go to hellHallo, mein Name ist Robert Basic, ich bin Influencer.
* Klatschen *
Hallo, Rob, schön dass du da bist!

So könnte die Runde der anonymen Influencer aussehen. Warum ich es scheisse finde, dass Unternehmen Menschen als Influencer bezeichnen, warum ich keiner sein will und auch keiner bin!

1. In welche Netz-Welt bin ich hineingewachsen, dass Unternehmen ganz offen von Beeinflussern und Einflüsterern (direkteste Übersetzung des Wortes Influencer) sprechen? Sie merken es nicht einmal mehr, was sie damit ausdrücken. Welche Verantwortung und welcher Anstand ist im alltäglichen Sprachgebrauch abhanden gekommen? Warum soll ein sich öffentlich im Netz bewegender Privatmensch seine Leser (Blog), Zuschauer (YouTube/Snapchat) und Bildergugger (Instagram) positiv (!) beeinflussen, nur um eine Marke oder ein Produkt toll zu finden?

2. Ja, aber sicher das, die Unternehmen sprechen sich selbst eine direkte Beeinflussung ab, dafür nutzen sie nur den wie auch immer nachgesagten Einfluss der Influencer. Großartig dabei ist am Rande, dass dies in Followerzahlen gemessen wird, einer unfassbaren Vereinfachung, die dann Agenturen in Zahlen wie Engagement Rates auszudrücken versuchen. Dafür – für den Einfluss der Influencer – können sie ja nichts, nicht wahr? Sie nutzen im gleichen Atemzug gerne das Wort Authentizität. Ein Influencer sei authentisch, daher habe er eine so starke Sogwirkung auf seine Follower. Man wolle sich da auf keinen Fall einmischen! Hier, zieh die Klamotten an, schau mal, wie toll du aussiehst!!! Wolltest das nicht schon immer? Und das auf Fuerte im 5-Sterne-Hotel? Glaubst Du nicht, dass Deine Follower das auch toll finden werden? Wenns dir nicht gefällt, gibs zurück, kein Problem! Nein, nein, auf keinen Fall, der Influencer soll so authentisch wie nur möglich bleiben und soll ablichten was wer will, sagen was sie will, … lachen wie sie soll (wisst ihr eigentlich, wie oft ich das schon so gehört habe???). Also das unberührte Einhorn auf der Waldlichtung, das nur Jungfrauen an sich ranlässt? Frei von Sünde und unhehren Absichten. Immerhin verkauft ein Waffenhändler auch nur Waffen, das Einhorn erschießen fiese, dunkle Gestalten.

3. Man kann es drehen und wenden wie man will. Unternehmen setzen bewusst auf Influencer. Noch auf immer frische, relativ unverbrauchte Kontaktkanäle zu ihrer Zielgruppe. Vorbei an AdBlockern, vorbei an Werbung in Fachzeitschriften, vorbei an breit gestreuter TV Werbung. Immer mehr an Werbegeldern (global werden 500 Mrd USD für Werbung aller Arten ausgegeben, grob 20% davon – also 100 Mrd USD – fließen davon in die Taschen der Agenturen, die mit Werbung zu tun haben) geht in Social Media Kanäle aka Youtube, Facebook, Snapchat, Instagram. Und ein Teil davon immer mehr in diese Influencer-Werbung. Werbung ist ein Riesengeschäft und es bleibt ein wachsendes Geschäft im Zuge der Digitalisierung, was die Social Media Kanäle angeht. Je weniger Geld in die alten Kanäle hineinfließt desto höher der Handlungsdruck der Werber, alternative Kanäle zu finden. Was sie ja auch gefunden haben.

4. Influencer – umso jünger umso besser – verdienen damit in der Spitze in jungen Jahren soviel Geld wie ein üblicher 9-to-5 Angestellter in seinem Leben nicht verdienen wird. Es sei ihnen dennoch gegönnt! Kann man es ihnen nicht gönnen? Weil sie angeblich immer nur Schleichwerbung platzieren? Bitte, wer ist dafür verantwortlich? Die Agenturen oder die jungen Menschen? So wie ihr bestimmt mit 20 superschlau gewesen seid, niemals Scheisse gebaut habt? Come on! Punkt! Update: Auch Carsten Drees von Mobilegeeks sieht das ähnlich – „Caro Daur und die Werbung: Immer drauf auf die Influencer“.

5. Wann wollte ich jemals Influencer gewesen sein? In all den Jahren gab es nur zwei Motivationen: Meine neugierige Nase in technische Entwicklungen dieser Welt zu stecken. Um meine persönliche Neugier zu befriedigen. Und zugleich bin ich redselig, weil ich gerne meine Einblicke mit dem Rest der Welt teile. Oberste Prio war: Rotz es raus und lass den Leser denken, ob er das gut oder schlecht findet. Gott verdammt, muss ich für den Leser denken oder er selbst? Ich erwarte es schlichtweg, nicht für ihn zu denken. Einfluss? Welcher? Den Leser dazu zu bringen, nicht mit dem Arsch zu denken? Ja, dann gerne.

6. Natürlich haben mich Medien, Agenturen und die Industrie immer wieder mal als Influencer vorgestellt. Mein Gesicht zuckt bis heute regelmäßig zusammen. Das lag und liegt nicht an meiner falschen Bescheidenheit, mittlerweile mehrere Millionen von Usern in all den Jahren mit irgendwelchen Postings beliefert zu haben (die meisten wussten nicht einmal, wer das geschrieben hatte noch wie meine Blogs hießen = so who the fuck cares ob man mich kennt? Wenn ich dazu beigetragen habe, das sich das Thema am Rande eines Erinnerungsvermögens festgesetzt hat gut, umso besser mitsamt Pro/Contras), sondern an meinem Unwohlsein. Ich soll influencen? Vergiss es! Gib mir die Infos, der Rest ist der Mündigkeit des Konsumenten (!) überlassen. Thats me.

7. Dennoch, betrachte ich den Umgang mit den besonders jungen Influencern und die häufige Nutzung dieses Wortes, beschleicht mich ein zunehmendes Unwohlsein. Nicht nur dieses verdammte Wort Influencer über alle Altersklassen hinweg. Wir lassen es zu, dass zahlreiche junge Konsumenten mitsamt den zahlreichen jungen Medienmacher/innen auf YT, Insta und Snapchat von der Werbeindustrie benutzt werden. Für was? Für ein unkritisches Kaufverhalten? Für billigste Scheissklamotten? Für Schmierzeugs, um hübscher auszusehen, weil das eigene Aussehen nicht reicht? Und um strategisch die junge Zielgruppe für teure Marken zu begeistern, die sich sehr viel später die Markenprodukte leisten kann? Der Vorgang nennt sich Branding = Einbrennen von Mustern in die Rinderhaut, da kommt der Begriff übrigens her! Je jünger der Mensch ist und je früher er von der Werbebotschaft erreicht wird, umso eher wird er die Marke mit sich tragen, sein Leben lang. Dass hierbei auch noch ein ekelhaftes Schönheitsideal in der Modeindustrie nach wie vor gepredigt wird, muss ich nicht sagen. Nun hat die Werbewelt über die Influencer einen unmittelbaren Zugang zu den jungen Küken gefunden. Lasst doch gleich die Drogendealer auf den Schulhof.

8. Nein, so will ich niemals ein Influencer sein! Wenn die Industrie mitsamt Werbern nicht Verantwortungsbewusstsein zeigt, werden wir es abregeln. So wie wir Mensch auf sämtliche Übertreibungen stets reagiert haben. Zigarettenwerbung? Ende Gelände! Sexismus? Ende Gelände! Rechte Randwerbung? Ende Gelände! Noch schauen sich die Eltern den Scheiss an. Wartet nur und gerne ab. Es wird eine Bewegung entstehen, die diese Art und diesen Umgang mit Influencern mehrere Enden bereiten wird.

Liebe Agenturen, lasst den Scheiss, das Wort Influencer in den Mund zu nehmen. Wenn Ihr dabei auch schon Eltern seid, denkt an Eure Kinder, ob die auch zu Konsumzombies werden sollen! Tragt Verantwortung! Und denkt euch Bespaßungsformen von Werbekanäles aus, die mit Anstand und Verantwortung unsere junge Generation zu aufgeklärteren, mündigeren, mit sich selbst stolzeren Seelen aufwachsen lässt!  Und ja, wenn ich ein verdammter Konservativer bin, der mehr Wert auf viele Dinge denn Werbung legt, dann lebt damit, bis euer Krug zerbricht. Aber ich lass mir nicht andrehen, dass dieses Benutzen (!) junger Menschen als Werbeträger in Ordnung ist. 

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