Wir können es allerorten lesen, dass SUV Fahrer doof, blöd, assi und was weiß ich was sind. Umweltverschmutzer, Schwanzverlängerer, Protzer. Fehlt noch was?

Stimm das? Was ist ein SUV?

Ein Blick in die Statistiken des Kraftfahrtbundesamtes zeigen auf, dass die Klasse der SUVs mitsamt Geländefahrzeugen und Nutzfahrzeugen, aber auch Vans die Mehrheit der Neuzulassungen ausmacht und nicht mehr die klassischen Limousinen-Formen mitsamt Kombis. Rein per definitione sind folgende SUVs die Topseller anno 2016 gewesen:

  • SUV Segment: Ford Kuga – 34.676 / Opel Mokka – 32.052 / BMW X1 – 8.400
  • Geländewagen: VW Tiguan – 63.978 Audi Q5 – 26.727 Volvo XC60 – 14.525
  • Großraum Vans: VW Touran – 52.560 / Mercedes V-Klasse – 16.647 / Seat Alhambra – 13.110
  • Utilities: VW Transporter – 38.842 / VW Caddy – 32.191 / Ford Transit – 11.063

Vermutlich verstehen die „Anhänger“ von SUV-Fahrzeugen Modelle wie den Land Rover, Porsche Cayenne, Mercedes GLS und BMW X6 als „Protz-SUV“? Wie dem auch sei, die Ford Kugas und VW Tourans dieser Welt muss man sich vom Unverständnis her komisch zurechtbiegen. Ob ein Kuga als Schwanzverlängerer gilt, ich weiß nicht so recht:) Da dieses SUV Attribut so wischi-waschi ist, habe ich daher ganz bewusst alle Segmente aufgezählt, die nicht in das klassische Limousinen/Kombiwelten-Modell hineinpassen. Wie man eben sieht, ist das etwas anders als der assoziierte „ey-SUV-Depp“-Stammtischvorwurf. Wenn demnach in der Presse wieder einmal vom Boom der SUVs die Rede ist, dann liegt wohl darin die Empörungsbasis? Kuga vs. Cayenne?

Umweltschonenender Verbrauch?

Ich werde Euch nicht weiter mit Statistiken behelligen. Insofern müsst ihr das dann schon selbst nachschlagen oder mir glauben, was ich nun sage. Es ist korrekt, dass hohe Stirnflächen aka SUV-Form den cw-Wert (Windwiderstand) drastisch verschlechtern. Das gilt allerdings für Überlandfahrten, wo die Masse des Fahrzeugs sekundär wird. Dann steigt der Verbrauch deutlich. Bewegt sich das Fahrzeug in der Stadt, kommt es auf die Masse an, die beschleunigt werden will. Es ist allerdings nicht durch die Bank weg so, dass ein SUV schwerer als eine Limousine sein muss. Denkt hier an eine hochausgerüstete S-Klasse gegen einen VW Tiguan. Der Tiguan bleibt deutlich unter 2 Tonnen, die S-Klasse reißt diese Marke schon mit dem Leergewicht! Antwort: Es kommt also drauf an! Es gibt aber Statistiken, die besagen, dass SUV-Fahrer häufiger Geschäftswageninhaber sind. Die spulen im Jahr mehr Kilometer herunter. Hier kann man durchaus davon sprechen, dass ihre SUV-Fahrzeuge weniger umweltschonend sind, da der Anteil Überlandfahrten wohl höher sein wird.

Protzer und Aggros?

Man darf sich von aufgemotzten Ludenkarren nicht täuschen lassen. Der Großteil der SUV-Fahrer ist laut Untersuchung der Versicherer deutlich über dem Risikoalter. Risikoalter? Das sind jüngere Fahrer, die sich gerne im Verkehr beweisen. Alle Unfallstatistiken zeigen in die gleiche Richtung: Es gibt keine gehäuften Unfälle mit SUV-Beteiligungen.

Plattmacher?

Größere Unfallstudien zeigten in der Vergangenheit auf, dass SUV-Kollisionen mit veralteten PKWs markant höhere Unfallfolgen mit sich bringen. Für die PKW-Insassen. Insbesondere Seitenunfälle. Mit der Zeit hat sich auch das geändert, da sich passive Sicherheitskonstrukte an PKWs zu einem erheblichen Sicherheitsgewinn geführt haben. Zumal über den Einzug von Sicherheitsassistenten die Zahl der schweren Unfälle abnimmt. Was die Plattmacherei von Fußgängern angeht, sind die Folgen schlichtweg unterschiedlich: Während der Passant mit dem Kopf voran auf die PKW Haube donnert, bricht der SUV dem Fußgänger das Becken und die Beine. Hier gibt es kein Muster, das todbringender wäre. Es kommt auf die Geschwindigkeit an. Aber nicht auf den Typus SUV oder PKW.

Größe gleich Arschloch?

Auch hier kann man wohl kaum sagen, dass die Arschlochquote höher ist. Denn, wenig überraschend sind Fahrzeuge wie der BMW X1, Audi Q3, Audi Q5, Land Rover, Land Rover Evoque unter Frauen immens beliebt. Von Schwanzverlängerung und Arschlochquote wird man wohl kaum sprechen. Eher wird uns Männern das zugesprochen. Übrigens, es gab mal eine ADAC-Untersuchung: Die größten Drängler waren BMW- und Mercedes-Fahrer auf Autobahnen ;) Zurück zum SUV-Thema. Zahlreiche Talks mit SUV-Besitzern deuten in die gleiche Richtung: das Platz/Raumgefühl sei besser, länger oder breiter sind die Karren nicht, halt höher und eben praktischer! Dass zusätzlich eine niedrige Sitzposition im üblichen PKW kaum zum besseren Sicherheitsgefühl beim Fahren beiträgt, dürfte selbst Nichtautofahrern schlüssig sein. Was im SUV eben deutlich verbessert wird. Stinklangweilige, pragmatische Argumente eben.

Zwei O-Töne dazu:

Bin 3 Jahre Evoque gefahren, tolles Auto. 5cm länger als ein Golf, innen geräumig, komfortabel, sehr, sehr gute Verarbeitung. Design ist ja immer Geschmackssache – ich fands toll. Ich würde immer wieder Allrad kaufen – nicht wegen irgendwelcher Kiesgruben, sondern einfach, weils der sicherere Antrieb ist. SUV hat auch nichts mit Geländewagen zu tun, sondern eben mit Utility, Gebrauchswert. Und der war hoch.

Würde den XC90 auch immer wieder nehmen. Super viel Platz (wichtig für mich, weil oft Equipment zu transportieren), hoch (wichtig weil Gartengrundstück) und schlichtweg Komfort beim Fahren. Würde ich in Berlin nicht kaufen, aber auf dem Land gibts keine besseren Autos von praktischen Nutzen her.

Was bleibt nun?

Der Mensch muss in Schubladen denken, sonst explodiert sein Hirn in einer Welt so voller Eindrücke. Wer demnach auf die doofen SUV-Fahrer schimpft, unterliegt durchaus einer Art von SUVismus. Seximus. Rassismus. WasAuchImmerIsmus. Hauptsache AufregerIsmus? So siehts aus. Nehmen werde ich niemanden seinen SUVismus. Ismus heilt schlecht.

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