Sterbehilfe
das aktuelle Urteil des BGH zur Sterbehilfe bezeichnet der Spiegel als Revolution. Wenn ich es richtig verstanden habe, zählt laut BGH der Willen des Patienten vor allen anderen Willensbekundungen Dritter. Zweitens stellt damit ein passives wie auch aktives Zutun, den Willen des Patienten durchzusetzen, keine strafbare Handlung mehr dar. Gut, bin kein Jurist, so wird sicherlich ein “erleichtere mich von der physischen Gebundenheit” kein grünes Licht für Täter bedeuten, mich abzumurksen, wenn ich nicht künstlich am Leben erhalten werde.
Worum es mir geht? Wenn Ihr künstlich am Leben gehalten werdet, würdet Ihr es begrüßen, dass man Euch erlösen darf, wenn Ihr das möchtet und es wirklich keine Hoffnung auf Besserung gibt? Auf den ersten Blick würde ich für meinen Teil sagen, “ja, ich will nicht künstlich ohne Hoffnung am Leben gelassen werden”. Doch was heißt das für denjenigen, der meinem Willen nachkommen kann?
Wird sich der Arzt gut fühlen dabei? Hat er nicht geschworen, unter allen Umständen das Leben zu erhalten? Würde Eure Mutter Eurem Willen nachkommen? Würde es Euer Partner? Was bleibt, ist stets das bisschen Hoffnung, dass derjenige, der nicht mehr leben will, doch noch gesundet? Was bleibt, ist das Gewissen, es vielleicht getan zu haben, aber doch noch gehofft zu haben? Was bleibt, ist die Belastung? Könnte ich dem Willen eines mir nahestenden Menschen auf diese Art nachkommen?
Und es bleibt die Frage, was, wenn ich nicht mehr meinen Willen rechtzeitig bekunden kann? Dann wird es keine Sterbehilfe geben. Will ich das? Will ich das nicht? Was kann ich dem Arzt und meinen nächsten zumuten? Es gibt wohl kein klares “ja” noch “nein”, es wird jedem seine Entscheidung sein, was gut so ist.
Für mich steht fest: Ich will nicht künstlich am Leben erhalten werden. Das ist mein Wille.
Meine Blog-Timeline
ich hatte Lust, mir meine bisherigen Blog-Stationen anzuschauen. Von den ersten Schritten bis heute.
Februar 2003
Das Basic Thinking Blog wurde geboren und das war mein erster Eintrag überhaupt in der Blogosphäre (auf Movable Type Basis). Inhaltlich drehte es sich um das Netz, Lotus Notes und einem kleineren Anteil an privaten Erlebnissen. Ich schrieb die Artikel abwechselnd auf englisch und deutsch. Und war im Handumdrehen mit internationalen Bloggern vernetzt. Ich war völlig fasziniert von den verschiedenen Kulturen und natürlich den Menschen dahinter. Daraus sind bis heute bestehende, sehr intensive Beziehungen entstanden. Und so erklärt sich letztlich meine Liebe zu Blogs. Diese ersten Schritte haben mich als Blogger wie nichts anderes danach geprägt und beeinflusst.
Juni 2003
Start mit dem MEX Blog (nicht mehr existent) für die Wirtschaftsjunioren Frankfurt, auf ehrenamtlicher Basis. Ein Ausschnitt aus den Beiträgen via WayBack Machine. Es war als Gruppenblog mit Schwerpunkt auf Wirtschaft und insbesondere Gründer konzipiert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, ein Blog überhaupt zu erklären und was es bringen kann, ließ man mich gewähren. Und wir hatten im Handumdrehen die eigenständige Basisseite m-e-x.de (Gründer-Informationsportal) hinsichtlich der Besucherzahlen weit hinter sich gelassen. Das Blog strahlte umgekehrt positiv auf die Basisseite aus. Das Grundproblem vor Einführung des Blogs war: Auf m-e-x.de wurden Fachbeiträge von Experten veröffentlicht. Wo sich zuvor die Suche schwierig gestaltete, entwickelte sich dank dem Blog ein Strom an potentiellen Schreibern. Die Experten generierten aus ihren Fachartikeln nicht selten einen Haufen Aufträge, das sprach sich natürlich herum. Clou: Mittels dem Blog konnten wir einen wachsenden Teilstrom an Besuchern auf die m-e-x.de Seite lenken. Im Sommer 2005 war dann Schluss mit MEX, nachdem im internen Projektteam einige wichtige Keyplayer wegfielen (Stichwort Ehrenamt). Das Blog konnte ich damit nicht mehr weiter betreiben, weil die Projektbasis fehlte. Ich wollte es zwar übernehmen -auch gegen gutes Geld -, aber man entschied sich dagegen, da man schon “irgendwie eine Fortsetzung des Gesamtprojekts hinbekommen würde”. Was nicht der Fall war, heute ist MEX dead. Und damit das MEX Blog.
Mai 2005
Kurz vor dem Ausstieg aus dem MEX Blog hatte ich das Living in World of Worldcraft Blog aus der Taufe gehoben. Es war wie das MEX Blog auf Grund der guten Erfahrungen erneut als Gruppenblog konzipiert. Die Leserzahlen des Blogs explodierten förmlich, wir schrieben wie die Wilden zu dem heute immer noch weltweit populärsten MMORPG “World of Warcraft”. Über was wir schrieben? Na ganz einfach, über unsere Spielerfahrungen und -erlebnisse! Zwei Jahre später und 20 Autoren danach ließ die Schreiblaune linear zur lahmenden Spiellust an WoW nach. Es war mir von Beginn an klar, dass dieses Blog-Projekt ein nicht allzu fernes Ende finden wird. Im August 2009 machte ich das Blog dicht, ohne die Inhalte zu löschen.
Juli 2005
Restart von Basic Thinking nach dem zwei Jahre währenden Ausflug als Fremdblogger bei MEX. Meine MEX-Blog Artikel übernahm ich via Import-Funktion. Blog-technisch entschied ich mich, auf WordPress umzusteigen. Am 15.01.2009 war dann auch damit Sense. Ich freue mich ganz besonders, dass das heutige Basic Thinking Blog noch mehr Leser informiert und erfreut.
Januar 2009
Tja, nun kritzel ich seit dem 20.01.2009 hier herum, auf written in basic. Wie ich auf den Namen kam? Weiß es selber nicht mehr so genau, aber wie ich mich kenne, habe ich mich mit der Namensfindung nicht zu lange aufgehalten:)
Juli 2009
Nicht zu vergessen: Das Buzzriders Blog ist mein allerjüngster Spross.
Ich habe vor wenigen Tagen eine kleine Überschlagsrechnung gemacht: In den rund 7 Jahren sind über 15.000 Artikel und +120.000 Kommentare (von Dritten, nicht meine!) zusammengekommen. Die Anzahl der rausgefeuerten Links kann ich kaum schätzen. Wenn ich müsste, würde ich auf +10.000 Links tippen. Wie viele Menschen haben in dieser langen Zeit mit mir in Kontakt gestanden, und sei es nur über einen flüchtigen Kommentar oder als Leser an meinen Gedanken vorbeihuschend, ohne zu wissen, wer den Gedanken hinterlassen hat? 10.000? 100.000? 1.000.000? Letztlich sind das nur Zahlen. Die nicht viel bedeuten. Viel wichtiger ist die Summe der unzähligen Eindrücke, Menschen, Freundschaften, Feindschaften, Emotionen und Erlebnisse. Manche davon haben spiegelbildlich Dritte tangiert. Nix Virtuelles, echtes Mensch-Sein. Nicht bloggen, Mensch-Sein. In der Summe ergibt sich etwas, das ich ohne die Bloggerei unter Umständen niemals in diesem Leben hätte erreichen können. Ich habe einen ungeahnten Reichtum an Leben erreicht. Und das waren bisher lediglich 7 Bloggerjahre von meinen bald 43 Lebensjahren. Sieben soll eine magische Zahl sein. Bloggen selbst ist für mich Magie, mag es einer verstehen oder nicht.
who wants to live forever
ein Kommentar auf YouTube zu einer bestimmten Strophe lautet:
“This world has only one sweet moment set aside for us.“
I like to think this means that there will be one moment in “your” life that will define you… It maybe a good event or bad but sweet in the sence it changes you in every way, shape and form. and for the most part, hopefully for the better.
Of course it could mean what ever you want and its most likly it meant something compleatly different to the great Freddie Mercury.. /kneel
Ich würde nicht sagen, dass es nur einen bestimmten Moment gibt. Es gibt viele Momente, in denen man Weichen gestellt hat oder aber fremdbestimmt die Weichen für einen gestellt wurden (durch Personen oder Umstände). Das Besondere ist die Endlichkeit, sonst könnte man solange Weichen stellen, wie es einem passt. Das macht es weniger spannend und reizvoll.
Egal wie man letztlich handelt, es kommt ein interessanter, für jeden Menschen individueller Weg heraus. Manche Wege sind zu kurz, manche dafür sehr lang. Manche Wege sind sehr kurvenreich, manche Wege sehr geradlinig. Wenn ich an mich dabei denke, so habe ich schon einmal die Hälfte meines Weges rein von der Wahrscheinlichkeit her erreicht. Einige Weichenstellungen bis dato waren gut, andere nicht. Was man natürlich nicht vorher wusste, sondern teilweise erst viel später erfuhr. Bei manchen Weichen tat man sich schwer, bei anderen leicht. Ich schätze, dass die kommenden Weichenstellungen eine turbulente, zweite Lebenshälfte versprechen.
Interessanterweise bin ich nun eher bereit, mehr Weichen zu stellen, mehr Wege zu gehen, obwohl man doch sagt, dass man dazu neigt, die zweite Lebenshälfte in ruhigere Bahnen zu lenken. Und gerade weil das eine jetzige Leben so endlich ist, freue ich mich ungemein auf das, was noch kommen mag. Auf die vielen Begegnungen mit Menschen, Erlebnissen, Höhen, Tiefen, Partnern, nahen und fernen Wegbegleitern, kurzen und langen Wegen. Ob im Guten oder im Schlechten. Manch eine Begegnung und Ereignis wird wohl schmerzhaft sein, möglicherweise erst die Trennung davon zu einem späteren Zeitpunkt (der wie lange auch immer vom Beginn entfernt ist). Doch es wird nicht nur Narben geben, die man mit sich tragen wird. Andere Begegnungen und Ereignisse wiederum werden ein Lächeln einbrennen. An das man sich gerne zurückerinnern wird. Aber auch an die schmerzhaften Vorkommnisse.
Beide gehören zu einem Leben, beide haben ihren Platz. Und sie sind richtig, nicht falsch. Richtig im Sinne von bewußtem Erleben, es prägt uns als Mensch. Die Gesamtheit der Wege und Erlebnisse macht uns als Menschen aus, neugierig, fehlbar, abenteuerlustig, brutal, weich, mitfühlend, kalt, warm, in vielem Vieles zugleich. Wenn man das zu schätzen weiß, die vielen Wege, die man geht und gehen kann, verliert man nie den Mut, nie die Kraft, nach vorne zu schauen. Altes zu überbrücken, hinter sich zu lassen und dennoch mitzunehmen. Ich freue mich auf den Rest, der noch kommt:) Und irgendwann ist Schluss, was gut so ist, jede Reise muss einmal ein Ende haben. Abzurechnen braucht man nicht zum Schluss, wozu auch, der Weg war und ist das Ziel;)
i dont want to live forever, das wäre mir zu langweilig.
was wollte eigentlich klein Robert werden? Blogger?
ich glaube nicht, dass ich zu meiner Jugendzeit den Traum gehegt hatte, mich mit diesem Elektrofuzzikram abzugeben. Schon damals, als die ersten Compis aufkamen, fand ich die zwar ganz nett, aber so wirklich konnte ich mich nicht damit identifizieren. Aber der Reihe nach.
Von Kindes Beinen an stand mein Entschluß fest “du wirst Arzt und nichts anderes”. Die Alternative, ein “Kampfpilot” zu werden, war sicher mehr der Faszination dieser Höllenmaschinen geschuldet, weniger der Tatsache, dass man bereit sein müßte, Menschen umzubringen, was aber einem Kind nicht wirklich klar ist. Schöner Kontrast, oder? Menschen retten, Menschen töten:) Warum ich Arzt werden wollte? Mich hat es schon seit jeher fasziniert, den menschlichen Körper zu verstehen, der ein hochkomplexer und zugleich sehr verletztlicher Mechanismus ist. Da ich leider handwerklich nicht begabt bin -mein Bruder dafür umso mehr- waren einige Wege ausgeschlossen. Am menschlichen Körper herumzuschnippseln, wäre nicht so smart gewesen:)
Zu meinem Abi war ich leider noch Jugo. Leider? Man musste sich direkt an den einzelnen Unis fürs Medizinstudium bewerben. Nix ZVS. Die Aussage des Studienberaters war daher ein Schlag: Keine Wartezeit, man nimmt jeweils die Hälfte aus dem Inland und die Hälfte aus dem Ausland. Und vergleicht die Noten in einem Stufenverfahren. Mit meiner 2,1 (?) meinte er, könne ich Jahre auf einen freien Studienplatz warten, bis es mal klappen würde. Tja, aus der Traum.
Da ich jedoch mit 18 keinen Bock auf Azubi hatte, wählte ich irgendein Studium, mit dem sich ein Job finden und die Zeit der Unlust auf einen Job überbrücken ließe. Die Wahl fiel auf BWL. Ein extrem langweiliges und anspruchsloses Studium, so wie es an der Uni Frankfurt damals gelehrt wurde. Bücher fressen, dumm auswendig lernen und gut ist. Nach 3 Semstern hatte ich meine Scheine fürs Grundstudium zusammen und nach dem 5. Semester hatte ich meine Scheine fürs Hauptstudium zusammen. Es blieben nur noch die Diplomarbeit und das Examen. Das Examen konnte man aber erst ab dem 8. Semester machen. So gings dann mit den Warteschleifchen los, ein Aushilfsjob reihte sich nach dem anderen, die Uni hatte ich kaum noch gesehen. Und ehe ich mich versah -zwischendurch hatte ich irgendwann meine Diplomarbeit erledigt- war ich irgendwann im 16. Semester angekommen und dachte mir “entweder machste das Scheißstudium fertig oder hängst weiter ohne Ausbildung ab”. Tja, so hatte ich mich dann zum Examen angemeldet und drei Monate vorher den Stoff reingezogen, den man benötigt, um den Abschluss zum Diplomkaufmann hinzubekommen. Das Pauken durch die furztrockene Materie fiel mir etwas leichter, da ich auf Lücke lernte. Es war nich allzu schwer zu erraten, was die Profs wohl in den Klausuren an Fragen stellen würden. Die Taktik ging prima auf und so hatte ich dann endlich mein BWL Studienabschlusszeugnis in der Tasche. Und war um eine Erfahrung reicher, nie wieder im Leben so einen Dreck zu machen, der einen Null interessiert.
Wo aber einen Job finden? Zu der Zeit gabs an sich nur zwei echte Möglichkeiten: Neckermann Reisen, der beste Laden, wo ich je gearbeitet hatte, aus verschiedensten Gründen. Oder bei Fresenius. Dort war ich nach dem Examen als Zeitarbeitskraft eingestellt. Als Tippse in der Rechtsabteilung. Man konnte somit Fresenius von oberster Ebene kennenlernen und was ich sah, machte mir nicht gerade Lust auf mehr. Wenn man entdeckt, wie unmenschlich die Geschäftsleitung agiert, hat man schlichweg keinen Bock, selbst zu einem Arschloch zu mutieren, denn nur so ließe es sich in dem Laden gut leben. Zufälligerweise entdeckte ich zu der Zeit eine Anzeige in der FAZ, dass die Deutsche Bank IT Trainees suchen würde. Zwei Jahre locker abhängen und dafür Geld bekommen? In einem Großkonzern, der damals (94/95) einen exzellenten Ruf genoß? Und IT versprach etwas Lebendiges, sich ständig Änderndes. Warum nicht?
Normalerweise hätten die mich nie genommen, normales Abi, Studium normal und zu lang, kein Überflieger, wenig angepasstes Verhalten. Allerdings spielte das Schicksal mit hinein. Während meine Neckermann-Zeit hatte ich einen Chef der DtBk kennengelernt, einem Bänker durch und durch, der dort kurz vor seiner Rente beratend eingesetzt war. Top angezogen, schlohweißes Haar, Brille, leise Stimme. Und ich habe selten einen so “coolen” Menschen kennengelernt. Ich erfuhr erst 1-2 Jahre später rein zufällig, dass er mir geholfen hatte, den Job zu bekommen.
Ich war überrascht, dass es bei der Deutschen Bank gar nicht so bänkisch zugeht, wie man denkt. Insbesondere die älteren Bänker hatten es mir angetan. Integer, loyal, gebildet, fachlich extrem gut drauf, kein Geschleime und kein Getue. Menschen mit Kanten und Ecken. Das änderte sich jedoch leider ab Mitte der Neunziger Jahre, just wo ich eingestiegen war. Mehr und mehr Karriereschleimer und Nixkönner wie auch Dummschwätzer eroberten sich die entscheidenden Pöstchen. Wie das passieren konnte? Die Bank wollte sich den globalen Herausforderungen stellen und begann, sich selbst ohne Rücksicht auf Verluste zu verändern. Dabei verlor man unterwegs imho die besten Mitarbeiter, ersetzte diese aber durch Menschen ohne Rückgrat und Können und steht damit heute nicht umsonst als eine beliebige 08/15 Großbank da, die stets zittern muss, dass sie nicht aufgekauft wird. Den stolzen Titel “beliebtester Arbeitgeber Deutschlands” ist man auch schon lange los.
Eigentlich sagte ich schon damals zum Einstieg, dass ich gerne fünf Jahre bleiben möchte. Es wurden nicht ganz fünf, sondern sieben Jahre. Meine Zeit war extrem genial, hatte erhebliche Freiheiten, mich auszutoben und das Glück, die richtigen Chefs zu erwischen. Aber alt wollte ich dort nicht werden. Wozu auch einem Laden wie der DtBk seine Treue schenken, die zu einem normalen Unternehmen verkommen war? Und der Drang, ohne Chefs, Zwänge und externen Pflichten auszukommen, war zu groß. Seitdem nenne ich mich einen freien Menschen, der sich mal besser mal schlechter durchboxt und diese Freiheit genießt, das tun zu können, worauf man Lust hat. Und in dem Bewußtsein, dass man an der Schwelle von Veränderungen im 21. Jahrhundert steht, die teils auch technisch getrieben sind, dessen eines Zentrum das Internet ist, lebt es sich prima. Die ollen Computerzeiten sind vorbei, als man sich mit absolut beschränkten Maschinen beschäftigen musste, die nicht einmal vernetzt waren. Die zwar bis heute nicht sonderlich schlauer sind, aber der Mensch hat daraus ein Stückchen mehr gemacht als gedacht. Die Erweiterung unserer physischen Fähigkeiten geilt mich persönlich auf und ich sehe dahingehend, wie schon öfters beschrieben, kaum Grenzen.
Was ich noch anstellen werde? Tja, wenn ich das wüßte. Mich reizt es, an Dingen zu arbeiten, die die Menschen besser zusammenbringen. Da sich die menschliche Kultur in einer Zwischenphase ökonomisch getriebener Handlungsweisen befindet, kollidiert man unweigerlich mit den daraus sich ergebenden Zwängen, grüne Scheine zu produzieren. Aber man hat das Gefühl, dass man etwas Atomistisches dazu beiträgt, zum Übergang zu einer anderen Phase beizutragen. Gesellschaftlich nicht messbar, historisch schon gar nicht. Aber man ist ein Teil dessen. Das Gefühl reicht mir schon:) Alles supi? Nope.
Klar ist, dass wir nur sehr krude Kommunikationsmechanismen nutzen, die mehr als unvollständig den Menschen und seine Gedanken wie auch Gefühle in seiner Ganzheit übertragen. Das hilft stets, Abstand zu dem ganzen “Internetkram” zu bewahren. Nicht, dass wir uns den nachfolgenden Generationen gegenüber schämen müßten, wir waren eben nicht so weit. Das meine ich nicht.
Aber es ist wichtig, dass man in der Lage ist, das Objekt und sich selbst als ein Teil dessen von außen zu betrachten. So wird ein Teil meiner selbst während einem Chat immer schmunzeln müssen, wie die Finger auf der Tastatur tippend meine Gedanken versuchen wiederzugeben und der andere vor einem Riesenglaskasten sitzend die gesendeten Symbole liest und diese zu interpretieren versucht (wer kam eigentlich auf die komische Idee, Schallwellen in Licht umzuwandeln?). Viel archaischer gehts nicht. Aber wir haben nun einmal nichts Besseres bisher erfunden. Will damit nur sagen, dass ich einerseits die Technik und den Fortschritt begrüße, nicht aber vorbehaltlos den Konsequenzen daraus gegenüberstehe. So schaffen Maschinen im ökonomischen Umfeld den Menschen ab, im sozialen Bereich… könnte es sein, dass aufgrund der imperfekten Maschinenwerkzeuge der Mensch erkaltet? Flüchtiger wird, was die Tiefe an sozialer Nähe angeht? Wir sollten nie vergessen, dass wir von Grund auf nur deswegen als Ogranismus so erfolgreich waren, weil wir uns verdammt gut anpassen. Natürlich bedingt das auch hier, dass wir uns den Maschinen anpassen werden. Maschinen denken nicht. Fühlen nicht. Sind brutalst logisch. Kennen einen linearen Input und einen linearen Output für Probleme.
Was aber wäre ich dann noch liebe geworden? Schwer zu sagen. Denke ich an Musik, kenne ich bisher keine schönere Form, den Menschen in Einklang mit sich selbst und seiner Umgebung zu bringen, Brücken zu schlagen. Warum das ist, ist mir ein Rätsel. Harmonie? Ganz so, als bliebe uns dieses Mittel als bewusste Form, sich fast perfekt ausdrücken zu können. Neben den Möglichkeiten, zu erblickende Dinge zu erschaffen (Bewegtbild). Hm…
meine ersten Arbeitserfahrungen
ich kann mich weiß Gott nicht mehr an die zahlreichen Aushilfsjobs während meiner Schul- und Studienzeit erinnern, unmöglich das aufzuzählen. Aber an einige Erlebnisse erinnere ich mich gerne zurück.
i can sense it
something important
is about to happen
it’s coming up
So war ich während meinem BWL-Studium natürlich auf Praktikumsuche und war letztendlich bei der Colonia Versicherung und anschließend bei der Hessischen Landesbank (“-Thüringen” wäre etwas schwierig gewesen;) gelandet. Bei der Colonia hatte ich Glück und durfte im Bereich Feuer arbeiten. Der Abteilungsleiter war klasse und er hat mir einiges zu dem Thema beibringen können. Was nicht so dolle war und mir wie bei anderen Aushilfsjobs zuvor aufgefallen war, dass die Mitarbeiter (Sachbearbeiter) so gut wie nie bei der Arbeit lachen. Kein Wunder. Es ist ja Arbeit:) Auf jeden Fall, ich hatte eine Chefsekretärin beim Kopieren kennengelernt und es hatte leicht geknistert. Ich nannte sie Schneewittchen, denn ihr Lachen war über alle Maßen strahlend, fand ich. Wir trafen uns auch außerhalb hin und wieder, auch in der Kantine in der Colonia, was allerdings nicht so geschickt war. Das gefiel einigen Chefs nicht, dass ich statt ihnen mit ihrem Wunderfräulein zusammen saß. Nun muss man wissen, dass ich auch nie der Pünktlichste war und nie den Leuten das Gefühl gab, Sklave meiner Arbeit zu sein (nach dem Motto “its just a job”). So brauchte es lediglich zwei Wochen, bis sich einige Kollegen bei der Personalerien nacheinander über mich beschwerten und sie mich zu sich rief. Ich kann mir nur noch vage an das Gespräch erinnern, aber auf gut Deutsch hat sie mich zur Sau gemacht. Ich wäre hier nicht zum Spaß und blablabla. Also trennten sich unsere Wege. Colonia war von da an als furztrockener Laden von der Liste der potentiellen Arbeitgeber gestrichen.
it takes courage to enjoy it
the hardcore and the gentle
big time sensuality
Einige Zeit später saß ich meine vorgeschriebene Zeit bei der Hessischen Landesbank in der -wie hieß das?- Wertpapier- und Effektenabteilung ab. Ich kann mich nicht mehr so wirklich dran erinnern, was ich da gemacht hatte. Irgendwelche Zettel von A nach B sortiert, Wertpapiere gezählt (schon mal 10-20 Mio DEM runtergezählt? ;) und sonstigen Kram, der mich nicht sonderlich juckte. Aber meine Neugier trieb mich erneut zu dem Mensch hinter der Arbeitsmaske. Etwas, das mir bei allen Jobs die größte Laune gemacht hatte. Meinen liebevollsten Kontakt hatte ich mit einer alten Drachendame, die ihre Mitarbeiter im Kommandoton mehr oder minder dauerbeschrie. Sie fand immer, dass ich sie mit einer Art geistigem Mittelfinger ansah, hatte mich also ständig im Auge, um mich irgendwie wie die anderen zum Stiefellecker umzuerziehen und der oberste Chef musste immer schlichten (er konnte sie ja auch nicht leiden:).
we just met
and i know i’m a bit too intimate
but something is coming up
and we’re both included
An drei Begebenheiten erinnere ich mich bis heute:
1. Es gab einen Mitarbeiter, der packte in besonders stressigen Momenten seine Mundharmonika aus und spielte einige Töne. Leider nicht das Lied vom Tod, mehr Kirchliches. Stell Dir einfach ein Großraumbüro vor, wo rund 100-200 Menschen sitzen, getrennt durch Sichtschutzwände. Orangene Sitzmöbel und insgesamt so ein komischer 70er Jahre Stil. Alle schaffen wie die Bekloppten und irgendwann erschallt eine Mundharmonika. Das ist sooo geil, so surreal, dass ich das nie vergessen werde.
2. Mit einer Kollegin, die kurz vor ihrer Rente stand, verstand ich mich besonders gut. Klar, sie Glucke, ich Küken. Sie brachte mir regelmäßig zum Amüsement meiner mir gegenübersitzenden Kollegin aus Italien einen Kaffee vorbei. Morgens, mittags und nachmittags. Tja, eines Tages stieg ihre Abschiedsparty und ich hatte mir überlegt, wie ich mich wohl bedanken könnte. Also schnappte ich mir eine Kaffeetasse von meiner Mutter. Die wir nicht mehr benötigten, da sie einen Sprung hatte. Ich füllte die Tasse mit Kaffeebohnen bis zum Tassenrand auf, schrieb “für den besten Kaffee, danke” drauf und umwickelte die Tasse mit Frischhaltefolie. Als ich der Kollegin die Tasse vor den Augen der versammelten Mannschaft übergab, betrachtete sie die Tasse eine Weile, Totenstille, die Augen füllten sich mit Tränen und sie brach in Weinen aus. Ich war das Riesenarschloch, während die Kolleginnen die erschütterte Dame zu trösten versuchten. Nur eine war schlau genug, um die Folie abzunehmen, die Bohnen zur Seite zu schieben und … den kleinen Kristallhasen zu erblicken, den ich in den Bohnen versteckt hatte. Danach war ich nicht mehr das Riesenarschloch, sondern das lieb Kind der anderen Glucken. Menschen sind crazy:)
3. Das Großraumbüro war von Neonröhren durchleutet, die somit eine Bunkermentalität schufen. Ich wunderte mich daher, warum man immer die Rollos runterließ. Aber war ja nicht meine Sache, mich darum zu kümmern. Bis eines Tages wie aus dem Nichts ein irakischer Kollege -der mir viel von seiner Religion beigebracht hatte- neben meinem Arbeitsplatz auftauchte. Er blickte mich durch seine dicken Brillengläser an, die von einer fast noch dickeren Plastikfassung gehalten wurden, -während seine Augen doppelt so groß erschienen- und trocken meinte “Rooobeerrrt, weißd Du, warum die das machen? Nichd? Die sind Wurmer, die in Scheiße lebbe. Scheißwurmer. Sie lebbe wie Scheißwurmer.” Und ging mit einer Verachtung im Gesicht von dannen, die ich nie vergessen werde. Sein Gesicht und seine Worte haben sich warum auch immer in mir eingebrannt.
it takes courage to enjoy it
the hardcore and the gentle
big time sensuality
Warum es sich die Menschen bei der Arbeit häufig so schwer machen, kaum lachen, bissig und verbissen sind, alle mit so todernsten Gesichtern schaffen, weiß ich nicht. War mir immer ein Rätsel geblieben. Auch gestern durfte ich erneut diese Erfahrung machen, als das mit Buzzriders bisser rumging. Die meisten Reaktionen sind sowas von bierernst, man müsste meinen, ich würde den Atombombenkoffer mit mir herumschleppen und dabei dauernd den Finger über dem Knopf schweben haben. Ich hatte mal vor einem Jahr sinniert, ob es sich überhaupt lohnt, in Deutschland etwas aufzuziehen. Gerade weil die Menschen so häufig mit einem staatstrauerndem Gesicht herumlaufen. Dabei ist das Leben viel zu kurz, um Trübsal zu blasen. Tja, wenn ich es bisher geschafft habe, meinen Humor durch die rund 39 Jahre in D nicht zu verlieren, werde ich das wohl auch nicht jetzt und auch nicht bis zu dem fernen Zeitpunkt, wo mein Vorhang fällt. Die Sonne scheint, Barry Whites “Love Theme” läuft gerade, Buzzriders ruckelt sich voran, was auch immer wird, es wird ein neues Abenteuer, es wird mir Laune machen:) *Genieß*
i don’t know my future after this weekend
and i don’t want to
it takes courage to enjoy it
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Eindrücke eines Leiharbeiters
ein anonymer Kommentar zum Artikel “Der Weg nach vorne”, den ich gerne nochmals publizieren möchte:
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Ich bin den Weg nach unten gegangen. Soweit, dass ich fast nicht mehr konnte. Dass ich nachts stundenlang wach lag und über den allerletzten Weg nachdachte. Den ich wahrscheinlich nie gegangen wäre, weil ich zu feige dazu bin. Es war eine schlimme Zeit.
Pleite war ich nicht. Gemessen an HartzIV, Überschuldung o.ä. ging es mir finanziell geradezu prächtig. Es gibt viele Menschen, die in objektiv viel bedrückenderen Situationen stecken. Aber was zählt schon Objektivität, wenn es um die persönlich gefühlte Verzweiflung geht?
Ich war Lohnsklavin. Leiharbeiterin, 5 Jahre lang. Dabei habe ich eine sehr gute Ausbildung, abgeschlossenes Wirtschaftsstudium, breite Allgemeinbildung, fließende Englischkenntnisse. Aber mein Lebenslauf ist bunt, ich habe lange studiert und nicht nur ein Fach, sehr divergente Sachen gemacht. Nach dem Wirtschaftsstudium im vorgerückten Alter wollte mich keiner. So kam ich irgendwann ins Callcenter, outbound: Ausbeutung pur, grenzwertige Arbeitsweise (zu Details siehe Wallraff). Dagegen war Zeitarbeit Gold.
Beim Einstellungsgespräch sagte man mir, man könne mich vielleiiiicht irgendwo am Empfang brauchen, sonst sei ich zu nichts einzusetzen. Mein erster Job war genau das. Telefon verbinden, tippen. Der zweite: Amerikanischer Konzern im Fusionsprozess, jahrelanger Einstellungsstopp. Assistenz für verschiedene Chefs, teils erträglich, ein paar Highlights, teils langweiligste Routine, teils fast nichts zu tun, insgesamt unterfordert. Gutes Betriebsklima. Interessante Branche, aber nicht meins. Stellenbeschreibung des dritten Jobs: Posteingang und -ausgang. Temporäre Firma, bestehend aus hochbezahlten Interimsmanagern und zeitarbeitendem Admin-Fußvolk. Betriebsklima einer feudalen Klassengesellschaft. Der vierte Job war kurz, aber der beste: Werbeabteilung, stressig, kommunikativ, kreativ, freundliche Atmosphäre. Nach dieser Atempause gab mir der fünfte Einsatz den Rest. Obwohl die Tätigkeit interessant war, jedenfalls für bemessene Zeit. Amerikanischer Konzern, Produktionsstandort, Controlling plus Bonussystem at its worst: ein Kessel unter Druck, immer kurz vorm Explodieren. Da hilft auch keine “Wir sind die Besten”-Motivation mehr. Erfolg, Expansion, aber zu wenig Manpower, zu wenig Maschinen. Atmosphäre der angestifteten Unzufriedenheit, die zivilen Umgangsformen bereits durch Aggressivität erodiert.
Wo immer Du als Leiharbeiter bist, Du erwischst das schlechte Ende, selbst in einer guten Firma. Wo die Umgebung schon schlecht ist, spürst Du es umso schlimmer. Leiharbeit ist Arbeit in faktischer Rechtlosigkeit. Selbst wo man Dir persönlich wohl will, bist Du Mitarbeiter zweiter Klasse. Es schimmert immer durch. Du zählst NICHTS, Du bist reine Arbeitskraft, Produktionsmittel, ein Durchgangsposten. Leasingfirma und Kunde schulden sich was, beide profitieren von dem Deal, der Leiharbeiter ist austauschbar. An Deiner Person, Deiner Entwicklung ist keiner interessiert, da keiner was davon hat. Ein Circulus viciosus: Verantwortungsvollere Aufgaben vertraut man Dir nicht an, da Du ja wieder gehst (und damit das erarbeitete Know-How mitnimmst), da Du aber nur das machen darfst, was alle anderen auch können, kannst Du Dich nicht unersetzlich machen. Und schon gar nicht für gute, “richtige” Jobs profilieren. Wenn Du gut bist, möchte man Dich zwar möglichst lange haben – aber bitte in Zeitarbeit, da der Stellenplan nichts anderes vorsieht. Solange Dich die Firma haben will, gibt es wiederum keinen Grund für einen Einsatzwechsel, und damit auch keine neue Chance. Den vielbeschworenen Klebeeffekt gibt es, aber nicht oft. Ich habe einige getroffen, meist junge Absolventen, die so ihre erste Stelle bekommen haben. Ich habe aber auch und vor allem die anderen gesehen: die, die jahrelang in Zeitarbeit feststecken und depressiv werden. Und sich von Chefs noch neoliberale Sprüche anhören müssen, sinngemäß: ‘Du hast versagt, bist vielleicht einmal nicht gut genug gewesen, also beklag Dich nicht, dass Du jetzt als Straßenkehrer gehst. Ich würde es auch tun’.
Jeder geht mit der Depression anders um: da gibt es die Stillen, die in einer Fassade der Hoffnung ihre Situation stoisch ertragen, die, die aufmüpfig werden und irgendwann deshalb vom Leasingnehmer “rausgeschmissen” werden, und die, die schon in psychotherapeutischer Dauerbehandlung sind.
Was in Dir vorgeht, interessiert keinen. Du hast zu funktionieren. Das Auffangsystem Sozialstaat greift erst, wenn das Kind schon im Brunnen liegt. Es muss Dir schlecht genug gehen. Das gilt fürs Arbeitsleben genauso wie wahrscheinlich für Schulden oder Erziehungsprobleme. Sobald Du unterhalb einer definierten Wasserlinie angekommen bist, kann die Maschinerie anlaufen. Vorher musst Du selbst klarkommen.
Im Fall von Depressionen ist das besonders fatal. Depression versteckt sich. Depressive kapseln sich ein, halten sehr lange die Fassade aufrecht, funktionieren. Und suchen gerade nicht aktiv Hilfe auf. Damit haben auch ehrenamtliche Angebote keinen Ansatzpunkt.
Zeitarbeit war für mich die letzte Chance, einen Job zu finden. Ich war also schon zu Anfang “klein”. Zeitarbeit hat mich noch kleiner gemacht. Bis ich irgendwann fast nicht mehr da war. Zum Beispiel habe ich zuletzt nicht mal mehr Urlaub genommen, weil ich als Aushilfe dafür eingestellt war, dass andere gehen konnten. Ich habe die Rolle der Rechtlosen angenommen, bin regelrecht hineingeschrumpft. Warum? Weil ich keinen Ausweg gesehen habe, keine Perspektive. Wohin in einer Zeit mit fast 5 Millionen Arbeitslosen? Ich hatte schon vorher nicht die Erfahrung gemacht, eine begehrte Arbeitskraft zu sein.
Nach dem letzten Einsatz war ich nicht mehr vermittelbar. Ich spürte, noch einer dieser bescheidenen Jobs wäre das Ende, buchstäblich. Mehrere Vermittlungsgespräche schlugen fehl, ich fragte zuviel, versuchte mich abzusichern, wirkte dadurch nicht mehr anpassungswillig genug. Ich handelte mir sogar noch eine Abmahnung ein, weil ich meine Verletzungen des letzten Jobs nicht diskret genug verbergen mochte. Schließlich kam es zum Mitarbeitergespräch: Ich sollte wieder auf Kurs gebracht werden, aber man lehnte ab, mir zu kündigen. Man glaube an mich, blabla … Es ging nicht um mich als Person, sondern um mich als Produktivposten, als Ware, als Teil der Zielvereinbarung der Vermittlerin. Nach diesem Gespräch kündigte ich selbst.
Es war zu Ende.
Nach einer Phase der Umorientierung bin ich zu dem zurückgekehrt, was ich am besten kann und am liebsten mache, in einer neuen Variante. Dafür habe ich mir ein neues Wissensgebiet angeeignet. Jetzt bin ich selbständig und arbeite daran, dass es richtig aufwärts geht.
Was mir vor allem durch die schlimme Zeit geholfen hat: Mein Freund, der mein Jammern und meine Überempfindlichkeit ertragen hat, obwohl er bei weitem nicht alles nachempfinden oder verstehen konnte. Aber er war da, und das war sehr, sehr viel wert.
Es gibt sicher viele, die Ähnliches zu erzählen hätten. Oder viel Schlimmeres, denn objektiv gesehen war meine Lage im Vergleich zu Leuten z.B. in der Produktion privilegiert. Aber die wenigsten sprechen darüber. Leiharbeit wird in den Medien immer noch vorwiegend beschönigt, als große Chance dargestellt. Obwohl sich längst rumgesprochen haben sollte, dass hier, unterstützt durch die Gesetzgebung, ein ganzer Wirtschaftszweig von einer gigantischen Systemverzerrung zuungunsten der betroffenen Arbeitnehmer lebt. Mit allerlei hässlichen Konsequenzen.
Robert, ich fühle mich sehr angesprochen von Deinem Post, und darum erzähle ich hier meine Geschichte (allerdings anonym, so viel möchte ich im Netz dann doch nicht über mich preisgeben). Vielleicht verschafft sie denen ein bisschen mehr Gehör, die noch mittendrin stecken im Schlamassel, denn da fühlt man sich nur ohnmächtig.
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Der Weg nach vorne
ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Es ist schwer. Zufall oder nicht, aber die letzten zwei Wochen habe ich mit drei mir lieben Menschen gesprochen, deren berufliche, private und damit auch finanzielle Situation mehr als eng zu nennen ist. Alle drei haben eine Gemeinsamkeit: Sie stecken seit längerer Zeit in der Klemme und leben passiv in den Tag hinein, in der verzeifelten Hoffnung, dass es besser wird. Man versucht irgendwie an Geld heranzukommen, um wenigstens die Miete und das Essen zu bezahlen. Und der Schuldenberg wächst. Manchmal macht man einen Schritt kurzfristig nach vorne, mittelfristig aber drei zurück. Langfristig?
Es gibt an dieser Stelle nicht mal ansatzweise einen Grund, einen Vorwurf zu erheben. Jeder Mensch hat eine persönliche Kraftquelle, die irgendwann aufgebraucht ist. Bei dem einen früher, bei dem anderen etwas später. Wenn die Kraft nicht mehr da ist, lässt man die Dinge geschehen, zieht sich zurück, schaut weg und jeden Tag geht man mit einem Grummeln in der Magengegend schlafen und steht jeden Tag mit einem Grummeln in der Magengegend wieder auf. Mit jedem Tag nagt die Mischung aus Hoffnung, Trauer, Wut und anderen Dingen an einem. Jeden Tag wird man schwächer und kraftloser. Unaufhaltsam, bis zu einer persönlichen bottom line, wo man nicht mehr hinschauen mag. Was denjenigen unter uns unverständlich erscheinen mag, die solche Situationen nicht kennen. Aber ausnahmslos jeder -Ausnahmen bestätigen die Regel- wird in diesen zerstörerischen Situationen exakt das gleiche Verhalten aufweisen, wenn ihm keiner zur Seite steht. Niemand von uns ist aus Stahl gebaut, so sehr manche das von sich behaupten mögen. So gibt es kein Herabschauen auf diese Menschen, die in eine verzweifelte Lage geraten sind. Das Fatale ist insbesondere, dass es keinen irgendwann mehr gibt, der einem zur Seite steht, weil man sich in sich komplett zurückzieht.
Was bleiben diesen Menschen für Wege, wenn keine Kraft mehr da ist? Manche beschreiten einen Weg, den wir Lebende nicht gehen können und wollen. Es erscheint ihnen als beste Lösung, um niemanden mehr zur Last zu fallen und um sich selbst nicht mehr schämen zu müssen. Und mit jedem Freitod muss sich eine so reiche Gesellschaft fragen lassen, wann wir den Blick für unsere Mitmenschen auf dem Weg zum Wohlstand eigentlich verloren haben. Gerade in Großstädten, wo der eine dem anderen völlig fremd ist, obwohl man lediglich eine Tür weiter wohnt und lebt. Wir zahlen einen hohen Preis.
Der andere Weg ist? Es kann tatsächlich sein, dass man an eine Mauer gerät, wo einen die Verzweiflung so packt, dass man sie übersteigt und um Hilfe bittet. Um Hilfe bei den Stellen bittet, die dafür eingerichtet wurden, um wenigstens die Existenz zu sichern und den weiteren Weg nach vorne frei zu machen. Ich bin nicht der Typ, der sich allzu gut mit dem öffentlichen Apparat auskennt, so sei es mir verziehen, wenn ich die falschen Begriffe wähle. Es gibt das Sozialamt, es gibt das Arbeitsamt und es gibt Schutzgesetze -private Insolvenz- die einem den Rücken stärken und wieder freier atmen lassen. Um zu sich zu finden, einen Weg zu finden, wo man alleine aufgeschmissen wäre. Das, was die Gesellschaft von Mensch zu Mensch in Teilen nicht mehr auf Individualebene tut, wurde auf staatliche Stellen ausgelagert. Und es heißt nicht umsonst daher auch Sozialstaat, trotz aller Unkenrufe. Es ist kein Strafstaat, sondern diese Stellen wurden eingerichtet, um zu helfen, wo der Einzelne sich nicht mehr helfen kann. Das Schwierigste ist, diesen Schritt zu tun. In einer Situation, wo man sich selbst abgeschottet hat und nicht mehr die Kraft hat, diesen Gang zu gehen. Wir reden nicht von einem physischen Gang, sondern von einem mentalen Gang, der unendlich schwer fällt, da viele Dinge hierbei eine Rolle spielen, je nach Typus des Betroffenen.
Was wir tun können? Besser: Was ich tun kann? Ich sagte es, und ich schäme mich nicht um den Pathos, “i am my brothers keeper”, “i am my sisters keeper”. Ich kann versuchen, demjenigen meine Nähe zu geben, meine Unterstützung zuzusichern, wenn es zB der erste, begleitende Schritt zu dem Weg nach vorne ist. Das äußert sich in ganz einfachen Dingen, wie das Informieren über Mietrückstände, wie lange man damit in der Wohnung bleiben darf, um den kurzfristigen Druck zu nehmen. Das äußert sich darin, demjenigen die Möglichkeiten zu schildern, wo man hingehen kann, um nicht bestraft zu werden, sondern um zugehört zu werden und um Schritte einzuleiten, die einen endlich von dieser unendlichen Last befreien. Das, was ich nicht empfehlen würde ist, dem anderen mit eigenen Mitteln aus der finanziellen Notsituation aus der Patsche zu helfen, wenn man erkennt, dass die Situation kurzfristig so nicht mehr lösbar ist. Man schiebt damit nur den Zeitpunkt hinaus, wo das Gegenüber den einen oder anderen Weg beschreiten wird.
Boah, das ist so schwer zu schreiben, weil der Respekt vor der Verletzlichkeit des in Not Geratenen eine Gratwanderung ist, wo man zu schnell das falsche sagen kann. Jedoch, wenn man die Dinge nicht mehr klar sehen kann, ist es gut, dass es andere gibt, die für einen sehen wollen und begleitend an der Seite stehen. Was kostet es schon groß? Nichts, es kostet rein gar nichts. Es kostet nur etwas eigene Zeit, zuzuhören. Und wenn ich dran denke, dass wir Zeit für viel unwichtigere Dinge verplempern, muss ich sagen, dass es ein Zeitgewinn ist, wenn man zuhören will.
das ist
für dich;) Die Ode an die Liebe des Lebens, und ich meine das Leben in seiner Schönheit.
Liebe kommt und geht, manchmal ist Nebel um Dich herum, es ist kalt und man sieht seinen Weg nicht mehr, aber das Leben liebt Dich und es wird Dich daran wieder erinnern, wenn sich der Nebel lichtet, und lichten wird er sich, denn nichts hält ewig;)
also sprach Dein Leben
Hurry back hurry back,
Dont take it away from me,
Because you dont know what it means to me
Trauer, Tränen, Trübsal? Es berührt Dich die ganze Zeit, auch jetzt, weil es da ist, nur für Dich und Du es fühlen sollst.
one more night
gimme one more, please:)
cause i cant wait forever
warum ihr auch da seid
eines Tages werde ich mich möglicherweise nicht mehr daran erinnern. Oder es vergessen, Euch diesen Teil Eures Warums zu erzählen. So werdet Ihr möglicherweise dieses hier finden, was für Euch ist. Warum Ihr da seid? Das hat wohl viele Gründe, einer lag sicherlich darin, dass Mama und ich Euch wollten. Was uns zu Beginn nicht klar war. Da gab es Euch noch nicht, erstmal nur uns beide. Und es gab einen Zeitpunkt, da hatten wir uns getrennt, doch Mami hatte gekämpft und mir unter anderem auf einem Blatt Papier den Liedtext von “Since i lost you” (von der Musikgruppe “Genesis”) zukommen lassen. Eine Strophe hatte es mir dabei besonders angetan und so ergab es sich, dass wir auch deswegen wieder zusammen kamen. Ja, das Lied ist Euer Lied, ohne das gäbe es Euch vielleicht nicht. Wer weiß:) Aber es war auf jeden Fall so oder so die beste Entscheidung meines Lebens, Mamas Hand wieder in meine zu legen. Und damit war der Weg für Euch beide vorgezeichnet. Ich liebe Euch!
It seems in a moment, your whole world can shatter
Like morning dreams they just disappear
Like dust in your hand falling to the floor
How can life ever be the same
Cos my heart is broken in pieces
Yes my heart is broken in pieces
Since you’ve been gone
It’s all too easy to take so much for granted
But it’s so hard to find the words to say
Like a castle in the sand the water takes away
How can life ever be the same
Cos my heart is broken in pieces
Yes my heart is broken in pieces
Since I’ve lost you
Ooh now you’ll never see
Ooh now you’ll never know
All the things I planned for you
Things for you and me
I held your hand so tightly
That I couldn’t let it go
Now how can life ever be the same
Cos my heart is broken in pieces
Yes my heart is broken in pieces
Since you’ve been gone

