Innovationsfirma Porsche lahmt
ich habe am 12. August Porsches Presseabteilung per Mail um ein Statement gebeten (nach einer kurzen tel. Abstimmung, um die Mailadressen herauszufinden = ich habe 2 Personen angemailt):
Ich bin als Blogger seit Jahren aktiv und ich habe nun am Rande erfahren, dass es als nicht akkreditierter Journalist und ohne Presseausweis für Blogger anscheinend keine Möglichkeiten geben soll, an PR-Infomaterialen zu kommen. Das hat mich erstaunt, halte ich doch Porsche für ein innovatives Unternehmen, nicht nur im Bau der besten Sportwagen weltweit. Das führt mich natürlich zu Fragen an das Haus Porsche. Es würde mich freuen, wenn Sie diese beantworten möchten. Ich werde auf meinem Blog http://www.robertbasic.de über die Reaktion bzw. Antworten des Hauses Porsche gerne berichten.
Die Fragen wären wie folgt:
1. Hat das Haus Porsche bereits Richtlinien aufgestellt, die den Interessen der Blogger entgegenkommen?
2. Je nach Richtlinien-Normierung, warum erlaubt man nicht Bloggern per se Zugang zur Journalisten-Datenbank?
3. Oder erlaubt man lieber selektiv Bloggern Zugang? Welche Kriterien sind das?
4. Sollte man Bloggern prinzipiell keinen Zugang gewähren, was ist der Grund dafür?
5. Welche Haltung hegt das Haus Porsche gegenüber Bloggern im Allgemeinen?
Da ich bis zum 20. August darauf keine Reaktion erhalten hatte, bat ich nochmals per Mail um eine Antwort. Bis heute kam immer noch nichts rein, nicht einmal ein Piep. Meine heutige Mail lautet:
Nach meinen erfolglosen Versuchen schließe ich daraus, dass Sie kein Interesse an einer Kommunikation mit mir haben oder wie soll ich die Nichtbeachtung meiner wiederholten Anfragen bewerten? Eine kurze Zwischenmeldung wäre sicherlich das Mindestmaß an Kommunikationshöflichkeit gewesen, wenn Ihre Zeit zu knapp ist, auf meine Fragen einzugehen. Ich entschuldige mich für meine Kontaktaufnahme und ziehe die Fragen damit zurück. Über das Resultat meiner Bemühungen werde ich Sie via Blogposting informieren.
Ich weiß nicht, ob Porsches Presseabteilung überlastet ist oder aber kein Interesse an einer Kommunikation mit “just a blogger” hat. Es scheint sich aber zu bestätigen, was ich mit Verwunderung vernommen hatte. Und in den sieben Jahren Bloggerei wäre Porsche damit die erste Firma überhaupt, die Blogger blockiert. Eine persönliche Premiere. Für mich wäre das in der Tat in doppelter Hinsicht ein höchst erstaunliches Ergebnis. Denn, nicht nur, dass es die erste Firma ist, die einen Blogger ignoriert, darüber hinaus ist Porsche keine Klitsche, sondern in meinen Augen ein professionell geführtes Unternehmen. Ein Unternehmen, das nicht in der Lage ist, mit neuen Stakeholdern zu kommunizieren, zeigt eine Schwäche auf, die nicht gerade unwichtig ist.
Ich nutze übrigens dieses Blogposting auch dazu, um Porsche über diesen Weg anzutesten, wie sie jetzt reagieren, wenn man sie etwas öffentlich anpiekst und winkt.
Updates:
- Christian Leu kommentiert auf Facebook: Ich habe auch schon mehrmals E-Mails an die Schweizer Porsche Niederlassung geschrieben und man wird schlicht und einfach ignoriert.
- Habe Info von einem Autoblogger erhalten, dass er zu allen Autofirmen-Pressedatenbanken Zugang habe, nur nicht zu den Firmen unter der Konzernmarke VW (VW, Audi, Porsche), dort erwarte man einen gültigen Presseausweis
weibliche Blogger: Wenn man glaubt, nix zu sagen zu haben
die TAZ hat einen Artikel veröffentlicht, der sich mit weiblichen Bloggern beschäftigt: “Wie im echten Leben“. Vieles, was ich dort lese, kann ich aus eigenen Erfahrungen über zahlreiche Gespräche mit weiblichen Bloggern aus den vergangenen sieben Jahren bestätigen. Eines habe ich vor allen Dingen immer wieder gehört:
Eine Studie der Ruhruniversität Bochum zeigt, dass 75,9 Prozent der Blogs, die Frauen schreiben, reine Tagebuchblogs sind. Bei den Männern sind es dagegen nur 37,1 Prozent. Zu diesem Schluss kommt auch der empirische Kulturwissenschaftler Klaus Schönberger in seiner Untersuchung “Doing Gender, kulturelles Kapital und Praktiken des Bloggens”: “Frauen fühlen sich seltener ermächtigt, öffentlich zu sprechen”, sagt er. “Das ist das Ergebnis jahrelanger kultureller Prägung.” Er nennt das den “langen Arm des Real Life”: Tatsachen von außerhalb des Netzes reproduzieren sich auch dort.
In der Art habe ich es mir bisher nicht so erklärt. Die häufigste Argumentation ging in meinen Gesprächen in die Richtung “was soll ich noch dazu sagen, wenn man auf anderen Blogs sowieso schon alles geschrieben hat?”.
Was ist Eure Erfahrung dahingehend? Denkt Ihr auch, dass weibliche Blogger aufgrund der “kulturellen Prägung” davor zurückscheuen, “öffentlich zu sprechen”? Wäre in der Tat – wie soll ich sagen – traurig, wenn dem so wäre.
wie das MyDealz-Blog den Dell Onlineshop in die Knie gezwungen hat und warum es das mit Abstand meistbesuchte Blog Deutschlands ist
Fabian Spielberger betreibt mit MyDealz seit mehreren Jahren das meines Wissens nach mit Abstand meistbesuchte Blog in Deutschland (laut Blogoscoop 7 Mio Seitenaufrufe in den letzten 30 Tagen). Unermüdlich schreibt er über Discount-Angebote aller Arten.
Interessanterweise pickt sich die Presse regelmäßig andere Vorzeigeblogger heraus. Mich wundert das, denn es ist nicht einfach nur ein Blog, das extrem gut besucht wird. Das Ding rennt auch und wegen der vielen Leser, die sich einbringen. Und es rennt vor allen Dingen, weil Fabian unermüdlich seit Jahr und Tag viele Stunden in sein Blog an Schweiß, Zeit und Mühen investiert hat, ohne auch nur einen längeren Urlaub genommen zu haben. Gut, Fabian ist dabei mit Sicherheit nicht arm geworden, aber ich habe darauf verzichtet, ihn danach explizit zu fragen. Nur soviel: Bloggen lohnt sich, wenn man fleißig ist, einen langen Atem hat und kein Thema hat, dass nur wenige Leser von vornherein erreicht. Zeit also, Fabians Leistung zu würdigen und ihn über ein Interview vorzustellen. Er selbst bezeichnet sich als “Vollblut-Nerd, Videospiel-Junkie und Movie-Buff”.
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1. Fabian, stelle Dich bitte kurz den Lesern vor:
Hi Robert, hi Roberts Leser,
ich bin Fabian Spielberger, 27 Jahre, habe blaue Augen und bin … Spaß bei Seite. Ich bin in Berlin aufgewachsen, habe mich für mein Nanostrukturtechnik Studium für 5 ½ Jahre nach Würzburg verkrümelt und habe währenddessen auch bereits myDealZ gestartet.
Ich bin aber nach meinem Abschluss direkt wieder in die Heimatstadt zurückgezogen. Seitdem ich 13 bin, bin ich täglich im Internet. Je günstiger es wurde, desto mehr Zeit habe ich in den virtuellen Gefilden verbracht. Durch myDealZ bin ich letztendlich auch nicht nur konsumierend, sondern auch wieder schaffend „aufs Internet gekommen“. Ich nutzte vor einigen Jahren die Möglichkeit, ins kalte Wasser zu springen und mich selbständig zu machen. Ich bin Vollblut-Nerd, Videospiel-Junkie und Movie-Buff. Ich liebe einfach alles, was auch nur im weitesten Sinne etwas mit Elektronik zu tun hat.
2. Wie kam es dazu, dass Du mit MyDealz angefangen hast und warum?
Um meine Elektroniksucht zu finanzieren, war ich schon immer auf der Jagd nach Schnäppchen. So kam es, dass ich versucht hatte, neue Gadgets in der Regel günstig zu kaufen und kurze Zeit später möglichst ohne Verlust wieder an den Mann zu bringen, um wieder was Neues ins Haus zu schaffen.
Vor 3 ½ Jahren dachte ich mir, dass ich die guten Schnäppchen und vor allem aufwendigen Schnäppchen (Handyverträge, Girokonten, etc.) doch einfach für meine Freunde in Blog-Form festhalte, damit ich es nicht immer wieder aufs Neue erklären muss. Anfangs habe ich es vielleicht 3 Freunden erzählt und nach nur wenigen Wochen waren es schon mehrere hundert User pro Tag (zu der Zeit war das durchaus noch als Erfolg anzusehen).
Mit wachsenden User-Zahlen macht das ganze natürlich immer mehr Spaß, denn so werden nicht nur die Diskussionen immer umfangreicher und interessanter, sondern es werden auch mehr Tipps eingesendet. Die Kommentare sind mindestens genauso wichtig wie der Artikel selber, denn gemeinsam findet man weitere Tricks, Fehler und kann so das Maximum rausholen.
Nach etwa einem Jahr habe ich gemerkt, dass myDealZ ein Monster wird und ich genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Und wenn man dann
- die Server von Dell durch einen Super-Deal in die Knie zwingt, es innerhalb von 15 Minuten 500 Kommentare auf einen Artikel einregnet
- einem die Support-Mitarbeiter von verschiedenen Hostern erzählen wollen, dass es sich nicht um normale Zugriffe handeln kann, sondern um einen DDOS-Angriff handeln muss, es aber ungewöhnlich ist, dass alle Angriffe von normalen deutschen ISPs kommen
- einem Schadensersatzklagen von großen Handelsunternehmen ins Haus flattern oder
- man von der Freundin eines Lesers eine Email bekommt, dass sie vermutet, dass er myDealZ mehr liebt als sie und ich ihr/ihm das größte Geschenk machen könnte, wenn ich sein Foto auf die Homepage stellen würde,
dann freu ich mich, alles so gemacht zu haben, wie ich es gemacht habe. Genug abgeschweift und zur nächsten Frage ?
3. Hättest Du gedacht, dass es so ein Erfolgschlager wird und weißt Du überhaupt, warum es so dermaßen abgegangen ist?
Nein und nein. Es war auch nie so gedacht, auch wenn ich mich natürlich riesig freue, dass die Idee auf so großen Anklang stößt. First-Mover, die richtige „Art und Weise“ und der richtige Zeitpunkt waren aber wohl die ausschlaggebenden Faktoren.
4. Hat schon ein Handels- oder Verlagsunternehmen probiert, Dir das Blog abzukaufen?
Jein. Es gab schon mehrmals Interesse von verschiedenen Unternehmen. Gerade in der Anfangszeit war das für mich natürlich etwas ganz besonderes, aber glücklicherweise war ich nicht naiv genug, um mich von VCs/Unternehmen verarschen zu lassen und habe die Angebote ausgeschlagen. Wenn man so sieht, wie es in anderen funded companies läuft, kann man wohl auch als Atheist sagen „GOTT SEI DANK!“.
5. Du hast immens viele Kommentare, kommst Du noch hinterher oder arbeiten mehrere Leute für Dich mittlerweile, um Dir die Arbeitslast abzunehmen?
Auch wenn das häufig vermutet wird, lese ich noch jede Email (~500-1000 pro Tag) und versuche auch jeden einzelnen Kommentar (~600-800 pro Tag – Tendenz stark steigend) zu lesen.
Oft wird auch in den Kommentaren über mein Schlafverhalten gescherzt, aber glücklicherweise komme ich noch mit wenig Schlaf recht gut zu Rande.
Dank UMTS kann man inzwischen ja auch jede freie Minuten zum Surfen nutzen und das tue ich auch. 7 Tage die Woche, 13-15 Stunden pro Tag. Urlaub habe ich – seitdem ich myDealZ gestartet habe – nicht mehr gemacht und war zwischendurch vielleicht vier oder fünf Wochenenden auf kleineren Kurzreisen, aber natürlich immer vernetzt ;) Teilweise wird einem es schon zuviel, vor allem wenn gerade Schulferien sind und die Flamer Überhand nehmen, aber da muss man nun mal durch.
6. Wie wird es weitergehen mit MyDealz, wirst Du noch in 10 Jahren über günstige Molbilfunktarife, Gutscheinaktionen und Restposten schreiben?
Schwer zu sagen. Wenn meine User mit mir wachsen, ja. Natürlich habe ich ein wenig Angst, dass ich irgendwann an der Zielgruppe (der durchschnittl. myDealZ User ist 26 Jahre, männlich und arbeitet Vollzeit) vorbeischieße, aber ich versuche, mich mental jung zu halten.
Ich habe mir neben myDealZ inzwischen auch noch einige andere Standbeine aufgebaut und in wenigen Tagen geht mit qipu (@robert falls Du es Dir angucken willst www.qipu.de – Einladungscode: willkommenbeiqipu) auch die nächste richtig fette Rakete an den Start. Allerdings versuche ich dort nicht zu sehr operativ einzusteigen, um weiterhin Leib und Seele in myDealZ stecken.
7. Möchtest Du den anderen Discount-Bloggern etwas mit auf den Weg geben?
Auch wenns schwer fällt: Always innovate, never imitate ;)
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Fabian, ich danke Dir für das Gespräch !!!
Weitere Infos zum MyDealz-Blog ergeben sich aus dem Interview auf Deutsche Startups. Ihr seht im Video Peter Posztos (Guut.de Gründer), der zusammen mit Fabian “6Minutes” gegründet hat, das u.a. MyDealz professionell vermarktet (Peter ist mittlerweile nicht mehr mit an Bord). Peter und Fabian habe ich vor zwei Jahren getroffen und festgestellt, dass beide durchweg sympathische Typen sind und es war mir eine Freude, sich mit denen zu unterhalten.
Spon mit Endzeitszenario
Spon beruft sich auf eine jüngste US-Studie und spricht das aus, was in den USA längst ein realer Trend ist und in Deutschland ebenso droht (auch in anderen Ländern):
Mehr Personal und mehr Qualität: Das fordern amerikanische Wissenschaftler von Bloggern. Durch Einsparungen in den klassischen Medienunternehmen ist eine ausreichende Nachrichtenversorgung in Gefahr – die Bürgerjournalisten im Internet seien bislang aber keine Alternative. Selbst die 60 Top-Blogger der USA könnten nicht den Informationsengpass ausgleichen, der durch die Kürzungen im traditionellen Mediengeschäft entstanden sei.
Ich habe dazu erst neulich in der Scroll-Edition etwas geschrieben, wie wichtig dieses Szenario für die Grundversorgung der Bürger vor Ort ist. Natürlich habe ich nicht für das Buzzriders-Projekt getrommelt, das wäre unverschämt gewesen. Auf eben diesem Trend baut Buzzriders auf, als eine wichtige Säule. Was mir noch viel wichtiger war ist, das Bewusstsein der Netzbewohner zu wecken, welche Auswirkungen das Aussterben des Lokaljournalismus nach sich zieht. Warum lokaler Journalismus? Diese Ecke ist am meisten bedroht mangels Finanzkraft für die Umstellungsprozesse der kommenden 10 Jahre. Zentrale Nachlieferanten wie Spon und BILD decken dieses Segment nur sehr dünn ab. Diese werden jedoch überleben. Wer nur auch den Hauch eines Interesses hat, das aber anzweifelt, muss sich nur die Löcher in den lokalen Gebieten der USA anschauen und welche Auswirkungen das hatte und hat. Hierzu findet man genügend Material im Netz.
via Sachar@GBuzz
Die Antwort auf eine Tageszeitung können keine Blogger sein?
Sorry, ich muss schmunzeln, wenn ich angesichts der Diskussionen rund um die Scroll Edition allseits lese, Blogger könnten Profi-Schreibern von Zeitungen nicht das Wasser reichen. Entweder leiden manche Menschen unter einem Mangel an Selbstbewusstsein oder aber sie haben keinen blassen Schimmer von der Netzpower. Gerne werde ich als Spinner und mit zu dicken Eiern herumlaufender Blogger abgetan, aber das juckt mich wenig, denn ich weiß, dass es geht. Einfach, weil ich es weiß, ich den Durchblick habe und ich mir seit Jahren einen Instinkt aufgebaut habe, was möglich ist und was nicht. Großmäulig? Ja, von mir wegen. Aber ich muss mein Talent nicht verstecken.
Was muss man tun? Es ist nicht mal ansatzweise “schwer”, was die Problemstellung angeht, “lediglich” die Durchführung ist eins und das ist zugleich der limitierende Faktor: Zeit und die Bereitschaft, weniger Verrückter, so ein Ding durchzuziehen.
1. Finde 10 Freaks, die Bloggen spielend beherrschen. Ein Gefühl für Leser haben, was diese gerne lesen, was sie bewegt, reizt und beschäftigt. Schwer? Nope, das Gefühl entwickelt ein Blogger nach ca. 3-5 Jahren regelmäßiger Bloggerei.
2. Schnappe Dir einen beliebigen Online-Auftritt eines der Elefanten und kopiere unverschämt den Grundaufbau der Themenkategorien. Klacks. Schaffe eine eigene Online-Seite für News. Das ist der Spielplatz, um den Etablierten eine lange Nase zu ziehen.
3. Orientiere Dich an aktuellen Google-News und spiele damit Rock & Roll, schreibe Deine Version, gebe dem Ganzen den richtigen Schuss Blog-Power auf die Original-Nachricht (abgeschriebener DPA-Kram wird außen vor gelassen, braucht kein Mensch).
4. Die emotionale und inhaltliche Aufbereitung wird durch eine systemische Vernetzung mit Facebook, VZ, WKW, Twitter und Google Buzz angereichert. Alle Themen werden ausnahmslos auf diesen Plattformen in angepasster Sprache verbreitet (Linkback zur zentralen Newsseite). Ein weiteres Team von 10 Spezialisten aus dem gesamten Blogger-Team wird dort PingPong spielen.
5. Ziehe das für ein Jahr mit ca 50-100 Artikeln pro Tag (popelige 5-10 Artikel pro Tag für jeden Blogger, easy für High Frequency Blogger) durch.
6. Schnelle und kurze News werden durch die Community reingefeuert, somit wird die News-Menge um den Faktor 10-20 ansteigen. Long Tail, easy, keine Rocket Science, herkömmliche Zeitungen sind hierbei völlig verschlafen, keine Bange vor Imitation.
7. Gegenüber den schlafenden Giganten sind 50% der Themen aus dem digitalen Leben von Usern heraus zu generieren. Das Netzleben wird immer wichtiger, diesen Trend verpennen Zeitungen nahezu komplett. Es geht schon lange nicht mehr nur um “reale News”. Quelle? Liegt auf der Hand. Das gesamte “Neugier-Ego”-Potential liegt auf Basis der gesamten Social Networking Userschaft in Deutschland bei mittlerweile über 50% der Internetbevölkerung. Pimp your user, mirror his digital living and be happy.
8. Nach einem Jahr wird sich Spon wie Bild und Welt Online fragen, warum man ein Millionen-Budget an Personal, Overhead, Distribution und Werbung verfeuert, wo doch ein Team aus “unprofessionellen” 20 Blog-Fanatikern und Netzwerk-Virtuosen zu wesentlich geringeren Kosten eine weitaus höhere Rendite einfährt. Die gleichen Realnews mindestens genauso gut, dafür stimmkräftiger, aber darüber hinaus auch digital news abdeckt.
Warum das nicht gehen könnte? Es liegt nicht daran, dass es per se nicht geht, sondern ich zweifle dran, dass Deutsche crazy genug sind, um ein fanatisches Team mit Biss und Durchhaltevermögen für so ein Projekt zusammenzufinden. So wird alles beim Alten bleiben und die Theorie, dass es Blogger nicht können, Bestand haben.
Wie sagte Eric Schmidt/Google-Chef so schön: Europe must embrace “crazy entrepreneurs” if it is to build more technology companies that challenge American firms, Eric Schmidt, Google’s chairman and chief executive has said.
Scroll Edition: Pro und Contra
die Welt hat die Donnerstags-Ausgabe (01.07.2010) der Welt Kompakt zusammen mit “20 Bloggern, Wikipedianern, Amazon-Rezensenten, Facebook Entertainern, Qypern und Twitterern” erstellt. Auf der Projektseite “Scroll Edition” kann man sich ein Bild von der Aktion machen. Wenn Ihr auf der Startseite ganz nach unten scrollt, findet Ihr das “Special Team” im Einzelnen vorgestellt. Und Ihr findet einige Videos zu dem Produktionstag.
Was war das Ziel bzw. die Idee dieser Sonderaktion? Die Welt schreibt:
Die WELT KOMPAKT will es wissen, und überlässt in einem mutigen Experiment zwanzig ambitionierten Bloggern, Wikipedianern, Amazon-Rezensenten, Facebook Entertainern, Qypern und Twitterern ihre Redaktion – inklusive der Verantwortung für die redaktionellen Inhalte einer regulären Ausgabe der WELT KOMPAKT. Einen Tag lang werden die Grenzen zwischen Online und Offline, Objektivität und Subjektivität, Journalisten-Ethos und freier Meinungsäußerung kurzerhand aufgehoben.
Soweit zur Idee und dem eigentlich Produktionstag.
Wie kam nun die Ausgabe an, wie empfanden es die Verantwortlichen der Welt Kompakt, wie empfanden es die Netz-Mitmachenden, wie die Leser der Welt Kompakt, was sagen die Netzpublizisten zu dem Ausgang des Projekts?
1. Auf der Facebook-Seite “Weltkompakt” finden sich Stimmen zu der Ausgabe.
2. Auf dem Zeit-Blog findet Ihr eine Blog-Schau.
3. Frank Schmiechen / Welt Kompakt resümiert es seitens des Ideengebers: Blogger sind auch nur Menschen. Er schließt leider etwas taktlos aber auch mutlos das Resümee mit folgendem Satz: Heute erscheint WELT KOMPAKT wieder in bewährter Form. Die meisten von Ihnen werden erleichtert sein. Wir sind es auch. Lieber Frank, ich verstehe Dein Resümee nur zu gut, das Wagnis, das Ihr eingegangen seid, aber wenn Du so erleichtert bist, hättest Du gar nicht erst das Projekt vertreten dürfen. Dass Ihr Bammel hattet, Stress, Probleme, einen guten Schuss Kontrolle ins Projekt eingebracht habt, versteht sich von selbst. Ihr habt etwas gewagt, was ich Euch hoch anrechne, ein grandioses Experiment. Ich an Deiner Stelle würde dazu stehen, statt als Gastgeber Deine Gäste und die grundsätzliche Idee so zu verraten. Diese Inkonsequenz Deiner Aussage erschüttert meinen Glauben an Dich, ich habe Dich anders kennen gelernt. Wo ist der Blick nach vorne? Wo ist das Gefühl für Chancen geblieben? Schließt man mit diesen Angsthasen-Sätzen? Zeitungsmachern von heute scheint der Mut ihrer Pionier-Vorfahren abzugehen. Schade, mit der Einstellung kann man eine Zeitung nicht ins 21. Jahrhundert führen.
Meine Forderung an Euch:
Ich erhoffe mir von Dir und Deinen Chefes nicht nur dieses vorsichtige Quäntchen an Resümee, ich erhoffe mir ein offenes Feedback, eine Einladung zur Diskussion mit den Teilnehmern des Projekts, Euren Lesern und den Netzbewohnern. Ihr habt die Tür aufgemacht, einfach so zumachen werdet Ihr diese Tür nicht können. Ich möchte von Euch wissen, was Ihr aus dem Projekt gelernt habt, lernen möchtet, wie die Parameter zu justieren sind, ob es weitere Experimente geben wird. Und, ich erwarte, dass Ihr eine kostenlose Ausgabe als PDF zur Verfügung stellt.
Update: Franks Antwort
4. Auf dem Boschblog und dem Lumma Blog finden sich meiner Meinung nach die Key-Findings.
No. 1:
“Was für mich an diesem Tag etwas enttäuschend war, ist die Tatsache, dass der größte Teil der Ausgabe für den 1.7. bereits feststand.” (Bosch)
No. 2:
“Ich hätte die Blogger allerdings nicht zum freien Riemenschreiben animiert, sondern unter Zeitdruck zu einem Thema recherchieren lassen, das wäre bestimmt interessant geworden.” (Lumma)
Dieses Projekt schreit nach einer Fortsetzung. Angsthasen-Redakteure haben weder eine Zukunft noch stellt sich ihnen diese Aufgabe. Vordenkern und Mutigen ist diese Aufgabe vorbehalten. Den Anfang in dieser Tragweite haben die Macher der Welt Kompakt gemacht. Wer setzt es fort?
Es führt kein Weg für die Zeitungsmacher (online und offline) daran vorbei, sich Gedanken zu machen, wie man die Demokratisierungs-Trends durch das Aufkommen des Internets in die Prozesse der Newsgenerierung mit einbezieht. Gleichzeitig eröffnen sich über die Kollaborationspotentiale der jungen Kommunikationstechnik Internet völlig neue Möglichkeiten. Angefangen bei der Informationsrecherche über Themenwahl, Themenaufbereitung, Produktion bis hin zur Distribution. Die bisher recht abgeschotteten, ingesourcten Produktionsprozesse sind nicht mehr zeitgerecht. Die Zeitung des 21. Jahrhundert unterliegt einem großen Änderungsprozess. Das wissen die Macher schon längst, sie versuchen lediglich die Zeit bis zum point of no return über leicht angepasste Produktionsabläufe zu verlängern.
Welch grandioses und lehrreiches Projekt würde dabei herauskommen, wenn die FAZ oder die BILD tatsächlich eine komplette online- und offline Tagesausgabe der Power der Netzbewohner überlassen? Ohne doppelten Boden und vorbereiteten Artikeln. Die Auswahl der Themen, die Aufbereitung der Themen, die Zusammenarbeit mit dem Netz während der Produktion. Es wäre ein furioser Start ins Unbekannte an vielen Stellen. Es wäre eine Würdigung der zunehmend stärker werdenden Stimme der Vielfalt der Netzbewohner. Damit der Bürger. Es wäre ein Signal. Nur, das Projekt wäre ein ganzes Stück weit professioneller, aufwändiger und sorgfältiger vorzubereiten. Es würden sich neue Interpretation auftun, was moderner Journalismus ist und wie sich moderner Journalismus anfühlt, ebenso sind die Kollaborationsprozesse während der Produktion und die damit einhergehenden Kosten nicht allzu schwer analysierbar, um dauerhafte Elemente zu identifizieren.
Zu den Kritiken dieses Projekts, die keinen Blick nach vorne bewiesen haben
Ich erwarte nicht von einem Welt Kompakt Leser die Bedeutung dieses Experiments zu erkennen. Dessen Erwartung endet beim Lesen einer Tageszeitung. Ich erwarte ebenso wenig von Journalisten, deren Denke im 20. Jahrhundert zurückgeblieben ist, dass sie das Projekt und dessen Chancen erkennen. Mehr als bloße Feststellungen, dass Amateure keine Zeitung machen können, sind nicht zu erhoffen.
Ich kann aber von den meisten Bloggern und Blog-Kommentierenden erwarten, dass sie offener sind, dass sie den Mut des Experiments erkennen und sich gleichzeitig konstruktiv Gedanken machen können, was noch gehen würde, wie man das Projekt in vielen Belangen verfeinern und verbessern kann. Sicherlich kann es einem von mir wegen völlig egal sein, dass die Zeitungen des 20. Jahrhunderts ausgedient haben, ebenso kann es einem egal sein, dass die meisten Medienmacher mangels Rentabilität in wenigen Jahrzehnten einpacken können und die Konzentration der Medienhäuser zu ungesunden Ballungen führt. Das Bedürfnis nach Informationen ist zu groß, um zu befürchten, dass wir keinen Informationsapparat in Zukunft haben, der Vielfalt, Aktualität und Übersichtlichkeit zu vertretbaren Kosten bietet. Die Nutznießer dieser Entwicklung werden sich keinen Kopf machen. Die Macher dieser Entwicklung aber schon.
So bin ich unendlich von dem Artikel aus der Basic Thinking Feder enttäuscht. Das Fazit, das Web sei belanglos, das Format der Scroll Edition unpassend und weiteres Blabla lassen mich an Basic Thinking zweifeln. Jeglicher Sachverstand und Weitblick fehlt. Nichts.
Ebenso verstehe ich das Geblöke nicht, die Welt habe die Blogger und Co. für einen PR-Coup benutzt. Das ist ein reiner Nebenkriegsschauplatz, der zu nichts führt. Trommeln gehört zum Tagesgeschäft, nicht mehr und nicht weniger. Ein übliches Geschäftsgebahren, nur 68er kapieren das nicht.
Auch vermisse ich den Tenor bei den vielen Kritiken, dass ein klassisches Unternehmen Netzbewohnern überhaupt die Gelegenheit gegeben hat, sich auf Papier auszubreiten. Haben diese Nasen überhaupt verstanden, welches Wagnis hierbei eingegangen und welche immensen Widerstände inhouse überwunden werden mussten?
Mir fehlt der gesamtheitliche Blick, das Projekt ausgewogen einzuschätzen. Ich hätte mir von vielen Bloggern und Kommentierenden da draußen mehr als bloßes Geblöke erhofft und erwartet. Die Kritiken greifen viel zu kurz, eine Würdigung des Vorhabens mangelt allerorten, der Blick nach vorne ist dürftig bis gar nicht vorhanden. Wir alle haben immer noch nicht mal wirklich begonnen, die Tragweite der neuen Informationswelt zu begreifen, nach Chancen zu suchen, den Vielzahl an Millionen von Netzstellen in Richtung weiterer Informationsverdichtung (der bisherige Job der Newsorgane) eine Struktur zu geben, aber herumschreien, dieses Experiment sei gescheitert, doof, blöd.. ne, meine Haare streuben sich bei diesem Gedanken, es mit dermaßen vielen Nein-Sagern unter Bloggern zu tun zu haben. Nur weil jemand etwas versucht hat, es selbstverständlich an tausenden von Punkten Verbesserungs- und Lernbedarf gibt? Das kann es wohl nicht sein.
Deutschland, das Land der Macher und Mutigen? So viel Wissen, so viel Power, so viel Potentiale. Ich will einfach nicht glauben, dass dem nicht so ist. Da muss mehr möglich sein. Und ich lasse mir von niemandem erzählen, es gäbe keine Potentiale, Informationsproduktion neu zu denken. Alleine das Thema Facebook, das weltweit größte Social Network, produziert eine gigantische Menge an Informationen. Zeitungsmacher, die sich keine Gedanken zu diesem Informationsnetzwerk machen, sind richtiggehend dämlich. 500 Millionen Produzenten und Konsumenten an einer Stelle und niemand von denen wagt sich an das Thema “Facebook-Zeitung” heran? Nur damit alleine könnte man ein exzellentes Projekt aus dem Boden stampfen. Und unendlich viel daraus lernen, wie man in Zukunft produziert, wo man distribuiert, wo man Quellen generiert. Diese Mutlosigkeit und Ideenlosigkeit der Zeitungsmacher ist zum Haare raufen. Sie stehen an der Seitenlinie und beschäftigen sich in herkömmlichen Denkbahnen mit der Zukunft. Jesus…
warum manche nicht einmal einen Blog-Buchstaben wert sind
ich kann es nicht mehr zählen. Nicht mehr zählen, die vielen Gesprächen mit befreundeten Bloggern, die gefrustet sind. Das läßt sich genauso auf Gespräche mit denen übertragen, die irgendwo im Netz auf Foren, in Social Networks oder aber auf Twitter unterwegs sind. Gestern erst habe ich erneut so ein Gespräch mit jemanden geführt, der wegen Nichts heruntergeputzt wurde.
Worüber ich rede? Über die vielen Pussies da draußen, die im Netz über andere herziehen, im echten Leben aber darauf angesprochen nicht einmal in der Lage dazu sind, dazu zu stehen, was sie gesagt haben. “Ich habe es nicht so gemeint” und lächeln einen an. Feiglinge, die im RL auf nett machen, im Job die Stiefel der anderen lecken, im Netz aber die Sau rauslassen, als wäre es eine Kompensation ihres Zwangs, mitmenschlich im RL-Umfeld sein zu müssen.
Es fing in meinem Umfeld schon früh an damit, diese Erfahrungen zu sammeln. Immer dann, wo es thematisch kritischer wurde, ging es rund. Ob es um Blogger ging, die politisch ihre Meinung vertreten, wirtschaftliche Motive verfolgten oder einfach über irgendwas schrieben. Man liest sich die Kommentare durch und zuckt zusammen. Man liest Beiträge auf anderen Blogs und zuckt erneut zusammen. Übermäßig hart, einseitig, als gäbe es nur Schwarz und Weiß im Leben. Perfektion wird verlangt, alles andere ist nicht existent. Heute lese ich Twitter, Facebook, Foren. Immer und überall das gleiche Schema. Das Gesicht der Gosse zeigt sich ständig. Kleine Pussies, die meinen, es viel besser zu wissen, als wären sie Übermenschen. Vor persönlichen Beleidigungen im Netz keinen Halt machen. Im echten Leben selbst sind sie kleine Leuchten, viele Dinge falsch angegangen, fehlbar wie jeder andere auch sind und waren, welch Ironie. Und die vielen Lemminge, die den Spackos gerne folgen, sind nicht anders. Nur schlimmer. Sie steigen ins Geblöcke mit ein, labern den Dünnpfiff gedankenlos nach, halten sich an ihren Eiern und schaukeln sich gegenseitig hoch.
Mittlerweile kann ich die Blogger nicht mehr zählen, die völlig fertig mit ihren Nerven waren. Ihr persönliches Umfeld war nicht selten geprägt von familiären und beruflich angespannten Situationen. Kein Wunder, dass man dann in dem Moment schwach wird, wenn man im Netz auch noch auf die Fresse bekommt. Man versteht es nicht, warum man dermaßen angegangen wird, als hätte man Kinder gefressen. Es scheint ganz so, als würde es im Web immer ein Stück brutaler als im RL zugehen, wie eine Einladung, die Maske der Menschlichkeit runterreißen zu dürfen. Als würden im Netz andere Anforderungen gelten, wie das Leben da draußen auszusehen hat. Kein Grau, nur Schwarz-Weiß. Machen sich die Spackos da draußen den Kopf? Nein, sie kommen nicht einmal auf die Idee, sich in die mögliche Situation des Betroffenen zu versetzen, manchen ist es schlichtweg egal. Egal? Egal, was sie sagen, was sie senden, was der andere fühlt!
Obgleich ich über all die Jahre eine dicke Haut entwickelt habe, natürlich durch eigene Erfahrungen geprägt, die einem aufzeigen, wie bodenlos mangelnde Mitmenschlichkeit sein kann, bin ich jedes Mal aufs Neue betroffen, wenn ich das persönlich mitgeteilt bekomme oder im Netz lese. Sind es die Pussies wert, sich von ihnen runterziehen zu lassen? Welche Frage. Stehst du ihnen im echten Leben persönlich gegenüber, weichen sie deinen Augen aus, machen einen auf “na, war nicht so gemeint”, winden sich Würmern gleich, kein Wunder, wenn man kein Rückgrat hat. Welchen Wert haben diese falschen Fünfziger, was soll ich darauf geben? Das Blöde ist, dass ich dann auch noch Mitleid empfinde, wie Menschen sich ihrer Schwäche ergeben, sich gehen lassen, weil sie schwach sind. Im Grunde wollen sie im Netz glänzen, sich bestätigt fühlen in der Lemming-Menge, Anerkennung miternten. So sehr ich diese Pussies ablehne, so sehr zeigen sie ein nur zu menschliches Gesicht.
Ich kann es nur so formulieren: Solange man betroffen ist und fühlt, nicht abstumpft, wird man nie zu denen gehören, die weder Mitgefühl, Rücksicht noch Mitmenschlickeit zeigen. Ihr könnt mit erhobenen Haupt durch das Leben schreiten. Mehr als das kann ich nicht mitgeben, da ein Mehr nicht möglich ist. Die Narben kann ich nicht nehmen, warum auch, da Ihr Menschen seid, die fühlen. Was ist daran schlecht? Nichts. Eben.
Warum II
zum Artikel “Warum” habe ich zwei Kommentare herausgefischt, die ich hier gerne separat aufzeigen möchte. Als Erwiderung zu den beknackten und sich immer wiederholenden Kritiken an Blogs, die manche auch noch glauben und sich danach ausrichten. Der eine Kommentar ist von einem Blogger, der privat bloggt und eine klasse Analogie wählt, um die Vielfältigkeit aufzuzeigen. Der andere Kommentar von einer Bloggerin, die auf ihrer Unternehmensseite bloggt. In der Tat ein “Kommerzblog”, was nicht weniger spannend und weniger menschlich ist, weil es ein Mensch ist, der dahinter steht. So wie jedem Blog, ausnahmslos!
Kommentar von Jo JMatic (sein Blog), eine wunderschöne Fußball-Analogie:
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Ich sach mal:
Das Geschreibe im Netz, an Plätzen, die man Blog nennen kann (wenn man will), is’ wie Fussball:
Das Spiel ist manchmal genial, öfter mal “Aua”, aber hoffentlich immer mit Herz gespielt, egal ob 1. Liga oder Kreisklasse, egal ob 70 000 am Rande brüllen, oder nur zwei Dutzend am Spielfeldrand alles besser wissen.
Die Interviews mit den Stars sind manchmal genauso so “Auaaua”, wie ihre Flanken es ab und an sind. Und Leute, in der Kreisklasse hab’ ich schon Pässe von Mitdreissigern gesehen … Wow! Hammer!
Es gibt Fussball-Experten, da rollen sich mir die Fussnägel hoch, wenn sie den Mund aufmachen. Es gibt aber auch so Momente, da wird ein Expertensatz augenblicklich zur ewigen Floskel.
Was tun Fan und Spieler nach’m Spiel? Denken wieder an’s nächste Spiel, während sie ihr Bierchen schlürfen.
Es gibt Spiele die hat man nach dem Abpfiff schon fast vergessen, und es gibt welche, die bleiben unvergessen.
Muss man Fussball mögen? Nein. Braucht man Fussball unbedingt? Nein. Ja. Rettet er die Welt? nein. Ja. Warum spielen Leute Fussball und andere schauen ihnen zu? Weil es ihn gibt. Fertig.
Ich kicke zumeist auf der Wiese. 2 gegen 2. Die Tore sind unsere T-Shirts und es schauen höchstens ein paar Leute zu, die vorbei kommen, und die Frauen, die uns abholen, später. Na und. Macht einfach nur Spass.
Braucht irgendwer diesen, meinen Kommentar zum Thema “Bloggen” mit der grenzwertigen Fussball-Metapher unter diesem sehr launigen und authentisch wirkenden Artikel? Nein. … aber ich hab’s getan, weil er da ist – der Artikel. Ich hab’ gelesen und geschrieben, weil’s Schbass gemacht hat.
Bloggen ist ein einfaches Spiel.
Nach dem Kommentar ist vor dem Artikel.
Ich habe fertig.
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Und der Kommentar von Kirstin Walther (ihr Blog):
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Gut gebrüllt, Löwe! :-)
Vielleicht sollte man das Wort Bloggen gedanklich mal mit Kommunizieren ersetzen, denn nichts anderes ist es meiner Meinung nach. Ja und MENSCHEN kommunizieren – niemand sonst in diesem Medium. Es sind nur andere Kanäle, die es erleichtern und die mehr andere Menschen erreichen.
Und so vielfältig wie Menschen, sind deren Blogs. So wichtig und so unwichtig, so allgemein und so speziell, so sympathisch und so unsympathisch. Die einen bloggen, weil sie gern kommunizieren, gern mit neuen/gleichgesinnten Menschen im Gespräch sind. Andere machen es vielleicht, um ein paar Cent nebenher zu verdienen. Wie es beliebt und wie die Schreiber eben sind!
Und die Leute, die ihre Zeit damit verbringen wollen, zu bewerten wie und warum andere auf diesem Weg kommunizieren… Ja, mein Gott. Sollen sie halt, wenn sie nix besseres zu tun haben. Solche treffen wir auch im echten Leben und ignorieren sie womöglich, wenn wir merken, daß da nicht viel dahinter ist, außer oberflächlichem, höchst wichtigem Gerede.
Es geht hier NUR um die Menschen dahinter – völlig klar! Das lerne ich auch. Früher dachte ich immer, ich müßte als Unternehmerin ausschließlich an Umsatz und Umsatzrendite gekoppelte Gründe für Bloggen, Twittern usw. haben. Das haben mir einige schlaue Menschen immer wieder eintrichtern wollen. Heute weiß ich, daß ich in erster Linie Spaß habe, mit anderen im Dialog zu stehen – egal über welchen Kanal.
Und wer hätte es gedacht: Ich habe Spaß, es fühlt sich gut an und deswegen ist es mir wichtig und das allergeilste ist: Es sorgt komischerweise erst recht für mehr Umsatz und mehr Bekanntheit der Firma und wird so langsam zu meiner Devise: Mehr verkaufen durch weniger verkaufen! ;-)
Sicher funktioniert auch der herkömmliche Weg, aber der macht eben nicht so viel Freude – jedenfalls mir nicht.
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Auf ihrem Blog hat sie das im Artikel “Dialog macht Spaß und bringt weiter!” bereits schon einmal ausgedrückt. Und nein, ich hinterfrage nicht mehr, warum dieses Blog eines “kleinen Mittelständlers aus dem Osten” alle Blog-Bemühungen der deutschen Großunternehmen in den Schatten stellt:)
Warum
Warum nur jammern sich manche den Wolf, dass Blogs nix bringen, nicht wirklich einen Platz neben der ARD, der BILD und dem Deutschlandfunk gefunden haben? Fuck this!
Eines der ausgelutschtesten Argumente ist, dass man mit Blogs keine Kohle machen könne. Was als Beweis herangezogen wird, dass Blogs mächtig bedeutungslos seien. Das höre ich meistens von denen, die es selbst nicht bringen und nicht wissen wie. Kein Wunder. Von nix kommt halt nix. Komischerweise kenne ich auch die, die es bringen, die es wissen und damit ihre Kohle machen. Was soll das Argument auch schon beweisen? Nix! Es gibt eben welche, die damit Kohle schaufeln können und machen, es gibt welche, die es wollen, aber nicht können und nicht mal in der Lage sind, sich schlau zu machen. Wenn die Ente nicht schwimmen kann, ist das Wasser schuld, alles klar. Und es gibt noch viel mehr, denen es im Grunde völlig am Boppes vorbeigeht.
Anders herum: Wenn jemand der Meinung ist, mit Blogs ließe sich keine Kohle machen, dann macht es vor, labert nicht, zeigt es den anderen, wie es geht. Bloßes Herummjammern ist billlig und was für Loser. Und von diesen Losern kenne ich genügend Blogger, die mir auch schon die Ohren vollgeheult haben. Sich aber an Tipps aufgeilen, wenn es mal klappt, davon nix aber preisgeben wollen, ja nix verraten wollen. Was ist das für ein Bullshit?
Dann gibt es welche, die meinen, die Blogs wären per se allesamt langweilig. Sie würden keine “originären” Inhalte produzieren, nur abschreiben. So what? Was soll das schon bedeuten, wenn man dieser Meinung ist? Nix. Das heißt nicht mal ansatzweise im Umkehrschluss, dass Blogs keine Bedeutung haben, allesamt blöd sind. Wer nix findet, hat eben Pech gehabt. Wer zu blöd ist, originäre Inhalte zu finden, soll einen Volkshochschulkurs “wie nutze ich Google” belegen. Vor diesen Meinungen gehen weder die Blogs unter noch macht es sie schlechter. Wenn ich das schon höre: “Die Blogs in Deutschland sind alle so langweilig!”. Nicht selten aus dem Munde eines bloggenden Journalisten dazu. Welch eine grandiose “da-wo-die-Sonne-nicht-hinscheint”-Haltung. Kommen aus ihren Redaktionsstübchen, im Vergleich zu Bloggern vollgestopft mit Informationsapparatschicks und personellen Ressourcen. Wow! Schaffen es nicht einmal, ihren eigenen Apparat am Schwimmen zu halten, lästern aber über Blogger!
Und wer lästert, wie doof die Blog-Inhalte seien, zeigt nicht ein bisschen Respekt vor der Leistung derer, die sich hinsetzen und die Mühe machen, etwas zu Wort zu bringen. Nicht einmal ein Wort darüber verlierend. Wie selbstbezogen sind solche Aussagen? Machen sich nicht einmal ansatzweise die Mühe vorzustellen, was ein Blogger tut, wie er es tut, warum er es tut. Quatschen stattdessen und oben drauf einen voll, was man alles besser machen könnte. Und auf diese Menschen soll ich was geben, die null Empathie geatmet haben und mit ihren Aussagen einfach so die Bemühungen der Blogger hinwegfegen wollen? Geschissen drauf!
Und am liebsten sind mir die Pappnasen, die was von “Blogs haben wenig Lesern” sülzen. Auch das gilt als Beweis, dass es Blogs zu nix weiter bringen außer Festplatten zu verschmutzen. Keine Ahnung, aus welcher Mathematiker-Schule diese Typen entlassen wurden. Es gibt einen Haufen Blogs, die tausende von Menschen täglich erreichen. Ist ja nicht so, dass dies für Einzelpersonen vor 40 Jahren was Übliches gewesen sei. Heute ist das fast schon ein Klacks. Ebenso gibt es einen Haufen Blogs mit viel weniger als tausenden von Lesern. Na und? Was soll das schon heißen? Für was ist dies ein Beleg? Hallo? Aufwachen! Klar kann man sich mit Googles Page Views vergleichen oder den mit Millionenbudgets betriebenen Monstern wie Spon und Bild.de. Ebenso gut kann man das Einkommen eines Einzelnen mit dem eines Konzerns vergleichen, nur, auf diese bescheuerte Idee kommt kein Normalo!
Nicht zu vergessen, das aller blödeste Argument: “Blogs bewegen nix!”. Hallo? Welche Bewegung ist gemeint? Dass die Bild Wahlen mitbestimmen kann? Die ARD einen Kanzler macht? Die Gesellschaft von Pro-Konsum auf Anti-Konsum umschwenkt? Nichts dergleichen bewegen diese Großmuffti-Medien. Und das will man von Bloggern einfordern? Einem wie mir, der in Usingen sitzt? Ja, passt schon, jeden Tag wird ein Voltaire und Kant in Usingen geboren, ist ja normal sowas. Danke, sitzen bleiben. Wer große Bewegung fordert, soll joggen gehen.
Im Großen und Ganzen gehen mir diese Kritiker richtig auf den Sack. Nicht, weil sie so schlau sind, sondern so richtig dämlich sind und jedes Maß für Relationen verloren haben. Das Maß für das Alltägliche, was unser Mensch-Sein ausmacht und damit exakt das, was Bloggen im Grunde ausmacht. Will ich tatsächlich einen Blogger kritisieren, der seine Leser mal zum Lachen, mal zum Weinen, mal zum Nachdenken, mal zum Kritisieren bringt? Mal einen Job vermittelt, dort eine Wissenslücke füllt, da eine verlorene Seele auf den Weg zurück bringt? Sich die Mühe macht, Gedanken zu Wort zu bringen? Licht ins Dunkel? Ich habe es ebenso wie alle anderen Blogger gemacht, nur und weil wir bloggen. Wer will mir das absprechen? Wer will das den anderen absprechen? Ein Kritiker? Es geht nicht um höher, weiter, schneller, sondern um menschlicher, näher, tiefer. Wer das nicht sieht, hat jegliches Maß verloren. Wir reden von Menschen, nicht von “Bloggern” als ein ominöses “Es”. Ich habe einen Namen, ich heiße Robert Basic und bin Blogger. Und wenn Dir das nicht passt, suck yourself!
Iran und Blogs
ein Video, das eher kurz und knapp auf die Blogger in Iran eingeht:
IRAN: A Nation Of Bloggers from ayrakus on Vimeo.
Schwer zu sagen, was Wunschdenken und was Realität ist. Dazu weiß ich zu wenig über den Iran und die Bloggerszene.
via Text & Blog
