Joel Kaczmarek hat auf dem Blog Gründerszene folgenden Beitrag veröffentlicht: Top Secret: So funktioniert SEO bei den Samwers / Gründerszene analysiert die geheime SEO-Guideline von FP Commerce. Einfach mal lesen.

Wir machen währenddessen schon mal weiter hier. Was lernen wir? Mehrere Aspekte.

Aspekt 1: Aggressivität in geschäftlichen Belangen beim Aufbau einer Firma schadet nicht. Ausgenommen eindeutig rechtlich untersagten Vorgehensweisen, so z.B. unter fremden Namen Eigenwerbung auf Meinungsportalen zu betreiben. Letztlich durchzieht die Historie der Samwer-Brüder das Merkmal Aggressivität. Ob es nun die versteckte Abo-Butze Jamba war, um auch Kinder zu abonnierten Klingeltonkunden zu machen, der aggressive Aufbau zwecks Übernahme durch einen US-Konkurrenten (letztens Groupon – Citydeal), heftige Vertragsklauseln nicht geradezu zu Gunsten von Gründern (sobald die Samwers einsteigen) oder dieses SEO-Beispiel auf Gründerszene. Man könnte sagen, der Erfolg gibt den Samwers recht. Oder man könnte auch sagen, dass aggressives Vorgehen die Chancen einer jungen Firma steigen ließe. Moralisch, ethisch gesehen, kann man das natürlich auch anders betrachten. Ich persönlich habe stets klar gestellt, dass ich wenig bis gar nichts von den Samwers halte. Das Erfolgsargument pro Samwers um jeden Preis ist für mich kein Maßstab, wie man geschäftlich vorankommt. Letztlich haben die Samwers leichtes Spiel mit jungen Firmen: Kohle + angebliche Erfolgsgarantie. Sobald Gier auf Hirn trifft, paart es sich zu einem interessanten Gemenge. Wovor Gründer nicht gefeit sind. Da akzeptiert man auch das unwürdige Gebahren der Samwers, wenn es mal nicht so läuft. Gründer wissen darüber ein Lied zu singen. Aber kein Grund zum Jammern. Man weiß im Vorfeld, wen man sich reinholt.

Aspekt 2: Interessant sind die Kommentare einiger Leser. Das abgestumpfte Gebahren vermeintlicher SEO-Experten, die schon alles kennen und hinnehmen. Das ironische Rufen gen „investigativen Journalismus“ contra Joel. Oder das noch plattere Verweisen auf „ihr macht das doch auch“ (gemeint ist damit Lukasz Gadowski, ein weiterer, bekannter Investor, der Gründerszene letztlich verantwortet und ehemals in Eigenregie gestartet hatte). Vor Lesern jeglicher Art ist man nie gefeit. Joel nimmt das mit einer erstaunlich stoischen Ruhe hin:)

Aspekt 3: Ein persönlicher Aspekt. Etwas mehr allgemeines, was mit geschäftlichen Erfolg und Erfolgsstreben zu tun hat. Ich habe schon zu viele Hände von Gründern, Financiers und EBS-Schülern geschüttelt, um sagen zu können, es stimmt. Es stimmt, dass bestimmte Klischees vorzufinden sind. Manchmal kommen verschiedene Aspekte in einem Menschen zusammen. Ob es das gegeelte Haar ist, Plattitüden im Gespräch, einfach nur oberflächliches Gelaber, Koksnasen-Gerüche, von Ehrgeiz und Gier zerfressene Augen, förmlich von innen verfaulte Mentalkörper, denen es an Tiefe und echtem Fremdempfinden fehlt. Diese bestimmte Art von Menschen strahlt nichts anderes aus, als das Streben nach Erfolg um jeden Preis. Als ob es das einzige Merkmal sei, um einen Menschen auf die Waage zu stellen und ein Gewicht festzustellen. Das Gewicht wird über die Höhe der gestapelten, grünen Scheine gemessen. Eine merkwürdige Welt, in der die Dinge verzerrt scheinen. Das Gefühl beschleicht mich nicht immer, einen seltsam gewichtslosen Menschen vor sich zu haben, aber es taucht immer wieder auf. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, aber besser kann ich es nicht wiedergeben. Komischerweise sehe ich dann sinnbildlich einen Zombie vor mir, dem der Wert des Menschseins abhanden gekommen ist, auf der verzweifelten Suche nach Bestätigung über den Weg des Erfolgs. Warum ich so ticke und warum ich das manchmal im Miteinander – wenn ich mit dieser Welt und den darin agierenden Personen in Kontakt trete – so empfinde, kann ich nicht sagen. Es ist einfach so.

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