglich aus meiner rein subjektiven Statistiksicht, wie viele User sich bei mir gemeldet hatten, die über negative und negativste Erfahrungen berichtet haben. Keiner war dabei, der mal Lufthansa gelobt hatte. Das verwundert mich angesichts des Markenwerts der Firma doch sehr. Immerhin müsste sich doch angesichts der beförderten Passagiere mindestens einer melden, der einfach nur zufrieden war. So neige ich gerne dazu, bspw. der Telekom die “Stange zu halten”, wenn sich wie üblich Beschwerden im Netz auftun, dass es eben nicht immer schief läuft, der Support sehr freundlich und zuvorkommend ist.

Das betrifft doch sicher die Holzklasse, oder? Auch das nicht. Anbei ein beispielhafter Bericht eines “Luxuskunden” der Lufthansa, der mir per Mail zugesandt wurde und dessen Authentizität ich bestätigen kann.

Summa summarum bin ich der Meinung, dass Lufthansa unter allen deutschen Großunternehmen die größte Diskrepanz zwischen Marke und Markenversprechen aufweist.

Aber lest selbst:
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Lufthansa ist in Bezug auf Kundenbindung längst nicht mehr das, was sie einmal war. Früher war ein Senator (Gold-Status) ein geschätzter Kunde, um den man sich wirklich gekümmert hat. Heutzutage ist der Senator ein Kunde, den man schon hat, und nicht mehr weiter binden muß, denn er ist schon treu. Man setzt wohl eher auf die Neukundenakquise. Die Indizien für das hohe Interesse an neuen Kunden sind eindeutig: Es gab Anfang des Jahres einen Statusmatch von KLM/Air-France zu Lufthansa, so daß, wer dort einen Status hat, nun auch Lufthansa-Statuskunde ist. Gleichzeitig wurde die Einstiegsschwelle für den FTL (Silber Status) deutlich abgesenkt, von früher 35.000 Meilen auf 30 Lufthansasegmente, die dann auch 99 EUR-Flüge sein können, die früher 250 Meilen retour gebracht hätten und nie für den Status gereicht hätten.

Gleichzeitig, und das ist das unschöne, muß natürlich wegen des starken “Nachwuchs” erheblich an den Leistungen für die Stammkunden gespart werden. So wurden die Vorteile nach und nach immer mehr gekürzt oder reduzierten sich auf reine Werbeaussagen. So bietet man Senatoren zum Beispiel an, daß sie kostenlos auf allen Flügen, unabhängig von der Buchungsklasse, jeden Sitz reservieren können. Meine persönliche Statistik zeigte, daß ich in 50% der Flüge einen anderen Platz hatte, häufig genug statt Gang auch Fenster. Die Kommunikation mit Lufthansa darüber scheitert. Der angeblich bessere Senatorservice (Werbeversprechen) braucht ca. 4 Wochen, um ein häufig völlig kontexfreies Schreiben aus Textbausteinen zurückzusenden.

In 10% meiner Flüge klappten Meilengutschriften nicht. Die Reklamationen benötigten in der Regel (ca. 90% der Fälle) zwischen zwei und drei Monaten zur Bearbeitung, wobei ich standardmäßig nach je vier Wochen weiterer Wartezeit nachgefragt habe.

Die so angepriesenen Lounges erreichen nur auf “Abseitsflughäfen” ein vernünftiges Qualitätsniveau: In Nürnberg sitzt man wirklich in einem ruhigen Aufenthaltsraum, Hamburg ist schon relativ häufig sehr voll und in Frankfurt war man oft froh, wenn man noch einen Stehplatz finden konnte. Das entspricht nicht ganz den Werbeversprechen “Oasen der Ruhe”.

Während das alles lästig ist, blieb ich doch überwiegend Lufthansa treu, weil sie (leider) innerdeutsch ein relativ gutes Netz mit guten Auslandsverbindungen haben. Doch im letzten Dezember kam meines Erachtens die Krönung: Anfang Dezember wurde nur auf der Webseite der Lufthansa angekündigt, daß für fast alle Flüge mehr Meilen eingesetzt werden müßten, ab ersten Januar. Die Kunden wurden mit der Kundenzeitschrift Ende Dezember informiert, ein persönliches Anscheiben kam nie. Das ist meines Erachtens rechtswidrig.

In meinem Fall entspricht die Verteuerung einem erheblichen Wertverlust. Auf eine höfliche Nachricht mit der Bitte um Kompensation kamen wieder die gewohnten Textbausteine. Jetzt befasst sich das LG Köln mit dem Thema Schadensersatz.

Mittlerweile verweigere ich Flüge mit Lufthansa und deren Töchterunternehmen und fliege innerdeutsch mit AirBerlin und international vorwiegend OneWorld. Dabei stelle ich erstaunt fest, daß genau das, was bei Lufthansa nie geklappt hat, bei der Konkurrenz hervorragend funktioniert:

Ich saß das ganze Jahr stets auf meinem reservierten Sitz, insgesamt zweimal mußte ich Meilengutschriften nachträglich anfragen, erhielt sofort eine Nachricht zum Bearbeitungsstatus, die Gutschriften erfolgten innerhalb der avisierten Zeit ohne weitere Probleme. Auch alle anderen Serviceanfragen wurden schnell und problemlos bearbeitet.

Mein Eindruck von Lufthansa: Man ruht sich noch auf dem hohen Roß aus, hofft die finanzschwache Air Berlin durch Marktmacht verdrängen zu können und so Kunden halten zu können. Jahrzehntelange Stammkunden sind nichts wert, denn der Vertrieb wird wohl nach Neukundengewinnung bewertet.
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Das soziale Netz für (Ein-)Gebildete

publiziert am 14.10.201113 Kommentare

Es gibt genügend Wissenschaftler, Politiker und Manager, die ich kenne. Es gibt fast noch mehr davon, die über das Netz die Nase rümpfen. Ob der ungehobelten und qualitätsschwachen Inhalte. Denen gegenüber rümpfen wir gerne die Nase. Wir? Die, die ins Netz schreiben.

“Wir” wiederum schimpfen über Wissenschaftler, Politker, Manager und Medienschaffende. Über Letztere, weil sie das Volk verdummen, angefangen beim Print bis hin zum Fernsehen. Über Vorletztere schimpfen wir, weil sie das Volk belügen und für dumm verkaufen. Wir kritisieren, klären auf, schreiben uns die Finger wund.

Doch muss man sich die Frage stellen, für wen aufgeklärt und geschimpft wird? Was ist mit denen, die nicht studiert und auch keinen Brain-Job haben? Was ist mit denen, denen Fachbegriffe, das viele Englisch, komplexe Zusammenhänge schwer fallen? Was ist mit denen, die froh sind, wenn sie ein schwieriges Fremdwort richtig schreiben, geschweige denn verstehen können? Was ist mit denen, die kaum etwas von Wissenchaft, Politik, Wirtschaft und Kultur verstehen? Nicht, weil sie zu blöd dafür sind, sondern an vielen Ecken und Enden die Grundlagen fehlen, es zu verstehen! Verstehen “die” wirklich etwas von den Bundestrojaner-Diskussionen? Von Netzneutralität? Von Netzbeteiligung? Von Informationeller Selbstbestimmung? Von APIs? Von Datenschutz? Von den Glückseeligkeiten der Social Media Welt? Petitition was?

Aber sie können doch lernen? Der größte Wissensschatz nennt sich Wikipedia. Und ich beklage nicht zum ersten Mal, dass die Inhalte so dermaßen schwer verdaulich sind, weil sie von Gebildeten für Gebildete geschrieben wurden. Dieses Muster durchzieht das Netz an zahlreichen Wissensstellen. Was auch gut so ist, dass sich Fachpublikum mit Fachpublikum treffen und austauschen kann. Aber?

Sollte man aber den Gedanken hegen, für mehr als nur die in sich austauschende Szenen etwas schreiben und aufklären zu wollen, vom Gebildeten zum Ungebildeteren, muss man womöglich feststellen, dass nicht wir schreibenden Bürger, sondern die Medien weitaus mehr für die Informiertheit und Aufklärung des Volkes tun, denn wir Blogger, Social Networker und Twitterer zusammen.

Und noch eins kommt hinzu: Wenn man keine Ahnung hat, soll man die Fresse halten, gehört zu einem der Lieblingszitate der Gebildeten Klasse. Sollte tatsächlich ein Opfer auf die Idee kommen, dumme Fragen zu stellen oder gar dumme Antworten zu schreiben, wird er sich der Antworten der Besserwisser sicher sein können. Fresse halten, statt mitnehmen. Die vielen Sprachpolizisten da draußen helfen mit, bereits bei sprachlichen Formulierungsproblemen die Deliquenten am Nasenring zu packen. Als ob Sprachschönheit vor Wissensaustausch stehen würde. Den Sprachpolizisten ist das aber egal. Bewertet wirst Du da draußen nach Wissen und Sprachnoten. Wer durchfällt, hat die Fresse zu halten. Gebildte sichern sich damit ihre soziale Stellung und Anerkennung.

Wir Gebildeten sind meiner Meinung nach sprachlich zu arrogant und überheblich, um an die zu denken, die nicht via Zufall, Elternhaus und Bildungslaufbahn ihr Brain mit akademischen Überfliegerfachwissen auffüllen konnten.

So neige ich durchaus, das “publizierende, soziale Netz der Eingebildeten” mit dem “Soziale Netz der Gebildeten” gleichzusetzen. Und das Netz wird immer dichter, die Vorteile der sich austauschenden immer größer. Draußen beobachten wir einen Mangel an sozialer Durchlässigkeit. Im Netz werden wir das gleiche Phänomen feststellen können, an dem wir selbst mitbauen. Ein Netz für Gebildete, ein Netz für Ungebildete. Toll, oder?

Loser networken, Winner bloggen

publiziert am 10.10.201162 Kommentare

Zugegeben, ein verlockender Titel im wahrsten Sinne des Wortes. Doch um die nicht die Katze im Sack lesen zu müssen, vorab, um was es geht: Bloggen ist die publizistische Königsdisziplin im Netz. Blogger verdienen Respekt. Und leisten mehr als Social Networker, Twitterer, Digger und StumbleUponer.

Es ist ein Leichtes, 140 oder 400 Zeichen zu befüllen (Twitter/FB). Es ist ein Leichtes, ein fertiges Paket zu nutzen, um mal hier zu liken, dort zu retweeten und drüber zu plussen. Es ist ein Leichtes, Follow, Circle oder Friend Request anzuklicken, um sich sein Netz zu schaffen. All das hat der Blogger nicht. Weder taucht er in ein fertiges Netzpaket ein, um sich mit Abertausenden einfach so vernetzen zu können, noch bekommt er von Haus aus die Technik und das Layout geliefert. Hinzukommt das Entscheidende: Der Inhalt definiert die Attraktion seines Blogs. Wer er schon einmal geschafft, mehr als 140 Zeichen aus seinem Hirn zu quetschen, was in der Realität zu beobachten ist, es strukturiert und zu Blog bringt, weiß, was das bedeutet. Das ist weder ein Tweetklacks noch ein lasches Facebook-Posting.

So ist es auch kein Wunder, dass sich im Netz kaum Personen finden lassen, die sich rein über ihre “Social Networking”-Aktivitäten einen Namen gemacht haben. Oder kennt Ihr etwa den bekanntesten Facebooker/Liker, den besten Twitterianer/Retweeter und größten Google+er/Plusser? Nicht? Ich kenne dafür einen Haufen Blogger, die mich zum Denken anregen, mein Wissen erweitern, meine Einstellungen verändern. Das hat seine Gründe. Weil ein Blog stärker wirkt, so einfach und so schwer zugleich das ist.

So bleibt es dabei: Loser networken, Winner bloggen. Auf die Gefahr hin, dass ich mich damit beliebt mache, jo mei, ich bin Blogger und fahre gut damit, meine Meinung deutlich zu äußern.

VZ: Gute, alte, deutsche Wertarbeit ?

publiziert am 09.10.201124 Kommentare

Made in Germany ist ein Attribut der deutschen Wirtschaft, die bis dato in der Weltwirtschaft einen exzellenten Ruf genießt und einen der Garanten für die hohe Exportquote darstellt. Übersetzen könnte man es mit “guter, alter, deutscher Wertarbeit”. Und in der Tat, lasse Deutsche – verzeiht mir meine Schubladenkiste – an einem Projekt langfristig arbeiten und sie werden dir mit der Zeit ein Gewerk abliefern, das immer besser wird. Weil der Deutsche es versteht, sich bis zum Exzess im Detail zu vertiefen, Strukturen und Prozesse zu perfektionieren, Fehler bereinigt und zu einem guten Preis eine hohe Qualität abliefert.

Was hat das mit den berüchtigten VZ-Netzwerken zu tun? Ich war jüngst in die VZ Büros nach Berlin eingeladen worden, um den Relaunch zu besprechen, von dem Ihr sicher schon gelesen habt. Siehe hierzu:
Basic Thinking, Netzwertig, Zweipunktnull, Gründerszene.

Die zerstörerische Geschichte von VZ, oder wie man aus einem Stahlbad gestärkt hervorgeht
Ich werde an dieser Stelle nicht auf die jetzigen noch auf die kommenden Neuerungen eingehen, da sie unerheblich sind. Unerheblich? Sie sind schlichtweg unerheblich, da etwas ganz anderes zählt. Hierzu sollten wir uns zunächst die brisante Geschichte von VZ vor Augen halten:

1. StudiVZ – 2005 gegründet – ist das erste Social Network Deutschlands, das diese Art von Service in der Breite dem deutschen Nutzer bekannt gemacht hat (Xing spielt nur eine Randrolle hierbei). Später kamen SchülerVZ und MeinVZ hinzu, die ebenso erfolgreich waren.

2. VZ war dramatisch schnell gewachsen, im Hintergrund spielten die Macher Feuerwehr, um dem Andrang Herr zu werden. Bereits im ersten, echten Geschäftsjahr 2006 explodierte das Wachstum der Mitgliederzahlen. Durch die spätere Dreiteilung der VZ Dienste handelte man sich nicht gerade eine Reduktion der Aufgabenkomplexität ein. Nicht nur auf technischer Ebene, sondern und vor allen Dingen auch auf organisatorischer Ebene.

3. Begleitet wurde das Ganze durch ein dramatisches, mediales Dauerfeuer. VZ wurde in einem Atemzug ungewöhnlich stark kritisiert, aber auch zugleich hochgeschrieben (“Facebook ist zu kompliziert, kommt an VZ nie vorbei”). Das mediale Dauerfeuer von 2005 bis ins Jahr 2009 hatte dazu beigetragen, dass heute VZ nach außen hin als lädierte Marke gilt. Was übrigens auch bedeutet, dass es schwer wurde, gutes Personal zu finden. Ein sehr kritischer Faktor! Und nach innen hatte es zu einer Bunkermentalität geführt, der Spirit und Zusammenhalt der Mitarbeiterschaft wurde wohl überstrapaziert, wozu auch Personalkostenmaßnahmen beigetragen hatten.

4. Die Eigentümerverhältnisse änderten sich in einer kritischen Phase. VZ wurde 2007 von Holtzbrinck übernommen, mitten in der starken Wachstumsphase. Die drei Gründer wurden relativ zügig nach der Übernahme hinauskomplementiert. Doch im Hause Holtzbrinck hing der Familiensegen schief, da die Familie ob der gigantischen Kaufsumme von gemunkelten 80 Mio. Euro intern zerstritten war. Der Investitionsdruck wirkte sich selbstverständlich nachhaltig auf die VZ-Renditeewartungen aus. Was das heißt? Wenn der Geldgeber = Eigentümer nervös wird, wird die Leitung bei VZ nervös. Dies gefährdet jegliche Strategie, auf die man mittel- und langfristig setzt.

5. Auf oberster Leitungsebene kehrte ebenso wenig Ruhe ein. Die drei Gründer waren nicht gerade eine “Herz und Seele”-Gemeinschaft. Nachdem die drei Gründer gehen mussten, übernahm Anfang 2009 Markus Berger-de León die Leitung des Unternehmens. Im Frühjahr 2010 ging die Kapitänsmütze an Clemens Riedl über, der bis heute das Unternehmen leitet.

6. Als ob die obigen Punkte alleine nicht genug gewesen wären, um jedes Unternehmen zur Implosion zu bringen, drängte Facebook ab 2009 mit Macht und härtesten Bandagen (inkl. aggressivster “Daten”-Werbemaßnahmen, Klagen gegen VZ und viralen Maßnahmen in urbanen Gebieten) auf den deutschen Markt. Und es gelang Facebook, VZ als größtes Netzwerk in Deutschland zu verdrängen.

Update: Chriszim.com hat sich die Mühe gemacht und das mediale Geschützfeuer konkreter benannt. Er leitet daraus und weiteren Gründen ab, dass VZ vollends verspielt habe.

Alles in allem hat VZ eine höchst turbulente Firmengeschichte seit 2005 hinter sich gebracht. Angesichts der Querelen auf der Leitungsebene, organistorischen und technischen Problemen, angesichts eines gnadenlosen Wettbewerbs und medialen Dauerfeuers und nicht zuletzt ungewisse Störfaktoren eines unruhigen Eigentümers komplettieren ein Bild, das es in sich hat.

Kommen wir zum Status Quo, wo steht VZ heute?
Auf organisatorischer Ebene wurden Maßnahmen eingeleitet, die dazu führen, dass die linke Hand eher weiß, was die rechte Hand macht. Ein alles entscheidender Punkt, die Ressourcen eines Unternehmens überhaupt fokussiert zu bündeln.

Auf technischer Ebene wurden die Betriebskosten entscheidend gesenkt, darüber hinaus gekoppelt mit den organisatorischen Änderungen eine Basis geschaffen, Produktmaßnahmen kostengünstig, zeitnah und effizient zu realisieren.

Auf der Leitungsebene ist etwas mehr Ruhe eingekehrt, was sich wiederum auf die Mitarbeiterschaft auswirkt. Was die Eigentümerseite angeht, hat man anscheinend die Störfeuer-Problematik sagen wir mal in den Griff bekommen (obgleich das weiterhin ein vakanter Punkt bleibt, je nachdem, wie sich die Familie Holtzbrinck ausrichten möchte).

Auf der Einnahmenseite hat man nunmehr Luft zum Atmen, um etwas langfristiger Maßnahmen einzuleiten und Ergebnisse zu realisieren.

Sprich? VZ hat sich lange vor dem öffentlichen Launch intern restrukturiert, straffere Prozesse und eine effizienter Organisatorik eingeführt. Wonach hört sich das an? Ich sagte oben “Made in Germany”. VZ ist zu einem guten, alten, deutschen Unternehmen geworden, das nunmehr eine Ausgangslage geschaffen hat, sich am Markt zu bewähren. Was auch immer wir in Zukunft sehen werden von VZ, es wird womöglich nicht der big bang sein, aber das spielt auch keine Rolle. Hier ein Prozenpunkt mehr Effizienz, da ein Prozentpunkt weniger Kosten, dort ein Prozentpunkt mehr Umsatz und drüben ein Prozentpunkt mehr Qualität. Das Bild entspricht dem Werden eines sich ständig verbessernden Unternehmens aus der ITK-Branche. VZ hat alle Grundlagen geschaffen, ein gutes Softwareunternehmen zu werden.

Und wer sagt, dass der deutsche Kunde nicht deutsche Wertarbeit zu schätzen weiß? War nicht gerade erst kürzlich eine Studie erschienen, die Facebook ein hohes Maß an Misstrauen bescheinigt? Steht Google nicht vor einem Problem mit G+, schon bei einem Allerweltsproblemen wie dem Zwang zum Klarnamen zu stolpern? Wer sagt, dass ein bewegliches Unternehmen keine Chance hat, seine Rolle im Social Networking-Markt zu spielen?

Viele von uns haben Facebook bis 2009 voller Inbrunst bescheinigt, viel zu kompliziert zu sein. Bis sich das Blatt gewendet hatte und alle wussten es ja, danach natürlich. Heute bescheinigen viele VZ keine Zukunft. Davon halte ich wenig bis gar nichts, da es die Grundlagen unternehmerischen Handelns auf deutschen Qualitätsniveaus negiert.

Ausblick
VZ hat sich die Basis geschaffen. Soweit sehr gut, alle Achtung, soweit überhaupt gekommen zu sein! Das muss man faktisch festhalten. Doch das sind keine Vorschusslorbeeren. Altverdientes gibt es Morgen nicht. Nun muss VZ liefern. Es wird dann nicht mehr nur eine Frage der gesamten Management-Thematik sein, sondern ob das Personal wirklich gut genug ist, den Weg zu gehen, für den man sich entschieden hat. Eng am Kunden Services zu verfeinern, neue Services anzubieten und Kunden auf Dauer von der Marke VZ zu überzeugen, verlorenes Vertrauen wieder gutmachend.

Das sind übrigens drei Mitarbeiter von VZ, mit denen ich das Vergnügen hatte, einen etwas anderen “Interview”-Termin zu führen. Mich interessierte alles nicht, außer dem, was ich oben geschrieben habe.
VZ Mitarbeiter
Sven Schoof, Leiter des Produkt-Managements – ChefChef Clemens Riedl – System Architect Nils Jünemann

Ich drücke VZ die Daumen! Gerade und wegen der wirklich heißen Unternehmensgeschichte, eine fast schon einmalige Geschichte, eines deutschen Internetunternehmens.