Entries from December 2009

Mein 2009

30.12.2009 / 17 Kommentare

schreibe ich mehr für mich zur Erinnerung später, aber auch für meine Bekannten und Freunde. Wie war mein 2009?

Im Großen und Ganzen schließt es das ganze Jahrzehnt ab. Privates aber auch Berufliches. Mein Weggang von der Deutschen Bank anno 2002, der Beginn als Blogger, der Umzug aus Frankfurt bis später nach Usingen, die Trennung von meiner Frau vor nun drei Jahren, und vieles mehr.

Gerade dieses Jahr startete turbulent mit dem Verkauf des Blogs. Und endet vergleichbar, wenn man so will. Dazwischen war der Start von Buzzriders, das 2010 nach all den Planungen, Überlegungen, Buzzcamps, Meetings und Gesprächen umgesetzt wird. Nun habe ich nicht den gewöhnlichen Weg gewählt, das Vorhaben unternehmerisch aufzuziehen, sondern habe einen Weg beschritten, der eine völlig neuartige Vorgehensweise erfordert. Niemand sagt Dir, wie man im Rahmen des offenen Mitmachprojekts (“Wikinomics”-Style) etwas richtig und etwas falsch macht. Es gibt weder Lehrbücher noch so gut wie keine Erfahrungen.

Ausgehend von einem weißen Blatt Papier Mitmenschen für eine Idee zu begeistern, die ihre Zeit dafür opfern, Erwartungen zu begegnen, Enttäuschungen zu meistern, alles unter einen Hut zu bringen, ist für mich ein Wagnis gewesen. Eine sehr interessante Konstellation liegt vor: Können und wollen Menschen wirklich ein unternehmerisches Projekt einfach so unterstützen, im vollen Bewusstsein, dass ich als Gründer davon finanziell am meisten profitieren werde, wenn man es rein monetär betrachtet? Gerade in einer Gesellschaft, die extrem ökonomisch geeicht ist und Neid nicht gerade der geringste Faktor ist? Können sie das überhaupt mit tragen und verstehen, dass ich primär den Menschen vor Ort mehr soziale Nähe mit Buzzriders ermöglichen will, wo sich die Nachbarn meilenweit entfernt und fremd sind, sich kaum einer für des anderen Schicksal interessiert? Mich treibt dieser Gedanke an und ich lasse mich davon nicht ein Stück weit abbringen. Ob ich davon nun stinkreich oder stinkearm werde, ist mir völlig egal. Dennoch unterliege auch im dem Zwang, dieses Vorhaben auf vernünftige, ökonomische Beine zu stellen, um eine Dauerhaftigkeit zu sichern. Aber so wird man von außen nicht gesehen und wahrgenommen. Unter dem Strich weiß ich es nicht, wie das ausgehen wird. Können Unternehmen mit Hilfe Freiwilliger gegründet und betrieben werden? Kann man ein Unternehmen in der Vorphase abseits der VCler vorfinanzieren, denen es rein um die schnelle Rendite geht? Werden sich Unternehmen als Sponsoren finden lassen, wird es langfristige und sozialverantwortliche Investoren geben? Wird es sowas überhaupt eines Tages geben, dass die Gesellschaft Unternehmen mehr als nur ökonomische Organisationen betrachtet, die Geld ausspucken?

Dieser neue Weg alleine hat schon viel Kraft und Energie gekostet, am meisten auf menschlicher Ebene, weniger auf der Sachebene. Und wird 2010 noch viel mehr Ausdauer und Fokussierung wie auch Power verzehren.

Im privaten Umfeld hat sich Einiges getan, eine neue Beziehung ist entstanden, umgekehrt gestaltete sich der Umgang mit der Ex nicht gerade leicht. Schmerzvoll wäre der richtigere Ausdruck. Gerade im Interesse der Kinder ist es ungemein schwierig, Privates und Berufliches in Einklang zu bringen. Ich wüsste nicht, was an den inneren Kräften mehr zehrt als der Umgang damit. Und es ist schwierig, sich immer wieder aufs Neue positiv zu stimmen, neue Energien zu tanken, woher man auch immer diese schöpft. Insbesondere in dieser privaten und beruflichen Umbruchphase. Doch als Mensch macht man Fehler, um nicht daran zu zerbrechen, sondern zu lernen.

So werde ich an 2009 als ein Jahr des Umbruchs denken, als Abschluss eines turbulenten Jahrzehnts mit vielen Höhen und Tiefen. Einige Momente haben mich schwach gemacht, voller Zweifel in mir, andere Momente wiederum mehr als nur erfreut. Letztlich aber wird mich stets das eine in mir antreiben, meine Kraft und Talente für andere einzusetzen, statt sich selbst sein Leben auf Kosten des Wegschauens schön zu gestalten. Was zwar als Blogger und als jemand, der teilweise im Netz bekannter ist, gerne als Egotrip betrachtet wird, wenn dein Name häufiger fällt und die Präsenz wieder mal steigt. Aber das Fremdbild deucht mich nicht und wenn das der Preis ist, zahle ich den gerne.

Nun denn, dann auf 2010. Euch einen Guten Rutsch, alle Liebe und Gutes!!!

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Mein Video-Highlight des Jahres 2009

30.12.2009 / 7 Kommentare

ist der berühmte “JK Wedding Entrance Dance”:

Es wurde alleine auf YouTube über 36 Mio Male angeschaut, auf anderen Videoseiten verlinkt und im Fernsehen gezeigt (US News, auch Deutschland und vielen anderen Ländern). Die beiden dürften wohl mit das bekannteste Ehepaar in den USA sein. Und sich soviel Spaß auf einer Hochzeit in der Kirche zu gönnen, hat definitiv etwas.

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Schwarmintelligenz

29.12.2009 / 11 Kommentare

anlässlich des Twitter-Verkaufs meines Accounts “@robgreen” einige persönliche Beobachtungen, die ich berichtenswert finde. Teils aus Schmunzeln heraus, teils aus meiner Art von Humor heraus.

1. “50.000″: Die Beispielsrechnung im Angebotstext wird gerne als Wunschsumme genannt, zu der ich wohl meinen Account verkaufen möchte. Wer demnach Buzz schüren will, muss irgendeine Summe nennen, am besten noch “Beispielsrechnung” in Fettbuchstaben für Um-Die-Ecke-Denker (die glauben dann erst recht, dass sich dahinter die Wunschsumme verbergen müsse:).

2. “PR Gag”: Einige meinen, ich mache das nur aus Gag, möchte gar nicht verkaufen in Wahrheit. Dazu muss man nix eigens tun, man muss nur abwarten, bis der erste das Argument bringt. Schürt auch nochmals Buzz.

3. “Der macht das nur wegen Buzz”: Manche werfen mir vor, ich wolle Buzz machen und die Leute merken das nicht. Wie man sieht, muss man das nicht einmal vorab schreiben, dass ich als Primärziel Buzz genannt habe. Die Leute checken es spätestens ohne Nachlesen:)

4. “Imageschäden”: Da ich ja angeblich “meine Follower” (leider habe ich keine schriftlichen Sklavenverträge ausgemacht, nächstes Mal:) verkaufe, ist das was ganz Schlimmes. Es sind meine Freunde, Familie, Kinder. Die ich alle auffresse:) Während Twitter für 25 Mio USD alle “Follower verkauft hat” (cooler Deal mit Google/Microsoft btw!), ist mein Handeln bedenklich. Vielleicht versteht man etwas besser, warum ich auf dieses ganze Image-Geblubber nicht mal einen Cent wert lege. Für Imagepolituren sind PRler zuständig, Basic für Buzzriders.

Im Großen und Ganzen schmunzel ich über die Sachen, denn erstens wiederholt es sich exakt (-> BT Blog) und zweitens sind wir alle nur carbon structured beings. Heißt? Ich bin nicht perfekt, die anderen auch nicht. Menschen menscheln, alles wie gehabt. Entweder glaubt man an etwas oder nicht. Ich tue es (das darf jetzt nicht evangelisch.de lesen [Insider]:)

Was aber erschreckend ist, und das meine ich nun abseits allen Unernstes oben: Wie einfach es ist, Buzz zu erzeugen. Die Muster sind dermaßen vorausberechenbar. Das kann ich mit Erschrecken feststellen, wenn ich die Parallelen zwischen dem BT Blog Verkauf und jetzt ziehe. Sind wir etwa so berechenbar? Ich persönlich tue nichts Wildes, ich verkaufe einen Twitter-Account, wow. Aber was ist mit denen, die Massen bewusst manipulieren? Ein bisschen Fernsehen hier, ein bisschen Auftritt da und schon ist man Präsident von Russland, obwohl kein Mensch einen vorher kannte. Früher dachte ich stets, Menschen sind schlauer in Gruppen. Brrr….

Night

21.12.2009 / 1 Kommentar

bald ist ja Weihnachten, das Fest der Liebe und der Wärme. Tja, wo viele Neonlichter, da viele Schatten, und der da “oben” scheint die Schatten nicht zu durchschauen. Passend dazu:

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Night

18.12.2009 / 1 Kommentar

lange her, dass ich ein Night-Video gepostet habe. Ich denke, dieses hier dürfte nicht allzu schlecht sein:

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Deutscher Blog-Corpus

15.12.2009 / 13 Kommentare

Mathias Bank hat mich angemailt und gebeten, ihm zu helfen, einen deutschsprachigen Blog-Corpus im Rahmen seiner Doktorarbeit auf die Beine zu stellen. Was das ist und wozu das dient, könnt Ihr der Mail von Mathias entnehmen:

Hallo Robert,
ich schreibe derzeit meine Doktor-Arbeit in Bezug auf Internet-Analysen. Zielsetzung ist die automatische Analyse relevanter Themen auf Community-Seiten, eben auch Blogs und Foren.

Ein wesentlicher Punkt bei solchen Analysen ist es, dass man weiß, welcher Benutzertyp die Artikel schreibt. Hier ist von besonderem das Geschlecht sowie das Alter interessant. Nun gibt es in der Literatur hierzu einige Verfahren, die aber alle auf englischen Datensätzen trainiert und angepasst wurden. Hierzu wird in der Regel der Corpus von Professor Moshe Koppel verwendet. Während den ersten Jahren in meiner Diss hab ich aber vermehrt feststellen müssen, dass für englisch entwickelte Verfahren auf deutschen Texten nicht wirklich funktionieren. Leider ist es aufgrund eines fehlenden Vergleichscorpus nicht möglich, dies zu evaluieren.

Mathias hat mittlerweile ein eigenes Formular zum Erfassen der Blog-Texte auf die Beine gestellt: Deutscher Blog-Corpus. Dort wird auch erklärt, was mit Deinen Blog-Texten passiert (wiss. Weiterverwertung etcpp).

Readability Bookmarklet: Praktisch!

03.12.2009 / 9 Kommentare

da ich seit dem letzten Jahr allmählich weitsichtig geworden bin, nerven Webseiten mit kleinen Schriften. Dafür gibt es eine simple Abhilfe: “STRG +” im Browser oder aber das Bookmarklet “Readability”.

Webseite aufrufen:
etwas zu klein

Bookmarklet anklicken und gut ist:
lesbarer

Dieser Tipp kommt von @ixylon und das Bookmarklet mit verschiedenen Einstellungen findet man hier (verlinke niemals mit “hier”:).
einstellungen

Ideenexplosion: Moderne Zeitung auf einem modernen Tablet

03.12.2009 / 5 Kommentare

Google Latitude weiß, wo Du mal gewohnt hast

03.12.2009 / 14 Kommentare

folgender Fall ist mir passiert, den ich gerne mit Euch enträtseln würde:

Ich war bei Nicole (@enypsilon) zu Hause und schmiss mein HTC Magic an, startete Google Maps und dann rief ich Google Latitude (mit Hilfe dieses Services kann man sehen, wo sich die Buddies aufhalten) innerhalb der Maps-Applikation auf. Ergebnis: Erstaunlicherweise positionierte mich Google in der Straße inkl. Hausnummer, wo Nicole zuvor gewohnt hatte. Also nicht am aktuellen Ort, sondern an ihrem alten Wohnort. Das konnte ich über “Google Standortverlauf” nachvollziehen, den ich vor wenigen Wochen aktiviert hatte. Wichtige Zusatzinfo: Das passierte nicht nur einmalig, sondern im Laufe eines Tages mehrfach. Interessanterweise hatte an diesem Tag der WLAN-Router mehrfach Macken. Mal ging der Router, mal nicht.

Soweit ich informiert bin, benutzt Google zur Positionierung Routerdaten (wenn man WLAN-Empfang am Handy eingeschaltet hat), Funkzellendaten und GPS-Signale. Wer einen ipod Touch besitzt, kennt das sicherlich. Man setzt sich in ein Cafe, macht WLAN an und Google kann das Gerät recht gut verorten, sobald man GMaps anwirft (ipod Touch hat weder GSM noch GPS).

Zurück zur Story:
Meine Annahme ist, dass es an ihrem WLAN-Router liegt. Offensichtlich hat Google dazu alte Daten gespeichert und bezieht daraus die Positionsangaben. Google muss dazu auch GPS-Daten genutzt haben, um zum Router genauere Positionsdaten zu speichern, der bloße Einwahlknoten wäre viel zu ungenau. Sprich, Nicole ist an ihrem alten Wohnort über ihr eigenes WLAN ins Netz, hatte GMaps inkl. exakten GPS-Daten draußen (in der Wohnung gibt es kein GPS-Signal) genutzt und Google hatte daraufhin zu ihrem Router die Positionsdaten zugeordnet. Warum Google allerdings die neuen Positionsdaten des Routers nicht benutzt (Nicole hat sich meines Wissens am neuen Wohnort mehrfach über GPS verortet und ist über ihr WLAN-Netz verbunden gewesen), weiß ich nicht.

Kann das jemand so nachvollziehen, passt diese Annahme? Es muss auch etwas damit zu tun haben, dass der Router an diesem Tag einige Male nicht ging. Ich weiß allerdings nicht, ob mich Google immer dann am alten Wohnort verortet hatte, wenn der Router nicht im Netz war. Wenn dem so wäre, müsste mein Handy Google die Router-Daten via GSM/UMTS senden (WLAN Empfang war ja am Android-Handy an), Google ordnet die Daten intern zu, da der Router nicht mit dem Netz verbunden ist, benutzt Google Alternativdaten (nämlich den alten Wohnort, weil der aktuelle Einwahlknoten nicht abfragbar ist).

Update:
Kritop hat vermutlich die Auflösung, Anbieter wie SkyhookWirelesses fahren durch die Gegend und positionieren Router so gut wie nur möglich per GPS und Schaschlaweng. Die Daten sind natürlich Gold wert. Google wird wohl Daten von diesen Firmen beziehen, nebst eigenen Daten (Google Street View Autos…). Weitere Infos zu SkyhookWireless (via @kritop).

Kritop verweist darauf, dass man die SSID des Routers am neuen Wohnort ändern kann, um dieses Phänomen womöglich zu umgehen. Allerdings glaube ich nicht, dass Google die SSID alleine verwendet, da die nicht unique genug ist.