Stefan Niggemeier, ist laut Wikipedia:

… ein deutscher Medienjournalist. Er war bis März 2006 verantwortlicher Medienredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er ist der Gründer und heutiger Herausgeber des medienkritischen Watchblogs Bildblog.

Und Träger folgender Preisauszeichnungen:

Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik 2003
Grimme Online Award Information für Bildblog 2005
Leuchtturm-Sonderpreis des Netzwerks Recherche 2005
LeadAward (Bronze) 2007: bestes Weblog
Grimme Online Award Information für sein Weblog 2007
Journalist des Jahres 2007 der Zeitschrift Medium Magazin
Markgräfler Gutedelpreis für BILDblog 2008[5][6]
Hans Bausch Mediapreis 2009

Nebst Bildblog befeuert er sein eigenes Blog. Das ebenso viel beachtet und gern gelesen wie auch kommentiert wird. Nun müsste man meinen, dieser Mensch sei ein toller Hecht als Blogger, als Medienkritiker und Journalist. Mag sein. Ich habe starke Zweifel an dieser Vermutung. Ich denke, dass Stefan mittlerweile mehr BILD ist denn die BILD selbst.

Warum? Ich bin heute auf seinen Beitrag „Vergessen und vergessen machen“ gestoßen. Darin schildert er lang und breit, wie er zum Schluss kommt, der Bitte eines Ex-Bild Schreibers nicht nachzukommen, dessen Namen aus einem Bildblog-Beitrag zu löschen.

Er schwadroniert wie folgt:

Angeblich hatte das Plagiat (oder seine Aufdeckung) Folgen, jedenfalls endete die Zusammenarbeit mit „Bild” wohl wenig später. Nun arbeitet der Mann frei und leidet. Er fragt uns:
—-
Könnten Sie den Artikel aus ihrem Archiv löschen? Es wäre nett, da ich bei jedem Bewerbungsgespräch auf Bildblog angesprochen werde. Das mag Sie stolz machen, für mich ist das Ganze aber inzwischen existenzgefährdend.
—-
Macht mich das stolz? „Stolz” ist das falsche Wort, aber, zugegeben: Es ist ein gutes Gefühl, wenn die eigene Arbeit Wirkung zeigt und wenn sie nicht flüchtig ist. BILDblog hat immer eher darauf abgezielt, die Rezeption der „Bild”-Zeitung zu verändern als die „Bild”-Zeitung selbst — schon weil wir uns nicht vorstellen konnten, die „Bild”-Zeitung zu verändern. Gerade deshalb ist es immer wieder etwas besonderes, wenn wir auf irgendeinem Weg erfahren, dass unsere Arbeit gelegentlich Folgen hat für die Leute von „Bild”. Es nimmt ein winziges Bisschen von der Macht von „Bild”.

Und labert sich den Wolf, wägt ab, argumentiert, nur um zu begründen, dass ihm ein Zacken aus der Krone brechen würde, täte er den Namen entfernen. Ein Wort des Bedauerns, dass ein Mensch möglicherweise um seine Existenz kämpft? Zero. Ein Wort des Innehaltens, ob das eigene Tun Opfer wert ist? Stefans Antwort ist unmissverständlich „Ja“! Ja, denn man hat eine Mission. Diese Mission bringt nun einmal Opfer mit sich. Bullshit das ist, ganz großer Bullshit!! Das Wort dafür kennen wir schon an anderer Stelle, es nennt sich Staatsräson. Und wird genutzt, um Systemen eine höhere Daseinsberechtigung zu verleihen denn dem Individuum.

Ok, von einem Bild-Schreiberling würde ich auch nicht erwarten, dass er den Namen eines Betroffenen wieder reinwäscht, den er zuvor in den Schmutz gezogen hat. Sich auch nicht bei seiner Redaktion einsetzt. Das ist mein Bild von Bild.

Von einem Stefan Niggemeier hätte ich jedoch mehr Eier und mehr Mensch-Sein erwartet. Sich stattdessen letztlich auf das Niveau der Bild zu begeben, das Ganze auch noch in ein rhetorisch anmutendes Argumentationsszenario münden zu lassen, ist BILDhaft. Stefan Niggemeier ist BILDhaft gesprochen ein geeigneter Nachfolger für den bisherigen Chefe der BILD, sollte er denn mal abtreten. Immerhin können beide bloggen und auf dem Rücken von Menschen ihre vermeintlichen systembedingten Ansichten ausargumentieren. Ist doch nur das System, was mich zu richterlichen Entscheidungen zwingt, sinniert Stefan Diekmann, äh Stefan Niggemeier.

Im Falle von einem Konstantin Neven DuMont konnte man es noch einigermaßen verkraften, dieses wichtigtuerische Gehabe, denn der Mann fiel weich. Hier kann ich meinen Mund nicht mehr halten, diese weltverbesserlichen Arien eines verantwortungstuenden Bloggers und Medienfuzzis wortlos hinzunehmen.

Mein Verdacht ist, dass der Job eines Journalisten den Mensch abstumpft. Es fiel mir schon häufiger auf, das Gleiche lässt sich an Stefan BILDhaft beobachten.

Lieber Stefan, die BILD ist der richtige Platz für Dich. Auf dieser Seite stehst Du, seitdem Du angefangen hast, Menschen als Opfer Deiner im Grunde genommen hehren Arbeit anzunehmen. Ich bin weder Dein Richter noch Lehrer, ich habe wohl mehr Fehler denn Du. Dennoch stehe ich zu meiner Kritik als Mensch. Opfer sind ungerecht, völlig egal, was der Anlass war. Ich würde diese Kritik an Deiner Person nicht öffentlich äußern, wärest Du ein 08/15 User im Netz, den kein Mensch wahrnimmt. Bei Dir ist das anders. Du erreichst viele Menschen, theoretisch trägst Du Verantwortung für Dein Tun. Rein theoretisch, Du und Dein eigenes Gewissen. Was Du nicht gezeigt hast, wird Dir möglicherweise unterwegs abhanden gekommen sein. Finde es selbst. Und wenn Du es gefunden hast, lösche ich Deinen Namen aus meinem Blog.

Update:
Ein Gegenbeispiel, das aufzeigt, wie sich Daniel Grosse als Blogger nicht nur den Kopf um einen Betroffenen macht, über den er gebloggt hatte, sondern auch klar ersichtlich wird, was ich unter menschlich verstehe. Etwas, das ich bei Niggemeier schmerzlich vermisse.


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